Digitale Archive Universität zu Köln Historisch- Kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung WS 2010/ 11 Dozent: Simone Görl M. A. AM1 Übung: Strukturen der wissenschaftlichen Informationsverarbeitung" Referent: André Streicher
Was ist ein Archiv? Bibliothek - Erschließung und Sammlung von allgemeinem literarischen Schriftguts unabhängig vom Medium - Bereitstellung für die Öffentlichkeit Archiv - Sammlung und Bewertung von Unterlagen und Kulturgütern verschiedensten Ursprungs - Dauerhafte Aufbewahrung und Erhaltung der Informationen Keine stringente Trennung zwischen den Institutionen 2 von 16
Das Archiv als Institution Unterstellung einer spezifischen Trägerschaft - Bund (Staatsarchiv) - Länder (Landesarchiv) - Kreise, Städte und Kommunen (Stadtarchiv) - Hochschulen (Universitätsarchiv Köln) - Kirchen (Vatikanisches Geheimarchiv) - Wirtschaftsunternehmen (Bayer Unternehmensarchiv) - Krankenhäuser (Patientenarchive) - etc. Primäre Sicherung der Informationen der Trägerorganisation 3 von 16
Staatliche Institution Bindung an Archivgesetzgebung - variabel auf Bund- und Länderebene Beispiel Bundesarchivgesetz: 1 Das Archivgut des Bundes ist durch das Bundesarchiv auf Dauer zu sichern, nutzbar zu machen und wissenschaftlich zu verwerten. ( ) 5 (1) Das Recht, Archivgut des Bundes aus einer mehr als 30 Jahre zurückliegenden Zeit zu nutzen, steht jedermann auf Antrag zu, soweit durch Rechtsvorschrift nichts anderes bestimmt ist. ( ) 4 von 16
Privatdienstliche Archive Bsp.: Handels- und steuerrechtliche Vorgaben - Sechs Jahre: empfangene Handelsbriefe, Wiedergaben (Kopien, Durchschriften) abgesendete Handelsbriefe, Geschäftspapiere - Zehn Jahre: Jahresabschlüsse, Inventare, Handelsbücher, Rechnungen, Urkunden, Hypotheken - Dauerwert: Gerichtsurteile und Baupläne => Archive als notwendige Betriebsinstitutionen 5 von 16
Digitale Archive Definitionen: Digitale Archivierung: datenbankgestützte, langzeitige, sichere und unveränderbare Aufbewahrung von elektronischen Informationsobjekten Digitale Langzeitarchivierung: Aufbewahrung elektronischer Informationen für mehr als 10 Jahre Revisionssichere digitale Archivierung: Aufbewahrung elektronischer Informationen entsprechend der gesetzlichen Anforderungen 6 von 16
Digitale Archive Differenzierung Data Archives Digital Repository verwaltetes Verzeichnis zur Speicherung und Beschreibung von digitalen Objekten digitale Objekte ausschließlich als wissenschaftliche Daten und Methoden digitale Objekte als Daten verschiedenster Ursprünge (auch außerhalb des wissenschaftlichen Kontextes) Verknüpfung der digitalen Objekte in verteilten Systemen Interdisziplinäre und ortsunabhängige Forschung Verteilte Datennetzwerke im Kontext des Semantic Web 7 von 16
Digitale Archive Digitales Archivgut: Datei- und Medienformate aller Art: Textdokumente -> Hauptsächlich generiert durch Word Processing -> born digital documents Bild-/ Photo-/ Scandaten Audioformate Videoclips/ Filme Programme/ Anwendungen 3D/ 2D CAD (Computer Aided Design) files Webseiten usw 8 von 16
Digitale Archive Veränderte Tätigkeit des Archivars: früher: Tätigkeit mit den Informationsmedien beginnt nach dem aktiven Lebenszyklus heute: Tätigkeit beginnt schon beim Beginn des Lebenszyklus von elektronischen Daten -> Vielfach born digital documents -> Mitkonzeption der IT- Systeme -> Bei Übernahme der Informationen nach aktiven Zyklus kann die Langzeitarchivierung nicht mehr garantiert werden 9 von 16
Digitale Archive Primäre Anforderungen: Sichere und konsistente Speicherung -> Langzeitarchivierungsmechanismen -> Formatunabhängigkeit bzw. anpassung -> Sicherung der Trägermedien/- systeme Nutzbarkeit bzw. Widerverwendbarkeit -> Präsentation der Informationen -> Intuitive Suche und Katalogisierung -> Vollständige Verfügbarkeit allgemeine Verfügbarkeit Effizienzsteigerung -> Direkte Verknüpfung von Produktion und Archivierung -> Automatisierung -> Allgemeine Standardisierung 10 von 16
Langzeitarchivierung Digitalisierung als Problemlösung? => Verteilte Netzwerksysteme als momentaner Lösungsansatz 11 von 16
Langzeitarchivierung Standardisierung -> Persistent Identifier -> Metadaten -> Dateiformate -> Zertifikatsicherung -> allgemeine Referenzmodelle als Entwurfmuster -> Records Management (betrieblicher Kontext) Interessen- und Forschungsgruppen -> nestor (deutsches Kompetenznetzwerk zur digitalen Langzeitarchivierung) -> Planets Project -> digitiales Archiv NRW 12 von 16
Digitale Archive Software: Integration der Archivfunktionalitäten in digitalen Bibliothekssystemen: -> Fedora Repository -> OPUS -> DSpace -> MyCoRe -> Greenstone => auch digital keine klare Trennung zwischen Institutionen und Aufgabenbereichen 13 von 16
Diskussion Ist die digitale Langzeitarchivierung als wirklicher Fortschritt zu bezeichnen? Vor- und Nachteile? Abhängigkeiten? Wie ist die Durchsetzungsfähigkeit von digitalen Archiven zu bewerten? Staatliche Institutionen/ Hochschulen? Wirtschaftsunternehmen Aktenkeller oder Dokumentenserver? 14 von 16
Fragen??? Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!!! 15 von 16
Quellen Bundesarchiv: Bundesarchivgesetz. URL: http://www.bundesarchiv.de/bundesarchiv/rechtsgrundlagen/bundesarchivges etz/index.html.de (04.01.2011). Dapprich, Gerd: Gefahren digitaler Langzeitarchivierung: Technik veraltet, Daten verschwinden. URL: http://idw-online.de/pages/de/news184662 (04.01.2011). Funk, Stefan: Digitale Objekte. In: Nestor Handbuch: Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung. Göttingen 2009, URL: http://nestor.sub.unigoettingen.de/handbuch/ (04.01.2011). Luckhardt, Heinz- Dirk : Virtuelles Handbuch Informationswissenschaft. 10. Information und Dokumentation. URL: http://is.unisb.de/studium/handbuch/kap10.html (04.01.2010). Welte, Randolph: Funktionale Langzeitarchivierung digitaler Objekte. Entwicklung eines Demonstrators zur Internetnutzung emulierter Ablaufumgebungen. Freiburg 2008. 16 von 16