CHEMIE-, CHEMISCHE INDUSTRIE ÖSTERREICH

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2 Österreich - Chemie-, chemische Industrie Branche kompakt: Österreich - Chemie-, chemische Industrie (April 2013) Bonn (gtai) - Im Jahr 2012 expandierte die chemische Industrie Österreichs kaum, auch die Importe zogen nur marginal (+2,4%) an. Für 2013 erwarten Beobachter eine leichte Belebung der Nachfrage, die sich 2014 verstärken soll. Nachfrageintensivste Branchensegmente sind Pharmaartikel nd Kunststoffe/ Kunststoffwaren. Gute Aussichten haben Hersteller von Generika, intelligenten Werkstoffen, Verbundstoffen und Materialien für Energieeffizienzlösungen. Marktentwicklung/-bedarf Die österreichische Wirtschaft hat ein schwaches Jahr hinter sich und konnte 2012 lediglich um real 0,8% expandieren. Die kurzfristigen Aussichten sind kaum besser. Für 2013 prognostizierten die Analysten der EU-Kommission im Mai eine Wachstumsrate von lediglich 0,3%. Erst 2014 soll es mit einem Plus von 1,8% wieder etwas mehr Dynamik geben. Die exportorientierte Chemiebranche Österreichs konnte laut dem Fachverband der chemischen Industrie (FCIO) ihre positive Entwicklung von 2010 und 2011 mit Wachstumsraten von 9% und 11% nicht fortsetzen. Die Unternehmen steigerten ihren Produktionswert 2012 um gerade einmal 0,2% und erreichten damit einen Wert von 16,7 Mrd. Euro. Auch der Außenhandel in beide Richtungen entwickelte sich 2012 recht verhalten. Fast alle Sparten haben mit steigenden Rohstoffpreisen zu kämpfen. Der österreichische Markt für Chemieprodukte (in Mio. Euro; Veränderung in %) Produktgruppe Veränderung 2012/11 Kunststoffe in Primärformen ) k.a. 2) Pharmazeutika k.a. 2 1) Waschmittel, Kosmetika Farben, Lacke 491 k.a. 12 1) 1) Veränderung 2011/10; 2) Aufgrund veränderter statistischer Zuordnung des Verbandes sind die Zahlen von 2011 und 2012 nicht vergleichbar; das Marktvolumen dürfte nach Verbandsschätzungen 2012 leicht rückläufig gewesen sein. Quellen: FCIO; Eurostat; Pharmig/IMS; Berechnungen von Germany Trade & Invest Die Pharmamarkt entwickelt sich nahezu konjunkturunabhängig. Der Arzneimittelumsatz ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen und erreichte 2011 knapp 3,1 Mrd. Euro und 234 Mio. Packungen. Der demografische Wandel und ein weiter wachsendes Bewusstsein für gesunde Lebensführung dürften auch künftig die Nachfrage nach rezeptpflichtigen, rezeptfreien (over the counter, OTC) und Wellnessprodukten positiv beeinflussen. Sorge bereitet hingegen der von der Pharmawirtschaft beobachtete Preisverfall bei Medikamenten, der durch administrative Maßnahmen verursacht ist. Wie in vielen anderen Staaten steigt auch in Österreich der Anteil der Generikaprodukte beständig an. Er erreichte bei den erstattungsfähigen Arzneimitteln % der verkauften Packungen. Germany Trade & Invest 1

3 Österreich - Chemie-, chemische Industrie Der Absatz von Kosmetikprodukten erreichte laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen 2011 gut 1 Mrd. Euro und war 2012 rückläufig. Im Drogeriefachhandel entwickelt sich der Umsatz dynamischer als im Lebensmitteleinzelhandel. Der Verband der Markenhersteller Kosmetik Transparent sieht vor allem Hautpflege, Mundpflege und dekorative Kosmetik als Treiber des Wachstums. Infolge der Erholung in der Bauwirtschaft - nach zwei rückläufigen Jahren stieg der Bauproduktionswert 2011 um 3% und 2012 um 6% - erhöhte sich auch die Nachfrage nach Betonzusatzmitteln, Dachbahnen und Bitumen. Positiv entwickelte sich ebenfalls der Bedarf an Bauklebstoffen. Die Analysten des Wifo erwarten für 2013 eine geringe Steigerung der Bauinvestitionen (+0,6%), die 2014 mit einem Plus von 1,1% etwas zulegen soll. Impulse für die Konjunktur der Branche könnten aus dem Nachholen von in der Krise zurückgestellten Bauvorhaben und dem verstärkten Einsatz von Energieeffizienzlösungen kommen. Die Absatzmenge an Farbmitteln und Lacken ist beeinflusst durch die Lage wichtiger Abnehmerbranchen (Bauwirtschaft, Automobilindustrie und Möbelproduktion). Sie hat laut Verbandsangaben 2011 um rund 10% auf t zugelegt und konnte wertmäßig um fast 12% auf 491 Mio. Euro expandieren. Der Umsatz wuchs stärker als das Absatzvolumen, da durch höhere Rohstoffkosten die Preise gestiegen sind. Nach ersten Schätzungen erlebte der Markt 2012 nur ein leichtes Wachstum. Das strategische Geschäft wird durch zunehmende Umweltschutzauflagen und die Entwicklung von Materialien mit innovativen Produkteigenschaften wie UV-Beständigkeit und -Filterung, nanotechnologische Eigenschaften oder die Selbstheilungsfähigkeit von Lacken bestimmt. Die Produktion der österreichischen Kunststoff verarbeitenden Industrie stagnierte 2012 (real -0,2%) trotz einer dynamischen Baukonjunktur. Daher war auch die Einfuhr von Kunststoffen in Primärformen rückläufig. Für 2013 erwartet die Branche kaum eine Besserung. Das Erzeugungsprogramm der rund 560 Kunststoffverarbeiter reicht von Folien, Röhren, Schaumstoffen und Profilen über Fenster, Türen, Fassadenelemente, Verpackungen und Möbel bis hin zu Kfz-Teilen, Freizeit-, Sport- und Freizeitartikeln. Mit der zunehmenden Bedeutung von nachhaltigem Ressourcenmanagement und Energieeffizienzlösungen dürfte sich in den kommenden Jahren die Nachfrage nach hochwertigen Kunststoffen, biologisch abbaubaren Stoffen, nanotechnologischen und anderen Verbundstoffen positiv entwickeln. Produktion/Branchenstruktur Die rund 270 im FCIO organisierten Betriebe der österreichischen Sparte für Chemie und chemische Erzeugnisse beschäftigten Ende 2012 fast Mitarbeiter und erwirtschafteten 2012 einen Umsatz von 16,7 Mrd. Euro. Damit ist die Chemiebranche nach dem Maschinenbau (einschließlich der Metallwarenproduktion) der zweitstärkste Wirtschaftszweig Österreichs. Neben dem nationalen Mineralölverarbeiter OMV und multinationalen Chemieunternehmen wie BASF, Beiersdorf und Henkel existieren zahlreiche mittelständische Firmen. Betriebe mit durchschnittlich rund 145 Mitarbeitern prägen das Bild der chemischen Industrie. Fast jeder dritte Beschäftigte in ist in einem KMU tätig. Von den in Österreich tätigen Unternehmen beschäftigen lediglich 17 mehr als 500 Arbeitnehmer. Große internationale Pharmakonzerne wie Novartis, Baxter und Nycomed unterhalten Niederlassungen in Österreich. Das Land gilt bei internationalen Unternehmen als geeigneter Ausgangspunkt für das Ost-/Südosteuropageschäft. 2 Branche kompakt

4 Mit einer Ausfuhrquote von etwa 70% ist die Branche stark abhängig von der internationalen Konjunkturentwicklung. Die anziehende Nachfrage aus dem Ausland, insbesondere aus Deutschland und den Schwellenländern, hatte 2010 und 2011 für eine Rückkehr auf den Wachstumspfad gesorgt. Die Konjunkturabkühlung und die wirtschaftlichen Unwägbarkeiten in der EU entfalteten 2012 jedoch ihre Wirkung mit umgekehrten Vorzeichen. Für 2013 sieht die Branche nur ein sehr geringes Wachstum. Als belastend für die österreichische Chemiebranche erweist sich aktuell die Umsetzung der EU- Verordnung zur Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien (REACH). Die Kosten hierfür beziffern Branchenvertreter auf fünf- bis siebenstellige Beträge je Chemikalie - eine Herausforderung für den mittelständisch geprägten Wirtschaftszweig. Wichtige Chemiesparten in Österreich (Anteile am Gesamtproduktionswert der Branche in %) Sparte Anteil 2012 Kunststoffwaren 33,1 Pharmazeutika 14,7 Kunststoffe in Primärformen 13,5 Chemiefasern 4,7 Agrarchemikalien 4,0 Waschmittel und Kosmetika 3,3 Anstrichmittel, Druckfarben und Kitte 2,9 Kautschukwaren 2,3 Industriegase 1,1 Quelle: FCIO Zu den größten Branchenstandorten in Österreich zählt der Chemiepark Linz (www.chemiepark.at) mit insgesamt etwa 30 Unternehmen. Zu den bekanntesten zählen Borealis, Bilfinger Chemserv, DSM, Linde, Thyssen Krupp Xervon und Takeda. Größtes Branchennetzwerk ist das Kunststoff-Cluster (www.kunststoff-cluster.at), das 416 Partnerfirmen (164 aus der Kunststoffverarbeitung) zählt und Kooperationen fördert. Auch 38 deutsche Akteure gehören dem Cluster an. In der gesamten Branche beliefen sich die Investitionen laut Berechnungen des Instituts Wifo 2012 auf einen Wert von 736 Mio. Euro und damit auf deutlich mehr als im Jahr zuvor. Um bis zu 20% sollen sie jedoch laut einer Prognose des Wifo 2013 zurückgehen und dann bei etwa 590 Mio. Euro liegen. Germany Trade & Invest 3

5 Österreich - Chemie-, chemische Industrie Führende Unternehmen der österreichischen Chemiebranche (Umsatz in Mio. Euro) Unternehmen Sparte Umsatz 2012 Homepage OMV Mineralöl, Erdgas, Chemie Borealis Kunststoffe Henkel Chemie Lenzing Chemiefasern Novartis Austria Pharma *) Brenntag Chemiedistribution 972 *) Greiner Holding Kunststoffe 940 Kwizda Holding Pharma, Chemie 799 *) Pipelife International Kunststoffe 859 Boehringer Ingelheim Pharma 852 *) Angaben für 2011 Quellen: Industriemagazin online (www.industriemagazin.net), Umsatzzahlen 2012 nach Unternehmensangaben Außenhandel Österreich importierte 2012 Chemieprodukte im Wert von 16,8 Mrd. Euro (SITC-Warencode 5). Das entspricht gegenüber 2011 lediglich einem nominalen Zuwachs von relativ 2,4%. Im Vorjahr hatte der Importanstieg noch 11% betragen. Aus Deutschland stammten 42% der Einfuhren. Weitere wichtige Lieferanten sind die Schweiz, die USA, die Niederlande und Italien. Wichtigste Einfuhrposition waren medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse. Der Einfuhrwert von 6,4 Mrd. Euro lag in etwa doppelt so hoch wie der inländische Medikamentenverbrauch. Mit anderen Worten: Rund die Hälfte der eingeführten Ware wurde reexportiert und war wichtiger Bestandteil der Pharmaausfuhr in Höhe von 7,3 Mrd. Euro. Die österreichischen Chemieexporte übertrafen von 2008 bis 2010 leicht das Niveau der Importe. In den Jahren 2011 und 2012 lagen sie leicht darunter. Aufgrund der hohen außenwirtschaftlichen Verflechtung der Branche entwickeln sich die Exporte traditionell parallel zu den Einfuhren. 4 Branche kompakt

6 Einfuhr ausgewählter Chemieerzeugnisse nach Österreich (in Mio. Euro; Veränderung in %) SITC Produktgruppe davon aus Deutschland (2012) 51 Organische chemische Erzeugnisse Anorganische chemische Erzeugnisse Farbmittel, Gerbstoffe, Farben und Lacke 54 Medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse 55 Ätherische Öle, Körperpflege-, Putz- und Reinigungsmittel etc. 56 Düngemittel (ausgenommen solche der Gruppe 272) 57 Kunststoffe in Primärformen Kunststoffe in anderer Form als Primärformen 59 Andere chemische Erzeugnisse Summe Quelle: Eurostat Geschäftspraxis Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der EU sind die Regelungen des Umsatzsteuer-Kontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern (www.bzst.bund.de). Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa die Website des Deutschen Instituts für Normung e.v., Germany Trade & Invest 5

7 Österreich - Chemie-, chemische Industrie Kontaktadressen Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen AHK Österreich Anlaufstelle für deutsche Unternehmen Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Umweltbundesamt - Fachverband der Chemischen - Industrie Österreichs Verband der pharmazeutischen - Industrie Österreichs Wirtschaftskammer Österreich - Österreichische Chemiezeitschrift Branche kompakt

8 Kontakt Impressum Herausgeber: Germany Trade and Invest Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbh Villemombler Straße Bonn Tel.: +49 (0)228/ Fax: +49 (0)228/ Internet: Hauptsitz der Gesellschaft: Friedrichstraße 60, Berlin Geschäftsführung: Dr. Benno Bunse, Erster Geschäftsführer Dr. Jürgen Friedrich, Geschäftsführer Autor: Axel Simer, Bonn Redaktion: Stefan Kroll Tel.: +49 (0)228/ Ansprechpartner: Martin Schulte Tel.: +49 (0)228/ Redaktionsschluss: Mai 2013 Bestell-Nr.: Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck - auch teilweise - nur mit vorheriger ausdrücklicher Genehmigung. Trotz größtmöglicher Sorgfalt keine Haftung für den Inhalt. Layout: Germany Trade & Invest Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und vom Beauftragten der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

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