Alles so schön bunt hier! Kindervideos eine Marktübersicht.

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1 Autor: Heidtmann, Horst. Titel: Alles so schön bunt hier! Kindervideos - eine Marktübersicht. Quelle: Bulletin Jugend + Literatur, Heft S Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors. Horst Heidtmann Alles so schön bunt hier! Kindervideos eine Marktübersicht. Teletubbies, Mickymäuse, Pocahontas oder Bibi Blocksberg: das Kindervideoangebot in Kaufhäusern oder bei Discountern ebenso wie im Sortimentsbuchhandel scheint fast ausschließlich aus Massenzeichentrickware zu bestehen. Wenngleich die anspruchslose Unterhaltung unübersehbar dominiert, so ist das Angebot bei genauerer Betrachtung erstaunlich vielfältig, bietet durchaus ambitionierte Alternativen zum Kinderfernsehen. Obgleich andere Medien in den Familien wie in der öffentlichen Diskussion mehr Aufmerksamkeit gewonnen haben, so wird hierzulande mit Kindervideos weiterhin deutlich mehr Geld umgesetzt als CD-ROMs oder mit Tonträgern für Kinder. Rückblick Video ist kein neues Medium. Die technischen Grundlagen, durch ein Magnetaufzeichnungsverfahren (ähnlich wie Tonbandaufnahmen) Bewegtbilder aufzuzeichnen, wurden für Fernsehstudios in den USA bereits in den 1950er Jahren realisiert. Auf dieser technischen Basis entstehen in den 70er Jahren in Japan neue Videotechnologien für private Konsumenten. Die massenweise Verbreitung des Mediums Video wird zunächst durch hohe Gerätepreise und das Nebeneinander verschiedener, nicht kompatibler technischer Standards (BETA, Video 2000 u.a.) erschwert. Ab 1982 einigen sich immer mehr Gerätehersteller und Softwareproduzenten auf den VHS- Standard (Video-Home-System). Seitdem setzt sich Video in den privaten Haushalten in 1

2 Deutschland durch, als Medium zum Abspielen fertig bespielter Kassetten ebenso wie für eigene Aufnahmen und Kopien. Haushaltsausstattung Nachdem Videorecorder anfänglich vorrangig von besser verdienenden Haushalten sowie besser verdienenden jüngeren Männern gekauft und genutzt worden sind, hat sich das Medium in zwei Jahrzehnten in der Gesamtbevölkerung durchgesetzt. Die Gerätepreise sind drastisch gefallen, auch für unterste Einkommensschichten erschwinglich. Im Jahr 1999 verfügen etwa zwei Drittel aller deutschen Haushalte über mindestens einen Videorecorder; der bestand wird auf ca. 22,5 Millionen Geräte geschätzt. Haushalte mit Kindern besitzen und nutzen überdurchschnittlich oft einen Videorecorder. Nach der Kids Verbraucher Analyse 1998" haben gegenwärtig bereits 15,4 Prozent der deutschen Kinder im Alter zwischen 6 und 17 Jahren einen eigenen Recorder. Bei dieser Altersgruppe steht der Videorecorder bei den gewünschten Geräten an zweiter Stelle (bei 36,4 Prozent), gleich nach dem eigenen Fernsehapparat (von 36,4 Prozent am innigsten gewünscht). Der PC folgt deutlich später (28,3 Prozent wünschen sich einen eigenen Rechner). Videonutzung Videorecorder wurden anfänglich einerseits zum Aufzeichnen und zeitversetztem Ansehen von Fernsehsendungen genutzt, zum anderen für Spielfilmkassetten, die vorrangig in kommerziellen Videotheken ausgeliehen wurden. Mit wachsender Zahl kommerzielle Fernsehsender, mit umfangreichen Spielfilmangeboten rund um die Uhr hat das Mitschneiden deutlich an Bedeutung eingebüßt. Nach neueren Erhebungen der GfK werden heute TV-Sendungen in den privaten Haushalten immer seltener auf Video aufgenommen. Nach aktuellen GfK-Daten werden heute von privaten haushalten fast ausschließlich Spielfilmausstrahlungen von PRO 7, RTL und SAT 1 mitgeschnitten. Allerdings wird vermutet, dass die meisten aufgezeichneten TV-Beiträge niemals angesehen werden. 2

3 Die Nutzungsintensität von Video ist deutlich geringer als die des Fernsehens. In allen Haushalten, die über einen Recorder verfügen, wurde dieser 1998 nur von 14 Prozent täglich mindestens für eine Minute eingeschaltet. Die durchschnittliche Sehdauer am Videorecorder liegt gegenwärtig bei 10 Minuten täglich (im Vergleich erreicht das Fernsehen im statistischen Mittel auf die Gesamtbevölkerung bezogen eine tägliche Sehdauer von173 Minuten). Am nutzungsaktivsten, sowohl bei der Ausleihe als auch beim Kauf von Videokassetten, sind Familien mit Kindern unter 14 Jahren. Ansonsten erweisen sich vor allem die Neubesitzer von Videorecordern als aktivere Käufer und Ausleiher. Seit etlichen Jahren sind gleichbleibend die Altersgruppen zwischen 20 und 29 Jahren sowie die über 65 Jahren in Deutschland die aktivsten Videonutzer, insbesondere Einpersonenhaushalte dieser Altersgruppen. Insgesamt kann Video aber weiterhin als ein eher junges Medium gelten, da die kommerziellen Videotheken vor allem von der Personengruppe im Alter zwischen 14 und 29 Jahren frequentiert werden, auf die etwa zwei Drittel der gesamten Ausleihvorgänge entfallen. Marktsituation Der Videomarkt war in den frühen 80er Jahren fast ausschließlich ein Verleihmarkt. In kommerziellen Videotheken konnten gegen Entgelt Spielfilme ausgeliehen werden. Die großen Filmgesellschaften brachten anfangs nur wenig attraktive Filme als Videoedition heraus, sie verwerteten eher kleine oder zweitrangige Filmproduktionen. Erst seit 1989 wird der Verkauf von Videokassetten an die Endverbraucher zu einem wichtigen Marktsegment. Und erstmals 1996 wurde mit dem Verkauf von Videokassetten ein höherer Umsatz erreicht als mit ihrem Verleih. Parallel zur Umwandlung des Marktes von einem Verleih- zu einem Verkaufsmarkt geht die Anzahl der kommerziellen Videotheken oder Mediatheken kontinuierlich zurück. Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenzen, nach der Wiedervereinigung wuchs die Zahl kommerzieller Videotheken in Deutschland nochmals drastisch an, erreichte um 1990 mit 3

4 rund Verleihstätten einen Höhepunkt. Die Anzahl sinkt seitdem Jahr für Jahr um 5 bis 10 Prozent ab arbeiten noch etwa bei kommerzielle Videoverleiher. Umgekehrt legen die Umsätze mit Kaufkassetten seit den 80er Jahren bis 1996 kontinuierlich zu wurden insgesamt 44 Millionen Videokassetten verkauft, der Gesamtumsatz lag bei 1,04 Milliarden DM (im Vergleich dazu erreichte der Anteil des Verleihgeschäftes noch einen Umsatzanteil von 0,8 Milliarden DM). Für die Filmindustrie ist die Vermarktung ihrer Produktionen auf dem Videomarkt zunehmend wichtiger geworden. Nach Branchenschätzungen trägt der Videosektor heute zu 40 bis 50 Prozent zum Gesamtgewinn bei der Verwertung von Filmen bei. Wie in den USA und in anderen westlichen Ländern zeichnet sich seit 1996 auch in der BRD ein leichter Umsatzrückgang für das Videogeschäft ab lag der Gesamtumsatz mit Videos etwa 10 Prozent niedriger als im Jahr davor. Der Absatz von Kaufvideos fiel auf 40 Millionen Stück. Es steht zu vermuten, dass andere Medien für einen Teil der Bevölkerung die Videonutzung substituieren, vor allem das immer breiter werdende Fernsehangebot sowie interaktiven und digitalen Medien. Allerdings haben in der zweiten Hälfte des Jahres 1998 sowohl das Verleih- wie das Verkaufsgeschäft in Deutschland nochmals kräftigen Aufwind erhalten. Man muß aber davon ausgehen, dass der Abwärtstrend 1998 ausschließlich durch den Chartbreaker Titanic gestoppt wurde. Vom Gesamtabsatz von Insgesamt 43 Millionen Videokassetten, die 1998 verkauft worden sind, entfallen deutlich mehr als 10 Prozent allein auf den Titanic -Film. Es bleibt abzuwarten, wie diese Entwicklung sich fortsetzen wird. Preisentwicklungen Videopreise lagen in den frühen 80er Jahren anfänglich noch recht hoch, bei Entleihungen waren bis zu DM 20,- pro Tag und Film zu zahlen. Der Kaufpreis für eine Videokassette lag bei durchschnittlich bei 200,- DM. Für die Ausleihe von Videofilmen in kommerziellen Videotheken müssen heute überwiegend Gebühren von weniger als 5,- DM pro Film und Tag gezahlt werden, über 30% des Angebotes sind zu Preisen zwischen 1,- und 3,- DM entleihbar. 4

5 Bei den Kaufkassetten liegt der Durchschnittspreis Ende 1998 bei 24,80 DM. Ein Drittel aller Titel wird für weniger als 20,- DM verkauft. Bei den Kindervideos, auch Klassiker oder Bestseller, ist das Niedrigpreissegment von noch größerer Bedeutung. Damit liegen die Durchschnittspreise pro Medieneinheit deutlich unter denen von Büchern. Video in Öffentlichen Bibliotheken Auf dem kommerziellen Videomarkt wurden Anfang der 80er Jahre vorwiegend zweit- und drittklassige Filme vermarktet, oftmals solche, für die sich der Kinoeinsatz oder eine Synchronisation nicht lohnten, ferner solche, die in den Normalkinos nicht unterzubringen waren, die nur in Bahnhofs- oder Schmuddelkinos vorgeführt werden konnten. Gewaltbetonte und pornographische Filme prägten für mehrere Jahre das Bild des Mediums. 80 Prozent aller kommerziellen Videotheken erwirtschafteten noch Ende der 80er Jahre ihren Hauptumsatz mit nicht jugendgeeigneten Videofilmen und sperrten Benutzer unter 18 Jahren aus ihren Räumen aus. Aufgrund dieser Situation auf dem Videomarkt wurde 1985 die Jugendschutzgesetzgebung in Deutschland verschärft. Videokassetten unterliegen seitdem einer strikten Altersfreigabe- und -kennzeichnungspflicht. Als jugendgefährdend indizierte Videos dürfen nur in Videotheken angeboten werden, die Menschen unter 18 Jahren weder zugänglich noch einsehbar sind. Gleichzeitig haben etliche Kommunen in ganz Deutschland damals begonnen, die Einrichtung von öffentlichen Videotheken, im Regelfall den Aufbau von Videobeständen in Öffentlichen Bibliotheken zu fördern, die in besonderer Weise kinder-, jugend- oder familiengerecht sein sollen. Der Aufbau solcher öffentlicher Videobestände vollzog sich allerdings nur sehr langsam, wurde vielfach zwar von den kommunalen Trägern gefördert, aber die Bibliothekarinnen sperrten sich oft gegen das neuen Medium gab es in Deutschland insgesamt kaum mehr als 100 Öffentliche Bibliotheken mit Videobeständen in erwähnenswertem Umfang. Die Zahl der Stadtbüchereien mit eigenen Videobeständen hat sich seitdem drastisch erhöht, was nicht zuletzt auch auf den Preisverfall für die Software zurückzuführen ist. 5

6 Videos sind zudem im Vergleich mit Printmedien nicht nur billiger, sondern auch haltbarer, länger einsetzbar. So konnten (nach übereinstimmenden Angaben verschiedener Stadtbibliotheken) Asterix -Kassetten mancherorts mehr als 500 mal ausgeliehen werden (Büchern lassen sich im Regelfall allenfalls 80 mal ausleihen). Mittlerweile verfügen die meisten Großstadtbüchereien über relativ große Videobestände, manchmal sogar über eigene Videotheken (z.b. die Hamburger Bücherhallen) oder Mediotheken. In Köln arbeitet seit dem Herbst 1998 erfolgreich eine eigene öffentliche Videothek für Kinder, KiViv. Die Kommission für Kinder- und Jugendbibliotheken des Deutschen Bibliotheksinstituts (dbi) hat Ende 1998 das Medienangebot von bundesdeutschen Kinderbibliotheken sowie dessen Nutzung ermittelt: danach enthalten gegenwärtig kaum mehr als die Hälfte der Bestände von Kinder- und Jugendbibliotheken Tonträger, lediglich 30 Prozent von ihnen bieten Videokassetten an. Die Nonbookmedien erreichen in den deutschen Kinderbüchereien derzeit insgesamt einen Bestandsanteil von durchschnittlich 11 Prozent. Der Anteil von Videos für Kinder und Jugendliche erreicht gerade ein Prozent vom Gesamtbestand. Bei den Ausleihfrequenzen sieht das Bild deutlich anders aus: Nach der aktuellen Bibliotheksstatistik wird ein Buch der Kategorie Sachliteratur für Erwachsene durchschnittlich 1,8 mal pro Jahr ausgeliehen, ein Buch der Kategorie Belletristik für Erwachsene 2,7 mal. Belletristik für Kinder bringt es auf eine Ausleihfrequenz von 3,7 mal, Musikkassetten für Kinder weisen eine Ausleihfrequenz von 7,7 mal auf, Audio-CDs für Kinder kommen auf 9 Ausleihen pro Jahr. Als beliebtestes Medium, zumindest was die Höhe der Entleihfrequenzen betrifft, liegen in den deutschen Kinderbibliotheken gegenwärtig Videokassetten deutlich vorn, diese kommen auf 10,8 Ausleihvorgänge pro Medieneinheit im Jahr. Marktanbieter Der Videomarkt wird, wie der Kinomarkt auch, von den amerikanischen Major-Companies dominiert, das entspricht weltweiten Tendenzen. In den USA teilten 1997 die drei marktführenden Anbieter bereits die Hälfte des gesamten Umsatzes unter sich auf: 6

7 26,6 % Umsatzanteil bei Disney/Buena Vista 11,9 % bei 20th Century Fox 11,9% bei Columbia Auch der deutschsprachige Videomarkt wird seit zwei Jahrzehnten von den großen amerikanischen Gesellschaften geprägt. Marktführend war in den letzten Jahren durchweg Disney (mittlerweile mit eigener Vertriebsfirma Buena Vista) mit Anteilen zwischen 20 und 30 Prozent am Gesamtumsatz. Im Jahr1998, dem Jahr von Titanic, gab es in Deutschland geringfügige Verschiebungen an der Spitze: 1. Rang: 20th Century Fox, 2. Rang: Buena Vista Home/Disney, 3. Rang: Columbia tristar, 4. Rang: CIC Video, 5. Rang: Polygram Video (1998 aus dem Besitz der holländischen Philips an Universal), 6. Rang: Warner Home Video, 7. Rang: BMG/Bertelsmann (deutsche Company, ohne eigenes Hollywood Studio) Im Marktsegment Kindervideo ist die Dominanz von Disney/Buena Vista in Deutschland noch eindeutiger. Ihr bisher erfolgreichstes Jahr hatte die Company 1993, mit folgenden Notierungen in den Video-Gesamtcharts:. Platz 1: Das Dschungelbuch (4,6 Millionen verkaufter Kassetten), Platz 2: Die Schöne und das Biest (1,7 Mio.), Platz 5: Peter Pan (0,52 Mio.), Platz 12: Disneys Weihnachtsgeschichten (0,375 Mio.). Auch in den Folgejahren führte Disney/Buena Vista die Kindervideohitparaden an; mit jeweils mehr als einer Million verkauften Videos standen 1997 an der Spitze: 1. Der Glöckner von Notre Dame, 2. Micky s Größte Hits, 3. Donald s Größte Hits, 4. Susi und Strolch. 7

8 Zwei weitere Disney-Trickfilme brachten es 1997 auf fast eine Million, 101 Dalmatiner und Cinderella. Ansonsten erreichten 1997 nur noch Kinderserien auf Video Gesamtumsätze von annähernd von annähernd einer Million oder etwas darunter: Bibi Blocksberg (8 Folgen bei Kiosk), gefolgt von Benjamin Blümchen (ebenfalls Kiosk, 20 Folgen), und Tabaluga (BMG, 6 Folgen). Gattungen und Genres Die von den Videoanbietern, von den Interessenverbänden oder Marktforschungsunternehmen vorgenommenen Unterteilungen des Videomarktes sind nicht eindeutig, da manchmal neben Kinderfilmen Märchen- oder Trickfilme gesondert ausgewiesen sind, da andererseits die Gattung Kinderfilm weitgehend gleichgesetzt wird mit Animationsfilm. In den z.b. vom Bundesverband Video in den vergangenen Jahren veröffentlichten Statistiken nahmen Kinderfilme stets einen der vordersten Ränge ein, gelegentlich mit über 40 Prozent Marktanteil. Im Jahre 1998 haben (Dank Titanic ) Spielfilme bei den Verkaufsvideos insgesamt an Marktrelevanz zulegen können: 55,9 % Spielfilme (1997: 49,4%), 28,1 % Kinderfilme (1997: 28,1 %), 11 % Special Interest (1997: 12,4%), 5 % Musikvideos (1997: 5,1%). Der Umsatzanteil am gesamte Kaufvideoabsatz lag für Kindertitel 1998 bei rund 300 Millionen Mark. Da Kindervideos im Regelfall zu niedrigeren Preisen verkauft werden als Erwachsenentitel, dürften die verkauften Stückzahlen deutlich über 15 Millionen Stück liegen. Damit ist das Medium Video im Kindermediensektor zumindest ökonomisch bedeutsamer als die gegenwärtig an Marktrelevanz deutlich zulegenden Kindertonträger, die 1998 auf ein Gesamtumsatzvolumen von rund 200 Millionen Mark kamen. 8

9 Aktuelles Kindervideoangebot Eine vollständige Gesamtübersicht über das lieferbare Kindervideoangebot in Deutschland läßt sich kaum herstellen, da oftmals Titel nur kurzfristig für Verkaufsaktionen von Kaufhäusern oder Discounter produziert und geliefert werden, da kleinere Anbieter mit kleinen Auflagen sich auf Nischenmärkte oder spezifische Zielgruppen spezialisiert haben. Die Gesamtkataloge der Fachverbände wie der Grossisten sind dementsprechend unvollständig. Zudem erfolgen auch die Gattungs- und Genrezuordnungen nicht eindeutig. Nicht alle Zeichentrickfilme sind gleichzeitig Kinderfilme, ehemals für das Gesamtpublikum produzierte Titel wie z.b. die Karl May- Verfilmungen erreichen heute als Video-Edition nur noch ein jugendliches Publikum, müssen also als Kindervideos eingestuft werden. Wenn man Serienfolgen und Kurzfilme mit einbezieht, so dürften gegenwärtig weit über deutschsprachige Titel auf Video erhältlich sein, die ausschließlich oder vorrangig für Kinderproduziert worden sind. Zeichentrickfilme bilden mit Abstand das wichtigste Kindervideosegment. Am besten verkaufen sich die aktuellen, abendfüllenden Disney-Kinofilme, Pocahontas, Hercules oder jetzt Tarzan, die stets eine Reihe von Plagiaten, oft lieblos und schnell gezeichneten nach sie ziehen. Nicht viel weniger erfolgreich sind die andere aufwendige, für den Kinoeinsatz produzierte Zeichentrickfilme, von anderen amerikanischen Majors, In einem Land vor unserer Zeit, oder europäische Produktionen wie die Asterix -Filme, die über Jahre verläßlich nachgefragt werden. Erfolgreich verkauft werden alle bekannten Zeichentrickserien, Disney-Kompilationen mit Micky, Goofy oder Donald, deutsche Serien mit Bibi Blocksberg oder Benjamin Blümchen. Der aktuelle oder wiederkehrende Einsatz im Fernsehen zieht im Regelfall auch einen nennenswerter Umsatz mit Videokassetten nach sich, gegenwärtig z.b. für Novitäten wie Sailor Moon, Sissi, Tabaluga, ebenso wie für Cartoonklassiker wie Biene Maja, Heidi, Die Schlümpfe, Die Simpsons oder Superman. Die Grimmschen Märchen ( Brmer Stadtmusikanten ) werden in immer neuen, wenig originell animierten Billigeditionen aus Italien oder Japan auf den Markt geworfen. Aber auch künstlerisch ambitionierte Editionen nach bekannten Bilderbüchern (Janosch-Serie, Leo 9

10 Lionni erzählt oder Die kleine Raupe Nimmersatt ) erreichen als Videos dauerhaft ihr Publikum. Auf dem Videomarkt sind daneben aber auch Produktionen zugänglich, die nicht oder kaum über das Fernsehen vermarktet werden, wichtige oder schon klassische Animationsfilme aus den Osteuropa, tschechische Serie wie die mit dem kleinen Maulwurf. Oder Produktionen aus den DEFA-Trickfilmstudios ( Der fliegende Großvater ). Auch andere Sparten des Animationsfilmes, mit Puppen wie mit Plastilinfiguren, sowie richtige (Hand-)Puppen-, Figuren- oder Marionettenfilme, Pingu ebenso wie Jim Knopf oder Urmel aus der Augsburger Puppenkiste haben im Kindervideo zumindest einen Nischenplatz zum Überleben. Ambitionierte, aktuelle Plastilinproduktionen wie Nick Parks Wallace & Gromit -Filme erreichen sogar sechsstellige Verkaufszahlen. Nach den Trickfilmen bilden Kinder- und Jugendrealfilme die nächstgrößere Gruppe innerhalb des Kindervideomarktes. Präsent mit zahlreichen Verfilmungen sind Astrid Lindgren-Stoffe, von denen zum Teil neben den Kinofassungen auch die umfangreicheren TV-Serien ( Pippi Langstrumpf ) vertrieben werden. Als Videoeditionen sind alle im Kino erfolgreichen Kinder- und Familienfilme nach deutschen Buchvorlagen erhältlich, wie Momo, Räuber Hotzenplotz, Rennschwein Rudi Rüssel oder Die unendliche Geschichte. Lieferbar sind die bekannten Kinderfilmklassiker, Heidi in unterschiedlichen Interpretationen ebenso wie Filme nach Erich Kästner, Emil und die Detektive. Die amerikanischen Major Companies vermarkten neben Kinderfilmklassikern wie Lassie oder populären Disney-Realfilmen wie Mary Poppins auf Video auch etliche Kinder- und Jugendfilme, die vorrangig für den einheimischen Markt produziert und nicht als Kinoexporte konzipiert gewesen sind, die kaum den Einsatz in privaten Fernsehprogrammen schaffen. Von noch minderer künstlerischer Qualität sind die deutsche Märchenfilme aus den 50er Jahren, Max und Moritz, Dornröschen, Bremer Stadtmusikanten, die Großteils zu Niedrigpreisen wieder lieferbar sind. Als preisgünstige Videoeditionen sind in den letzten Jahren künstlerisch (oder pädagogisch) mehr oder minder ambitionierte osteuropäische Märchenfilmreihen mit 10

11 russischen ( Bambi ) oder tschechischen Filmen ( Drei Haselnüsse für Aschenbrödel ) auf den Markt gekommen. Nachdem zunächst nur Klassiker wie Die Geschichte vom kleinen Muck auf Video verfügbar war, liegen jetzt auch die DDR-Märchenfilme preiswert in größerer Zahl vor ( Bärenhäuter, Eisenhans, Frau Holle ). Als Indianerfilme für Kinder können nicht nur die in den 60er Jahren gedrehten westdeutschen Karl May-Filme gelten ( Der Schatz im Silbersee ), sondern auch die wenig später in der DDR produzierten klassenbewußteren aus der DDR, mit dem jugoslawischen Winnetou Gojko Mitic ( Ulzana ). Ebenfalls nicht als Kinderfilme produziert, aber heute für diese Zielgruppe als Video attraktiv, sind Klassiker der Slapstick-Komik, einzelne Chaplin-Filme oder Die kleinen Strolche. Ansonsten stellen noch Videoreihen mit Kinderfernsehprogrammen einen nennenstwerten Titelanteil, englische Produktionen wie Enid Blytons Abenteuer - oder Fünf Freunde -Serien, aus Deutschland Neues vom Süderhof, Folgen von Siebenstein oder andere Vorschulreihen. Das Musikangebot für Kinder auf Video bleibt bisher sehr beschränkt, neben Sängern wie Rolf Zuckowski und Detlev Jöcker finden sich gerade noch Kompilationen mit Liedern aus Kinderprogrammen wie der Sesamstraße. In wachsender Zahl sind in den vergangenen Jahren Sachvideos für Kinder auf den Markt gekommen, zumeist als Serien, die sich mit dem Körper ( Es war einmal... das Leben, Eine Reise durch unseren Körper ), mit Natur und Tieren ( Guck mal, wie ich wachse, Geo Kids, Ufas Tierlexikon ), mit Kultur und Geschichte ( Es war einmal... der Mensch ) mit Basteln oder Straßenverkehr beschäftigen. Hier handelt es sich zum Teil um Eigenproduktionen, zum Beispiel des Verlages Dorling-Kindersley, meist aber um Fernsehproduktionen. Es bleibt abzuwarten, ob sich das Medium Video im Bewusstsein von Kindern (und Eltern, Vermittlern) auch als Informationsmedium etablieren kann oder ob es weiterhin vorrangig als Medium für eher problemfreie Unterhaltung genutzt wird. 11

12 Videotips Bei der Suche nach Kindervideotiteln helfen Videogesamtverzeichnisse, die von den Videofachverbänden herausgegeben werden, sowie Buchhandelsverzeichnisse, wie der jährlich erscheinende von Koch, Neff & Oetinger weiter. Im Internet weisen Suchmaschinen bei dem Stichwort Kindervideos neben kommerziellen Videoversendern vorrangig Websites mit Kinderpornographie nach. Empfehlungen und Besprechungen von Kinderfilmen auf Video bieten gegenwärtig die TOP VIDEOS des Kinder- und Jugendfilmzentrums in Deutschland: und die Videoempfehlungen des Instituts für angewandte Kindermedienforschung (IfaK): Die meistverkauften Kindervideos in Deutschland Hercules -...einfach göttlich!!! (Disney/Buena Vista), Zeichentrick 2. Vergessene Welt - Jurassic Park (CIC Video), Abenteuer 3. Anastasia (Fox), Zeichentrick 4. Bambi (Disney/Buena Vista), Zeichentrick 5. Die Schöne und das Biest: Weihnachtszauber (Disney/Buena Vista), Zeichentrick 6. Arielle, die Meerjungfrau (Disney/Buena Vista), Zeichentrick 7. Cinderella (Disney/Buena Vista), Zeichentrick 8. Flubber (Disney/Buena Vista), Komödie 9. Peter Pan (Disney/Buena Vista), Zeichentrick 10.In einem Land vor unserer Zeit: Der geheimnisvolle Berg der Saurier (CIC), Zeichentrick Basis: Media-Control, GfK 12

13 Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Rechteinhabers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. 13

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