CSR Leaders Circle Scope 3 Management 18. Juni 2014, Berlin

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1 CSR Leaders Circle Scope 3 Management Executive Summary Die mit indirekten Treibhausgas-Emissionen in eine Carbon-Management-Strategie verbundenen Chancen und Herausforderungen für Unternehmen wurden am 18. Juni 2014 in Berlin von rund 50 Teilnehmern des 3. CSR Leaders Circle intensiv diskutiert. Auf Basis von Ergebnissen einer neuen Studie zum aktuellen Stand der Treibhausgas-Berichterstattung von deutschen, schweizerischen und österreichischen Unternehmen wurden aktuelle Trends und Handlungsmöglichkeiten für Unternehmen im Bereich Carbon Management vorgestellt. Einig waren sich sowohl die Unternehmensvertreter verschiedenster Branchen als auch die Wissenschaft: Es besteht enormer Handlungsbedarf bei Unternehmen bezüglich des Scope-3-Managements. Eine Neujustierung der bestehenden Praxis in der Treibhausgas-Bilanzierung ist notwendig, um Klimarisiken besser steuern und sinnvolle Handlungsfelder identifizieren zu können. Der hohe Komplexitätsgrad bei der Erfassung von Scope-3- Emissionen schreckt jedoch Unternehmen noch vielfach ab obwohl inzwischen geeignete Instrumente vorliegen. Referenten und Gäste Institution/Unternehmen Referent/in Advisor Hochschule Pforzheim CDP Dr. Thomas Scheiwiller Prof. Dr. Mario Schmidt Laura Bergedieck Thema Fokus Scope 3: Warum muss/will man Was Wie exakt wissen? Scope-3-Erhebung Wie passen Ziele, Methoden und Wirklichkeit zusammen Zentrales Element im CDP-Bericht und Scoring (Fortsetzung nächste Seite) Systain Consulting GmbH Seite 1 von 8

2 Referenten und Gäste (Fortsetzung) Institution/Unternehmen Referent/in Thema Systain Consulting Dr. Moritz Nill Wie wichtig sind Scope-3-Emissionen der Lieferkette im Vergleich zu den Scope-1- und -2-Emissionen Ergebnisse des Berichts Daimler AG Otto Group CDP Dr. Udo Hartmann Alexander Bartelt Melanie Wilneder Erfahrungen zum Scope-3- Management aus der Praxis Best Practices and Lessons learnt Entwicklung des Scope 3 Managements der Otto Group Supply Chain Engagement via CDP: How Wal-Mart and L Oréal work with their suppliers Rund 50 Teilnehmer/innen haben das branchenübergreifende und dialogorientierte Veranstaltungsformat von Systain besucht. Zu den Anwesenden gehörten Unternehmensvertreter von adidas Group, AMAG Austria Metall AG, Beiersdorf, Bertelsmann, Bombardier Transportation, Brose Fahrzeugteile, Bünting, Daimler, Deutsche Bahn, Deutsche Lufthansa, Deutsche Telekom, Ernsting s Family, K+S, KiK Textilien und Non-Food GmbH, KSPG, Otto Group, real SB-Warenhaus, Robert Bosch, Ronal, Sandler, Schwarz Dienstleistung, Symrise, Volkswagen, Wacker Chemie, Wessling. Treibhausgasemissionen - Die Musik spielt draußen Wie die Vorträge der Referenten und die von CDP und Systain veröffentlichte Studie Wettbewerbsfaktor Management der Scope-3-Emissionen der Lieferkette zeigen, übersteigen die indirekten Treibhausgasemissionen der Lieferkette (Scope 3), die vielfach erhobenen Emissionen in Scope 1 und Scope 2 um ein Mehrfaches. Der Großteil der Treibhausgasemissionen, die durch ein Unternehmen verursacht werden, liegt außerhalb der unternehmenseignen Bilanzgrenze. Die Studie konstatiert allerdings, dass über die Scope-3-Emissionen die Unternehmen aktuell nur äußerst lückenhaft berichten. Die bisher gängige Praxis der Emissionsbilanzierung ist daher unzureichend, da ein Großteil der anfallenden Emissionen unberücksichtigt bleibt. Systain Consulting GmbH Seite 2 von 8

3 Dabei schafft die Transparenz über Scope-3-Emissionen in der Lieferkette Erkenntnisse von strategischer Relevanz, insbesondere über: Energieabhängigkeiten innerhalb der eigenen Wertschöpfung Regulierungsrisiken in der Lieferkette wie z. B. durch die Einführung eines (lokalen) Emissionshandelssystems Hebel für Einsparmöglichkeiten Diese Transparenz verlangen zunehmend externe Stakeholder und hier insbesondere die Finanzinvestoren wie Laura Bergedieck vom CDP in ihrem Vortrag betont. Klimabilanzierung - Auf einem Auge blind Laut der Studie von CDP und Systain erfassen nur 4 % der Unternehmen im deutsch-sprachigen Raum die Emissionen der Lieferkette umfassend. Lediglich ausgewählte Bereiche wie Dienstreisen oder ausgelagerte Transportprozesse sind bislang Bestandteil der Bilanzierung. Abbildung 1: Die meisten Teilnehmer geben an, dass sie hauptsächlich Scope-1- und Scope-2- Emissionen berichten (s. Frage oben; der Farbcode der Aufkleber hat keine Bedeutung) Etwaige Risiken in der Lieferkette werden deshalb nicht erkannt. Zum Teil setzen Unternehmen sogar erhebliche Ressourcen für eine noch genauere Erfassung von Systain Consulting GmbH Seite 3 von 8

4 Scope-1- und Scope-2-Emissionen ein, während die Emissionen entlang der Lieferkette weiterhin unberücksichtigt bleiben (s. Abbildung 1). Auch Investoren und Rating-Agenturen vernachlässigen (bislang) Scope-3- Emissionen in ihren Berichtsanforderungen, obwohl die finanziellen und rechtlichen Risiken in den Wertschöpfungsketten gravierend sein können, wie Dr. Thomas Scheiwiller in seiner Präsentation feststellt. Offenbar wird die Bedeutung des Themas von entscheidenden Treibern für den Klimaschutz in Unternehmen bislang verkannt, denn der Handlungsdruck durch Kunden, Finanzmarkt und auch NGOs ist bislang gering. Auch die Methodenfrage ist neu zu stellen. Prof. Dr. Mario Schmidt von der Hochschule Pforzheim konstatierte, dass sich die anlagen- und produktbezogene Bilanzierungsweise nicht eignet, um unternehmensübergreifende Prozesse sinnvoll zu erfassen. Zusätzlich schrecken methodische Unsicherheiten und der vermeintlich hohe Aufwand ab ungeachtet der hohen Relevanz. Abbildung 2: Neben einer schlechten Datenverfügbarkeit sind der große Aufwand, fehlendes Know-how und vor allem die geringe Aufmerksamkeit von Entscheidungsträgern eine Herausforderung für das Carbon Management (s. Frage oben; der Farbcode der Aufkleber hat keine Bedeutung). Systain Consulting GmbH Seite 4 von 8

5 Die Wahl der Bilanzierungsmethode muss sich dabei am Zweck oder Ziel der Untersuchung orientieren. Thomas Scheiwiller betont darüber hinaus, dass ein Carbon Reporting nie Selbstzweck ist, sondern nur Mittel. Je nach Zweck unterscheiden sich die Anforderungen an die Qualität der Daten sehr stark. Eine weitere Hürde ist nach Ansicht der Teilnehmer auch die fehlende Beachtung des Themas durch das Management (s. Abbildung 2). Die Studie von CDP und Systain ist hierbei ein wichtiger Beitrag, um höhere Aufmerksamkeit bei Entscheidungsträgern zu wecken. Scope 3 Eine wahre Goldgrube Melanie Wilneder vom CDP wies darauf hin, dass sich in der Lieferkette erhebliche Mengen an Treibhausgasemissionen reduzieren lassen, oftmals verbunden mit beachtlichen Kosteneinsparungen. Zahlreiche Unternehmen haben bereits Optimierungsmaßnahmen mit ihren Logistikdienstleistern durchgeführt und damit sowohl Treibhausgas-Emissionen als auch Kosten verringert. Derartige Erfahrungen müssen auf vorgelagerte Produktionsprozesse und die Beschaffung von Waren ausgeweitet werden. Voraussetzung für gezielte Einsparmaßnahmen ist die Kenntnis über die wesentlichen Hot-Spots entlang der Lieferkette. Vorreiter in dieser Hinsicht sind Unternehmen wie Wal-Mart, welche die Lieferkette gezielt und systematisch in die Klimaschutzstrategie integriert und enorme Einsparmöglichkeiten realisiert haben. Die Erkenntnis, dass die Bilanz der Scope-3-Emissionen ein aussagekräftiger Indikator für Energie- und Ressourceneffizienz entlang der Lieferkette ist, muss sich erst noch durchsetzen. Selbst bei Anfragen von Kunden oder Investoren spielt meist nur die Höhe der Scope-3-Emissionen eine Rolle, nicht jedoch eingeleitete Minderungsprogramme oder -maßnahmen. Transparenz über vorgelagerte Emissionen - Kein Klimmzug mehr Allein die Komplexität und der vermeintliche Aufwand schrecken von der Erfassung von Scope-3-Emissionen ab. Die überwiegende Mehrheit der berichterstattenden Unternehmen scheitert vor allem an einer mangelnden Verfügbarkeit von Daten. In den Diskussionen beim Leaders Circle stellte sich auch eine teilweise geringe Qualität der erhobenen Daten und eine unzureichende Verifizierbarkeit der Daten als weiteres Manko heraus (s. Abbildung 3). Prof. Dr. Mario Schmidt und Dr. Moritz Nill zeigten auf, dass den Unternehmen Systain Consulting GmbH Seite 5 von 8

6 verschiedene Ansätze zur Verfügung stehen, um Transparenz in der Lieferkette herzustellen: von direkten Erhebungen bei (Vor-) Lieferanten über Produktbilanzen und Industriemittelwerte bis hin zu volkswirtschaftlichen Input-Output-Modellen. Die ökologisch erweiterte multiregionale Input-Output-Rechnung hat Systain zu einem Verfahren ( estell ) entwickelt, das Unternehmen eine effiziente Ermittlung der Emissionen entlang der gesamten Lieferkette ermöglicht. Mit der Nutzung von monetären Einkaufsdaten, die im Unternehmen vorliegen, werden die Emissionen in der Wertschöpfungskette ermittelt. Die Ergebnisse sind regional und nach Lieferkettenstufen gegliedert. Das entwickelte Vorgehen bietet eine hohe Zuverlässigkeit bei geringem Aufwand. Prüfungen mit Hilfe alternativer Methoden bestätigen die Ergebnisse von estell. Abbildung 3: Insbesondere die schlechte Datenverfügbarkeit stellt nach Meinung der Teilnehmer eine Herausforderung für das Scope-3-Management dar (s. Frage oben; der Farbcode der Aufkleber hat keine Bedeutung). Managen der Lieferkette Aller Anfang ist schwer Um vorgelagerte Scope-3-Emissionen zu mindern, ist die Zusammenarbeit mit den Emittenten in der Wertschöpfungskette erforderlich. Der fehlende Durchgriff stellt jedoch für die meisten Unternehmen eine große Hürde dar. Systain Consulting GmbH Seite 6 von 8

7 Die Einbeziehung von Treibhausgas-Kriterien in den Einkauf ist stark abhängig vom Einfluss des einkaufenden Unternehmens auf den Lieferanten und die Abhängigkeit von ihm. Ebenso sind Zielvorgaben und Anreizsysteme vielversprechend, aber nur schwer zu implementieren. Lieferanten bzw. Lieferketten nach ihrer Treibhausgas- Relevanz zu kategorisieren ist ein erster Schritt, um Handlungsfelder zu identifizieren und hierfür geeignete Lösungsstrategien zu erarbeiten. Alexander Bartelt stellte in seinem Vortrag das neue Verfahren der Otto Group namens impact vor. Dieses setzt die Gruppe in ihrem CSR-Management ein und kann damit die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigen. In seiner Methodik sieht impact als ersten Schritt die Ableitung der wesentlichen Handlungsfelder vor, bevor Maßnahmen entwickelt und hinsichtlich Effektivität und Effizienz bewertet werden können und schließlich unter dem Dach der CSR-Strategie im Unternehmen umgesetzt werden. Die Diskussionen beim CSR Leaders Circle zeigten, dass dem Dialog mit (Vor-) Lieferanten eine große Bedeutung zukommt, insbesondere die Bewusstseinsbildung bei Akteuren in der Lieferkette und die Verdeutlichung von Vorteilen durch Klimaschutzmaßnahmen. Dies kann zum Beispiel in Workshops oder im Rahmen des Supplier-Relationship-Managements geschehen. Mit Hilfe solcher Dialogmaßnahmen, die auf den Nutzen für (Vor-)Lieferanten abzielen, ist auch die Einbeziehung von Akteuren möglich, auf die sonst kaum Einfluss genommen werden kann. Innovative Ansätze wie die Vermittlung von Lieferanten mit Anbietern von energieeffizienten Technologien bei L Oréal, der von Alexander Bartelt vorgestellte impact-ansatz der Otto Group zur Ausrichtung des CR-Managements auf die Lieferkette entsprechend Wesentlichkeit und Wirksamkeit oder das Capacity- Building-Webtool der von OTTO mitgegründeten Carbon Performance Improvement Initiative (CPI2) für Textil- und Schuhproduzenten sind gefordert, um Scope-3- Emissionen in globalen Lieferketten zu reduzieren. Hierbei erzielte Best-Practice- Beispiele können einen wichtigen Multiplikator bilden. Ebenso sollten die umfangreichen Erfahrungen aus dem Qualitäts- und dem Social Compliance Management für Carbon Management Programme genutzt werden. Unternehmensübergreifende Kooperationen sind ein weiteres Instrument, um Treibhausgasminderungen in der Wertschöpfungskette anzustoßen: sowohl vertikal mit Lieferanten als auch im Rahmen von Brancheninitiativen. Dr. Udo Hartmann von der Daimler AG fasste zusammen, dass die Beschäftigung mit Scope 3 eine Managementaufgabe ist, von welcher strategische Entscheidungen abgeleitet werden müssen. Systain Consulting GmbH Seite 7 von 8

8 Ausblick Die Diskussionen und Fachbeiträge beim CSR Leaders Circle haben die zunehmende Bedeutung eines nachhaltigen Lieferkettenmanagements sowohl für den Klimaschutz als auch für das unternehmerische Risikomanagement verdeutlicht. Mit einem zunehmenden Handlungsdruck durch Investoren, Regulierer, Kunden und Stakeholder ist fest zu rechnen. Die Einbeziehung von Scope-3-Emissionen in die Klimaschutzaktivitäten eines Unternehmens ist bereits heute ein Wettbewerbsfaktor, selbst wenn wichtige Fragen wie die Standardisierung noch ungelöst sind. In Zukunft wird sich erfolgreicher Klimaschutz an der Integration der Lieferkette in Entscheidungs- und Geschäftsprozesse messen müssen. Systain Consulting GmbH Seite 8 von 8

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