Ökologische Nachhaltigkeit in klein- und mittelständischen Betrieben

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1 Schriftenreihe der IHK Würzburg-Schweinfurt Nr. 31 / 2012 Ökologische Nachhaltigkeit in klein- und mittelständischen Betrieben Würzburg-Schweinfurt Mainfranken

2 Standort Starthilfe Unternehmensförderung Aus- und Weiterbildung Innovation Umwelt International Recht Fair Play

3 Ökologische Nachhaltigkeit in klein- und mittelständischen Betrieben Handlungsempfehlungen aus Theorie und Praxis Eine Kooperation der IHK Würzburg-Schweinfurt mit der FH Würzburg-Schweinfurt, Fakultät Wirtschaftswissenschaften von B.A. Sabine Högner Dipl.-Ing. (FH) Oliver Freitag Prof. Dr. Gerhard Hube Würzburg, im März 2012

4 Impressum: Ökologische Nachhaltigkeit in klein- und mittelständischen Betrieben Schriftenreihe der IHK Würzburg-Schweinfurt Nr. 31/2012 ISBN Mitteilung der Gemeinden, Städte und Verwaltungsgemeinschaften in Mainfranken Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung [Hrsg.]: Gemeindefinanzen in Bayern, München 2011 (Stand 06/2011) Deutscher Industrie- und Handelskammertag [Hrsg.]: Hebesatzumfrage 2011, Berlin 2011 Statistisches Bundesamt [Hrsg.]: Realsteuervergleich 2010, Wiesbaden 2011 (Stand: ) Statistisches Bundesamt [Hrsg.]: vierteljährliche Kassenergebnisse des öffentlichen Gesamthaushalts, Wiesbaden 2011 (Stand ) Mitteilungen des Deutschen Städtetages, Berlin/Köln 2010/2011 Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder Vervielfältigung auf Papier oder elektronischen Datenträgern sowie Einspeisung in Datennetze nur mit Genehmigung des Herausgebers. Alle Angaben wurden mit größter Sorgfalt erarbeitet und zusammengestellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit des Inhalts sowie für zwischenzeitliche Änderungen übernimmt die IHK keine Gewähr. Diese Publikation ist gedruckt auf einem FSC-zertifizierten Naturpapier. Das FSC-Zertifikat steht für eine Produktgruppe aus vorbildlich bewirtschafteten Wäldern und kontrollierten Herkünften.

5 Inhalt Vorwort... 9 Danksagung Anmerkungen Management Summary I. Einleitung, Aufbau und Zielsetzung Einleitung Aufbau und Zielsetzung II. Nachhaltigkeit Ursprung und historische Entwicklung des Begriffes Die drei Säulen der Nachhaltigkeit Soziale Nachhaltigkeit Ökonomische Nachhaltigkeit Ökologische Nachhaltigkeit Zusammenfassung III. Ökologische Nachhaltigkeit und ihr Einfluss auf Kleinund mittelständische Unternehmen Mögliche Treiber für ökologische Nachhaltigkeit Rohstoffverknappung und Umweltverschmutzung negative Auswirkungen der Wirtschaft auf die Umwelt Der Einfluss von Natur auf Konjunktur Unternehmerische Verantwortung Stakeholder ihre Rechte und Macht Trends und Zukunftsmärkte Ökologische Nachhaltigkeit und ihr Einfluss auf die Funktionsbereiche Forschung Entwicklung und Produktdesign Verpackung Einkauf

6 INHALT 2.5 Logistik Verarbeitung und Produktion Marketing und Vertrieb Dienstleistung und Kundenservice Personalwesen Entsorgung Sonstiges Zusammenfassung IV. Best-Practice-Analyse Vorgehensweise und Hintergründe Ergebnisse und Erkenntnisse Teilnehmer Ökologische Nachhaltigkeit in der Praxis Wirtschaftlichkeit Die grüne Innovation Zukunftschance oder Kostenfaktor? Zusammenfassung V. Handlungsempfehlungen Kooperation und Zertifizierung Partizipation der Stakeholder grüne Qualität Made in Germany Verkauf von Nutzen grüne Logistik Weitere Empfehlungen Zusammenfassung VI. Ausblick Quellenverzeichnis Anhang

7 Verzeichnis der Abbildungen Abbildung 1: Aufbau der Arbeit Abbildung 2: Dimensionen und Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung Abbildung 3: Die Beziehung von Wirtschaft & Umwelt Abbildung 4: Unternehmensgröße Abbildung 5: Gewerbe Abbildung 6: Engagiert über das Gesetz hinaus? Abbildung 7: Engagiert seit? Abbildung 8: Motive Abbildung 9: Engagement in den Unternehmensbereichen Abbildung 10: Kostenersparnis Abbildung 11: Umsatzsteigerung Abbildung 12: grüne Innovation Abbildung 13: Umsatzentwicklung Abbildung 14: Wettbewerbssituation Abbildung 15: Ansprache neuer Kunden? Abbildung 16: Trend Abbildung 17: Zitate

8 Verzeichnis der Tabellen Tabelle 1: Megatrends Z_punkt Tabelle 2: Definition KMU gemäß IfM Tabelle 3: Definition KMU gemäß der Europäischen Kommission Tabelle 4: Zertifizierungen, Förderprogramme, Organisationen & sonstige Aktionen Tabelle 5: Weitere Motive und Gründe Tabelle 6: Aktivitäten in den Unternehmensbereichen Tabelle 7: grüne Innovationen Tabelle 8: Mögliche weitere Gründe

9 Verzeichnis der Infoboxen Infobox 1: Cradle-to-Cradle Infobox 2: Ökologischer Rucksack Infobox 3: Gütertransport-Aufkommen Infobox 4: Ökologischer Fußabdruck Infobox 5: Recycling

10 Abkürzungsverzeichnis Bsp. Beispiel B2B Business-to-Business bzw. beziehungsweise CO 2 Kohlenstoffdioxid C(S)R Corporate (Social) Responsibility CS Corporate Sustainability d.h. das heißt ggf. gegebenenfalls ggü. gegenüber GI grüne(n) Innovation(en) IfM Institut für Mittelstandsforschung KMU Klein- und mittelständische(s/n) Unternehmen KVP kontinuierlicher Verbesserungsprozess NH Nachhaltigkeit NRO Nicht-Regierungs-Organisationen o.g. oben genannte(n/s) ÖNH ökologische(r/n) Nachhaltigkeit ö.n. ökologisch nachhaltig(e/er/en/em/es/ere) sog. so genannte(n/s) STH Stakeholder(n/s) u.a. unter anderem v. a. vor allem z.b. zum Beispiel Um der besseren Lesbarkeit willen, wird im gesamten Text auf weibliche Endungsformen verzichtet. Dies gilt für alle geschlechtsbezogenen Begriffe. Zum Beispiel schließt der Sammelbegriff Produzenten selbstverständlich auch Frauen, also Produzentinnen mit ein. Auch wird in dieser Publikation der Begriff Nachhaltigkeit oftmals mit dem Begriff Umweltschutz gleichgesetzt, wohlwissend, dass sie nicht miteinander identisch sind. 8

11 Vorwort Der Begriff Nachhaltigkeit und die Fragen zur nachhaltigen Entwicklung sind nicht neu. Bereits vor vierzig Jahren erschien ein Bericht des Club of Rome zu den Grenzen des Wachstums. Die Umwelt- und Klimakonferenzen von Stockholm (1972), Rio de Janeiro (1992), Kyoto (1997), New York (2000), Johannesburg (2002), Montreal (2005), Nairobi (2006), Bali (2007), Posen (2008), Kopenhagen (2009), Cancun (2010) und Durban (2011) zeigen anhand der kurzen (jährlichen) Konferenzintervalle, wie dringlich die Probleme inzwischen sind. Nur scheint diese Dringlichkeit noch nicht bei allen Staaten, Regierungen, Unternehmenslenkern und Verbrauchern angekommen zu sein. Bereits seit den 70er Jahren wird an vielen Instituten und Universitäten die ökologische Problematik erforscht und Lösungswege skizziert. Das theoretische Wissen zur Lösung der ökologischen Probleme ist also vielfältig vorhanden. Die globale, konsequente Umsetzung in die Praxis steht hingegen noch relativ am Anfang. Trotzdem wird der Begriff Nachhaltigkeit zunehmend mehrfach Verwendet ist in Mode. Nachhaltig zu sein folgt dem aktuellen Zeitgeist, verkauft sich gut und gibt jedem Individuum ein gutes Gefühl, besonders klimaund umweltschonend oder ressourceneffizient für eine intakte Zu kunft zu handeln. Dabei wird der Begriff gerne mit Schlüsselwörtern verbunden wie z. B. nachhaltige Mobilität, nachhaltige Strategie oder nachhaltiges Wirtschaften. Wenn nun die Annahme richtig wäre, dass im Bewusstsein der Gesellschaft der Begriff Nachhaltigkeit angekommen ist, so müssten Menschen um die Gefahr des Klimawandels wissen und sofort ihren CO 2 -aufwendigen Lebensstil umgestalten, weniger Rindfleisch essen, keine Flugreisen oder lange Autofahrten unternehmen, überflüssige Produktionen einstellen und deutlich stärker den Konsum drosseln. Dies geschieht aber nicht. Dies könnte ein Grund dafür sein, dass Nachhaltigkeit im Jahr 2012 eines der ganz großen Themen der Weltpolitik ist. Klimaschutz, Ressourcenverknappung und der demographische Wandel sind große gesellschaftliche Herausforderungen der Zukunft, denen sich auch die IHK-Organisation intensiv widmet. Mit dem IHK-Jahresthema 2012 Energie und Rohstoffe für morgen werden zwei grundlegende Säulen der heutigen Gesellschaft und Wirtschaft 9

12 VORWORT durchleuchtet und erörtert. Ohne Energie und Rohstoffe ist es uns nicht möglich, unseren Lebensstandard in der Zukunft zu halten oder zu verbessern. Hierzu ist nachhaltiges ökologisches, ökonomisches und soziales Engagement jedes Einzelnen und vor allem der Wirtschaft notwendig. Als Grundlage für Aktivitäten der IHK Würzburg-Schweinfurt zum Jahresthema 2012 wurde die vorliegende Analyse der Ist-Situation mit konkreten Handlungsempfehlungen für ein ökologisch nachhaltiges Wirtschaften in kleinen und mittleren Unternehmen in Form einer Bachelorarbeit erstellt. Die Umsetzung jeglicher Nachhaltigkeitsstrategien kann nur durch das Engagement jedes Einzelnen zum Erfolg führen. IHK Würzburg-Schweinfurt Oliver Freitag Bereichsleiter Innovation Umwelt 10

13 Danksagung An dieser Stelle möchte ich mich bei all denjenigen bedanken, die mich bei der Anfertigung dieser Bachelor-Thesis unterstützt haben. Ich danke der IHK für die Kooperation und die baldige Veröffentlichung meiner Arbeit in ihrer Schriftenreihe, insbesondere Herrn Oliver Freitag und Herrn Jürgen Herber des Bereiches Innovation Umwelt, die mir bei der Themenfindung und der Durchführung der Best-Practice-Analyse mit Rat und Tat zur Seite standen. Ein besonderer Dank gilt meinen Korrektoren, Professor Dr. Gerhard Hube, der mich während der Anfertigung meiner Bachelorarbeit begleitet, mich mit Tipps und Anregungen unterstützt und mir einiges an Freiraum, u.a. bei der Themenstellung, gelassen hat und Professor Dr. Christian Kille, der sich bereit erklärt hat als Zweitgutachter zu fungieren. Außerdem danke ich Professor Dr. Clifford Sell, der mich in seine Bachelorseminare aufgenommen hat und mir dort einige wertvolle, wissenschaftliche Hinweise gab sowie Chris und Lea, die mich mental unterstützten. Nicht zuletzt danke ich meinen Eltern, die stets mit Verbesserungsvorschlägen und Formulierungshilfen zur Stelle waren und mich während des gesamten Studiums unterstützen. B. A. Sabine Högner 11

14 Anmerkungen Da durch das hin- und herschicken der Fragebögen und den Druck der Bachelorarbeit ein hoher Papieraufwand entstanden ist kam der Stiftung PLANT FOR THE PLANET (siehe: ein Beitrag zu, sodass 20 neue Bäume gepflanzt werden können. Die Umschlaggrafiken wurden selbst erstellt. Das Stoppschild wurde von der URL entnommen. 12

15 Management Summary Diese Arbeit soll Klein- und Mittelständlern Informationen darüber liefern, wie sie ihre innerbetrieblichen Abläufe, Produkte und Leistungen auf ein ökologisch nachhaltiges Niveau bringen können. Dies dient dazu, das Ziel der ökologischen Nachhaltigkeit die Wahrung des Gleichgewichtes der Natur und ihrer Ressourcen sowie Minimierung der Einflüsse des Menschen zu erlangen. Da zwar jedes Gesellschaftsmitglied Einfluss auf die Erreichung dieses Zieles hat, die deutsche Wirtschaft und die darin zu 99,6 Prozent vertretenden KMU s jedoch größere Effekte bewirken, wird sich hier lediglich auf diese beschränkt. Die Natur kann ohne den Menschen, der Mensch jedoch nicht ohne die Natur überleben, d.h., dass der Schutz der Natur auch den Schutz der Menschheit bedeutet. Business as usual 1 kann also in Zukunft kein Zustand sein. Unternehmen können sich folgenden Treibern ökologischer Nachhaltigkeit nicht entziehen: Knappe Ressourcen und eine bald ausgereizte Aufnahmekapazität der Umwelt Naturkatastrophen, die auf Wirtschaftszyklen Einfluss nehmen können Stakeholder, die von allen Unternehmensentscheidungen berührt werden, Wirtschaftseinheiten aber in nicht minderem Maße ebenso deutlich beeinflussen Effekte, die Unternehmen auf Gesellschaft und Umwelt ausüben und somit die Verantwortungsübernahme für diese Effekte Megatrends, welche in das Unternehmen integriert Chancen bieten und Zukunftsmärkte eröffnen können Aus theoretischer Sicht ist ökologisch nachhaltiges Handeln durch den effizienten Umgang mit Ressourcen und Energie gekennzeichnet. Sie sollen nicht verschwendet, sondern innerhalb eines Kreislaufs wieder für das Unternehmen und die Natur nutzbar gemacht werden. Zudem sollen alle schädlichen Effekte von Unternehmen, wie Emissionen und Abfälle, reduziert oder eliminiert werden, um die Aufnahmekapazität der Umwelt nicht zu überstrapazieren. Diese Ziele können mithilfe entsprechender Vorgehensweisen und Technologien in jedem Funktionsbereich eines Unternehmens, auf vielfältige Art und 1 zu Dt.: gewohnte Geschäftstätigkeit 13

16 MANAGEMENT SUMMARY Weise, umgesetzt werden. In jedem Bereich muss dabei allerdings immer eine vorausschauende, bewusste und den gesamten Lebenszyklus der Industrieleistungen betreffende, Beobachtung und Verbesserung stattfinden. Durch die praxisorientierte Untersuchung, die sog. Best-Practice-Analyse, wird deutlich, dass sich bereits 80 Prozent der Teilnehmer freiwillig aus vorwiegend idealistischen und ökonomischen Gründen, für ökologische Nachhaltigkeit engagieren. Neben verschiedenartigen Zertifizierungen und Kooperationen äußert sich dies schon in einigen Funktionsbereichen der Teilnehmer-Unternehmen. Die Hälfte der befragten Firmen entwickelte bereits nachhaltige Innovationsprodukte und Verfahren, welche deutliche Umsatzsteigerungen und positive Auswirkungen auf ihre Wettbewerbssituation bewirken. Auch sehen fast alle Befragten ökologische Nachhaltigkeit als Chance für ihr Unternehmen, was deutlich macht, wie sinnvoll eine diesseitige Ausrichtung ist. Aus den durchgeführten theoretischen und praxisorientierten Status Quo- Abfragen lassen sich Handlungsfelder ableiten, die auch in KMU durchführbar sind: Zum einen können interne Unternehmensprozesse und Industrieleistungen, mithilfe geeigneter Zertifizierungen oder Kooperationspartner, ökologisch nachhaltig gestaltet werden. Des Weiteren können Unternehmen und deren Produkte mittels entsprechender Labels, für die Verbraucher transparent gekennzeichnet werden, was ein größeres Vertrauen in die Produkte und das Unternehmen bewirkt. Auch kann mit der Partizipation von Kunden und Mitarbeitern an bestimmten Prozessen eine höhere Bindung dieser an das Unternehmen und zudem eine ökologische Gestaltung von Produkten oder Arbeits- und Umweltschutz erlangt werden. Um eine ökologisch nachhaltige Produktion zu erlangen, sollten v. a. die Kriterien Langlebigkeit, Recycling, Verringerung des ökologischen Rucksacks, Natur als Vorbild und lokale Herstellung innerhalb Deutschland, beachtet werden. Daneben ist jedoch ein sukzessiver Wechsel von mannigfachem Güterangebot hin zu Dienstleistungsangeboten und somit der verstärkte Verkauf von Nutzen sehr sinnvoll. Doch auch der umweltschädlichste Bereich in Unternehmen, die Logistik bzw. der Transport, sollte nicht vergessen werden und auf ein emissions-reduziertes oder freies Maß reduziert werden. Neben all diesen konkreten Empfehlungen sollten v.a. KMU s in diesem noch 14

17 MANAGEMENT SUMMARY recht neuen Bereich jedoch auch immer kritisch bleiben und eher kleine, grundlegende Schritte anstreben. Für die Zukunft ist es wichtig, dass die Menschheit sich klar macht, wie wertvoll die Natur ist, mithilfe derer sie leben und wirtschaften kann und dementsprechend ihr Handeln anpasst. Hierfür muss ein Umdenken stattfinden, welches das Streben nach eigenem Vorteil durch das Streben nach einer vorteilhaften Situation für alle, d. h. Gesellschaft und Umwelt, ablöst. Die Potenziale zur Veränderung und Innovation, die in dieser Zeit vorherrschen, müssen genutzt werden, um die aktuelle negative Entwicklung zum Positiven zu kehren. Je häufiger sich der Mittelstand für ökologische Nachhaltigkeit einsetzt, desto eher kann ein Wandel stattfinden. 15

18

19 I Einleitung, Aufbau und Zielsetzung Kapitel VI Ausblick Kapitel I Einleitung, Aufbau und Zielsetzung Kapitel II Nachhaltigkeit Kapitel V Handlungsempfehlungen Kapitel IV Best-Practice- Analyse Kapitel III Ökologische Nachhaltigkeit und ihr Einfluss auf KMU 17

20 EINLEITUNG, AUFBAU UND ZIELSETZUNG Betrachte die Sonne. Sieh den Mond und die Sterne. Erkenne die Schönheit der Natur. Und dann denke nach. Hildegard von Bingen 1. Einleitung Umweltverschmutzung, Ressourcenverknappung und Klimaänderung gewinnen zusehends an Aufmerksamkeit und Bedeutung. Prognosen und Megatrends zeigen an, dass ein Wandel hin zu ökologisch nachhaltigen (ö.n.) Verhaltens- und Wirtschaftsweisen stattfinden muss. Die Gesellschaft macht durch den sich aktuell vollziehenden, Wertewandel deutlich, dass diese Vorhersagen durchaus zutreffen können. Immer mehr Menschen wird bewusst, wie wichtig es ist die Umwelt und somit die eigene Existenz zu schützen, und unterstützen den Kauf von nachhaltigen Produkten wie u.a. Bio-Artikel und Strom aus erneuerbaren Energien. Der Trend, hin zu nachhaltigem Konsum, bietet ebenso die Chance, neue grüne Zukunftsmärkte zu erschließen. Ein dem entgegengesetzter Trend der Gesellschaft und v.a. der Wirtschaftsakteure ist das anhaltende Streben nach Wachstum und Gewinn. Auf lange Sicht gesehen ist die Verfolgung beider Trends jedoch unmöglich, da Wachstum immer auch ein Mehr bedeutet. Ein Mehr an Ressourcen und Abfällen ist somit vorprogrammiert und zweifelsohne nicht förderlich für eine Entwicklung in Richtung ökologischer Nachhaltigkeit (ÖNH). Zukünftig wird ein tiefgründiger Wertewandel stattfinden müssen, um nach dem Gesetz der Nachhaltigkeit (NH), allen heutigen und zukünftigen Individuen eine lebenswerte Existenz zu ermöglichen. Bis dies soweit ist bzw. um diesen Wandel voranzutreiben, soll diese Arbeit dazu beitragen vorausschauenden Unternehmen aufzuzeigen, welche Methoden es gibt, das eigene Unternehmen und dessen Industrieleistungen ö.n. zu gestalten. Vor allem klein- und mittelständische Unternehmen (KMU) sollen angesprochen werden, da diese 99,6 Prozent der Gesamtzahl an Unternehmen in Deutschland ausmachen, die sich im Vergleich zu großen Betrieben, bisher allerdings weniger mit der Thematik beschäftigten. Möglicherweise aufgrund finanzieller und zeitlicher Begrenzungen. Mithilfe dieser Arbeit sollen ihnen 18

21 EINLEITUNG, AUFBAU UND ZIELSETZUNG Informationen geliefert werden, um den Trend der ÖNH zumindest im Wirtschaftskreis Mainfranken anzukurbeln. 2. Aufbau und Zielsetzung Die Bachelorarbeit geht vom Allgemeinen zum Speziellen: Von der allgemeinen NH hin zur ÖNH. Von allgemeinen Hinweisen und Status-Quo-Abfragen in Theorie und Praxis, hin zu speziellen Handlungsempfehlungen für Klein- und mittelständische Unternehmen, heruntergebrochen in verschiedene Funktionsbereiche. In Kapitel II wird aufgezeigt, wie der Begriff der NH im Allgemeinen entstanden ist, welche Bedeutung er heute hat und welche Säulen es gibt, die die NH stützen. Kapitel III beschreibt welchen Einfluss speziell die ÖNH auf KMU hat. Zunächst werden ein paar der möglichen Treiber und Motivatoren vorgestellt, die bewirken, dass ein ö.n. Engagement zustande kommt. Danach wird die Einwirkung ÖNH, insbesondere die Chancen und Möglichkeiten die sich durch diese für einzelne Funktionsbereiche ergeben, aus theoretischer Sicht aufgezeigt. Die Best-Practice-Analyse in Kapitel IV soll, neben dem Status Quo der Theorie ein Kapitel zuvor, aufzeigen, wie KMU aus dem nordbayerischen Gebiet, ÖNH, über das Gesetz hinaus, in der Praxis umsetzen. Aus den, in den Kapiteln III und IV gewonnenen Ergebnissen und Erkenntnissen werden anschließend in Kapitel V Empfehlungen generiert. Diese Handlungsempfehlungen wurden subjektiv erschlossen und sollen einige wichtige Chancen und notwendige Gebiete der innerbetrieblichen und externen Umsetzung von ÖNH aufzeigen. In Kapitel VI, wird ein subjektiver, abrundender Ausblick gegeben, der aufzeigt, wie das Thema der ÖNH in Zukunft angegangen werden sollte. 19

22 EINLEITUNG, AUFBAU UND ZIELSETZUNG Abbildung 1: Aufbau der Arbeit Kapitel I: Einleitung, Aufbau und Zielsetzung Kapitel II: Nachhaltigkeit Ursprung und historische Entwicklung des Begriffes; die drei Säulen der NH Kapitel III: ÖNH und ihr Einfluss auf KMU Mögliche Treiber für ÖNH; ÖNH und ihr Einfluss auf die Funktionsbereiche Kapitel IV: Best-Practice-Analyse Vorgehen und Hintergründe; Ergebnisse und Erkenntnisse Kapitel V: Handlungsempfehlungen Kooperation und Zertifizierung; Partizipation der Stakeholder, etc. Kapitel VI: Ausblick Dieser Aufbau dient letztlich der Zielsetzung und Beantwortung der Forschungsfrage: Welche allgemeingültigen Handlungsempfehlungen lassen sich aus Theorie und Praxis im Bezug auf ökologisch nachhaltiges Wirtschaften für den nordbayerischen Mittelstand ableiten? 20

23 II. Nachhaltigkeit Kapitel VI Ausblick Kapitel I Einleitung, Aufbau und Zielsetzung Kapitel II Nachhaltigkeit Kapitel V Handlungsempfehlungen Kapitel IV Best-Practice- Analyse Kapitel III Ökologische Nachhaltigkeit und ihr Einfluss auf KMU 21

24 NACHHALTIGKEIT Ein Grabstein für diese Zeit könnte die Inschrift tragen: Jeder wollte das Beste für sich. Siegfried Lenz Dieses Kapitel handelt vom Begriff der NH im Allgemeinen. Es soll eine Basis an Wissen schaffen, indem aufgezeigt wird: welcher tiefere Sinn hinter dem Konzept der NH steckt, was der Begriff nachhaltig bzw. Nachhaltigkeit aussagt, wo der Begriff seinen Ursprung hat, welche bedeutenden Meilensteine es in der Geschichte der NH gab und warum es so wichtig ist, nachhaltig zu handeln bzw. zu wirtschaften. Es wird u.a. aufgedeckt, dass der Begriff in Deutschland bereits Anfang des 18. Jahrhunderts Verwendung fand. Wie er sich im Laufe der Zeit, von seiner Nutzung in der Forstwirtschaft hin zu einem Konzept der inter- und intragenerativen Gerechtigkeit, gewandelt hat und welche Stationen es bis dahin gab. Auch wird eine genaue Definition des Begriffes gegeben und die soziale, ökonomische und ökologische Säule der NH durchleuchtet. Die ökologische Säule wird absichtlich am Ende erwähnt, da dieses erste Kapitel der Arbeit richtungsweisend, vom Allgemeinen hin zum Speziellen, gehen soll. 1. Ursprung und historische Entwicklung des Begriffes Selten wurde ein Begriff so oft gebraucht oder missbraucht wie der der Nachhaltigkeit. 2 Das Wort nachhaltig schaffte es 1998 sogar unter die Top 15 der Aktion Wort des Jahres in Deutschland. 3 Neben einer Entwicklung, die nachhaltig ist, wird häufig u.a. von nachhaltigen Gütern, Konsummustern, Managementweisen und Berichten gesprochen. Somit wurde NH zu einem schillernden Begriff. 4 Viele stellen bereits in Frage, ob der Begriff 2 Vgl. ifeu [www.ifeu.de/index.php?bereich=nac] Stand: Vgl. GfdS [www.gfds.de/aktionen/wort-des-jahres/] Stand: Vgl. ifeu [www.ifeu.de/index.php?bereich=nac] Stand:

25 NACHHALTIGKEIT lediglich ein sinnfreier Modetrend ist, da die Begrifflichkeit nahezu auf inflationäre Weise ihren Gebrauch findet. 5 Dies lässt Kritik über das Konzept aufkommen: POLLAN 6 meint beispielsweise, dass jeder für das Konzept der NH sei, ohne genau zu wissen was es überhaupt bedeute. Der Begriff würde heutzutage so oft verwendet, dass das ganze Konzept Gefahr liefe zu einer undurchsichtigen Nebelschwade zu werden, ohne, dass jemand den wahren Sinn dahinter erkennt. Auch meint er, dass NH als Begriff sehr häufig für Kommunikationszwecke missbraucht würde, um ein evtl. umweltunfreundliches Unternehmen oder Vorgehen rein bzw. grün zu waschen 7. 8 Auch GÄRTNER 9 pflichtet dem bei: Als wirklich nachhaltig hat sich nur die Gedankenlosigkeit erwiesen, mit der der Begriff benutzt wird. 10 Tatsächlich gibt es auch keine allgemeingültige Lösung für ein nachhaltiges Modell, weshalb Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft mit Dynamik und Ideenreichtum eigene Modelle kreieren müssen. 11 Auch gemessen werden kann NH, an sich, bzw. nachhaltiges Verhalten und Wirtschaften nicht, weshalb man die Idee und den Kern der NH als Leitgedanken, von einer langfristig intakten Natur, Gesellschaft und Wirtschaft, sehen sollte. 12 Es dient quasi als Orientierungshilfe und kann nur durch gesellschaftliche Akteure umgesetzt werden, die reflexions- und innovationsfähig sind und im anhaltenden Wandel Potenziale erkennen und nutzen. 13 All das lässt die Fragen aufkommen, was nachhaltig oder Nachhaltigkeit ist, welchen Ursprung der Begriff hat und wie er sich zu dem entwickelt hat, was er ist. Der Begriff NH wurde in Deutschland zum ersten Mal 14 im Jahre in 5 Vgl. Krüger; et al. (2010) S Michael Pollan, Autor von Omnivore s Dilemma 7 to greenwash aus dem Englischen 8 Vgl. Werbach (2009) S. 8 9 Edgar Gärtner, Frankfurter Biologe und Umweltjournalist 10 Maxeiner (1996) S Vgl. Jäger (2007) S Vgl. Bretzke; Barkawi (2010) S. XIV 13 Vgl. Jäger (2007) S Im Elsass gab es diese Art der nachhaltigen Forstordnung bereits im Mittelalter um 1144; Vgl. Kramer (2002) S. 56; In Erfurt und Reichenhall fanden bereits um 1350 bzw erste Ansätze der nachhaltigen Forstwirtschaft u.a. unter dem Konzept des ewigen Waldes statt. Vgl. Günther (2008) S Heute geht die Rodung von Waldflächen bereits so weit, dass im Zweijahrestakt eine Fläche in Größe von Deutschland verschwindet und verarbeitet wird. Sicherlich genau das Gegenteil von dem was sich Herr von Carlowitz vor 300 Jahren ausmalte. Vgl. Bretzke; Barkawi (2010) S. 9 23

26 NACHHALTIGKEIT Verbindung mit der Waldwirtschaft bewusst verwendet. Damals forderte Hans Carl von Carlowitz, Oberberghauptmann am kursächsischen Hof in Freiberg, dass nur so viel Baumbestand gerodet werden solle, wie durch konstantes Bestellen der Wälder, nachwachsen könne 16. Es solle [ ] eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe[n ]. 17 Anlass dafür war der Holzmangel Europas, der aufgrund der aufkommenden kurzfristigen Denkweisen und des Gewinnstreben, der damaligen Zeit, vorherrschte. 18 Somit war der Grundstein des Begriffes gelegt. Er entwickelte sich folglich aus dem im 18. Jahrhundert verwendeten Wort nachhalten, welches dem englischen Wort sustainability 19 am nächsten kommt. 20 Angelehnt an die Definition von CARLOWITZ wird es im Duden beschrieben als längere Zeit anhaltende Wirkung bzw. Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann. 21 Mit der Wissenschaft geriet NH erst 1972 in Berührung, als Dennis Meadows sein Buch Grenzen des Wachstums 22 veröffentlichte. Die Grundannahme des Werkes war, dass globale, ökologische Grenzen, hinsichtlich der Endlichkeit von Ressourcen und Ausstoß von Emissionen, einen signifikanten Einfluss auf die globale Entwicklung haben würden. MEADOWS warnte davor, dass möglicherweise irgendwann so viel Geld und Arbeitskraft eingesetzt werden müsste, dem entgegenzuwirken, dass es eventuell nicht mehr möglich sei, den aktuellen Lebensstandard der Weltbevölkerung aufrecht zu erhalten. 23 Zum damaligen Zeitpunkt war er jedoch noch der Meinung, dass die Bevölkerung die Möglichkeit hätte, die Entwicklung auf ein nachhaltiges Niveau abzuändern, ohne eine Änderung der Lebensqualität befürchten zu müssen. 24 Die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung deutete NH bzw. nachhaltige Entwicklung ähnlich wie MEADOWS. In ihrer Veröffentlichung Vgl. Lexikon der Nachhaltigkeit [http://nachhaltigkeit.info/artikel/hans_carl_von_carlowitz_1713_1393.htm] Stand: von Carlowitz (2000) S Vgl. Pfeiffer (2009) S zu Dt.: Nachhaltigkeit, Zukunftsfähigkeit; to sustain zu Dt.: aushalten, aufrechterhalten 20 Vgl. Günther (2008) S Duden online [www.duden.de/rechtschreibung/nachhaltigkeit] Stand: Originaltitel: Limits to Grow 23 Vgl. Meadows; et al. (2006) S. X 24 Vgl. Meadows; et al. (2006) S

27 NACHHALTIGKEIT Our Common Future 25, auch als Brundtland-Report 26 bekannt, definierten sie: Dauerhafte (nachhaltige) Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. 27 Durch die Definition der Homepage Bildung für nachhaltige Entwicklung wird der Grundgedanke noch deutlicher: Zukünftige Generationen sollen dieselben Chancen auf ein erfülltes Leben haben wie wir. Gleichzeitig müssen Chancen für alle Menschen auf der Erde fairer verteilt werden. Nachhaltige Entwicklung verbindet wirtschaftlichen Fortschritt mit sozialer Gerechtigkeit und dem Schutz der natürlichen Umwelt. 28 Maßgeblich dafür verantwortlich, dass das Konzept heute in aller Munde ist, waren außerdem folgende politische Ereignisse 29 : In Stockholm wurde 1972 mit der UN Conference on the Human Environment das Umweltprogramm der vereinten Nationen ins Leben gerufen und somit der Grundstein für die internationale Umweltpolitik gelegt , 20 Jahre nach der ersten Umweltkonferenz fand eine weitere umweltpolitische Konferenz in Rio statt, die sog. UN Conference on Environment and Development. Darin entstand u.a. die Agenda 21, ein Konzept, das viele Aktionen für eine nachhaltige Entwicklung beinhaltet wurde beim New Yorker Earth Summit+5 -Treffen eine erste, relativ enttäuschende Bilanz der 5 Jahre zuvor gesetzten Ziele gezogen und alle Anhänger aufgefordert erneut ihre Unterschrift für eine nachhaltige Entwicklung zu geben. Mit dem Kyoto-Protokoll (1997) wurden weitere Maßnahmen zum Klimaschutz getroffen. Vor allem im Bezug auf Emissionen, die um 5 Pro- 25 zu Dt.: unsere gemeinsame Zukunft 26 Nach Gro Harlem Brundtland; norwegische Politikerin; Vgl. Günther (2008) S UN Documents [http://www.un-documents.net/ocf-02.htm] Stand: BnE [http://www.bne-portal.de/coremedia/generator/unesco/de/02 UN-Dekade_20BNE/01 Was_20ist_20BNE/ Was_20ist_20Nachhaltigkeit_3F.html] Stand: Da sich dieser Text um ÖNH handelt wurden vorwiegend umweltpolitische Ereignisse bzw. Maßnahmen aus dem Umweltbereich aufgezählt, auch wenn in den einzelnen politischen Treffen zudem noch weitere u.a. soziale Themen behandelt wurden. 30 Vgl. Pfeiffer (2009) S Vgl. Günther (2008) S. 43f 25

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