10. Schweizerischer Case Management-Jahreskongress Alle gleich Oder doch verschieden? Der Umgang mit Vielfalt im Case Management

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1 10. Schweizerischer Case Management-Jahreskongress Alle gleich Oder doch verschieden? Der Umgang mit Vielfalt im Case Management Forum 2: Umgang mit Menschen mit einer psychischen Belastung Dipl. Psych. Michaela Meissner, Case Managerin ARSANA GmbH Winterthur 1 - Immer mehr Menschen fallen in der Schweiz aufgrund einer psychischen Erkrankung aus dem Erwerbsprozess heraus - Die Zahl der psychisch Behinderten, die eine IV-Rente beziehen, hat sich in den letzten Jahren mehr als verdreifacht - Ca 40% der IV-Rentner beziehen diese heute aus psychischen Gründen 2 1

2 3 Im CM bewegen wir uns immer im Spannungsfeld zwischen verschiedenen Interessen/ Erwartungen von den beteiligten Akteuren im System. Wenn es aber um Menschen mit psychischen Erkrankungen geht, gibt es einige Punkte, die spezielles Gewicht bei der Prozessgestaltung haben. Wo es wichtig ist, näher hinzuschauen, zu reflektieren, sich der Besonderheiten bewusst zu werden und aus diesem Prozess heraus eine eigene Haltung im Umgang mit psychisch kranken Menschen zu entwickeln. Eine Haltung, die eine angemessene Begleitung und Fallsteuerung im Rahmen des CM^s ermöglicht und hilft, den Druck zu regulieren. Auf diese Punkte möchte ich heute gerne näher eingehen. Und ich freue mich auf einen spannenden, anregenden, Austausch mit Ihnen! 4 2

3 Ärztin Diagnose/Prognose Behandlug Mitarbeiterin Existenz Rückkehr an AP Gesundheit Spannungsfeld? Ziele/Erwartungen Interessen Zeitvorstellungen Wollen - Können Unter-/Überforderung Druck Versicherungen IV Früherkennung KTG Lohnfortzahlung PK usw. Chefin + Team Planung Rückkehr Anpassungen Betrieb Auftrag Leistung Zielerreichung 5 U Unterschiedliche Diagnosen Persönlichkeitsmerkmale Stärken / Potential Behinderungen/ Begrenzung Tempo Ziele? Entwicklungsmöglichkeiten? Wollen vs Können Schonen Überfordern Grenze des Möglichen? 6 3

4 Umfeld muss angepasst sein 7 Möglichkeiten? Strasse anpassen/ reparieren, damit man sich bewegen kann oder/und 8 4

5 Tuning 9 Sucht neue Wege 10 5

6 Fallbeispiel 11 CM Prozess beginnt mit einer Diagnose des Systems: 12 6

7 Diagnose Klient (Arzt hinzuziehen) - Lebenssituation/ Umfeld - Diagnose / Prognose - Symptome - Ressourcen / Fähigkeiten /Potential - Beeinträchtigungen/ Behinderungen - Umgang mit der Erkrankung/ Bewältigungskompetenzen - Auseinandersetzung - Ersterkrankung/ wiederholte Episode - Zeit für Genesung / Heilung - Welche Ziele sind realistisch? Zu welchen Zeitpunkt? 13 Genesung als Prozess verstehen Das Anerkennen einer psychischen Erkrankung ist für viele Betroffene ein schwieriger Prozess, manchmal jedoch auch eine Entlastung, wenn nach Jahren endlich klar ist, woran man leidet. Es kann ein wichtiger Wendepunkt sein, um den Weg zur Gesundung gehen zu können und Veränderungen umzusetzen. 14 7

8 Wenn ich einem psychisch kranken Menschen helfen will, dann muss ich seine subjektiven und objektiven Probleme möglichst präzise kennen erst dann können wir gemeinsam überlegen, wie man diese am Arbeitsplatz am besten kompensieren kann Psychisch Kranke könnten besser funktionieren, wenn die Arbeitsbedingungen besser an die Behinderung angepasst wäre (Niklas Baer) 15 System-Diagnose : Arbeitsplatz Ist der Arbeitgeber bereit, den MA wieder einzugliedern? Wird der Arbeitgeber eine Kündigung aussprechen? Welche Leistungen und Anforderungen muss der MA am Arbeitsplatz erfüllen? Wie ist das Arbeitsklima unter den MA? Gibt es Druck auf den MA, oder kann er sich für den Wiedereinstieg Zeit lassen? Wie viel an Informationen und Wissen hat der Arbeitgeber bereits über die Erkrankung? Rahmen erweiterbar? 16 8

9 System Arbeitsplatz Auch Anpassungsleistungen notwendig! CM Rolle als Übersetzer Sich darauf einstellen, dass der MA sich verändert Möglichkeiten zum Aufbau der Arbeitsfähigkeit Mitarbeiter hat noch nicht die volle Arbeitsfähigkeit was heisst das? Möglichkeiten den Arbeitsplatz anzupassen Unterstützungsangebote Klärung der Vorgesetztenrolle / Führung/ Kultur Teamdynamik Früherkennung (Rückfallrisiko! Wie in Zukunft auf Veränderungen reagieren? Wann? Wer? Wie ansprechen?) 17 Diskussion: Menschen mit psychischen Erkrankungen müssen sich einfach mal zusammenreissen! Haben Sie diese Aussage von Vorgesetzten auch schon mal gehört? Was halten Sie davon? Wie reagieren Sie darauf? 18 9

10 Balancemodell Positives Spannungsverhältnis Fürsorglichkeit u Verständnis Konfrontation mit den Anforderungen Schein-Realität Eskalation 19 Balancemodell Ausgewogenheit zwischen: Verständnis/ Entlastung Bei einem strikten Beharren auf den Leistungsansprüchen wird der Betroffene überfordert und seine Instabilität vergrössert Anforderung/ Aktivierung Bei völliger Vernachlässigung der Arbeitsanforderungen und bei überfürsorglicher Haltung drohen Unterforderung und Festschreibung der Krankenrolle Bei einseitigem Vorgehen: Jeweils negative Folgen für das Unternehmen und die betroffene Person 20 10

11 Aussage KlientIn: Ich möchte so schnell wie möglich zurück an den Arbeitsplatz Frage: Wenn Sie so eine Aussage hören, wie gehen Sie damit um? 21 Mit Grundbelastbarkeit, Stabilität und professioneller Begleitung angepasste Rückkehr an Arbeitsplatz/ Angst abbauen Kontakt zur Arbeitswelt/Team nicht verlieren Kontrollerfahrungen ermöglichen - Selbstvertrauen Sicherheit in eigene Fähigkeiten aufbauen Ziel: Stabilität, Kontinuität und Nachhaltigkeit! 22 11

12 Abklärung/ Aufklärung Arbeitgeber: Verhaltensänderung erproben braucht Raum und Zeit (steht das zur Verfügung?) Veränderungen Schwankungen normal Umgang? Haltung? Information des Teams über Rückkehr/ Vereinbarungen 23 IV-Eingliederungsberater: Wir arbeiten nur mit Klienten, die motiviert und willens sind Wie ist Ihre Einstellung dazu in der eigenen Fallbegleitung? 24 12

13 Mitarbeitende (ownership) des Prozesses Eigenverantwortung Behandlung und Beratung in Anspruch nehmen Eigenes Gesundheitsmanagement entwickeln Aber: Es braucht auch Hoffnung auf Veränderung und Perspektiven Umfeld entsprechend gestalten damit Klient sich bewegen kann Perspektivenübernahme und Verständnis ermöglichen / Unangemessene Erwartungen klären 25 Fazit: Rehabilitationsprozesse nach psychischer Krankheit sind langwieriger und gefährdeter als bei anderen Behinderungen. Krankheitsbewältigung, Verarbeitung möglicher Einschränkungen Stigmatisierung Lange anhaltende Verletzlichkeit und Irritierbarkeit bei Veränderungen aller Art Begleitdauer von 6 Monaten für viele Personen deutlich zu kurz 26 13

14 Fazit wie die Seele gesundet Gesundung ist auch bei schweren psychischen Erkrankungen möglich! Ohne Hoffnung geht es nicht! Jeder Gesundungsweg ist anders! Gesundung ist kein linearer Prozess! Gesundung geschieht, auch wenn Symptome fortbestehen oder Krisen auftreten! Krankheit und Gesundung verändern den Menschen! 27 Es braucht: Zeit zur Gesundung und beruflichen Rehabilitation Flexible, zeitlich nicht befristete Modelle, angepasste Begleitmassnahmen oder Arbeitsräume Arbeitgeber: System Arbeitgeber sollte auf den psychisch Kranken reagieren, damit dieser die Möglichkeit hat, im System gesund zu werden und zu bleiben Verbindung von psychiatrisch-therapeutischer Begleitung und beruflicher Integration Eine positive Haltung und Förderung von Empowerment und Mut trotz Risiken 28 14

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