Weinfelder. Predigt. Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes. Juni 2016 Nr Römer 8,38-39

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1 Weinfelder Juni 2016 Nr. 777 Predigt Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes Römer 8,38-39 von Pfr. Johannes Bodmer gehalten am 27. Juni 2016

2 Römer 8,38-39 Ich bin ganz sicher, dass nichts uns von Gottes Liebe trennen kann: weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen, noch andere gottfeindliche Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Himmel noch Hölle. Seite 2

3 Liebe Gemeinde Paulus erwähnt einen ganzen Katalog von Grössen, die uns von Gott trennen könnten. Ja, als Christ lebt sich gefährlich. Beim Glauben bleiben ist gar nicht so einfach. Das wird bereits im AT sichtbar, wo viel davon berichtet wird, wie das Volk Israel immer wieder vom Glauben an seinen einzigartigen Gott und Schöpfer abfällt und Götter anbetet. Was uns doch alles trennen könnte von Gott! Wenn Paulus das alles aufzählt, so ist für ihn das Kräfteverhältnis eindeutig: Alles, was uns trennen könnte, kann uns eben nicht trennen! Alles Weltliche und Geistliche könnte an sich die Kraft haben, uns von Gott zu trennen. Doch ist diese Kraft nicht genug wirksam, wenn wir im Glauben stehen. Es soll uns als Christen klar sein: Auch wenn wir gläubig sind, kann unser Glaube gefährdet sein. Wir haben ihn nicht auf sicher! Es gibt so vieles, das uns vom lebendigen Glauben an den dreieinigen Gott abhalten kann, ausser wir stützen uns auf Gottes Kraft und sind bewusst an seiner Seite. Was kann doch den Menschen alles trennen von Gott! Was alles kann ihn abhalten von einer lebendigen Gottesbeziehung! Der Tod, das Leben, Engel, Dämonen, gottfeindliche Mächte, Gegenwärtiges, Zukünftiges, Himmel und Hölle. So drückte es Paulus aus. Wir heute würden wahrscheinlich diese Versuchungen gegenüber dem Glauben etwas anders formulieren. Hinderungsgründe können sein: Wohlstand, religiöse Gleichgültigkeit, die Gesundheit, Erfolg, Ablenkung durch Fernsehen, Internet und Frei- Seite 3

4 zeitangebote, Sport, Esoterik, Interesse an anderen Religionen. Unzähliges kann den Menschen fernhalten von Gott. Unzähliges kann bewirken, dass sich jemand nicht für den christlichen Glauben interessiert. Es gibt ja schon genug anderes, mit dem man sich beschäftigt! Liebe Gemeinde, sind wir uns bewusst: Paulus schreibt an christusgläubige Menschen in Rom. Ihnen und nicht irgendwelchen Menschen sichert er zu, dass sie durch nichts von Gottes Liebe getrennt werden können. Das ist das Evangelium und Glaubensstärkung. Getrennt werden kann man nur, wenn man verbunden ist. Wer nicht mit Gott verbunden ist, kann nicht von ihm getrennt werden und kann sich nicht selber von ihm trennen. Es kann so vieles geben, das eine Gottesbeziehung verhindert. Es kommt zwar auch vor, dass Christen vom Glauben abfallen oder ihr Glaube über kürzere oder längere Zeit schwach ist. Der Glaube ist nicht immer gleich intensiv, unsere Nähe zu Gott nicht immer gleich gross. Doch ist das nicht vergleichbar mit einem Menschen, der gegenüber dem christlichen Glauben auf Distanz ist. Wo kein Glaube ist, kann er auch nicht schwanken. Hören wir genauer auf die paulinische Aufzählung jener Kräfte, die Menschen von Gottes Liebe trennen können oder eben nicht trennen können, wenn sie im Glauben geschützt sind. Ich bin ganz sicher, dass nichts uns von Gottes Liebe trennen kann: weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen, noch andere gottfeindliche Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Himmel noch Hölle. Seite 4

5 Weder Tod noch Leben. Mit dem Tod meint Paulus alles Zerstörerische, das es in der Welt gibt: Krankheit, Unfall, Hass, Neid, Mord, Krieg, auch das natürliche Sterben. Mit dem Tod ist alles Lebensfeindliche gemeint. Den Korinthern gegenüber hat Paulus den Tod als den letzten Feind bezeichnet. Der Tod ist das Gegenteil des Lebens. Als zweites erwähnt Paulus das Leben als Gefahr. Weder Tod noch Leben. Kann einem das Leben von Gott trennen? Ja, das Leben ist es wahrscheinlich am meisten, das uns von Gott trennt. Gott, der uns das Leben gegeben hat, hat uns auch die Freiheit gegeben, die Erfüllung des Lebens nicht bei ihm zu suchen. Es ist in unserer westlichen Gesellschaft üblich, das zu machen, was einem gefällt. Man hat schliesslich das Geld und die Möglichkeiten dazu. Es ist das Leben, das nur für sich schaut, auf den eigenen Erfolg und die eigene Zufriedenheit. Das Leben bietet in Westeuropa so viele Möglichkeiten, dass Gott scheinbar überflüssig ist. Man füllt sich mit so vielem, sodass für Gott kein Platz mehr ist. Weder Engel noch Dämonen, noch andere gottfeindliche Mächte. Da kommen wir in den religiösen Bereich hinein. Es ist nicht nur die materielle Welt, die unser Leben prägt. Die unsichtbare Welt existiert genauso. Es gibt nicht nur menschliche Kräfte. Es gibt auch geistige Kräfte, die uns beeinflussen. Unser Denken, Reden und Handeln wird einerseits von der Tiefe unserer Seele beeinflusst. Es existieren zusätzlich geistige Kräfte der verborgenen Welt, die um unser Herz werben. Der boomende Glaube an Engel ist ein Hinweis darauf. Die ganze Breite der Esoterik belegt, dass die verschiedensten Kräfte den Menschen beeinflussen und sich die Men- Seite 5

6 schen auch beeinflussen lassen. Biblisch gilt: Wir sollen unser Herz Gott schenken und nicht irgendwelchen Kräften. Weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges. Sorgen der Gegenwart oder Sorgen vor der Zukunft können uns vollkommen in Anspruch nehmen, lähmen. Sie fördern eine fatalistische Haltung. Die Lebensfreude geht verloren. Alles ist ja doch Schicksal. Mut und Zuversicht fehlen und werden von düsteren Gedanken verdrängt. Auch der Zugang zu Gott wird durch die Hoffnungslosigkeit versperrt. Es nützt ja alles nichts, auch Gott hilft nicht!, heisst es dann. Weder Himmel noch Hölle. Dass uns die Hölle von Gottes Liebe trennen kann, ist noch verständlich. Die Hölle ist jener Ort, an dem Menschen Gott total fern sind. Leider ist das allzu häufig bereits im jetzigen Leben so. Die Liebe fehlt. Aber der Himmel, kann der uns trennen von der Liebe Gottes? Ist das vielleicht so gemeint, dass man das wirkliche Leben und den Mitmenschen vergessen kann in einem fanatischen Glauben? Dass man sich nur noch auf das Jenseits konzentriert und die Wiederkunft von Christus erwartet? So ein Himmel ist ein falscher Himmel, nicht der, der in der Bibel beschrieben wird. Gott möchte, dass wir ganz in der Welt leben, wie Jesus ganz in der Welt gelebt hat. Nicht vom Jenseits und vom Weltende schwärmen. Wenn wir die Formulierungen von Paulus auf uns wirken lassen, dürfen wir nicht vergessen: Seine ausserordentliche Biographie hat sein Denken und seinen Glauben bestimmt. Paulus ist in einer Vision vom Christenverfolger zur Christusnachfolge berufen worden. Seite 6

7 Das ist sogar für biblische Verhältnisse eine sensationelle Lebensumkehr. Paulus hat dann wie kein zweiter nachgedacht über das Leben Jesu, über seinen Tod und über seine Auferstehung. Auch wenn Paulus manchmal kompliziert schreibt, so ist seine Botschaft letztlich einfach. Sie will uns froh machen und unser Herz für Jesus öffnen. Sie will uns Licht, Kraft und Hoffnung in den Alltag bringen. Doch warnt Paulus vor der Meinung, wir hätten unseren Glauben ein für allemal auf sicher. Nur wenn wir uns mit ganzem Herzen auf Gottes Liebe verlassen, können wir in der intensiven Gottesbeziehung leben. Aus eigener Kraft schaffen wir das nicht. Wir dürfen und sollen wissen: Gott ist mit uns, unter allen Umständen. Geschehe, was wolle. Das unterstreicht Paulus mit seiner rhetorischen Frage einige Zeilen vor dem Predigttext: Ist Gott für uns, wer mag gegen uns sein? Gott hält zu uns, auch wenn wir meinen, die ganze Welt sei gegen uns. Er hält zu uns auch in einer schweren Krankheit, in seelischer Not, im Sterben und im Tod. Wenn Sie das in Ihrem Herzen wissen, liebe Gemeinde, dann tragen Sie das Wesentliche dieser Predigt in sich. Ist Gott für uns, wer mag gegen uns sein? Amen Seite 7

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