KARL THEODOR VOGEL PREIS FACHJOURNALIST DES JAHRES INTERNER WETTBEWERB. Dokumentation. zur Preisverleihung

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1 KARL THEODOR VOGEL PREIS FACHJOURNALIST DES JAHRES INTERNER WETTBEWERB Dokumentation zur Preisverleihung 2012 Raum Heisenberg I+II Vogel Convention Center VCC Würzburg, 17. Juli 2012

2 Laudationes zu den Gewinnern Prof. Dr. Lutz Frühbrodt Stiftungsprofessor für Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Jury-Vorsitzender interner Karl Theodor Vogel Preis Jury-Vorsitzender Karl Theodor Vogel Preis der Deutschen Fachpresse Anke Geipel-Kern: Die Rückkehr der Dinosaurier Bei einem Artikel mit dem Titel Die Rückkehr der Dinosaurier mag man zunächst wohl eher an Jurassic Park als an industrielle Großanlagen denken. Aber wahrscheinlich hat die Autorin des Artikels ja auch ganz bewusst diese doppelte Assoziation bei ihrer Zielgruppe hervorrufen wollen. Konkret: Erdöl ist knapp und teuer, weshalb die Synthesegas-Herstellung das ist nun der angesprochene Dino aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts derzeit eine Renaissance erlebt. Wohlgemerkt in einer technologisch aufgepeppten Version. Egal ob Kohle, Erdgas, Pflanzenabfälle, Biomüll, Holz oder Kunststoffe Hauptsache Kohlenstoff ist mit von der Partie: Mit dem Synthesegasverfahren lassen sich so oder so wahlweise Treibstoff oder Basischemikalien herstellen. Auf den Punkt gebracht: Ein extrem wichtiges Verfahren in einer Volkswirtschaft, in dem das produzierende Gewerbe mit seinen riesigen Maschinenparks und dabei die chemische Industrie an der Spitze eine zentrale Rolle spielen. Anke Geipel-Kern aus der PROCESS -Redaktion beschreibt in ihrem Artikel eben die Rückkehr der Dinosaurier, das Verfahren an sich und auch seine wirtschaftlichen Komponenten, zum Beispiel für wen sich der Einsatz des Synthesegasverfahrens rechnet. Auf jeden Fall wohl für die Erbauer der dafür notwendigen Großanlagen, zu denen auch einige deutsche Konzerne gehören. Frau Geipel-Kern verpackt ihre Informationen in einem klassischen Fachartikel, der sehr sachlich in Ton und Inhalt ist, zudem sehr kompakt wirkt und mit nur wenigen Zitaten auskommt. Diese hat sie sich für ein kurzes Experteninterview als Ergänzung aufgespart. Ein gelungener Klassiker des Fachjournalismus weshalb die Jury fand, dass dieser Artikel einen der beiden ersten Preise in diesem Jahr verdient hat. Markus Lauer: Es ist kein Hexenwerk Wer kennt ihn nicht diesen Werbespot, der vielen von uns sogar langsam ein bisschen auf die Nerven gehen dürfte, weil wir ihn schon so oft sehen und hören mussten? Carglass repariert, Carglass tauscht aus, lautet das Versprechen ganz so, als könne dies nur dieses eine Unternehmen auf der Welt. Was immerhin stimmt: Viele Werkstätten, zumal Vertragswerkstätten, sind, was die Reparatur von Autoscheiben angeht, zurückhaltend bis widerwillig. Denn sie verdienen kaum daran. Markus Lauer vom»kfz-betrieb«hat immerhin eine große Werkstatt in Aschaffenburg gefunden, die Windschutzscheiben repariert und zwar weil sie damit ihre Kunden binden will. Kein ganz so dummes Geschäftsmodell, das Lauer in einem Feature beschreibt. Abgerundet wird das Stück durch eine Übersicht mit Anbietern für Scheibenreparaturwerkzeug. Es ist kein Hexenwerk, lautet der Titel von Markus Lauers Artikel. Und es ist sicher auch kein Hexenwerk, für ein Fachmedium ein Feature zu verfassen, bei dem sich Szenen und Erklärungen abwechseln. Aber Markus Lauer hat es getan und dies sehr gut. Dafür gibt es den Karl Theodor Vogel Preis 2012! 2

3 KARL THEODOR VOGEL PREIS FACHJOURNALIST DES JAHRES INTERNER WETTBEWERB Anke Geipel-Kern wird anlässlich des internen Autoren-Wettbewerbs um den KARL THEODOR VOGEL PREIS 2012 für ihren Beitrag Die Rückkehr der Dinosaurier mit dem 1. Preis in der Kategorie ausgezeichnet. Vogel Business Media würdigt mit dieser Auszeichnung die fachjournalistische Qualität und Aufbereitung des Themas. Die Autorin recherchiert und bewertet die Fachinformation mit hohem branchenspezifischen Sachverstand und arbeitet den Nutzwert für den Leser mediengerecht heraus. Würzburg, den 17. Juli 2012 Katharina Pugmeister Stefan Rühling Anke Geipel-Kern 3

4 1. Preis Kategorie 4

5 1. Preis Kategorie PLANUNG BETRIEB INSTANDHALT. THEMA DES MONATS CHEMIE PHARMA/ LEBENS BIOTECH MITTEL ÖL/ GAS WASSER/ ABWASSER Die Rückkehr der Dinosaurier Im Rohstoffmix der Zukunft könnten Synthesegasverfahren eine Renaissance erleben Mit Volldampf sucht die Chemie nach Alternativen zum Erdöl. Ob Basischemikalien künftig aus Erdgas, Kohle oder Biomasse entstehen fest steht, dass die Synthesegasherstellung künftig eine wichtigere Rolle dabei spielen kann als bisher. ANKE GEIPEL KERN Die Autorin ist Redakteurin bei PROCESS. -Kontakt: Kontraktoren zu stemmen: Linde, die Air Liquide-Tochter Lurgi und Uhde. Und international gibt es mit Technip, Matthei Johnson und Kellogg noch eine Handvoll weiterer Player. Sie alle sind zurzeit gut im Geschäft. So baut Linde in Südkorea eine Kohlevergasungsanlage mit einer Kapazität von metrischen Tonnen, die 2013 in Betrieb gehen soll. Lurgi ist in China mit seiner Megamethanoltechnik Partner von Shenhua Ninxia und Datang Duolon (beide Tonnen Propylen). Und Uhde hat gerade den Zuschlag beim französischen BioTfueL-Projekt gemeinsam mit fünf französischen Partnern erhalten, sein Prenflow-Verfahren zur Vergasung von Biomasse einzusetzen. Gruß aus der Vergangenheit Legt man an die Geschichte der Chemikalienherstellung einen Zeitstrahl an, sind Synthesegasanlagen die Dinosaurier der Chemie aus der Anfangszeit, als Olefine wie Propylen oder Ethylen noch der Kohle abgerungen wurden. Erst als Anfang der fünfziger Jahre die ersten großen Erdölfelder erschlossen wurden, wurde Erdöl konkurrenzlos billig, war scheinbar unendlich lange verfügbar und Alles schon mal da gewesen auf diesen Gedanken könnte ein Zeitreisender aus den Anfängen der Chemikalienproduktion kommen, wenn er die heutige Renaissance der Synthesegasherstellung miterleben würde. In Europa arbeiten Verfahrenstechniker und Wissenschaftler an Vergasungsverfahren, die Holz, Pflanzenabfälle oder Biomüll in das reaktive Wasserstoff- Kohlenmonoxid-Gemisch verwandeln können, um wahlweise Treibstoff oder Basischemikalien daraus herzustellen. Und in China wachsen integrierte Chemiekomplexe aus der Steppe, die Kohle vergasen und am Ende des Tages in Propylen und Ethylen verwandeln. Trotz der unterschiedlichen Ansätze gilt für alle: ob Fischer-Tropsch, Megamethanolanlage oder Oxo-Synthese im Mittelpunkt steht immer eine Synthesegasanlage. Gute Zeiten also für den Großanlagenbau. Deuschland kann gleich mit drei Platzhirschen aufwarten, die entsprechende Verfahren im Portfolio haben und es sich leisten können, die notwendigen Anlagenkapazitäten als EPCermöglichte zudem den Zugriff auf eine sehr viel größere Palette an Grundchemikalien als Synthesegas oder Koks. Synthesegas behielt zwar seinen Platz bei der Methanol-, der Ammoniak- und Wasserstoffherstellung, doch Propylen und Ethylen entstehen seitdem im Cracker. Aber mittlerweile streifen die Erdölpreise pro Barrel immer mal wieder die 100 Dollar- Grenze, und die Experten von BP, Shell und Co. entwerfen immer neue Berechnungszenarien für die Erdölreserven. Befeuert durch diese Entwicklungen reüssieren alte Verfahren wie Fischer-Tropsch und damit auch die Synthesegasherstellung. Selbst der Imbert- Holzvergaser erlebt eine Wiedergeburt, damals wie heute in einem Fordmodell. Synthesegasverfahren kommen in Zyklen, sagt Prof. Dr. Eckhard Dinjus, Leiter des Instituts für Katalyseforschung und -technologie (IKFT) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Flexibler Einsatzstoff Zurzeit beschäftigen sich gleich zwei Branchen mit der Synthesegasherstellung. Neben der Treibstoffindustrie, die das Gas als Intermediat für synthetische Biokraftstoffe braucht, hat auch die Chemiebranche ihr Interesse an dem Verfahren neu entdeckt. Dr. Andreas Kreitmeier, Forschungschef der BASF, haben es vor allem die flexiblen Einsatzmöglichkeiten des reaktiven Kohlenmonoxid/ Wasserstoffgemisches angetan. Der Einsatz von Synthesegas soll uns in Zukunft die Möglichkeit geben, unsere Rohstoffbasis zu er- Schema der Synthesegasherstellung Erdöl Erdgas Kohle Biomasse VERGASUNG REINIGUNG KATALYTISCHE KONVERTIERUNG AUFBEREITETES SYNTHESEGAS Methanol Fischer-Tropsch Union Carbide Methanisierung zu SNG Oxosynthese PROCESS

6 1. Preis Kategorie THEMA DES MONATS weitern, sagte er schon vor drei Jahren auf einer Forschungspressekonferenz. Es lässt sich nämlich aus jedem denkbaren Rohstoff gewinnen, er muss nur Kohlenstoff enthalten Kohle, Erdgas, Erdöl, Pflanzenabfälle, Biomüll, Holz, Kunststoffe und sogar Müll sind schon vergast worden. Das verschafft die von der Chemie gewünschte Flexibilität und dem Gas eine Schlüsselrolle beim Thema Rohstoffwandel. Aus gutem Grund hat die BASF dafür ein Forschungscluster ins Leben gerufen, in das von 2006 bis 2008 bereits 100 Millionen Euro geflossen sind. U.a. im Visier der Verfahrenstechniker aus Ludwigshafen: Katalysatoren für die Fischer-Tropsch-Synthese, die die gezielte Herstellung von Olefinen mit zwei, drei oder vier Kohlenstoffatomen ermöglichen sollen. Zwar ist Synthesegas, wenn es einmal hergestellt ist, eigentlich Rohstoff neutral. Trotzdem hat der Einsatzstoff einen Einfluss auf das Wasserstoff/Kohlenstoffverhältnis. Es reicht von eins zu eins bei Kohle und Biomas- se bis vier zu eins bei methanreichen Erdgasen, dazwischen liegt Erdöl mit zwei zu eins. Im Klartext heißt das, mit der eigentlichen Synthese ist es nicht getan. Danach folgen Reinigungsschritte und eine meist katalytische Konvertierung, bei der das Wasserstoff- Kohlenmonoxidverhältnis zugunsten des Wasserstoffs verschoben wird und zwar entsprechend der Weiterverarbeitungsroute. Das macht vor allem den Einsatz von Biomasse zur Herausforderung. Denn: Biomasse ist der Sammelbegriff für eine außerordentlich heterogene Stoffklasse, erklärt Dinjus, Mitentwickler des Bioliq-Verfahrens. Das heißt, sie kann aus Rasenschnitt, Strohabfällen, Holzschnitzeln, Speiseresten oder ähnlichem bestehen, auf jeden Fall ist sie nass, inhomogen und verfügt über eine geringe Energiedichte. Deshalb ist der wichtigste Schritt des Bioliq-Verfahrens die pyrolytische Verdichtung zu einem energiereichen Syncrude, das anschließend vergast wird. Eine ganz andere Idee hingegen verfolgen die Wissenschaftler bei Evonik, die Synthesegas vermischt mit gewöhnlicher Glucose direkt als Fermentationsrohstoff einsetzen wollen. Eine Idee mit Charme, denn damit umginge man Reinigungs- und Konvertierungsschritte. Bioorgananismen sind unkritisch bei der Reinheit des Syngas, erklärt Dr. Thomas Haas von Evonik in Marl. Allerdings, räumt er ein, liege die Ausbeute solcher Verfahren noch um zwei bis drei Größenordnungen weg von der, die sich mit chemischen Katalysatoren erreichen ließe. Bedingt durch solche Tücken füllen die Verfahren zur Synthesegasherstellung in den einschlägigen Lehrbüchern der technischen Chemie mehrere Seiten. Allein zur Kohlevergasung existieren zehn verschiedene Verfahren, die entweder mit einem Festbett, einer Wirbelschicht oder einem Flugstromvergaser arbeiten, aber allesamt apparativ extrem aufwändig sind, denn die Kohle muss zuerst feingemahlen werden. Das entstandene Gas ist durch die Kohlepartikel verunreinigt und NACHGEFRAGT Weiterentwickelte Vergasungsverfahren nehmen Fahrt auf Die Zeit drängt, um für nachwachsende Rohstoffe großtechnische Verfahren zu entwickeln. Bisher werde das große Potenzial der Biomasse mangels effizienter Technologien zu wenig genutzt, sagt Prof. Dr. Dinjus, Leiter des Instituts für Katalyseforschung und -technologie (IKFT) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).? Herr Prof. Dinjus, neue Rohstoffe wie Biomasse scheinen gerade eine Renaissance der Synthesegasherstellung einzuläuten. Welche Rolle kann Biomasse künftig als Rohstoff spielen? DINJUS: Tatsächlich nehmen weiterentwickelte Vergasungsverfahren zur Synthesegasherstellung deutlich Fahrt auf; ein Grund dafür ist die sich verändernde Rohstoffsituationen, insbesondere die Einbeziehung erneuerbarer, d.h. nachwachsender Ausgangsmaterialien. Biomasse ist der einzige kohlenstoffhaltige Energieträger, dessen Nutzung CO 2 -neutral ist. Das große Potenzial wird bisher zu wenig genutzt, da effiziente Technologien kaum entwickelt sind und Biomasse teilweise einfach als Abfall betrachtet wird.? Ist ein solch energieintensives Verfahren aus den Anfängen der Kohlechemie im Zusammenhang mit der Diskussion um nachwachsende Rohstoffe überhaupt noch zeitgemäß? DINJUS: Die Zeit drängt, für nachwachsende Rohstoffe möglichst hocheffiziente, großtechnisch einzusetzende Verfahren zur Marktreife zu entwickeln; solche Entwicklungen sind nicht nur zeitgemäß, sondern vielleicht sogar der Zeit voraus.? Synthesegasanlagen rentieren sich erst ab einer gewissen Größe. Wie müssen biomassebasierte Konzepte aussehen, damit die Anlagen rentabel sind? DINJUS: Es ist richtig, Synthesegasanlagen sind rentabel im oberen Megawatt- bzw. Gigawatt-Bereich; für Biomassenutzung in diesem Bereich sind Vorbehandlungsverfahren notwendig, um die Energiedichte deutlich zu erhöhen und damit Transportkosten zu minimieren sowie Vergasungen unter hohem Druck zu realisieren. Wesentlich ist es daher, Synthesegas unter Weiterverarbeitungsdruck zu erzeugen um Kompressionsarbeit zu vermeiden. Außerdem brauchen wir weitere prozessintensivierende Maßnahmen, um die Größe zu reduzieren.? Die Diskussionen um Braunkohlekraftwerke oder Stuttgart 21 zeigen, dass Vorhaben in dieser Größenordnung in der Prof. Dr. Eckhard Dinjus, Institut für Technologie Karlsruhe (KIT) Bevölkerung nicht unbedingt auf Akzeptanz stoßen. Für wie realistisch halten Sie die Umsetzbarkeit in Deutschland? DINJUS: Mein Eindruck ist, dass thermische Verfahren zur Biomassenutzung, das heißt Pyrolysen (dezentral) und Vergasung, Synthese (zentral) sehr wohl akzeptiert werden. Insbesondere die Land- und Forstwirtschaft sieht dafür auch in Deutschland große Entwicklungschancen. Von biomassereichen Ländern (meist heutige Entwicklungs- oder Schwellenländern) liegt ein besonders starkes Interesse vor. Die Umsetzbarkeit in Deutschland, insbesondere in Kombination mit dem konventionellen Raffineriebetrieb ist dann hoch, wenn die Mineralölwirtschaft dafür gewonnen wird. Gleiches gilt für die Synthesegasherstellung aus nachwachsenden Rohstoffen in der Chemieindustrie PROCESS

7 1. Preis Kategorie PLUS muss vor der Weiterverarbeitung erst gewaschen werden. Aus gutem Grund also beziffert Dr. Otto Machhammer aus der Verfahrensentwicklung der BASF, das spezifische Investment aufgrund des Feststoffhandlings als etwa doppelt so hoch wie bei der Synthesegasherstellung aus Erdgas. Wo sich Kohlevergasung rechnet Trotzdem gibt es Länder, in denen der schwarze Rohstoff so billig ist, das sich die Kohlevergasung rechnet. Vielzitiertes Beispiel ist Südafrika, doch mittlerweile zieht China nach und beutet seine Kohlevorräte konsequent aus, um den Bedarf an Grundchemikalien zu decken und die Abhängigkeit von Erdölexporten zu bekämpfen. Technisch setzt China sowohl auf Fischer-Tropsch als auch auf das Mega-Methanol-Verfahren von Lurgi, das die Herstellung von Polypropylen direkt aus Kohle ermöglicht. Bei der Auftragsvergabe im November 2006, die sich für zwei Projekte mit den Teilprozessen Rohgasaufbereitung, Methanolsynthese und Methanol-to-Propylene immerhin auf 100 Millionen Euro summierte, jubelte der damalige Lurgi-Vorstandsvorsitzende Klaus Moll, dies sei der Durchbruch für den industriellen Einsatz der neuen Technologie. Auch wenn Synthesegas bei Polypropylen aus Kohle eine wichtige Rolle spielt, die so erzeugte Kunststoffmenge ist bisher noch überschaubar. Mehr als die Hälfte des Gases wandert immer noch in die Ammoniakherstellung, gefolgt von Raffineriewasserstoff mit 22 Prozent und Methanol mit 14 Prozent. Online Auf process.de finden Sie Whitepaper von Uhde u.a. über Flugstromvergasung und effiziente Ammoniakherstellung. Mehr zum Beitrag über InfoClick Events Der 4th Workshop on Fats and Oils as Renewable Feedstock for the Chemical Industry findet vom 20. bis 22. März 2011 in Karlsruhe statt. Organisatoren sind das KIT, die deutsche Gesellschaft für Fette und Öle sowie die Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe. Services Literatur zum Vertiefen: Industrielle Organische Chemie: Bedeutende Vor- und Zwischenprodukte. Hans Jürgen Arpe, Wiley-VCH, ISBN Und im Hype um die Kohle-zu-Chemie-Strategie der Chinesen, die diese gerne exportieren würden, geht gelegentlich unter, dass der Haupteinsatzstoff für die Synthesegasherstellung immer noch Erdgas ist. Es ist kostengünstig verfügbar, die Anlagenstruktur ist überschaubar und die Technik bewährt. Am häufigsten werden zurzeit die Dampfreformierung und die partielle Oxidation bzw. eine Kombination beider Verfahren eingesetzt. Allesamt State-of the-art-technologien, die technisch ausgereift sind, aber einen entscheidenden Haken haben: Die Anlagen sind richtig teuer, extrem groß und wegen der Reaktionstemperaturen von knapp 1000 C wahre Energievernichtungsmaschinen. Stand der Technik seien mehrständige Anlagen die pro Strang Normkubikmeter Wasserstoff liefern, erzählte Dr. Karsten Büker, der in der Research & Development Division bei Uhde in Dortmund beschäftigt ist, kürzlich auf einem Dechema-Kolloquium. Selbst kleinste Verbesserungen zahlen sich deshalb in barer Münze aus. Zurzeit arbeiten die Verfahrenstechniker vor allem an Katalysatoren, die eine höhere Aktivität aufweisen, und solchen, die nicht mehr so stark zum Verkoken neigen. Um den Trend zu noch größeren Anlagen zu stoppen, hat Uhde einen autothermen Erdgas-Reformer entwickelt, für dessen Einsatz zwar eine Luftzerlegung vorgeschaltet werden muss. Trotzdem seien die Investitionskosten in das Verfahren aufgrund der Skalenvorteile geringer als etwa in einen Steamreformer, betont Büker. Die Dortmunder haben erst Anfang des Jahres ihr Portfolio erweitert und von RWE das Hochtemperatur-Winkler-Verfahren (HTW- Verfahren) gekauft. Damit können sie neben der Flugstromvergasung, dem Prenflow- Verfahren, ein weiteres Vergasungsverfahrung für Feststoffe anbieten, das besonders für Braunkohlen, Steinkohlen mit hohen Ascheschmelzpunkten sowie für Biomassen wie Holz, Torf, aber auch Hausmüll geeignet ist Einsatzstoffen bei denen Karsten Radtke, Leiter des Uhde-Bereichs Gastechnik einen großen Zukunftsmarkt sieht. PROCESS

8 KARL THEODOR VOGEL PREIS FACHJOURNALIST DES JAHRES INTERNER WETTBEWERB Markus Lauer wird anlässlich des internen Autoren-Wettbewerbs um den KARL THEODOR VOGEL PREIS 2012 für seinen Beitrag Es ist kein Hexenwerk mit dem 1. Preis in der Kategorie ausgezeichnet. Vogel Business Media würdigt mit dieser Auszeichnung die fachjournalistische Qualität und Aufbereitung des Themas. Der Autor recherchiert und bewertet die Fachinformation mit hohem branchenspezifischen Sachverstand und arbeitet den Nutzwert für den Leser mediengerecht heraus. Würzburg, den 17. Juli 2012 Katharina Pugmeister Stefan Rühling 8 Markus Lauer

9 1. Preis Kategorie Werkstattpraxis 0931/ Glasreparatur Es ist kein Hexenwerk Kfz-Werkstätten können mit etwas Engagement Steinschlagschäden selbst reparieren Mit einer Demoscheibe kann man seine Kunden über Steinschlagreparaturen anschaulich informieren. Das haben wir fast alle schon einmal erlebt: Man fährt hinter einem Kies- oder Sandlaster her oder über eine unbefestigte Straße und plötzlich hört man ein kleines, aber kräftiges und deutliches Klack. Ein Stein ist auf die Windschutzscheibe geknallt und hat einen kleinen Krater ins Glas geschlagen. Da dieser Pickel eher unscheinbar ist, kümmern sich viele Autofahrer nicht darum. Das kann ein fataler Fehler sein, der einen größeren Reparaturaufwand nach sich zieht. Denn diese winzig kleinen Beschädigungen, sogenannte Mikrorisse, können sich schnell Beifahrer zu einem irreparablen Schaden entpuppen, da sie die Stabilität der Scheibe gefährden. Urplötzlich reißt dann die Scheibe, beispielsweise wenn der Autofahrer durch ein Schlagloch oder vom Bordstein fährt. Weitere Ursachen können eine starke Erwärmung oder Abkühlung sein. Ist der Worst Case eingetreten, ist ein zeitaufwendiger Scheibentausch nötig. Dies lässt sich aber vermeiden, wenn der Fahrzeughalter nach einem Steinschlag schnell handelt und in die Kfz- Werkstatt kommt. Leider trifft ihn dann oftmals der nächste Schlag, wenn er hört, dass seine Stammwerkstatt diese Schäden nicht repariert und ihn an einen Autoglasbetrieb verweist. Dies kann Werner Gossmann, Kundendienstleiter bei Kunzmann in Aschaffenburg, nicht verstehen: Diese Werkstätten schicken ihre Kunden weg und schmälern somit ihre eigene Kompetenz, obwohl sie solche Reparaturen selbst durchführen könnten. Fahrer Das Sichtfeld auf der Windschutzscheibe wird durch einen senkrechten, 29 cm breiten Streifen (etwa DIN-A4-Format quer) mittig zum Lenkradmittelpunkt gebildet, oben und unten durch das Scheibenwischerfeld begrenzt. Fotos: Lauer Der Mercedes-Benz-Betrieb repariert alle Steinschlagschäden selbst, obwohl er damit nicht das große Geld verdient Kundenbindung und Service sind die Antriebsfedern dafür. Und die beginnen schon in der Dialogannahme, wenn die Serviceberater bei der Fahrzeugannahme ihren Blick über die Windschutzscheibe schweifen lassen, um etwaige Schäden zu entdecken. Zudem hängt hier plakativ eine Windschutzscheibe, auf der verschiedene Schäden und ihre erfolgreiche Be- hebung dargestellt sind. Auf den Punkt Viele Kfz-Betriebe reparieren keine Steinschläge und verweisen ihre Kunden an einen Autoglasbetrieb. Dabei ist diese Instandsetzung ziemlich einfach: Die Werkstatt benötigt dazu einen speziellen Werkzeugkoffer und das nötige Fachwissen. Der Mercedes-Benz-Betrieb Kunzmann repariert alle Steinschläge selbst. Er verdient damit zwar nicht das große Geld, aber Abb.: Archiv der Dank seiner Kunden ist ihm sicher. Es ist kein Hexenwerk, diese Macken zu reparieren. De facto braucht eine Kfz-Werkstatt nur das passende Equipment und einen Monteur, der eine Schulung zur Glasreparatur besucht hat. Damit bei Kunzmann immer ein Glasspezialist im Haus ist, hat der Betrieb zehn Mechaniker diesbezüglich ausbilden lassen. Etwa 45 Minuten Um zu sehen, wie ein Steinschlag repariert wird, hat»kfzbetrieb«die Werkstatt von Kunzmann besucht. Der Patient ist ein Smart, der im rechten Scheibenbereich einen /2011 9

10 1. Preis Kategorie Werkstattpraxis 0931/ Unternehmen PS Service Systeme (www.psgmbh.com) ein Steinschlagreparaturset für knapp 700 Euro erworben. In diesem Koffer ist alles enthalten, was man für die Instandsetzung braucht vom Werkzeug bis zum Material. Letzteres kostet pro Reparatur etwa fünf Euro. Der Verdienst bei einer Steinschlagreparatur beträgt zirka 20 Euro. Viele Leser werden jetzt denken: Das ist aber wenig, für 45 Minuten Arbeit. Ja, das ist richtig, aber Umsatz und Rendite sind hier eher sekundär. In erster Linie geht es um den Service am Kunden Kalkulationsbeispiel Material EK Stundenverrechnungssatz Kalkulierter Gewinn Reparaturpreis 5 Euro 75 Euro 20 Euro 100 Euro und die Wertschätzung, die er dem Kfz-Betrieb entgegenbringt. Wenn wir in der Dialogannahme einen Glasschaden entdecken, beheben wir diesen gleich während des Kundendiensts oder der Reparatur. Da vereinbaren wir keinen neuen Termin oder schicken den Kunden woanders hin. Nein, wir erledigen das an Ort und Stelle, und zwar sofort und der Kunde dankt es uns, erklärt Gossmann. Laut Sebastian Wehren, zuständig für den Kundenservice bei Kunzmann, hat die Werkstatt im Jahr 2010 in acht Monaten 150 Steinschläge repariert. Etwa jedes zehnte Auto hat einen Glasschaden und davon sind etwa 80 Prozent reparabel. Dazu kommt, dass in der Anbieterübersicht: Scheibenreparaturwerkzeug Es gibt diverse Firmen, die Werkzeuge für die Steinschlagreparatur anbieten. Die meisten Sets sind in einem Kunststoff- oder Alukoffer untergebracht und enthalten alles, was die Werkstatt für die Reparatur benötigt. Manche Systeme lassen sich auch mobil einsetzen, da sie keine externe Energiequelle benötigen. Die Preisspanne reicht von zirka 300 bis Euro. Beim Kauf des Reparatursets offerieren einige Anbieter eine kostenlose Schulung. Berner: Delta Kits Vertrieb: KSA Toolsystems: Pro-Glass: PS Service Systeme: Schulungs- & Handelsagentur Kolb: Sons Reparatursysteme: Würth: Diese Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Regel die Teilkasko diese Reparaturen bezahlt, sie also nicht zulasten unserer Kunden gehen, erklärt Wehren. Fazit: Eine Kfz-Werkstatt kann mit der passenden Ausrüstung und mit etwas Knowhow Steinschlagschäden selbst reparieren. Sie verdient damit zwar nicht das große Geld, aber sie bewahrt den Kunden davor, dass ihm plötzlich die Scheibe reißt und er im schlimmsten Fall in eine brenzlige Situation kommt. Markus Lauer KARL THEODOR VOGEL PREIS FACHJOURNALIST DES JAHRES INTERNER WETTBEWERB Daten und Fakten Jetzt auch Online Der Karl Theodor Vogel Preis der Deutschen Fachpresse Fachjournalist des Jahres ist die etablierteste Auszeichnung für Fachjournalisten im deutschsprachigen Raum. Die von Karl Theodor Vogel ( ), ehemaliger Senior-Verleger der Vogel Medien Gruppe Würzburg, 1984 gegründete Stiftung seines Namens verleiht den Preis seit 2005 in Kooperation mit dem Verband Deutsche Fachpresse, der Interessenvertretung der deutschen Fachverlage. 10

11 Die Preisträger (seit 2005) Platz: Anke Geipel-Kern,»PROCESS«: Die Rückkehr der Dinosaurier 1. Platz: Markus Lauer,»kfz-betrieb«: Es ist kein Hexenwerk Platz: Konrad Wenz,»kfz-betrieb«: Insel der Glückseligen? 2. Platz: Stephan Richter/Julia Mauritz,»kfz-betrieb«: Schöne neue Welt 3. Platz: Jan Rosenow,»bike und business«: Vier Wege in die Zukunft Platz: Steffen Dominsky,»kfz-betrieb«: Die September-Revolution? 2. Platz: Daniel Feldmaier,»IT-Business«: Rechenzentrum heizt Schwimmbad 3. Platz: Sonja Beyer,»PROCESS«: Den Kosten Druck machen Online 1. Platz: Marion Henig, Frank Jablonski, Dr. Olaf Spörkel, Sonja Beyer, Michael Brehl,»Process.de«: Berichterstattung zur Achema Platz: Jens Badstübner,»Automobil Industrie«: Das Elektroauto fährt niemals 500 Kilometer am Stück 2. Platz: Edgar Schmidt,»kfz-betrieb«: Gebremste Entwicklung 3. Platz: Ilka Ottleben,»Laborpraxis«: Optimierte Biopharmazeutika aus Mooszellen Online 1. Platz: Andreas Grimm,»kfz-betrieb.de«: Automechanika-Berichterstattung Platz: Anke Geipel-Kern,»PROCESS«: Die Evolution geht weiter 2. Platz: Jens Badstübner/Konrad Wenz,»Automobil Industrie«: Grenzenlose Sicherheit" 3. Platz: Jan Rosenow,»autoKAUFMANN«: Gespür für Schnee Platz: Julia Mauritz,»autoKAUFMANN«: Endlich Nichtraucher 2. Platz: Edgar Schmidt,»autoFACHMANN«: Strahlende Technik 3. Platz: Claudia Mallok,»ELEKTRONIKPRAXIS«: Chance und Impulsgeber Kfz-Elektronik ist das Zugpferd der deutschen Elektroindustrie Platz: Anke Geipel-Kern,»PROCESS«: Wer die Ionen sucht, wird die Lösung finden 2. Platz: Claus-Peter Köth,»Automobil Industrie«: Gefangen in alten Konzepten 3. Platz: Helmut Klemm,»MM Deutschland innovativ«: Flach, flexibel, billig Platz: Ilka Ottleben,»Laborpraxis«: Auf dem Weg zu virtuellen Zelle 2. Platz: Ulrike Gloger,»MM MaschinenMarkt«: Mittelstand benötigt verlässliche Finanzpartner 3. Platz: Stefan Riedl,»IT-Business«: Goldgräberstimmung in der Datenmine Online 1. Platz: Frank Jablonski,»Process.de«: ProcessNet: erste gemeinsame Jahrestagung von Dechema und VDI-GVC 11

12 KARL THEODOR VOGEL PREIS FACHJOURNALIST DES JAHRES INTERNER WETTBEWERB ---> Redaktion/Konzept: Dr. Gunther Schunk Gestaltung: Martin Röder Vogel Business Media, Würzburg

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