Fertigkeit Übersetzen. Christiane Nord, 2010

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1 Fertigkeit Übersetzen Christiane Nord, 2010

2 Einleitung Was ist Übersetzen? Was passiert beim Übersetzen? Was ist Übersetzungskompetenz?

3 Wo begegnet uns Übersetzen? Übersetzungen kommen in den verschiedensten Situationen unseres Alltags vor. Nicht immer sind wir uns bewusst, dass ein Text, den wir lesen oder hören, h eine Übersetzung ist. Übersetzung bersetzung kann sowohl die Tätigkeit T als auch das dabei angefertigte Produkt bezeichnen. Um Verwechselungen zu vermeiden, nennen wir die Tätigkeit T Übersetzen und das Produkt Übersetzung. Das Original nennen wir Ausgangstext (AT) und den Text, der beim Übersetzen produziert wird, nennen wir Zieltext (ZT) oder Translat.

4 Übersetzungsrelevante Textanalyse Übersetzungsrelevante bersetzungsrelevante oder übersetzungsbezogene bersetzungsbezogene Textanalyse heißt, dass bereits bei der Analyse des Ausgangstextes die Übersetzung in den Blick kommt: jeder Analyseschritt Entscheidungshilfe für f r die spätere Transfer oder Übertragungs phase Leitlinie: Wer sagt was über welchen Kanal zu wem mit welcher Wirkung? 1. nach den Faktoren der Kommunikationssituation fragen 2. nach den Merkmalen des Textes fragen

5 Textexterne Faktoren Wer übermittelt Wozu Wem über WELCHES MEDIUM Wo Wann Warum einen Text mit WELCHER FUNKTION? Textinterne Faktoren Worüber sagt er Was/ as/was nicht in WELCHER REIHENFOLGE unter Einsatz WELCHER NONVERBALEN ELEMENTE in WELCHEN WORTEN in WAS FÜR F R SÄTZENS in WELCHEM TON?

6 Die Verbindung der textexternen und internen Faktoren führt f zum Gesamtresultat der über den Text realisierten Kommunikationshandlung: WELCHE WIRKUNG hat das? Unter Wirkung verstehen wir den Eindruck, den ein Text auf den Empfänger macht unabhängig ngig von der Funktion, die er für f r ihn hat oder die vom Sender intendiert war. Sie ergibt sich aus dem Aufeinandertreffen von Erwartung und Befund.

7 Textfunktionen Phatische Funktion: - Kontakterhalt - Kontaktbeendigung Referentielle Funktion: - Deklaration - Anleitung - Beschreibung Expressive Funktion: - Gefühls hlsäußerung - Bewertung Appellfunktion: - Empfehlung - Gebot

8 Was ist Übersetzungskompetenz? Sprachkompetenz bedeutet nicht zugleich Übersetzungskompetenz,, aber sprach- liche Kenntnisse und die Beherrschung sprachlicher Fertigkeiten sind die Voraus- setzung für r den Erwerb übersetzerischer Kompetenz.

9 Übersetzungskompetenz als interkulturelle Kompetenz Vermittlung zwischen verschiedenen Kulturen, Kenntnisse über die beteiligten Kulturen und über die Unterschiede als Textverarbeitungskompetenz Textrezeption und produktion als Fähigkeit F zur Analogiebildung Lösungswege für f r bestimmte Übersetzungsprobleme finden, die beim nächsten Text nützlich n sein könnenk als eigenständige ndige Kompetenz eine Art, mit Wissen umzugehen, Wissen zur Lösung L bestimmter Probleme einzusetzen, eine Sensibilität t für f r mögliche m Unterschiede im sprachlichen und nichtsprachlichen Verhalten zweier Kulturen

10 Erwerb der Übersetzungskompetenz Übersetzen im Fremdsprachenunterricht Übersetzen als fünfte f Fertigkeit Übersetzen als professionelle TätigkeitT

11 Zu einer allgemeinen Übersetzungskompetenz gehören: Sensibilität t gegenüber der Kulturgebundenheit jedes Verstehens Kenntnis der kulturspezifischen sprachlichen und nicht-sprachlichen Verhaltenskonventionen der fremden im Kontrast zur eigenen Kultur eine Methodik für r eine funktionale Textanalyse auf allen Rängen R der Sprachverwendung die Kenntnis der wichtigsten übersetzungstheore- tischen Modelle und ihrer Anwendbarkeit in der übersetzerischen Praxis die Fähigkeit, F Übersetzungsprobleme zu erkennen und konsistente, funktionsgerechte Strategien zu ihrer Lösung L zu entwerfen Die Fähigkeit, F das Wissen über die Kulturspezifik von Textsorten und Funktionssignalen bei der Produktion funktionsgerechter Texte einzusetzen.

12 Vermittlung von Übersetzungskompetenz Was spielt eine Rolle? Fremdsprachliche Kompetenz Muttersprachliche Kompetenz Weltwissen Recherchierkompetenz Übersetzungskompetenz

13 Grundprinzipien des Übersetzungsunterrichts Übersetzen kann man erst lernen, wenn die Sprachkompetenz in beiden Sprachen ein angemessenes Niveau erreicht hat, d.h. passive Kompetenz in der Ausgangssprache und aktive Kompetenz in der Zielsprache. Die Sach oder Fachkompetenz der Übersetzenden muss für f r das Verständnis und die übersetzungsrelevante Analyse des Ausgangstexts ausreichen. Die Recherchierkompetenz muss ausreichend ausgebildet sein. Das Theorie- und Methodenwissen sollte so weit entwickelt sein, dass die Grundbegriffe des Übersetzens als bekannt vorausgesetzt werden können. k Die Übersetzungskompetenz muss systematisch aufgebaut werden.

14 Der Übersetzungsauftrag (Übersetzungsaufgabe) Der Übersetzungsauftrag enthält implizit oder explizit Angaben zu folgenden Situationsbedingungen: Adressaten des Zieltexts intendierte Funktion des Zieltexts zeitliche und örtliche Bedingungen der Zieltextrezeption das Medium, über das der Zieltext an die Adressaten gelangen soll ggf. Informationen über den Anlass, aus dem oder für f r den der Zieltext produziert wird

15 Christiane Nord: Fertigkeit Übersetzen Ein Kurs zum Übersetzenlehren und lernen verlegt vom Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.v. (BDÜ), Berlin 2010

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