Zum Wandel der Finanzdienstleistungsmärkte. Dargestellt anhand ausgewählter Bankinstrumente und Finanzdienstleistungsinnovationen Schlüsselwörter

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1 Wilhelm Schmeisser, Jörg André Geißler, Kerstin Schütz (Hrsg.): Zum Wandel der Finanzdienstleistungsmärkte. Dargestellt anhand ausgewählter Bankinstrumente und Finanzdienstleistungsinnovationen Finanzwirtschaft Finanzdienstleistungen Empirische Wirtschaftsforschung, hrsg. von Wilhelm Schmeisser Horst Zündorf Peter Eckstein Dieter Krimphove, Band 9 ISBN , Rainer Hampp Verlag, München u. Mering 2008, 261 S., Finanzdienstleistungsmärkte durchlaufen schon seit Jahrzehnten einen unauffälligen Wandel. Doch wird erst seit den letzten Jahren der Wandel im Bankenund Versicherungsgeschäft immer stärker durch Non- und Near-Banks geprägt sowie durch das Rating/Basel II bestimmt. Diesen Wandel zu beschreiben, zu analysieren und mit Hilfe von ausgewählten Instrumenten zu gestalten, ist Ziel des Buches. Es gibt einen ersten Überblick über den Markt der Finanzdienstleistungen und deren innovativen Wandel. Schlüsselwörter: Bankensystem, innovative Finanzdienstleistungen, Non-Banks, Near-Banks, Versicherungswirtschaft, Portfolio-Optimierung mittels Asset Allocation-Strategien, Verfahren zur Steuerung von Adressausfallrisiken im Kreditmanagement Professor Dr. habil. Wilhelm Schmeisser, Professor an der FHTW Berlin für Betriebswirtschaft und an der Universität Duisburg tätig. Direktor des Kompetenzzentrums Internationale Innovations- und Mittelstandsforschung, Berlin. Direktor der Forschungsstelle Europäisches Personalmanagement und Arbeitsrecht (EPAR) an der Universität Paderborn. Dipl.-Kfm. (FH), Jörg André Geißler, ist freier wissenschaftlicher Mitarbeiter mit den Forschungsschwerpunkten: Bankbetriebslehre sowie Finanzierung und Investition. Dipl.-Kffr. (FH) Kerstin Schütz ist Forschungsassistentin und freie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum Internationale Innovations- und Mittelstandsforschung an der FHTW Berlin.

2 Finanzwirtschaft Finanzdienstleistungen Empirische Wirtschaftsforschung herausgegeben von WILHELM SCHMEISSER HORST ZÜNDORF PETER ECKSTEIN DIETER KRIMPHOVE Band 9

3 Wilhelm Schmeisser, Jörg André Geißler, Kerstin Schütz (Hrsg.) Zum Wandel der Finanzdienstleistungsmärkte Dargestellt anhand ausgewählter Bankinstrumente und Finanzdienstleistungsinnovationen Rainer Hampp Verlag München und Mering 2008

4 Diese Publikation wurde gefördert durch den Europäischen Sozialfonds und der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen des Landes Berlin. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über abrufbar. ISBN Finanzwirtschaft, Finanzdienstleistungen, empirische Wirtschaftsforschung: ISSN DOI / Auflage, Rainer Hampp Verlag München und Mering Meringerzeller Str. 10 D Mering Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Mikroverfilmungen, Übersetzungen und die Einspeicherung in elektronische Systeme. Dieses Buch ist auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt. Liebe Leserinnen und Leser! Wir wollen Ihnen ein gutes Buch liefern. Wenn Sie aus irgendwelchen Gründen nicht zufrieden sind, wenden Sie sich bitte an uns.

5 Vorwort der Herausgeber In der Schriftenreihe Finanzwirtschaft, Finanzdienstleistungen und Empirische Wirtschaftsforschung erscheinen Beiträge und Arbeiten, die im Wesentlichen aus eigenen Forschungsprojekten oder einer Auftragsforschung entstanden sind. Dies gilt für Qualifizierungsarbeiten aus dem Hochschulbereich, für die betriebswirtschaftlichen Forschungsergebnisse von Kompetenzzentren bzw. (An-) Instituten sowie für Ergebnisse aus internationalen Kooperationsprojekten. Eine finanzorientierte und/oder empirische Sichtweise, wie sie von Unternehmen, der Kreditwirtschaft, von Versicherungen und anderen finanznahen Dienstleistungsunternehmen bevorzugt wird, soll das charakteristische Merkmal der Reihe sein. Anhand praktischer Problemstellungen der Betriebswirtschaftslehre werden mathematisch-statische Verfahren verstärkt angewandt. Die einzelnen Bände der Reihe folgen dabei bewusst keiner funktionalen, institutionellen oder paradigmen-orientierten Sichtweise der Betriebswirtschaftslehre. Die Schriftenreihe gibt aber auch interdisziplinären Grenzthemen eine philosophische, wissenschaftstheoretische und theoretische Plattform, insofern damit zukunftsweisende, betriebswirtschaftliche Problemstellungen angesprochen werden, die neue, weitergehende wissenschaftliche Fragen in der betriebswirtschaftlichen Forschung aufwerfen. Die Schriftenreihe wendet sich an Fachhochschulen und Universitäten, an die Kreditwirtschaft, die Versicherungswirtschaft, an Unternehmen und an alle fachinteressierte Studenten/Studentinnen sowie Manager/innen in Industrie, Verwaltung und Politik. Finanzdienstleistungsmärkte durchlaufen schon seit Jahrzehnten einen unauffälligen Wandel. Doch wird erst seit den letzten Jahren der Wandel im Bankenund Versicherungsgeschäft immer stärker durch Non- und Near-Banks geprägt sowie durch das Rating/Basel II bestimmt. Diesen Wandel zu beschreiben, zu analysieren und mit Hilfe von ausgewählten Instrumenten zu gestalten, ist Ziel des Buches. Es gibt einen ersten Überblick über den Markt der Finanzdienstleistungen und deren innovativen Wandel. Berlin, Hamburg, Nürnberg, Paderborn Die Herausgeber

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7 Inhaltsverzeichnis I Das Bankensystem in Deutschland als integraler Bestandteil des Finanzdienstleistungsmarktes Terminologische Grundlagen Finanzdienstleistungen Banken-Begriffliche Abgrenzung Geschichte des Bankwesens: Ein kurzer Abriss Bankensysteme - international Bankensystem in Deutschland Bankenstruktur Private Geschäftsbanken Öffentlich-rechtliche Kreditinstitute Genossenschaftsbanken Bundesbank Rechtliche Grundlagen und Rahmenbedingungen Bankenaufsicht Geschäftsfelder der Banken Einlagengeschäft Kreditgeschäft Kreditarten Zahlungsverkehr Corporate-Finance (Firmenkundengeschäft) Mergers & Acquisitions Emissionsgeschäft Asset-Backed-Securities... 15

8 II Inhaltsverzeichnis 5 Macht der Banken Literaturverzeichnis II Portfolio Optimierung mittels Dynamischer Asset Allocation Strategien Grundlagen und Modelle zum Portfoliomanagement Terminologische Grundlagen Portfoliomanagement als Prozess Planung Analyse der Anleger (Zielgruppe) Finanzanalyse Vermögensverwaltungsanalyse Realisierung Portfoliobildung Portfoliorevision Kontrolle durch Performanceanalyse Fazit Ausgewählte theoretische Ansätze zum Portfoliomanagement Überblick Portfolio Selection Model nach MARKOWITZ und TOBIN Modellprämissen Probleme in der praktischen Umsetzung Capital-Asset-Pricing-Model nach SHARPE Modellprämissen Kritik und Bedeutung des CAPM für die Praxis Behavioral Finance Modelldenken vs. Realität Prospect Theory nach KAHNEMAN und TVERSKY... 45

9 III 2 Asset Allocation Definitionen Asset Allocation-Prozess: drei Begriffsverständnisse Strukturierung der Asset Allocation Gliederung der Asset Allocation nach Wirkungsgrad Gliederung der Asset Allocation nach Methodik Zur Problematik der Bildung von Assetklassen Strategische Asset Allocation: drei Fragestellungen Präferenzen der Investoren - Erstellung des Anlegerprofils Potentielle Märkte - Erstellung des Marktprofils Benchmarkfindung im Rahmen der SAA Systematik der Konstruktion von Benchmarks Problembereiche bei der Anwendung von Benchmarks Asset Allocation Strategien im Überblick Aktiv vs. Passiv (Rendite-) Prognosebasierte Strategien Taktische Asset Allocation Market Timing (Rendite-) Prognosefreie Strategien Asymmetrische Renditeverteilung Optionsstrategien Replikationsstrategien Constant Proportion Portfolio Strategien Best Return -Strategien Symmetrische Renditeverteilung Index-Tracking Minimum-Varianz-Portfolio Aktiv vs. Dynamisch... 67

10 IV Inhaltsverzeichnis 3 Portfolio Optimierung mittels Dynamischer Asset Allocation Strategien im Privatkundenbereich Zur Problematik der Bildung von Zielgruppen Präferenzen der Kundengruppe Privatkunden Rentabilitätsziel: Maximierung der Erträge Sicherheitsziel: Minimierung des Downside Risk Liquiditätsziel: Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit Besteuerung von Wertpapieranlagen Ausgewählte Dynamische Asset Allocation Strategien im Vergleich Vorstellung der Strategien Elementare Umschichtungsregeln Constant Mix Lineare Investmentregel Portfolio Insurance Dynamic Stop-Loss CPPI TIPP Best Return-Ansatz am Beispiel der Best of Two -Strategie Vergleich dieser Strategien anhand von drei Kriterien Kriterium Kapitalerhaltng Kriterium Mindestverzinsung Kriterium Renditemaximierung Fazit Ausblick und Empfehlungen für die Praxis Symbolverzeichnis Literaturverzeichnis

11 V III Zur Versicherungswirtschaft als integralen Bestandteil des deutschen Finanzdienstleistungsmarktes Versicherung - eine terminologische Bestimmung Versicherung und Risikomanagement Historischer Abriss zur Entwicklung der Versicherungsfunktionen Klassifikation von Versicherungsarten Personen- und Nichtpersonenversicherungen Schadens- und Summenversicherungen Aktiven- und Passivenversicherungen Versicherungsunternehmen Terminologische Abgrenzung Staatliche Kontrolle Organisation Statistische Angaben Exkurs: Versicherungsvermittler Versicherungsvertrag Versicherungsvertragsarten Exkurs: Wesentliche Geschäftsversicherungen Betriebs- und Berufshaftpflichtversicherung Gruppenkrankenversicherung Betriebsunterbrechungsversicherung

12 VI Inhaltsverzeichnis 8 Finanzierungsleistungen: mittel- und langfristige Kreditfinanzierungen durch Versicherungen Schuldscheindarlehen an gewerbliche Unternehmen Darlehen an private Haushalte Vermögensanlage bei Versicherungen: am Beispiel von Lebensversicherungsverträgen Formen von Lebensversicherungen Leistungsvoraussetzungen Versicherungsleistungen Kapitallebensversicherungen Rentenversicherungen Beitragszahlungen Zeitliche Verteilung Höhe der Prämie Überschussbeteiligung Laufende Weiterleitung Erhöhung späterer Versicherungsleistungen Abkürzung der Laufzeit Staatliche Aufsicht über Private Versicherungsunternehmen Versicherungsgesellschaften mit Sitz in Deutschland Ausländische Versicherungsgesellschaften aus der Europäischen Union und dem Europäischen Wirtschaftsraum mit Niederlassung in Deutschland Ausländische Versicherungsgesellschaften außerhalb der Europäischen Union/außerhalb dem Europäischen Wirtschaftsraum Ziele und Aufgaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Literaturverzeichnis

13 VII IV Zum Wandel der Finanzdienstleistungsbranche durch innovative Dienstleistungen von Non- und Nearbanks Zum Bankenmarkt in Deutschland Bankgeschäfte durch traditionelle Banken Bankgeschäfte durch Non- und Nearbanks Kerngeschäfte im Wandel Möglichkeiten des kooperativen Markteintritts mit Kreditinstituten für Non- und Nearbanks Verteidigung der Marktanteile durch die Banken Auswirkungen der Non- und Nearbanks auf den Wandel im Bankenmarkt in Deutschland Auswirkungen auf ausländische und europäische Bankenmärkte Ausblick Literaturverzeichnis V Ausgewählte Verfahren für die Messung und Steuerung von Adressenausfallrisiken im Kreditrisikomanagement Einführung Grundsätzliches Strukturwandel im Kreditgeschäft und die Notwendigkeit der Steuerung von Adressenausfallrisiken im Bankensektor Kreditgeschäfte bei Banken Bankbetriebliche Risiken und (Kredit-)Risikomanagement Terminologische Grundlagen zum Risiko Systematisierung bankbetrieblicher Risiken

14 VIII Inhaltsverzeichnis Adressenausfallrisiken Einzelgeschäftsbezogene Kreditrisiken Kreditportfoliorisiken Ursachen von Risiko (Kredit-)Risikomanagement im Bankbereich Risikoidentifikation Risikosteuerung Risikokontrolle Rechtliche Rahmenbedingungen auf das Risikomanagement Basel II und die Solvabilitätsverordnung Einfluss für das Kreditrisikomanagement Basel II Standardansatz IRB Basisansatz und fortgeschrittene IRB Ansatz Solvabilitätsverordnung Verpflichtung zur Errichtung eines Risikomanagements nach 25a KWG Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) Management von Kreditportfoliorisiken Kreditrisikomanagement in Banken Notwendigkeit Ziele Aufgabenbereiche Risikomessung im Kreditgeschäft Erwartete Verluste Unerwartete Verluste Berechnung der unerwarteten Verluste mit Hilfe ausgewählter Risikomaße Value at Risk Credit Value at Risk

15 IX Alternative Ansätze Lower Partial Moments Expected Shortfall Vergleich der beschriebenen Modelle Praktischer Einsatz von Kreditrisikomodellen zur Kreditrisikomessung Überblick Ausfallratenmodelle CreditRisk+ TM CreditPortfolioView TM Firmenwertmodelle CreditMetrics TM CreditPortfolioManager TM Zusammenfassender Vergleich und Eignung der Modelle Schlussbetrachtung Risikoadjustierte Performancemessung RoRAC RARoC RARoRAC Steuerung der Kreditrisiken zur Optimierung des Risk-/ Return Profils Systematisierung der Ansätze zur Risikobegrenzung Ursachenbezogene Risikopolitik Wirkungsbezogene Risikopolitik Konventionelle Steuerungsansätze Risikoteilung Risikoabgeltung Bepreisung der erwarteten Verluste Bepreisung der unerwarteten Verluste

16 X Inhaltsverzeichnis Risikolimitierung Limitsystematik Zielsetzung der Adressrisikolimitierung Risikostreuung Innovative Steuerungsinstrumente Anforderungen an moderne Kreditrisikotransferinstrumente Risikotransformation durch Sekundärmärkte für Kreditrisiken Verbriefung von Kreditforderungen Kreditderivate Systematisierung von Kreditderivaten Credit default Produkte Credit default swaps Credit default notes Basket credit swaps Credit spread Produkte Credit spread forwards Credit spread options Credit linked notes Total return swaps Konzeption von total return swaps Gestaltungsvarianten von total return swaps Einsatzgebiet von Kreditderivaten Schlussbetrachtung Ausblick Anhang Literaturverzeichnis

17 Autorenverzeichnis Professor Dr. habil. Wilhelm Schmeisser, Professor an der FHTW Berlin für Betriebswirtschaft und an der Universität Duisburg tätig. Direktor des Kompetenzzentrums Internationale Innovations- und Mittelstandsforschung, Berlin. Direktor der Forschungsstelle Europäisches Personalmanagement und Arbeitsrecht (EPAR) an der Universität Paderborn. Dipl.-Kfm. (FH), Jörg André Geißler ist freier wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kompetenzzentrum Internationale Innovations- und Mittelstandsforschung, Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind Bankbetriebswirtschaftslehre sowie Finanzierung und Investition Dipl.-Kffr. (FH), Kerstin Schütz ist Forschungsassistentin und freie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum Internationale Innovations- und Mittelstandsforschung an der FHTW Berlin. Forschungsschwerpunkte: Finanzierung und Investition, Strategisches Management. Dipl. Kfm. (FH), Jörg Endesfelder ist freier wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kompetenzzentrum Internationale Innovations- und Mittelstandsforschung, Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind Finanzierung und Investition. Dipl.-Kffr. (FH), Christine Fuchs ist freie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum Internationale Innovations- und Mittelstandsforschung, Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Bankbetriebswirtschaftslehre sowie Finanzierung und Investition. Dipl.-Kffr. (FH), Peggy Schettler ist freie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum Internationale Innovations- und Mittelstandsforschung, Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Technologiemanagement sowie Finanzierung und Investition.

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19 I Das Bankensystem in Deutschland als integraler Bestandteil des Finanzdienstleistungsmarktes Wilhelm Schmeisser / Jorg Endesfelder / Kerstin Schütz 1 Terminologische Grundlagen 1.2 Finanzdienstleistungen Finanzdienstleistungen sind im weitesten Sinne alle Dienstleistungen, welche Finanzprodukte und Kapitalanlagen betreffen. Grundsätzlich lassen sich Finanzdienstleistungen in drei Bereiche unterteilen: Bankgeschäfte, Finanzdienstleistungen im engeren Sinne, Versicherungen. Bankgeschäfte werden durch Kreditinstitute (Banken) abgewickelt und sollen Gegenstand dieses Beitrages sein. Finanzdienstleistungen im engeren Sinne werden durch Finanzdienstleistungsinstitute abgewickelt. Dabei handelt es sich um Anlageberatung, Vermögensberatung, Anlagevermittlung, Abschlussvermittlung, Eigenhandel für andere Vermögensverwaltung, Emissionsgeschäft, Non- oder Nearbanks und Immobiliengeschäfte. Versicherungen werden durch Versicherungsunternehmen laut Versicherungsaufsichtsgesetz angeboten. 1.3 Banken-Begriffliche Abgrenzung Der Bankenbegriff lässt sich unter mehreren Aspekten betrachteten. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind Banken Dienstleistungsunternehmen, die Geld- und Kapitalanlagen, Finanzierungen, Zahlungsabwicklungen und sonstige Leistungen (z.b. Beratung, Risikoübernahme, Vermittlung und Verwaltung) anbieten. 1 Diese Betrachtungsweise umfasst zwar die Arten der Bankdienstleistungen ist aber nur von geringer Aussagekraft. Genauer ist die juristische Definition gemäß dem Kreditwesengesetz (Gesetz über das Kreditwesen, KWG). Dort werden die Begriffe Kreditinstitute, Finanzdienstleistungsinstitute und zusätzliche Begriffe genau definiert. Kreditinstitute (Banken) sind Unternehmen, die Bankgeschäfte erwerbsmäßig oder in einem Umfang betreiben, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert. ( 1 Abs. 1 Satz 1 KWG) 1 Becker/ Peppmeier (2000), S. 14.

20 2 Kapitel I Als Finanzdienstleistungsinstitute bezeichnet das KWG Unternehmen, die Finanzdienstleistungen für Dritte erbringen. Sie unterliegen genau wie die Kreditinstitute der staatlichen Aufsicht. ( 1 Abs. 1a KWG) 2 Geschichte des Bankwesens 2 : Ein kurzer Abriss Genau genommen begann das Bankwesen mit dem Münzwesen. Griechische und römische Münzen sind bereits aus der Antike bekannt. In der vorchristlichen Zeit, um 600 v. Chr., dominierte das griechische Münzwesen. Als erste Bankgeschäfte im engeren Sinne gelten die etablierten Münzwechsel im Mittelalter, welche in Italien im 12./13. Jahrhundert ihren Ausgangspunkt hatten. Das Versprechen des Ausstellers, an einem bestimmten Ort in der dort geltenden Währung einen bestimmten Betrag auszuzahlen, wurde die Grundlage für den heute bekannten Wechsel(brief)... 3 Das Geld wurde dabei auf dem Tisch (banca) ausgebreitet. Viele Bankbegriffe wie giro = Kreis und bilancia = Waage wurden daher durch das Italienische geprägt. Durch das Zinsverbot der katholischen Kirche waren vor allem Juden im Bankgeschäft als Geldverleiher tätig. Aus der Verwahrung von Wertgegenständen und Geld entstand das Depositengeschäft (Einlagengeschäft) und in der Folge das Darlehensgeschäft, wenn diese Depositen (Einlagen) verliehen bzw. investiert wurden. Zur Zeit der kirchlichen Messen entstanden Märkte, auf denen im großen Umfang Geldgeschäfte abgewickelt wurden, aus denen sogenannte Börsen entstanden. Als die erste Börse, in der heute bekannten Form, galt die Amsterdamer Börse, die 1611 eröffnet wurde. Die ersten Notenbanken gab es im 17./18. Jahrhundert. Die Etablierung von Banknoten, als gesetzliches Zahlungsmittel, führte zur Schaffung eines Notenbankmonopols. Das Monopol zur Emission von Banknoten war seitdem den Zentralbanken vorbehalten. Als erster erfolgreicher Vorfahre einer Zentralbank gilt die Stockholms Banko (1656). In Deutschland erhielt die im Jahr 1875 gegründete Reichsbank das Notenbankmonopol (1909). Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert stieg der Kapitalbedarf der Unternehmen rapide an. Die bis dahin agierenden Privatbankiers konnten diese großen Kapitalbeträge nicht aufbringen. Es kam zu einer Konzentration im Bankenbereich. Aus diesem Bedarf heraus wurden zahlreiche Aktienbanken gegründet, welche die erforderlichen Kapitalmengen aufbringen konnten. Daneben entstanden im gleichen Zeitraum in allen europäischen Ländern Hypothekenbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken. 2 3 Tolkmitt (2004), S. 5. Ebenda, S. 5.

21 Das Bankensystem in Deutschland als integraler Bestandteil des Finanzdienstleistungsmarktes 3 3 Bankensysteme - international Prinzipiell lassen sich Bankgeschäfte in die Bereiche Commercial Banking und Investment Banking einteilen. Im Commercial Banking nehmen Banken Kapital entgegen und vergeben Kredite. Sie betreiben dabei Losgrößen-, Fristen- und Risikotransformation. Weiterhin werden Umtausch- und Zahlungsleistungen zum Commercial Banking gezählt. 4 Bei der Losgrößen-Transformation wandeln Banken größere Beträge in kleinere um (oder umgekehrt); beispielsweise bei der Ansammlung kleinerer Sparbeträge und die Herausgabe eines größeren Kredites. Die Fristentransformation beschreibt die Geldanlage von Kapitalgebern über einen kurzen Zeitraum (1 Jahr) während die Bank das Kapital langfristig (5 Jahre) einem Kapitalnachfrager bereitstellt. In diesem Fall muss die Bank rechtzeitig einen neuen Kapitalgeber finden. Außerdem übernehmen Banken das Risiko, welches einzelne Kapitalanbieter nicht tragen wollen. Die Einlagen der Banken sind gesetzlich geschützt, das heißt die Anleger erhalten ihr Geld in jedem Fall zurück, unabhängig davon, ob der einzelne Kapitalnehmer seinen Verpflichtungen nachkommt oder nicht. 5 Im Investment Banking treten Banken als Händler und Mittler auf Kapitalmärkten auf. Dabei geht es vor allem um: Kapitalmarkttransaktionen, Handel mit Aktien u. fest-verzinslichen Wertpapieren, Financial Engineering und Mergers & Aquisition. Bankensysteme unterscheiden sich grundsätzlich in das anglo-amerikanische Trennbankensystem und das Universalbankensystem. Beim Trennbankensystem spezialisieren sich die Banken auf Investment Banking oder Commercial Banking. Eine Vermischung ist nicht gestattet. Prinzipiell ist das Investment Banking riskanter als das Commercial Banking. Verluste aus dem einen Bereich können nicht mit Erfolgen im anderen Bereich kompensiert werden. Die Kundenbindung ist gegenüber dem Universalbankensystem relativ geringer. Außerdem haben die Banken weniger Einfluss auf die Unternehmensführung. Beispiele für das Trennbankensystem finden wir in den USA und in England. Dabei ist dieses System in England historisch gewachsen und unterliegt einer freiwilligen Selbstbeschränkung. In den USA ist die Trennung gesetzlich geregelt (Glass-Steagall-Act). Beim Universalbankensystem bietet eine Bank alle Bankdienstleistungen an. Der Vorteil dieses Hausbankensystems ist, dass die Bank ihren Kunden und der Kunde 4 5 Hartmann-Wendels/ Pfingsten/ Weber (2004), S. 10. Vgl. Tolkmitt (2004), S. 4.

22 4 Kapitel I seine Bank durch die lange Zusammenarbeit (relativ) genau kennt. Dadurch existiert in der Regel eine langfristige Geschäftsbeziehung (auch in Krisenzeiten) und es entsteht ein gewisses Kunden-Bank-Verhältnis. Dabei kann es sein, dass die Bank u.u. auch einmal weniger vorteilhafte Geschäftsabschlüsse in Kauf nimmt. Als Nachteil wird argumentiert, dass die Banken durch ihre Macht unmittelbar Einfluss auf die Unternehmen ausüben können und damit mittelbar auf das gesamte Wirtschaftssystem. Dieses Universalbankensystem ist in Deutschland, Kanada und Österreich verbreitet. Der internationale Trend geht aus unterschiedlichen Gründen zum Universalbankensystem. Die Trennung der Bankendienstleistungen ist auf Grund neuer Produkte, der weiteren Internationalisierung des Bankensystems und der Forderung der Kunden nach komplexen Finanzdienstleistungen auf Dauer nicht aufrecht zu erhalten. 4 Bankensystem in Deutschland Das Deutsche Bankensystem ist ein Universalbankensystem mit Spezialbanken. Dabei lassen sich die Banken nach unterschiedlichen Gesichtspunkten einteilen. Einteilung der Kreditinstitute Nach der Zielsetzung Nach der Geschäftsstruktur Nach der Rechtsform erwerbswirtschaftlich z.b. Gewinnerzielung bei privaten Banken gemeinwirtschaftlich z.b. Förderung und Pflege des Spargedankens genossenschaftlich z.b. Förderung der Mitglieder einer Volksoder Raiffeisenbank Universalbanken Abwicklung aller wesentlichen Bankgeschäfte einschließlich des Wertpapierhandels Spezialbanken Beschränkung auf einzelne Bankgeschäfte öffentlich/ rechtlich Anstalt oder Körperschaft des öffentlichen Rechts privatrechtlich Einzelunternehmungen Personengesellschaften Kapitalgesellschaften Abb. 1: Einteilung der Kreditinstitute 6 6 Sauter (2002).

23 Das Bankensystem in Deutschland als integraler Bestandteil des Finanzdienstleistungsmarktes Bankenstruktur Das Deutsche Bankensystem besteht im Wesentlichen aus drei Säulen die sich in folgende Säulen gliedern lassen: 1. Säule: private Geschäftsbanken, 2. Säule: öffentlich-rechtliche Kreditinstituten, 3. Säule: Genossenschaftsbanken. Den größten Marktanteil haben die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute gefolgt von den Privaten Banken und Genossenschaftsbanken (Abbildung 2). Abb. 2: Marktanteile der Bankengruppen in Deutschland Private Geschäftsbanken Zu den Privaten Geschäftsbanken zählen u.a. die vier großen Geschäftsbanken Deutsche Bank, Dresdner Bank, Hypovereinsbank, Commerzbank sowie die Postbank und rund 200 kleinere Privatbanken. Hinzu kommen verschiedene Spezialbanken, wie die Hypothekenbanken und Bausparkassen.

24 6 Kapitel I Öffentlich-rechtliche Kreditinstitute Zu den öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten gehören die Sparkassen, 11 Landesbanken und die DekaBank als Zentralinstitut. Neben den rund 500 öffentlichrechtlichen Sparkassen existieren z.z. 7 freie Sparkassen. Sparkassen unterliegen dem Prinzip der Gemeinnützigkeit. Die Besonderheit der Sparkassen ist die Anstaltslast (daher die öffentlich-rechtliche Rechtsform) und die Gewährträgerhaftung (bis 2005). Träger der kommunalen Sparkassen sind die Städte, Gemeinden und Kommunen. Die Anstaltslast besagt, dass die Träger ihre Sparkassen funktionsfähig halten müssen. Durch die Gewährträgerhaftung waren die Kommunen ursprünglich verpflichtet für alle Zahlungsverpflichtungen und Verbindlichkeiten ihrer Sparkasse in vollem Umfang zu haften. Aufgrund einer Klage des privaten deutschen Bankgewerbes gibt es diese Gewährträgerhaftung nicht mehr. Sparkassen waren für den kleinen Mann gedacht. Der öffentliche Auftrag der Sparkassen besteht in der kreditwirtschaftlichen Versorgung der kommunalen Bevölkerung und als Gewährträger. So führen die kommunalen Sparkassen ca. 80% der Sozialhilfeempfänger-Konten. Sparkassen sind nach dem Regionalprinzip organisiert. Das heißt Sparkassen sollen nur in ihrer Region tätig werden und nicht untereinander in Konkurrenz treten Genossenschaftsbanken Die dritte Säule bilden die Genossenschaftsbanken. Dazu gehören die Volks- und Raiffeisenbanken, die DZ-Bank als Zentralinstitut, der Sparda-Verbund und weitere. Neben diesen drei Säulen gibt es Kreditinstitute mit Sonderaufgaben, z.b. die Kreditanstalt für den Wiederaufbau (KfW), die Deutsche Ausgleichsbank (DtA-Bank) und die Investitionsbanken der Länder. Die Kreditanstalt für den Wiederaufbau (KfW) war ursprünglich für Hilfen für den Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg gegründet worden. Heute ist sie vor allem für die Abwicklung von Entwicklungshilfe, die Mittelstandsförderung und langfristige Exportfinanzierung zuständig. Die Deutsche Ausgleichsbank gewährt Kredite im Rahmen von Förderprogrammen, übernimmt Garantien und Bürgschaften für bestimmte Personengruppen und fördert den gewerblichen Mittelstand. Die Investitionsbanken der Länder geben Investitionshilfen für Existenzgründer bzw. den Mittelstand und Finanzierungen in die wirtschaftsnahe Infrastruktur, in Bildung und Kultur, Wohnungsbau usw. Alle drei Institute sind Anstalten des öffentlichen Rechts. Privatrechtlich-Organisierte Kreditinstitute mit Sonderaufgaben sind z.b. die Deutsche Industriebank AG (IKB) und die AKA Ausfuhrkredit GmbH. Ihre Aufgaben bestehen insbesondere in der mittel- und langfristigen Unternehmensfinanzierung bzw. in der Exportfinanzierung. Neben den beiden genannten Institutionen existieren weitere Kreditinstitute mit Sonderaufgaben.

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