Wiederholungsklausur

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Transkript:

PN1 - Physik 1 für Chemiker und Biologen Prof. J. Lipfert WS 2016/17 Wiederholungsklausur Wiederholungsklausur Vorname: Nachname: Matrikelnummer: Studiengang: Chemie Biologie Lehramt Sonstiges: Bitte schreiben Sie Ihren Namen auf jede Seite und legen Sie Ihren Lichtbildausweis bereit. Erlaubte Hilfsmittel: Taschenrechner, zwei beidseitig beschriebene DIN A4 Blätter, Wörterbuch Bearbeitungszeit: 120 min Ergebnisse bitte nur auf die Aufgabenblätter (ggf. auch die Rückseiten beschreiben). Viel Erfolg! Aufgabe Erreichte Punkte Mögliche Punkte 1 30 2 20 3 20 4 15 5 15 Σ 100 Einige nützliche Konstanten Gravitationskonstante G = 6,67 10 11 m 3 /(kg s 2 ) Erdmasse M E = 5,97 10 24 kg Erdradius R E 6400 km Dichte von Luft bei Normaldruck und T = 20 C: 1,2 kg/m 3 Dichte von Wasser bei Normaldruck und T = 20 C: 1000 kg/m 3 Normaldruck: 1 atm = 1013 mbar = 1,013 10 5 Pa Avogadro-Konstante: N A = 6,022 10 23 mol 1 Boltzmann-Konstante: k B = 1,381 10 23 J/K Gas-Konstante: R = 8,314 J/(K mol) 1 cal (Kalorie) = 4,1868 J 1

Aufgabe 1 Verständnisfragen (30 Punkte). Geben Sie kurze Antworten (1-2 Sätze, bzw. kurze Rechnung, bzw. einfache Skizze) auf die folgenden Fragen. a) Die folgenden Gleichungen geben die Position x(t) eines Teilchens in drei verschiedenen Situationen an. In welchen Fällen handelt es sich um gleichmässig beschleunigte Bewegung? (1) x(t) = 5t 3 + 3t 2 + 8 (2) x(t) = 2/t 2 4/t (3) x(t) = 5t 2 3 b) Volumenausdehnung. Sie haben bei 20 C im Labor ein 100 ml großes Becherglas randvoll mit Ethanol gefüllt. Jetzt scheint die Sonne und das Labor wärmt sich auf 40 C auf. Wie viel Ethanol läuft über? Der thermische Volumenausdehnungskoeffizient von Ethanol ist β = 1,40 10 3 / C. Sie können Randeffekte und die thermische Ausdehnung des Gefäßes vernachlässigen. c) Strömung im Rohr. Die Skizze unten zeigt ein Rohr, in dem ein inkompressibles und reibungsfreies Fluid von links nach rechts strömt und mit dem drei Steigrohre (1, 2 und 3) verbunden sind. Die gestrichelte Linie markiert die Höhe des Fluides in Steigrohr 1. Zeichnen Sie (schematisch) die Höhe des Fluides in den Steigrohren 2 und 3 ein. 2

d) Interferenz von Wellen. Zwei Wellen gleicher Amplitude und Wellenlänge interferieren in drei verschiedenen Situationen und erzeugen dabei resultierende Wellen, die durch die unten angegebenen Gleichungen beschrieben werden. Geben Sie für jede der resultierenden Wellen (1), (2) und (3) an, ob die beiden ursprünglichen Wellen sich (a) in positive x-richtung, (b) in negative x-richtung, oder (c) in entgegengesetzte Richtungen ausgebreitet haben? (1) y Ges (x, t) = 4 sin(5x 4t) (2) y Ges (x, t) = 4 sin(5x) cos(4t) (3) y Ges (x, t) = 4 sin(5x + 4t) e) Drehmomente. Die Skizze unten zeigt einen Balken mit Längenangaben, der sich um den markierten Punkt frei drehen kann, d.h. die Drehachse steht senkrecht auf der Papierebene und befindet sich bei 20 m. Für die Beträge der eingezeichneten Kräfte gilt F 1 = F 2 = F 3 = 20 N. Ordnen Sie die Kräfte nach dem Betrag des Drehmoments, das sie bezüglich der eingezeichneten Drehachse bewirken, beginnend mit dem größten Wert. f) Hebel. Wir betrachten wieder den Balken aus der letzten Teilaufgabe, auf den die drei Kräfte F 1, F2, und F 3 wirken. Was für eine Kraft muss entlang der gestrichelten Linie (bei 60 m ) wirken (Betrag und Richtung), damit der sich anfänglich in Ruhe befindliche Balken nicht dreht? 3

g) Dr. Stap misst, dass sein Raketenschlitten eine Teststrecke von 30,0 m ± 0,1 m in 0,80 s ± 0,01 s durchfährt. Was ist die mittlere Geschwindigkeit für diesen Abschnitt? Was ist der Messfehler unter der Annahme Gaußscher Fehlerfortpflanzung? h) Der kürzlich entdeckte, Erd-ähnliche Exoplanet Trappist-1e hat eine Masse die halb so groß ist wie die Erdmasse und den gleichen Radius wie die Erde. Was ist die lokale Schwerebeschleunigung g auf der Oberfläche des Exoplaneten Trappist-1e? i) Temperaturskalen. Ein amerikanischer Kollege hat Ihnen ein Laborprotokoll geschickt, in dem ein Substrat auf 400 F aufgeheizt werden soll. Rechnen Sie diese Angabe in C und K um. j) Stichprobenfehler. Sie haben in einer Studie den systolischen Blutdruck einer Reihe von Probanden zu 120 ± 12 mmhg (Mittelwert ± Standardabweichung) bestimmt. Wie viele Probanden benötigen Sie in Ihrer Studie, damit der Stichprobenfehler ( standard error of the mean ) maximal 1 mmhg ist? 4

Aufgabe 2 Bungee-Jump (20 Punkte). Ein 80 kg schwerer Bungee-Jumper springt von der 190 m hohen Europabrücke. Wir wollen im folgenden Reibung und die Masse des Bungee-Seils vernachlässigen. Beim Absprung lässt sich der Bungee-Jumper einfach von der Brücke fallen, so dass seine Anfangsgeschwindigkeit Null ist. a) Das (ungedehnte) Bungee-Seil habe eine Länge von 50 m, so dass der Springer zunächst 50 m frei fällt. Was ist seine Geschwindigkeit, wenn sich das Seil nach genau 50 m zu dehnen beginnt? b) Wie muss die Federkonstante des Seils gewählt werden, damit der Springer genau über der Wasseroberfläche des unter der Brücke fließendes Flusses (190 m unterhalb der Brücke) zum Stillstand kommt? Das gedehnte Seil kann als Hookesche Feder genähert werden. 5

c) Wie groß ist die Beschleunigung, die auf den Springer am tiefsten Punkt des Sprunges wirkt? d) Zeichnen sie eine (qualitative) Skizze der Geschwindigkeit des Springers als Funktion der Zeit, vom Zeitpunkt des Absprungs bei t = 0 oben auf der Brücke bis zum Zeitpunkt, dass er den tiefsten Punkt erreicht. 6

Aufgabe 3 Neutronenstreuung (20 Punkte). Ein Neutron der Masse m N = 1 Da (wobei Da oder Dalton die atomare Masseeinheit ist; 1 Da = 1,66 10 27 kg) mit einer Geschwindigkeit v N = 2,2 km/s stößt zentral und vollständig elastisch mit einem in Ruhe befindlichen Kohlenstoffkern der Masse m C = 12 Da zusammen, siehe Abbildung. Die anfängliche Geschwindigkeit des Neutrons zeigt in die positive x-richtung. a) Was ist die Geschwindigkeit (Betrag und Richtung) des Neutrons nach dem Stoß? b) Was ist die Geschwindigkeit (Betrag und Richtung) des Kohlenstoffkerns nach dem Stoß? 7

c) Was ist die kinetische Energie des Neutrons vor (E kin,n ) und nach (E kin,n ) dem Stoß? d) Was ist die kinetischen Energie des Kohlenstoffkerns (E kin,c ) nach dem Stoß? e) Warum entspricht die kinetischen Energie des Kohlenstoffkerns nach dem Stoß (E kin,c ) genau dem Energieverlust des Neutrons (E kin,n E kin,n )? f) Wie ändern sich der relative Energieverlust (E kin,n E kin,n ) / (E kin,n ), wenn das Neutron statt mit dem Kohlenstoffkern mit einem in Ruhe befindlichen Deuteriumkern (mit Masse m D = 2 Da) zusammenstösst? Es reicht eine qualitative Antwort, ohne ausführliche Rechnung. 8

Aufgabe 4 Harmonisches Kauen (15 Punkte). Ein Forscherteam hat die Kaubewegungen von Landsäugetieren untersucht (Virot et al., Scientific Reports, 2017). Die Abbildung unten zeigt experimentelle Daten zur Öffnung des Maules als Funktion der Zeit für ein Pferd mit Masse M P = 476 kg (oben) und für ein Schaf mit Masse M S = 31 kg (unten). Wir wollen die Kaubewegung als harmonische Schwingung nähern. a) Bestimmen Sie aus den gezeigten Daten die ungefähre Kaufrequenz des Pferdes f P und des Schafes f S. Was ist das Verhältnis f P /f S? b) Was sind die Periodendauern der Kaubewegungen T P und T S? c) Als einfaches Modell für die Kaubewegungen nehmen wir an, dass i) es sich um eine harmonische Schwingung des Kiefers handelt, ii) dass die Masse des Kiefers einem festen Anteil p der Gesamtmasse des Tieres entspricht (M Kiefer = p M Tier ) und iii) dass die Kaumuskulatur eine lineare Rückstellkraft mit einer Federkonstante K ausübt, wobei p und K für alle Tiere gleich sind. Was ist die Vorhersage des Models für das Verhältnis f P /f S? d) Beschreibt das Modell die experimentellen Daten? Wie könnte man das Modell verbessern? 9

Aufgabe 5 Fluiddynamik im Krankenhaus (15 Punkte). Ein Patient benötigt dringend eine Bluttransfusion. Das Blut soll aus einem Infusionsbeutel über einen Schlauch und durch eine dünne Kanüle (Nadel) fließen, die in die Vene eingeführt ist (siehe Abbildung). Die Kanüle sei 4,0 cm lang und habe einen kreisförmigen Innendurchmesser von 0,4 mm. Dem Patienten sollen 4,0 cm 3 Blut pro Minute zugeführt werden. Die dynamische Viskosität von Blut beträgt η B = 4,0 10 3 Pa s; die Dichte ρ B = 1,05 10 3 kg/m 3. Der Fluss durch die Kanüle kann durch das Gesetz von Hagen-Poiseuille beschrieben werden und die Reibung des Fluides im Schlauch kann vernachlässigt werden. a) Welche Druckdifferenz muss zwischen Anfang und Ende der Kanüle liegen, um die benötigte Flussrate zu erreichen? b) In welcher Höhe h über dem Niveau der Kanüle muss der Infusionsbeutel aufgehängt werden, um die benötigte Flussrate zu erreichen? Der Infusionsbeutel ist oben offen und der Blutdruck in der Vene beträgt 2400 Pa über Atmosphärendruck. 10