THEMA JUGEND MEIN VIRTUELLES LEBEN 2.0 GEWALT UND CYBER-MOBBING COMPUTERSPIELE UND ONLINESUCHT

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1 Nr. 3/2009 H 9851 JUGEND MEDIENWELTEN DIE ERSTE MEIN VIRTUELLES LEBEN 2.0 GEWALT UND CYBER-MOBBING COMPUTERSPIELE UND ONLINESUCHT ZEITSCHRIFT FÜR JUGENDSCHUTZ UND ERZIEHUNG

2 3/2009 Unser Thema: Mein virtuelles Leben Gewalt und Cyber-Mobbing 5 PC-Spiele Ursache des Übels? 9 Computerspiele und Onlinesucht 11 Verherrlichung von Essstörungen im Internet 13 Als digital natives (digitale Eingeborene) werden mittlerweile die Kinder und Jugendlichen bezeichnet, die als erste Generation von klein auf mit den neuen Medien aufgewachsen sind. Ihr Mediennutzungsverhalten wird in diesem Überblicksartikel, der zugleich die Grundlage für die folgenden Beiträge bildet, genauer unter die Lupe genommen. Zudem werden Konsequenzen aus der veränderten Nutzung von Computerspielen, Internet, Handys u.ä. für die Vermittlung von Medienkompetenz deutlich gemacht. MEIN VIRTUELLES LEBEN 2.0 Mediennutzung im Alltag von Kindern und Heranwachsenden Meike Isenberg Material zum Thema: Übersicht über Bücher, Zeitschriften und ein Filmtipp 16 FLIMMO für Fachkräfte 17 Neue Medien als Herausforderung für Eltern 18 Clash of Realities Computerspiele und soziale Wirklichkeit 18 Informationen zum Thema: 12 goldene Suchmaschinen-Regeln 19 Selbstdarstellung Jugendlicher 19 Bücher: Jugend Migration Sozialisation Bildung Projektideen gegen Rechtsextremismus 20 Von der Delegation zur Kooperation Bildung in Familie, Schule, Kinderund Jugendhilfe 21 Dialogbereit: Mit Pegah Ferydoni im Gespräch 24 Mein Islambuch 25 Interkulturelle Woche 26 2 JUGEND Mit den WoW-Gildenmates den nächsten Raid planen. Nebenbei mit einem Klassenkameraden via ICQ gemeinsam Hausaufgaben lösen. Kurz die neuen Mails bei wkw checken und die Fotos der letzten Party kommentieren. Dann noch schnell ein neues Musikvideo auf den ipod und die neueste Folge der Lieblingssoap aufs Handy ziehen und ab zum Kumpel, um gemeinsam auf der PS3 eine Blue Ray anzuschauen. So in etwa könnte der Nachmittag eines 15-Jährigen aussehen, dessen Beschreibung sich für viele Erwachsene wie eine Aneinanderreihung von Hieroglyphen liest. Kinder und Jugendliche nutzen Medien und deren Inhalte meist völlig selbstverständlich. TV, Computer, Handy & Co. stellen einen festen Bestandteil in ihrem Alltag dar. Doch welche Medien nutzen Kinder und Jugendliche besonders gerne und intensiv? Welche Medieninhalte sind besonders beliebt? Wie nutzen Kinder und Heranwachsende Medien? Verschiedene Untersuchungen zum Mediennutzungsverhalten von Heranwachsenden beschäftigen sich mit diesen Fragen. Antworten geben insbesondere die beiden repräsentativen Langzeituntersuchungen des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (mpfs) die KIM- und JIM-Studien. Die KIM-Studie untersucht die Mediennutzung von 6- bis 13-Jährigen, während sich die JIM-Studie mit dem Medienumgang von 12- bis 19- Jährigen befasst. Darüber hinaus gibt es insbesondere zur Computer- und Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen vertiefende Einzelstudien, wie beispielsweise die von der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) beauftragte Studie Heranwachsen im Social Web, die das Hans- Bredow-Institut durchgeführt hat. Kinder favorisieren TV Die KIM-Studie Kinder und Medien, Computer und Internet, im Rahmen derer Kinder und deren Haupterzieher zu ihrem Mediennutzungsverhalten befragt worden sind, zeigt, dass für Kinder das Fernsehen nach wie vor das Leitmedium ist. Kinder schauen durchschnittlich eineinhalb Stunden täglich fern und bevorzugen den Sender KI.KA, gefolgt von Super RTL, RTL, RTL 2 und Pro Sieben. Besonders gerne schauen Kinder die Sendungen SpongeBob Schwammkopf, Gute Zeiten Schlechte Zeiten und Die Simpsons. Beachtenswert ist, dass 42 % der befragten Erziehungsberechtigten angeben, dass ihre Kinder ein eigenes Fernsehgerät im Kinderzimmer haben. Neben dem Fernseher spielt der Computer eine zunehmende Rolle im Alltag von Kindern. Die durchschnittliche Nutzungszeit beträgt 40 Minuten. Hier zeigt sich jedoch eine starke Altersdifferenz: Während bei den jüngeren Kindern die Computernutzung seltener zum Alltag gehört, macht bei den 12- bis 13-Jährigen die Nutzung bereits 95 % aus. Knapp ein Drittel der Kinder nutzt fast täglich den Computer, etwa die Hälfte ein- oder mehrmals pro Woche. Kinder nutzen den Computer vornehmlich zum Spielen, gefolgt vom Surfen im Internet und von Arbeiten für die Schule oder der Beschäftigung mit Lernprogrammen. Die Relevanz von Computerspielen nimmt bei Kindern ebenfalls mit dem Alter zu. Während bei den jüngeren Zielgruppen knapp die Hälfte (41 %) zu den Spielern zählen, sind dies bei den 12- bis 13- Jährigen schon fast 86 %, die zumindest selten spielen. Es ist eine Tendenz festzustellen, dass sowohl die Anzahl der Spieler als auch die Nutzungsintensität zunehmen. Gespielt wird nicht nur am Computer, sondern auch an mobilen Konsolen, wie Nintendo DS, Playstation, XBox oder Wii.

3 Zu den beliebtesten Spielen zählen Super Mario, Die Sims und das Fußballspiel FIFA. Insgesamt zeigt sich, dass Jungen häufiger und länger als Mädchen spielen. Jungen bevorzugen sehr viel häufiger als Mädchen Sport-, Adventure- und Actionspiele, wohingegen Mädchen sich eher für Strategie-, Fun- bzw. Gesellschafts- und Lernspiele begeistern. Darüber hinaus hat der Computer für Kinder mit Blick auf die Internetnutzung eine Bedeutung. Hier zeigt die KIM-Studie 2008: Fast 60 % der Kinder nutzen das Internet zumindest selten. Wie schon bei der Computer(spiel-)nutzung zeigt sich auch hier eine Nutzungsintensivierung mit zunehmendem Alter: Während bei den 6- bis 7-Jährigen ca. 20 % Erfahrungen mit der Internetnutzung haben, sind es bei den der 12- bis 13-Jährigen schon 86 %. Fast die Hälfte aller befragten Kinder hat eine Lieblingsseite im Internet. Genannt wurden das Internetangebot des Kinderkanals KI.KA (www.kika.de), das Filmportal Youtube, das Internetangebot des Fernsehsenders Super RTL (www.toggo.de) sowie die Online-Community SchülerVZ. Bei Jugendlichen angesagt Computer & TV Während bei Kindern der Fernseher ganz klar das Medium Nummer Eins ist, teilen sich TV und Computer bei Jugendlichen Platz Eins in der Beliebtheits- und Nutzungsskala. Zu diesem Ergebnis kommt die repräsentative JIM-Studie Jugend, Information, (Multi-)Media, im Rahmen derer bis 19-Jährige zu ihrem Medienverhalten befragt wurden. 89 % der Befragten nutzen täglich oder mehrmals wöchentlich das Fernsehgerät und den Computer. 61 % der 12- bis 19- Jährigen besitzen ein eigenes Fernsehgerät. Die durchschnittliche Nutzungsdauer beträgt gut zwei Stunden täglich. Besonders beliebt sind bei Jugendlichen Fernsehprogramme der privaten Sender, wie Pro Sieben, gefolgt von RTL, MTV, VIVA und RTL 2. Dem Computer kommt ein vergleichbarer Stellenwert zu. Fast alle Jugendlichen (97 %) nutzen den Computer mindestens einmal im Monat. Bei der Offline-Nutzung steht das Arbeiten für die Schule an erster Stelle, gefolgt von Computerspiele spielen, Texte schreiben, Musik-CDs zusammenstellen, Bild-/Fotobearbeitung und DVDs anschauen. Geschlechtsspezifische Abweichungen in der generellen Nutzung oder Differenzen in den unterschiedlichen Altersgruppen oder dem Bildungshintergrund sind ohne weitere Bedeutung. Ein anderes Bild ergibt sich bei der Nutzung von Computerspielen. 60 % der Jungen besitzen eine Spielkonsole für Computer und Fernsehgerät, bei den Mädchen sind es hingegen nur 29 %. Die Hälfte der Mädchen gehört zu den Nicht-Nutzern von Computerspielen. Geschlechtspezifische Unterschiede zeigen sich auch mit Blick auf die Spielinhalte. Mädchen mögen Spiele wie Die Sims, Solitär und SingStar, Jungen präferieren Spiele wie das Fußballspiel FIFA, das Autorennspiel Need for Speed, das Actionspiel Grand Theft Auto, den Taktik-Shooter Counterstrike und das Online-Rollenspiel World of Warcraft. Ein vergleichbares Bild ergibt sich für die Internetnutzung. 97 % der Jugendlichen nutzen das Internet mindestens selten. Auch hier zeigen sich keine bedeutsamen Unterschiede zwischen den Altersgruppen, dem Geschlecht und dem Bildungshintergrund. Fast alle Jugendlichen (96 %) verfügen zuhause über einen Internetzugang, die Hälfte davon sogar im eigenen Zimmer. Die Nutzungsdauer beträgt pro Tag durchschnittlich zwei Stunden. Jugendliche nutzen im Internet regelmäßig insbesondere Suchmaschinen, Instant Messaging, Online-Communities, s und Chats. Hier zeigt sich deutlich, dass Kommunikation im Mittelpunkt der Online- Aktivitäten von Jugendlichen steht. Besonders beliebt Web 2.0 Jugendliche nutzen besonders intensiv Online-Communities. Zu diesem Ergebnis kommt die JIM-Studie, die im Jahr 2008 einen Untersuchungsschwerpunkt auf die Nutzung solcher Web 2.0-Anwendungen und dem damit verbundenen Umgang mit persönlichen Daten gelegt hat. Aufgrund der zunehmenden Relevanz solcher Angebote untersucht die aktuelle LfM- Studie Heranwachsen mit dem Social Web. Zur Rolle von Web 2.0 Angeboten im Alltag von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Rahmen einer Repräsentativbefragung vertiefend den Umgang von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 12 bis 24 Jahren mit dem sogenannten Social Web. Zu den beliebtesten und am häufigsten genutzten Angeboten zählen Netzwerkplattformen wie SchülerVZ, StudiVZ und MySpace, die Videoplattform YouTube, Instant-Messaging-Dienst, wie ICQ oder MSN sowie die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Netzwerkplattformen nehmen eine Schlüsselposition in der Internetnutzung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein, da sie in besonderem Maße auf die Kommunikationswünsche und den jugendlichen Bedarf an sozialer Vernetzung zugeschnitten sind. Wie die Untersuchung zeigt, erreicht die Nutzung von Netzwerkplattformen ihren Höhepunkt im Alter von 16 Jahren. Wie diese als auch die JIM-Studie 2008 zeigen, gehen Jugendliche oftmals sehr unbedarft mit persönlichen Angaben im Internet und insbesondere in Web 2.0- Anwendungen um. Die Mehrzahl der Internetnutzer, so die JIM-Studie, veröffentlicht online Informationen zu ihren Vorlieben oder Hobbies, stellt Bild- oder Fotomaterial, die eigene -Adresse oder Liebe Leserinnen und Leser! Wenn auch Vergleiche oft hinken, so können sie dennoch für die Auseinandersetzung hilfreich sein, so Kardinal Lehmann (Mainz) in einem Fachaufsatz zum Thema Medienkompetenz und Verantwortung. Folgenden Vergleich bietet er seiner Leserschaft an: Der Jugendmedienschutz und die Vermittlung von Medienkompetenz verhalten sich auf den ersten Blick in gewissem Sinn zueinander wie die Straßenverkehrsordnung und der Führerschein. Gesetze geben die Regeln vor, um deren Beachtung und Einhaltung es geht. Der Führerschein ist der Nachweis dafür, dass die Fähigkeit erlernt wurde, sich in bestimmten Rahmenbedingungen frei und verantwortlich zu bewegen. So ist es auch wie Kardinal Lehmann es sieht mit dem gesetzlichen Jugendmedienschutz und der Vermittlung von Medienkompetenz. In dieser (und der nächsten) Ausgabe von JUGEND geht es um die Mediennutzung im Alltag von Kindern und Jugendlichen, um bestehende Gefährdungen und um den verantwortlichen Umgang mit neuen Medien (siehe Führerschein). Uns sind bei der Planung dieser Ausgabe so viele verschiedene Aspekte in den Blick gekommen, dass wir uns entschlossen haben, zwei Themenhefte zum Tatort Computer herauszugeben. Also Fortsetzung folgt! Ein Dank den Autorinnen und Autoren, auch denen im Redaktionsbeirat von JUGEND, die mitgeplant haben und vor allem Gesa Bertels, Referentin der Landesarbeitsgemeinschaft, die die Gesamtplanung beider Themenhefte (3/2009 und 4/2009) übernommen hatte. Und ein Dank an Claudia Gerstenberg, die die Redaktion kräftig unterstützt. Sie sorgt dafür, dass die Manuskripte eine lesbare Form erhalten. Schließlich mein Dankeschön an alle Leserinnen und Leser unserer Zeitschrift, die uns Rückmeldungen geben. Herzliche Grüße aus der Redaktion Georg Bienemann JUGEND3

4 die Nummer ihres Instant Messengers ein. Das Ergebnis, dass bei gut einem Drittel der Web 2.0-Nutzer diese persönlichen Daten ungeschützt für alle Internetnutzer einsehbar sind und dass bei knapp zwei Dritteln nur Freunde an diese Informationen gelangen können, zeigt, dass es Jugendlichen oftmals an Sensibilität für den Schutz der eigenen und der anderer Daten fehlt. Die genannten Studien zeigen einmal mehr, dass Heranwachsende sich häufig nicht bewusst darüber sind, dass das Internet ein öffentlicher, für jedermann einsehbarer Raum ist und dass mitunter Gesetze und Rechte (ihre eigenen und die anderer) verletzt werden. Beispielsweise können die bei studivz, wer-kennt-wen oder meinvz eingestellten Bilder, die einen selbst auf einer feucht fröhlichen Party zeigen, mitunter auch noch Jahre später von anderen eingesehen werden so auch möglicherweise vom Lehrer oder Vorgesetzten. Der vermeintlich gleichaltrige süße Typ, den man bei ICQ oder MSN kennengelernt hat, kann in der Realität alles andere als gleichaltrig und süß sein und möglicherweise mit unlauteren Absichten eine falsche Identität vorgegeben haben. Auch das nach eigenem Befinden lustige Video vom Nachbarn, der seinen neuen Sportwagen rückwärts gegen die Litfaßsäule gesetzt hat, und das nun von jedermann bei YouTube abrufbar ist, verletzt, da keine Einwilligung der dargestellten Person vorliegt, Persönlichkeitsrechte. All die Beispiele zeigen Heranwachsende brauchen eine altersgerechte Begleitung ihrer Mediennutzung. Gefragt sind hier die Erwachsenen Eltern, Pädagogen und Personen mit Beratungsfunktion gegenüber Familien. Medienkompetenz kompetent vermitteln Unbestritten verfügen Heranwachsende oftmals über ein hohes Maß an Technikkompetenz, ihre Kompetenz zum kritisch-reflektierenden Umgang mit Medien hingegen muss gefördert werden. Mit Blick auf den skizzierten Stellenwert von Medien im Alltag von Kindern und Jugendlichen stellen sich immer wieder sowohl in der öffentlichen Diskussion, als auch ganz praktisch für Eltern, Pädagogen und Personen mit Beratungsfunktion gegenüber Familien die Fragen: Welche Kompetenzen benötigen Kinder und Jugendliche, um mit Medien und ihren Inhalten kompetent und selbstbestimmt umgehen zu können? Und: An wen kann man sich mit Fragen wenden oder wenn man Informationen benötigt? Informationsangebote kennen und nutzen Was also können Eltern und Personen, die mit Kindern und Jugendlichen Umgang 4 JUGEND haben, tun? Es mag auf den ersten Blick vielleicht überflüssig erscheinen, darauf überhaupt zu verweisen, wenn man auffordert: Zeig Interesse an den Medien und Medieninhalten, die Heranwachsende nutzen! Nimm die Interessen der Heranwachsenden ernst! Such das Gespräch und frag, was daran fasziniert! Nimm aktiv teil und erlebe die Medieninhalte gemeinsam! Auf diese Weise wird die jugendliche Medienwelt auch für Erwachsene nachvollziehbar und es gelingt ein Gesprächseinstieg, der eine Basis dafür schaffen kann, Jugendliche für die Risiken der Mediennutzung zu sensibilisieren. Zu den Fotos in diesem Heft Um aber auch das eigene Wissen über einzelne Medien(-inhalte) und deren Chancen und Gefahren zu erweitern oder auch um Unterstützung in der Medienerziehung zu erfahren, gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Beratungsangeboten. Beispielsweise findet man kompetente Ansprechpartner in den Jugendämtern, in den Familienbildungseinrichtungen und den örtlichen Medienzentren. Darüber hinaus sind die Landesmedienanstalten der einzelnen Bundesländer, zu deren Aufgaben die Förderung von Medienkompetenz gehört, ein zentraler Ansprechpartner für alle Fragen rund um das Thema Medienerziehung, sowohl für Eltern als auch für Multiplikatoren. Diese halten viele, häufig kostenlose und nach verschiedenen Medien sowie Altersgruppen aufbereitete Informationen und Materialien bereit, die Eltern, Pädagogen und Pädagoginnen sowie Personen mit Beratungsfunktion gegenüber Familien in der Medienerziehung unterstützen. Einige beispielhafte Informations- und Beratungsangebote der Landesmedienanstalten sind das Internet-ABC, klicksafe, FLIMMO und Handysektor. Das Internet-ABC will Internetkompetenz auf breiter gesellschaftlicher Ebene fördern. Die werbefreie Plattform richtet sich an Kinder von 5 bis 12 Jahren, Eltern und Pädagogen und bietet zielgruppenspezifisch aufbereitetes Basiswissen sowie konkrete Hilfestellung und Informationen über den sicheren Umgang mit dem Internet an. klicksafe ist der deutsche Knotenpunkt im Safer Internet Programm der Europäischen Union und bietet umfassende Informationen zu verschiedenen Aspekten der sicheren Internetnutzung, darunter beispielsweise zum Umgang mit Urheberrechten, zum Datenschutz im Netz sowie zum Thema Chat, Instant Messaging, Onlinespiele und Spielkonsolen. FLIMMO gibt Eltern von Kindern zwischen 3 und 13 Jahren Orientierungshilfen zum aktuellen Fernsehprogramm, indem FLIMMO Sendungen bewertet, die Kinder gerne sehen oder mit denen sie als Mitseher in Berührung kommen. Die Broschüre erscheint dreimal jährlich und wird bundesweit kostenlos an Kindergärten, Schulen, Apotheken, Beratungsstellen, Bibliotheken und andere Einrichtungen verteilt. Das nichtkommerzielle Informationsangebot Handysektor informiert Jugendliche über Risiken bei der Handynutzung. Die 72-Stunden-Aktion der Jugendverbände ist ein gutes Beispiel für Lernen durch Tun. Nicht der Bildschirm wird zur bestimmenden Größe. Die Aktion mit der Gruppe öffnet neue Erfahrungsräume und fördert ein selbstbestimmtes und ereignisvolles Leben. Das ist Leben live (siehe auch den Kommentar auf Seite 22). Eine Übersicht der Medienkompetenz- und Forschungsaktivitäten der Landesmedienanstalten sowie eine Übersicht der Informations- und Beratungsangebote finden sich auf den Seiten der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM). Projekte und Angebote zur Förderung von Medienkompetenz in Nordrhein- Westfalen werden im Medienkompetenzportal NRW bereitgestellt. Literatur: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hrsg.): JIM Jugend, Information, (Multi-)Media. Basisstudie zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland. Stuttgart 2008 (http://www.mpfs.de/ fileadmin/jim-pdf08/jim-studie 2008.pdf). Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hrsg.): KIM-Studie Kinder und Medien Computer und Internet. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland. Stuttgart 2009 (http://www.mpfs.de/fileadmin/kimpdf08/kim08.pdf). Schmidt, Jan-Hinrik/Paus-Hasebrink, Ingrid u. Hasebrink, Uwe: Heranwachsen mit dem Social Web. Zur Rolle von Web 2.0 Angeboten im Alltag von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Kurzfassung des Endberichts für die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM), April 2009 (http://www.lfmnrw.de/downloads/zusammenfassung socialweb.pdf). Im Text genannte Medienkompetenzprojekte und Informationsangebote: FLIMMO: Handysektor: Internet-ABC: Klicksafe: Medienkompetenzangebote der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten in der Bundesrepublik Deutschland: Medienkompetenzportal NRW: Dr. Meike Isenberg ist Referentin für Forschung und Medienkompetenz bei der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) (www.lfm-nrw. de, Kontakt:

5 Durch das Internet sehen sich Kinder und Jugendliche heute mehr denn je mit grausamen Formen fiktionaler wie auch realer Gewalt konfrontiert. Aber was ist wirklich neu an der Gewalt im Web 2.0? Wie wirken diese Gewaltdarstellungen auf Kinder und Jugendliche? Welche Empfehlungen leiten sich daraus für den Jugendmedienschutz ab? Antworten auf diese und andere Fragen bietet die aktuelle Studie Gewalt im Web 2.0. GEWALT UND CYBER- MOBBING IM WEB 2.0 Schattenseiten der Vernetzung Petra Grimm mehr allein die Rezeption von gewalthaltigen Inhalten, sondern auch deren Produktion, Bearbeitung, Verbreitung im Internet (Verlinkung und Verschlagwortung) sowie deren ständige Verfügbarkeit auf dem Handy sind für die aktuelle Gewaltproblematik signifikant. Das Zusammenspiel von Handy und Internet im Kontext von gewalthaltigen Inhalten kann als violente Konvergenz (Grimm/Rhein 2007) bezeichnet werden. Des Weiteren kann die Grenze zwischen Mediengewalt und realer Gewalt fließend sein, da aggressive Kommunikationsbotschaften wie z.b. Cyberthreats via Internet auch in den privaten Raum Einlass finden und ggf. reale Gewalt zur Folge haben, wenn Jugendliche sich zu Prügeleien verabreden. Ja wie gesagt, schon das Militärvideo, also das von YouTube, das ist das erste, an was ich mich sofort erinnere mit Gewalt, ( ) also weil das eben so brutal ist. (Marlon) Das Zitat des 17-jährigen Marlon, der sich an ein Tötungsvideo auf dem Videoportal YouTube erinnert, zeigt exemplarisch, dass extreme reale Gewaltdarstellungen bei Jugendlichen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen können. Vor dem Hintergrund, dass das Web 2.0 mittlerweile ein integraler Bestandteil der jugendlichen Alltagswelt ist, verwundert es nicht, dass Jugendliche ungewollt oder gewollt auch mit den Schattenseiten des Web 2.0 u.a. gewalthaltigen Videos und Cyber-Mobbing konfrontiert werden. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene sind im Web 2.0 vertreten: Jugendliche kommunizieren über Instant-Messenger, suchen Informationen im Netz, sehen sich bei YouTube Videos an, spielen in Online-Games und veröffentlichen in Social Communities ihre privaten Interessen und Vorlieben. Das heißt, es gibt für Jugendliche kaum mehr einen Raum, in dem sie sich medienunabhängig bewegen können. Wie keine Generation zuvor müssen sie im Umgang mit den Medien kompetent handeln. Welche Herausforderungen sich ihnen dabei stellen, wird im Folgenden anhand der Befunde der Gewalt im Web Studie (2008) erläutert. Diese Studie entstand im Auftrag von sechs Landesmedienanstalten (NLM, BLM, LMK, MAHSH, MSA, TLM) und umfasst eine quantitative Untersuchung (n = 804) von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren, eine qualitative Befragung internet-vertrauter Jugendlicher sowie eine rechtliche Einordnung der Gewaltproblematik. Was ist neu am Phänomen Gewalt im Web 2.0? Im Zuge der Entwicklung des Internets zum Web 2.0 hat sich auch das Phänomen der medialen Gewalt verändert: Nicht Landjugendliche und Messdiener aus Ascheberg-Herbern verschönerten das Gelände des Hildegardis-Kindergartens und bauten dort unter anderem ein Gartenhaus. Foto: Lena Stratmann Nutzung des Web 2.0 Zuhause Der Hauptort der Internetnutzung der Jugendlichen ist das eigene Zuhause. Gefragt nach dem Ort der häufigsten Internetnutzung nennt fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen das eigene Zimmer. Die Kinder und Jugendlichen, die einen eigenen Computer und Internetzugang haben, nutzen demnach den PC auch hauptsächlich in ihrem Zimmer. Daraus lässt sich folgern, dass der Computer Teil ihres privaten Refugiums ist, zu dem die Eltern nicht ohne Weiteres Zugang finden. Wenn Eltern mit ihren Kindern über Risiken im Internet ins Gespräch kommen wollen (und dies auch sollen), ist es hilfreich, sich bewusst zu machen, dass das Handy wie auch der PC bei zahlreichen Jugendlichen analog dem Tagebuch als total privat gilt. Fragt man die Jugendlichen nach möglichen Schutzmaßnahmen, so sehen sie jedoch die Eltern als Dreh- und Angelpunkt für die Eindämmung der Internetgewaltnutzung in der Pflicht. Gerade für Jüngere, die sie für besonders schutzbedürftig halten, stellen Eltern eine Autorität dar; auch der Einsatz von Kindersicherungen für die Jüngeren wird von den befragten Jugendlichen als sinnvoll eingestuft. In diesem Kontext ist auch die mangelnde elterliche Kontrolle zu problematisieren: Mehr als zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen werden von ihren Eltern, was die Dauer der Internetnutzung betrifft, nie oder selten limitiert. Was den Inhalt der genutzten Seiten betrifft, geben sogar 80 % der Kinder und Jugendlichen an, dass ihre Eltern nie oder selten die Seiten kontrollieren, die sie im Internet nutzen. Nur bei rund einem Drittel der Kinder und Jugendlichen sind einige Seiten durch Software gesperrt. Die meisten Eltern beaufsichtigen also den Internetkonsum sowohl hinsichtlich der Dauer als auch der Inhalte nie oder nur selten. JUGEND5

6 von Nazis bedroht werden) stark identifizieren können. Sie berichten in den Interviews angesichts dieser, größtenteils sehr drastischen, Videos und Fotos glaubwürdig von starken emotionalen Reaktionen wie Ekel, Schock und Angst, die bei ihren Schilderungen richtiggehend noch einmal aufleben. In allen Gruppen äußern Jugendliche Empörung und Unverständnis über die Täter und die gezeigte Tat, aber auch über diejenigen, die die Tat filmen und im Internet weiterverbreiten. Eine kritische Haltung zur Nutzung entsprechender Inhalte und insbesondere eine kritische Haltung zur eigenen Nutzung dieser Angebote wird allerdings nur vereinzelt zum Ausdruck gebracht, am Pranger stehen v. a. die Täter und die Akteure auf Seiten der Produktion. Hier wäre ein geeigneter Ansatzpunkt für die Medienpädagogik, um mit den Jugendlichen ihr eigenes Medienverhalten zu reflektieren und damit ggf. gewaltpräventive Maßnahmen zu initiieren. Einen neuen Friedhofsweg legten hier Mitglieder der Landjugend und Kolpingjugend sowie Ministranten aus dem oldenburgischen Emstek an. Foto: Marius Meyer Mit welcher Art von Gewalt werden sie konfrontiert? Immerhin ein Viertel der 12- bis 19- Jährigen, die das Internet nutzen, gibt an, schon einmal Gewalt im Netz gesehen zu haben. Fast doppelt so viele und damit fast die Hälfte der 12- bis 19-Jährigen hat Freunde oder Mitschüler, denen gewalthaltige Seiten bekannt sind. Es sind also immerhin 48 % der Kinder und Jugendlichen, in deren engerem sozialen Umfeld Gewalt im Netz eine Rolle spielt. Die meisten von denen, die gewalthaltige Internetseiten kennen, sind mit fiktionaler Gewalt, wie Bilder aus Horrorfilmen (81,7 %), Gewalt in Spielfilmen (73,3 %) oder nachgestellter extremer Gewalt (66,8 %), konfrontiert worden. Vor dem Hintergrund, dass reale bzw. realistische Gewaltdarstellungen ein höheres Wirkungsrisiko bei Kindern und Jugendlichen haben, ist der relativ hohe Anteil der Befragten, die Fotos bzw. Videos mit Krieg, Folter und/oder Hinrichtungen (42,3 %) sowie Darstellungen von echter extremer/brutaler Gewalt (40,6 %) gesehen haben, als problematisch einzustufen. Dass gewalthaltige Internet-Inhalte in der Peergroup eine Rolle spielen, lässt sich daraus ableiten, dass sie ihre Information über solche Seiten vor allem von Freunden oder von der Clique beziehen. Zu finden sind die violenten Internetinhalte auf Videooder Fotoportalen zum Teil auf den gängigen und meistgenutzten Seiten youtube.com, myspace.de oder clipfish.de, zum Teil auf Seiten, die für die entsprechenden gewalthaltigen Inhalte und extremen Dar- 6 JUGEND stellungen bekannt sind wie ogrish.com oder rotten.com. Wie wirkt Gewalt im Web 2.0 auf die Jugendlichen? Dass die Gewaltdarstellungen im Internet eine andere Qualität und Wirkung als die des regulierten Fernsehens aufweisen, wird von den Jugendlichen übereinstimmend bestätigt. So stufen sie das Gewaltprofil im Internet im Vergleich zum Fernsehen als drastischer ein. Als wichtiges Unterscheidungsmerkmal für die Gewalt im Internet nennen die Jugendlichen deren höheren Grad an Gewalthaltigkeit in ihren Worten: heftiger, krasser bzw. brutaler. Bezogen auf das Gesamtsystem Fernsehen wird der Anteil der Gewalt im Internet kritischer gesehen, insbesondere von den bildungsnahen Gruppen. Als weiteres relevantes Unterscheidungskriterium wird die Unzensiertheit der Filme genannt. Ebenso wird die Gewalt im Internet als echter eingestuft. Als Bezugspunkt für die dem Internet zugeordnete tendenzielle Echtheit dienen den Jugendlichen die von den Usern selbst ins Internet gestellten Videos. Unabhängig von ihrer eigenen Affinität zu gewalthaltigen Inhalten, zeigen sich die Jugendlichen besonders nachhaltig beeindruckt von Darstellungen extremer realer Gewalt (z. B. Enthauptungen, Tötungen, Selbstverstümmelungen) und extremer realer Verletzungen sowie von Szenen, bei denen sie sich mit dem gezeigten Opfer (z. B. Migrant, Mädchen) oder der Situation (z. B. einer Übermacht gegenüberstehen, Cyber-Mobbing ist psychische Gewalt Die 16-jährige Melli versteht unter Cyber- Mobbing psychische Gewalt : Na ja, zum Beispiel Videos von Leuten reinstellen, die eigentlich privat sind, intim sind, das ist ja in irgendeiner Form psychische Gewalt. Und dann halt dummmachen und so was also. Ja. Gerüchte verbreiten oder Fototakes reinstellen von irgendwelchen Leuten. Aggressivität via Internet, die von den Kindern und Jugendlichen nach eigenen Aussagen als psychische Gewalt wahrgenommen wird, ist kein Einzelfall. So ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die laut unserer Studie im Internet schon einmal unangenehme Erfahrungen gemacht haben, mit einem Drittel relativ hoch. Gewalt via Internet wird von den Jugendlichen auch beschrieben als schriftliche Gewalt, Gewalt in Textform oder das Hineinstellen von peinlichen Bildern von Leuten, die nichts davon wissen und/oder auch nicht gefragt wurden, ob sie damit einverstanden sind. Die Grenze zwischen Schul-Mobbing und Cyber-Mobbing ist fließend. So wird durch das Cyber-Mobbing erst ermöglicht, dass das Mobbing nicht mehr nur auf den Schulbereich begrenzt bleibt, sondern zeitund raumunabhängig fortgesetzt werden kann. Bei Cyber-Mobbing handelt es sich um teils anonyme Formen eines aggressiven Verhaltens, die online gegenüber anderen Nutzern ausgeübt werden sei es in Chatforen, via Instant Messenger oder sowie in Social Communities (z. B. SCHÜLERVZ, SCHÜLERCC) oder auch in Online-Computerspielen. Cyber-Mobbing kann nicht nur in schriftlicher Form erfolgen, auch mittels Fotos und Videos kann jemand erpresst, gehänselt, bloßgestellt oder sexuell belästigt werden.

7 Was kommt am häufigsten vor? Als häufigste Form von Mobbing nannten die männlichen Jugendlichen in unseren Interviews Beleidigungen und Beschimpfungen (Flaming). Auch von Cyberthreats berichteten sie, das heißt von Online- Drohungen, bei denen Übergriffe auf sie angekündigt werden. Bei den Mädchen stehen hingegen sexuelle Belästigungen, denen sie ausgesetzt sind, im Vordergrund. Zum Teil wurden sie aufgefordert, vor der Webcam zu strippen, zum Teil wurden ihn eindeutige Angebote gemacht. Sowohl Mädchen als auch Jungen erzählten von sog. Impersonation-Aktionen als eine weitere Form des Cyber-Mobbings, d. h. bei denen jemand ein gefälschtes Profil einsetzt, um andere zu täuschen. Dies reicht von relativ harmlosen Streichen bis hin zu gezielten Täuschungsversuchen. Es könnte jeden treffen Das Risiko, Opfer von Cyber-Mobbing zu werden, ist größer als beim herkömmlichen Mobbing, da für die Täter die Schwelle zum Mobben geringer ist, weil sie glauben, anonym bleiben zu können. So kann es schon genügen, dass eine Freundschaft oder Beziehung geplatzt ist, um ggf. ein Opfer von Cyber- Mobbing zu werden. Ebenso ist unreflektierten Tätern möglicherweise gar nicht die Wirkung bewusst, die sie durch ihr mediales Handeln beim Opfer verursachen. Kinder, die Opfer von Cyber-Mobbing geworden sind, sollten unbedingt ihren Eltern oder einem Erwachsenen, zu dem sie vertrauen haben, davon erzählen. Je nachdem, wo und wie Mobbing stattfindet, kann man sich auch direkt wehren; z. B. sich bei den Social Communities (wie SCHÜLERVZ) an den Betreiber wenden und die Attacken melden, sodass die Täter gesperrt werden können. Handelt es sich bei den Tätern um Schüler/innen, sollten sich die Opfer auch an einen Lehrer bzw. an eine Lehrerin wenden. Empfehlungen ein Maßnahmenkatalog Forderung und Förderung technischer Schutzmaßnahmen technische Konfigurationen und Sicherheitstools verbessern (insbesondere für die Social-Network- Communities bzw. vergleichbare Angebote) und in Form konkret formulierter Mindeststandards verbindlich vorgeben Anreize für Anbieter schaffen, um die technischen Schutzstandards zu verbessern, Motivation der Industrie zur Bereitstellung von Know-how Verpflichtung der Anbieter zur Prävention: konkrete Begleit- und Kontrollpflichten, um die Sicherheit der jugendlichen Nutzer bei der Nutzung von Social Communities und Videoportalen zu verbessern Reflexionsprozesse im Hinblick auf Gewalt im Web 2.0 und das eigene Mediennutzungsverhalten in Gang setzen Kompetent machen im Umgang mit Cyber-Mobbing und Hilfsangebote zur Verfügung stellen (auch via Netz) Festschreibung von Kontrollpflichten Stärkung der Selbstkontrolle der User Zum Beispiel: sichere Grundeinstellungen im Hinblick auf Privatsphäre und Kontakte intelligente Filtersysteme (z. B. Bad- Word-Filter für Nicknames und Gruppen, Dialogfilter zur Vorbeugung sexueller Übergriffe) Log-Funktionen zur Dokumentation von Verstößen ( Spurensicherung ) leicht zu bedienende Ignorier- und Notruf-Funktionen zur Sperrung und Verfolgung von Belästigern bzw. zum Herbeiholen schneller Hilfe (Einschreiten durch den Anbieter/Moderator) Subventionierung oder/und steuerliche Erleichterungen für Investitionen in die Entwicklung und Anschaffung entsprechender Hard- und Software (verlässliche Filtersysteme und Systeme zur Identitätsund Altersverifikation bei Minderjährigen) Kodifizierung von Mindestausstattungen von Moderations- und Supportteams (Anzahl, Qualifikation, zeitliche Verfügbarkeit) Festlegung von Kontrollpflichten/-intervallen bei unmoderierten Chats und bei sonstigen von den Nutzern eingestellten Inhalten (Fotos, Videos u. dgl.) Bereitstellung eines bestimmten, qualifizierten Mitarbeiterstabes (in Relation zum Umfang des Angebotes/der Größe der Community) regelmäßige Stichprobenkontrollen (z. B. Recherche mit szenetypischen Begriffen z. B. Opfer in der Gruppen- und Profilsuche) Thematisierung ethischer Regelkodices (Netiquette) auf Jugendportalen Unrechtsbewusstsein der Kinder und Jugendlichen im Hinblick auf ihren persönlichen Umgang mit solchen Inhalten fördern Schulung von jugendlichen Internetscouts, die jüngeren Usern bei Cybermobbing helfen Wie bekommen wir das Gewaltproblem des Web 2.0 in den Griff? Positive und aktive Zugänge zum Web 2.0 eröffnen Mobilisierung der Selbstkontrolle der Nutzer Rechtlich werden gewalthaltige Internetangebote in Deutschland durch das Strafrecht und die Spezialregelungen des Jugendmedienschutzrechts sehr gut erfasst. Das deutsche Jugendmedienschutzrecht gilt als wegweisend in Europa. Dennoch stößt es in der Praxis auch an Grenzen, da jugendgefährdende Inhalte sich nicht selten auf den Seiten ausländischer Anbieter finden. Was können wir konkret in der Medienpraxis tun, um Kinder und Jugendliche vor problematischen Inhalten im Rahmen der faktischen Möglichkeiten zu schützen und sie kompetent zu machen im Umgang mit diesen Inhalten? In der folgenden Übersicht werden Empfehlungen für den Jugendschutz aufgeführt (vgl. ausführlich dazu die Handlungsempfehlungen, die in der Gewalt im Web 2.0 -Studie 2008, von Clausen-Muradian beschrieben wurden): Wettbewerbe für kreative Videos, Fotos und Texte Diskussionsforen zu jugendlichen Themen Kennzeichnung von problematischen/ nicht veröffentlichungswürdigen Inhalten Literatur: Grimm, Petra/Rhein, Stefanie/Clausen-Muradian, Elisabeth: Gewalt im Web 2.0: Der Umgang Jugendlicher mit gewalthaltigen Inhalten und Cyber-Mobbing sowie die rechtliche Einordnung der Problematik. Schriftenreihe der NLM, Bd. 23. Berlin Grimm, Petra/Rhein, Stefanie: Slapping, Bullying, Snuffing! Zur Problematik von gewalthaltigen und pornografischen Videoclips auf Mobiltelefonen von Jugendlichen. Schriftenreihe der Medienanstalt Hamburg/ Schleswig-Holstein (MA HSH). Bd. 1. Berlin JUGEND7

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