Psychiatrische Erkrankungen im Alter - Vaskuläre Demenzen. Brennpunkt Demenz 06. November 2010

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1 Psychiatrische Erkrankungen im Alter - Vaskuläre Demenzen Brennpunkt Demenz 06. November 2010

2 - Demenzen allgemein Demenzen 1,2 Mio. Demenzkranke, davon hptsl. Alzheimer-Kranke, vaskuläre Demenzen und Mischformen bd. Neuerkrankungen jährlich 2050 ca. 2,3 Mio. an Demenz erkrankte Menschen mit zunehmenden Alter zunehmende Häufigkeit hohe Belastung für das Gesundheitswesen Kosten für die Behandlung und Pflege Demenzkranker: ca. 15 Mrd. / Jahr Frühe Diagnose und Therapie ermöglicht 2,5 Mrd. /Jahr Einsparung im Jahr 2010

3 Gedächtnisverarbeitung vergessen visupatile Wiederholungsschleife Wahrnehmungssysteme Kurzzeitgedächtnis Arbeitsgedächtnis vergessen artikulatorische Wiederholungsschleife bewusster Abruf Langfristige Ablage Langzeitgedächtnis episodisches Wissens- prozedurales Priming Gedächtnis System Gedächtnis Explizite Antwortsysteme Implizite Antwortsysteme

4 Kognitive Funktionen und Gedächtnis Räumliche Wahrnehmung Orientierung Vorstellung Arbeitsgedächtnis Meinungsbildung Kritik- und Urteilsvermögen Wahrnehmung Helligkeit Größe Kontrast Form Bewegung Entscheidung Emotionale Bewertung Objekterkennung Sprachproduktion Lernen Benennen Erinnern Sprachverständnis

5 - Demenzen allgemein Grauzone zwischen Demenz und normalem kognitiven Altern diagnostische Grauzone Normales Altern altersassozierte Gedächtnisstörung? leichte Demenz? Demenz Kognitive Beeinträchtigung

6 - Demenzen allgemein Definition einer Demenz nach ICD-10 Störung des Gedächtnisses Beeinträchtigung in mind. einem weiteren neuropsychologischen Teilbereich (Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache, Urteilsfähigkeit) alltagsrelevante Einschränkungen der Lebensführung Mindestens 6 Monate Dauer der Symptomatik Keine Bewußtseinsstörung Schweregrad: leicht, mittelschwer, schwer

7 - Demenzen allgemein Diagnostik Eigen- und Fremdanamnese Psychiatrische Untersuchung inklusive Testung (mind. MMST, DemTec, TFDD, Moca-Test) Neurologische Untersuchung Internistische Untersuchung (EKG) Neurophysiologische Untersuchung (EEG) Labor Neuroradiologie (CCT, MRT des Schädel)

8 - Demenzen allgemein Demenz-Syndrom Primäre Demenz (50%) Sekundäre Demenz (20%) Internist. Erkrankungen Med. NW Nahrungs- / Flüssigkeitszufuhr Psychische Erkrankungen (30%) MCI Delir Depression Schizophrene Psychosen Sucht (C2, Benzos) PST Gedächtnis (80%) DAT VD Mischformen Verhalten (10%) Frontotemporale Primär progr. Aphasie Semantische Aphasie Motorik (10%) Parkinson-Demenz Lewy-Body D. NDH Seltene Demenzen Chorea Huntington CJD, HIV Intrakranielle Tumore MS Hypoxischer Hirnschaden SHT

9 - Vaskuläre Demenzen Vaskuläre Demenzen Epidemiologie Prävalenz 10-35% ½ -1 Jahr nach ischämischen Ereignis Ca % vaskuläre Demenzen zweithäufigste Demenzform in Nordamerika und Europa Ca. 20 -? % Mischung aus Alzheimer und Vaskulärer Demenz Männer > Frauen Dritthäufigste Todesursache in entwickelten Ländern, Lebenserwartung durch vaskuläre Komplikationsrate geringer

10 - Vaskuläre Demenzen Vaskuläre Demenzen Klinisches Erscheinungsbild und Verlauf - NINDS-AIREN- Kriterien: Demenz (Gedächtnisstörung, Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit, der Konzentration, exekutiver Funktionen, der zeitabhängigen Leistungen) Neurologische Herdzeichen oder Symptome (z.b. Paresen) bildgebender Nachweis Auftreten 3 Monaten nach Schlaganfallereignis plötzlicher Beginn, schrittweise Verschlechterung, fluktuierender Verlauf

11 - Vaskuläre Demenzen Vaskuläre kognitive Störungen (VCI) Umfasst Erkrankungsstadien einer manifesten VaD und auch frühe Stadien ohne Demenz (VCIND) NINDS und CNS u.a. Empfehlung zum diagnostischen Vorgehen Ziel: früher Erkrankungsstadien erfassen und Therapie zuführen Bei Alzheimer Demenz: MCI

12 - Vaskuläre Demenzen Vaskuläre Demenz Heterogene Gruppe Sporadische zerebrovaskuläre Erkrankungen Territorialinfarkte Multiple embolische Infarkte Strategische Infarkte Zerebrale Mikroangiopathie Zerebrale Blutungen Hämodynamische Infarkte Zerebrale Angiopathie Genetische Erkrankungen CADASIL CARASIL MELAS Hereditäre Formen der zerebralen Angiopathie M. Fabry

13 - Vaskuläre Demenzen Einteilung der vaskulären Demenz nach ICD-10 Vaskuläre Demenz F01 Vaskuläre Demenz mit akutem Beginn F01.0 Multiinfarkt-Demenz F01.1 Subkortikale vaskuläre Demenz F01.2 Gemischte (kortikale und subkortikale) Demenz F01.3 Sonstige vaskuläre Demenz F01.8 Nicht näher bezeichnete vaskuläre Demenz F01.9

14 - Vaskuläre Demenzen Vaskuläre Demenzen Diagnostik Anamnese (Demenzsyndrom, vaskuläre Risikofaktoren) Neurologische Untersuchung (Herdbefund) Bildgebung (Infarkt etc.) Labor (Risikofaktoren) Testverfahren: VADas-cog, Trail-Making-Tes, MoCA-Test Gefäßdiagnostik (Doppler, Duplex, Herzecho, LZ-EKG) Molekulärgenetische Untersuchung (CADASIL)

15 - Vaskuläre Demenzen Vaskuläre Demenzen Risikofaktoren Hypertonie Diab. mell. Herzerkrankungen, u.a. Herzrhythmusstörungen Hyperlipidämie Rauchen Rezidivschlaganfall

16 - Vaskuläre Demenzen Montreal Cognitive Assessment (MoCA) Er bewertet unterschiedliche kognitive Bereiche: Aufmerksamkeit und Konzentration, exekutive Funktionen, Gedächtnis, Sprache, visokonstruktive Fähigkeiten, konzeptionelles Denken, Berechnungen und Orientierung. Zeit zur Verwaltung der MoCA ist etwa 10 Minuten. Der gesamte mögliche Punktzahl beträgt 30 Punkte, ein Score von 26 oder höher ist als normal.

17 MoCA-Test

18 - Vaskuläre Demenzen SAE (MRT, Flair)

19 - Vaskuläre Demenzen Subkortikale ischämische vaskuläre Demenz (SIVD) Häufigste Form der VaD Relativ homogene Form Störung der Exekutivfunktionen und Verarbeitungsgeschwindigkeit Bspl. CADASIL Migräne mit Aura, rez. Ischämische Schlaganfälle oder kognitive Störung oder Demenz Junges Manifestationsalter Fehlen vaskuläre RF Positive Familienanamnese Bildgebung: Leukenzephalopathie und lakunäre Läsionen

20 - Demenzen allgemein Ziele der Demenz-Therapie bei leichter Demenz Verbesserung und/oder Stabilisierung der kognitiven Leistungsfähigkeit Erhalt bzw. Wiederherstellen der Selbstständigkeit Erhalt der Alltagskompetenzen bei fortgeschrittener Demenz Kognitive und körperliche Aktivierung Vermeidung von Pflegebedürftigkeit Pflegeerleichterung

21 - Demenzen allgemein Medikamentöse Therapie Medikamente mit Einfluß auf die Neurotransmission Medikamente mit Einfluß auf die Neurotransmission Cholinesterasehemmer (Abbau des Acetylcholin wird unterbrochen) Donepezil (Aricept ) zugelassen für leichte Rivastigmin (Exelon ) mittelschwere Demenz Galantamin (Reminyl ) bei DAT Nachweis der Wirksamkeit bei schwerer DAT, bei VD, bei DLB Memantine (Axura, Ebixa ) Zugelassen bei mittelschwerer bis schwerer Demenz bei DAT Hinweise für Wirksamkeit bei VA Wirkung: Symptomprogedienz soll verhindert bzw. verlangsamt, Pflege erleichtert werden

22 - Demenzen allgemein

23 - Demenzen allgemein Medikamentöse Therapie nicht-kognitiver Symptome Neuroleptika Atypika Risperidon (Risperdal ) Quetiapin (Seroquel ) Olanzapin (Zyprexa ) Ziprasidon (Zeldox ) Indikation bei paranoidem Erleben. Halluzinationen, Aggressivität Hochpotente Neuroleptika Haloperidol (Haldol ) Niederpotente Neuroleptika Pipamperon (Dipiperon ) Melperon (Eunerpan ) Indikation bei Störung des Tag-Nacht-Rhythmus, Wandertrieb

24 - Demenzen allgemein Medikamentöse Therapie nicht-kognitiver Symptome Antidepressiva SSRI (Sertralin (Zoloft )) SNRI (Reboxetin (Edronax )) Mirtazapin (Remergil ) SSNRI (Venlafaxin (Trevilor ), Duloxetin (Cymbalta )) Indikation bei depressiven Symptomen, Apathie und Rückzug Indikation bei Schlafstörungen (Mirtazapin (Remergil ))

25 - Demenzen allgemein Nicht-medikamentöse Therapie Information, Motivation und Psychoedukation des Pat. und der Angehörigen (Umgang, Kommunikation etc.) Gedächtnistraining, z.b. cog pack, Erinnerungstherapie Ergotherapie Musiktherapie Physiotherapie, fit für 100 Psychotherapie

26 - Demenzen allgemein Nicht-medikamtentöse Therapie Rituale, einfache Regeln kurze, einfache Sätze Nicht diskutieren, ablenken anregende Tagesstrukturierung (keine Überforderung) Einbinden in Alltagsgeschehen ausreichende körperliche Bewegung Schlafhygiene, nicht zu viele Liegezeiten über Tag

27 - Demenzen allgemein Entlastung für pflegende Angehörige Ambulanter Pflegedienst Tagespflege Ehrenamtliche Betreuer Selbsthilfegruppen etc.

28 Behandlungsformen und Behandlungsorte

29 - Behandlungsorte Behandlungsorte Hausärzte Niedergelassene Fachärzte Tagesklinik Vollstationär in psychiatr. Fachabteilung oder Krankenhaus Gerontopsychiatrische Zentren (Institutsambulanz, Tagesklinik, Fachberatung, Tagespflege) GPZ

30 - Behandlungsorte Bausteine eines GPZ Fachberatung Institutsambulanz Tagesklinik Tagespflege Ziel eines GPZ ist es, eine individuelle Beratung, Diagnostik, Therapie und Hilfsangebote für einen älteren psychisch erkrankten Menschen zu erarbeiten und bereit zu stellen.

31 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Ira Reupke Fachärztin für Neurologie Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Ärztliche Koordinatorin des GPZ Rodenkirchen Oberärztin Alexianer-Krankenhaus Köln GmbH Tel.: Mail:

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