Predigt über Lukas 10,38-42 am in Altdorf (Pfarrer Bernd Rexer)

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1 1 Predigt über Lukas 10,38-42 am in Altdorf (Pfarrer Bernd Rexer) Liebe Gemeinde, eine interessante Frage ist das: Was werden Menschen an meinem 70.Geburtstag über mich sagen? Was würde ich gerne hören? Was würde mir ins Stammbuch geschrieben? Als Lebensbilanz. Als das, wie ich wirkte und erlebt wurde. Gelte ich als schaffig, engagiert und immer fleißig. Schaffe, schaffe Häusle bauen. Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt. Arbeit war sein Leben. Oder würde eher etwas über meine Beziehungen gesagt. Dass mir immer Menschen wichtig waren, für die ich mir Zeit genommen habe. Dass ich Beziehungen gepflegt habe und gut zuhören konnte. Dass Personen immer vor der Arbeit kamen. Was für ein Typ bin ich? Oder möchte ich sein? Und wie bewerte ich den jeweils anderen. Ist Arbeit gut und Zuhören vertane Zeit? Auf diese Fragen geht Jesus geht auch ein. In einer besonderen Begegnung mit zwei Schwestern. Zwei sehr unterschiedlichen Schwestern: Martha und Maria.

2 2 Ich lese als Bibelwort für die heutige Predigt: Lukas 10, Als Jesus und seine Jünger weiterzogen, kam Jesus in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setze sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll! Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden. Liebe Gemeinde, Jesus und wohl auch seine 12 Jünger kamen zu Besuch. 13 Männer hatte Marta zu versorgen. Gastfreundschaft wurde in Israel großgeschrieben. Und Marta wollte sich nicht lumpen lassen. Ich weiß nicht, was Sie alles anstellen, wenn Sie Gäste bekommen. Aufräumen, das Gäste-WC putzen, Staub wischen, saugen, Und natürlich ein gutes Essen zubereiten. Marta jedenfalls war die Chefin im Haus. Auch ihr Name bedeutet Herrin. Und sie war zuverlässig und tatkräftig. Eine wirklich gute Hausmanagerin. Ich bin sicher, Marta hat ihre Gäste mit bestem Essen versorgt. Das war ihre Stärke. Maria war da ganz anders. Sie setzte sich Jesu zu Füßen. Sie hörte ihm zu.

3 3 Ihre ganze Aufmerksamkeit gehörte ihrem Gast. Sie wollte Jesus wirklich begegnen, erfahren, was er zu sagen hatte. Sie wollte Jesus kennen lernen. Ihr Lieben, wir wollen gar nicht das eine gegen das andere ausspielen. Beides ist wichtig. Gäste bewirten, wenn man Gäste hat. Aber sie auch nicht allein sitzen lassen, sondern sich Zeit für sie nehmen. Das sind verschiedene Arten, seine Liebe zu zeigen. Vielleicht kennen Sie das Buch Die 5 Sprachen der Liebe von Gary Chapman. Darin wird beschrieben, dass Menschen unterschiedliche Sprachen von Liebe sprechen und verstehen. Die einen drücken Liebe durch Lob aus, andere indem sie eine Person in den Arm nehmen. Wiederum andere, indem sie sich Zeit für jemanden nehmen. Dann gibt es Menschen, die helfen, die tatkräftig mit anpacken. Und wieder andere machen ihren Lieben gerne Geschenke. Marta gehörte eindeutig zu den tatkräftig liebenden. Ihre Schwester Maria verbrachte dafür gerne Zeit mit den Gästen. Und beides gehört auch zu einem christlichen Leben: Zeit mit Jesus verbringen und Dienen.

4 4 Doch Martha sah das anders. 1. Martha ärgert sich über Maria, weil die nichts arbeitet. Marta war nicht mehr nur beschäftigt, sondern sie war ganz und gar in Anspruch genommen. Ihr Ziel hieß: Dienst, viel Dienst. Sie hatte mehr Sorgen und Mühen als alles andere. Und aus lauter Überforderung wurde sie sehr ärgerlich. Keiner hilft mit! Alles muss man alleine machen! Hat sie da nicht recht? Ihr Lieben. Geht es uns nicht auch häufig so, dass wir uns ärgern, wenn andere uns die ganze Arbeit machen lassen? Aber Jesu Worte sind keine Aufforderung zum Faulenzen. Ihm geht es um etwas anderes. Und die Höhe von Maria war ja noch, dass sie als Frau zu Jesu Füßen saß. Das geht ja gar nicht. Das durften doch nur Männer. Nein, Maria gehörte doch eigentlich in die Küche! Sie verhielt sich völlig unangemessen! Marta fühlte sich im Recht. Deshalb geht sie zu Jesus und beschwert sich über Maria. Nein, vielmehr macht sie Jesus sogar Vorwürfe: Jesus, ist dir das eigentlich egal,

5 5 dass meine Schwester mich mit der ganzen Arbeit allein lässt?! Jesus soll die Maria mal zurecht weisen. Sie solle doch auch fleißig sein, wie ihre Schwester. Vielleicht hat Martha sich sogar ein Lob von Jesus erwartet. Doch Jesus überrascht die Martha: Nicht Marias Verhalten ist zu kritisieren, sondern deines. Überprüfe du bitte deine Prioritäten! Du schaffst so viel! Und du hast so viele Sorgen! Aber bei all dem vielen, was du tust, fehlt dir eine Sache: Du hast gar keine Zeit für mich. Du hörst mir nicht zu. Wir können uns gar nicht begegnen. 2. Martha zuviel Arbeit zerstört oder verhindert Beziehungen Marta war gestresst. Auch wir sind oft gestresst. Alles muss schnell gehen, alles muss effektiv sein, Zeit ist Geld. Wir sind belastet, besorgt, leicht irritierbar. Und dann nicht fähig, ganz im Augenblick zu leben. Gedanken eilen schon zum nächsten Termin. Wir sind zwar körperlich anwesend, doch geistig ganz wo anders.

6 6 Dazu meldet sich oft auch das schlechte Gewissen. Die Stimme in unserem Kopf, die uns ständig einredet, nicht zu genügen. Man müsste, man könnte, man sollte. Wir definieren uns oft über unsere Arbeit, unsere Leistung. So wie Martha hier. Wir denken: Nur wer etwas leistet, wer sich nützlich macht, hat eine Daseinsberechtigung. So stehen wir oft unter Druck. Und das hat verheerende Folgen: Stress macht nicht nur uns kaputt. sondern zerstört auch Beziehungen. Der eine denkt vielleicht an den viel beschäftigten Vater, der nie wirklich für ihn da war. Oder an die schaffige Mutter, mit der es kaum zu richtigen Gesprächen kam. Außer Anweisungen und viel Kritik war da nicht viel. Viel Arbeit kann auch eine Flucht sein. Flucht vor einem wichtigen Gespräch. Dass man ausweicht, vor einer Klärung. Darunter leiden Beziehungen, und Gemeinschaft gelingt oft nicht mehr.

7 7 Würde ich im Teeniekreis nur damit beschäftigt sein, die Sessel umzustellen, Liederbücher und anderes Material zu holen. Zu kochen, zu spülen und geschäftig durch die Räume zu eilen - ich wüsste nichts von den Teenies. Ich hätte keine Gemeinschaft mit ihnen, ich wäre nicht wirklich für sie da. 3. Maria Zeit zum Zuhören ist ein Segen Das wissen alle, die jemanden kennen, der richtig gut zuhören kann. Man fühlt sich verstanden. Das verbindet. Das tut gut. Auch die Beziehung mit Gott braucht Zeit. Und Zeit mit Gott ist nie vergeudete Zeit! Aber man muss sie wollen und planen. So heißt es hier ja auch: Maria hat das bessere Teil erwählt. Sie hat sich die Zeit für Jesus genommen. Trotz der vielen Aufgaben. Trotz der Kritik, die sie dafür einstecken muss. Wir können Jesus heute nicht als Person begegnen. Aber wir haben sein Wort, die Bibel und die Möglichkeit zu beten. Durch die Bibel spricht Jesus zu uns. Wenn wir genau hinhören, erfahren wir, was er uns sagen will. Beim Bibellesen kommt es auch auf die Haltung an. Ich kann das Bibellesen wie eine Pflicht abhaken und gedanklich schon woanders sein.

8 8 Oder ich möchte tatsächlich ganz für Gott da sein: Jetzt begegne ich Gott, jetzt habe ich Zeit mit Gott. Ziel ist nicht, eine Aufgabe zu erfüllen. Sondern vor Gott still zu werden und auf das zu hören, was er mir sagen will. So freut sich Gott über Begegnungen mit dir. Heute und Morgen und übermorgen. Ihr Lieben, wir hatten eingangs gefragt: Was sollen andere über mich über dich sagen? Wie sieht dein Leben, dein Alltag aus? Eher Marta oder Maria? Doch genau genommen braucht unser christlicher Glaube beides. Das Hören in der Stille wie Maria und dann das tatkräftige Anpacken wie Martha. Ihr Lieben, wir leben viel zu viele Martha-Wochen! Jeder Tag voller Arbeit und Sorge. Jesus lädt uns ein: Vergiss die Maria-Stunden nicht. Das Hören, die Stille, das Empfangen von Jesus. Mach s wie Maria, setz dich und hör auf Jesus. Jeder Gottesdienst ist eine Maria-Stunde. Auf dieses Hören auf Jesus legt Gott seinen besonderen Segen. Amen.

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