Pflegereform - die Sicht der Medizinischen Dienste

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1 Pflegereform - die Sicht der Medizinischen Dienste DGSMP-Tagung am 13. September 2012 in Essen Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des MDS 1

2 Gliederung: 1. Einführung 2. PNG - verbesserte Leistungen 3. Neuer Pflegebegriff und neues Begutachtungsassessment 4. PNG Veränderung für den Medizinischen Dienst 5. Finanzierung der Pflegeversicherung 6. Fazit und Ausblick 2

3 Zentrale Herausforderungen in der Pflege demografische Entwicklung wird einerseits zu deutlichem Anstieg der der Pflegebedürftigen führen demografische Entwicklung wird andererseits das Potential pflegender Angehöriger verringern und die Rekrutierung von Pflegefachkräften erschweren die Versorgungsbedarfe der steigenden Zahl von Demenzkranken und anderen Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz sind nicht gut abgedeckt die Finanzierung der Pflegeversicherung ist nicht nachhaltig gesichert 3

4 Pflege-Neuausrichtungsgesetz - verbesserte Leistungen Demenzkranke und andere Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz erhalten in der ambulanten Pflege verbesserte Leistungen in Pflegestufe 0 Pflegegeld von 120,- Pflegesachleistung bis 225,- in Pflegestufe 1 Pflegegeld von 305,- statt 235,- Pflegesachleistung bis 665,- statt 450,- in Pflegestufe 2 Pflegegeld von 525,- statt 440,- Pflegesachleistung bis 1.250,- statt 1.100,- 4

5 Pflege-Neuausrichtungsgesetz - verbesserte Leistungen Förderung neuer Wohnformen Zuschlag von bis zu 200,- je Pflegebedürftigem Förderung von Umbaumaßnahmen in Höhe von 2.500,- je Pflegebedürftigem Flexibilisierung der Leistungsinanspruchnahme gleichzeitige Gewährung von Pflegegeld und Kurzzeitbzw. Verhinderungspflege mehr Wahlmöglichkeiten bei der Zusammenstellung des Leistungsangebots Kombination von Rehabilitation für pflegende Angehörige bei gleichzeitiger Betreuung des Pflegebedürftigen 5

6 Kritik des aktuellen Pflegebegriffs Somatische Orientierung durch Fixierung auf Verrichtungen des täglichen Lebens Vernachlässigung der gerontopsychiatrischen Hilfebedarfe, insbesondere bei Menschen mit Demenz Pflegezeit bleibt als Kriterium zur Bemessung des Hilfebedarfs umstritten 6

7 n des MDK für die Pflegeversicherung 3. Neuer Pflegebegriff und neues Begutachtungs-asses Das neue Begutachtungs-Assessment zur Feststellung von Pflegebedürftigkeit Zentraler Maßstab ist der Grad der Selbstständigkeit bzw. die Beeinträchtigung der Selbstständigkeit bei der Kompensation bzw. Bewältigung von Schädigungen, funktionalen Einbußen, Belastungen und Anforderungen und damit das Angewiesensein auf personale (pflegerische Hilfe) 7

8 n des MDK für die Pflegeversicherung 3. Neuer Pflegebegriff und neues Begutachtungs-asses Begutachtungsrelevante Module des Begutachtungs- Assessments Pflegebedürftigkeit Gewichtung der Module 8

9 n des MDK für die Pflegeversicherung 3. Neuer Pflegebegriff und neues Begutachtungs-asses 5 Bedarfsgrade der Pflegebedürftigkeit BG 1 - geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit BG 2 - erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit BG 3 - schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit BG 4 - schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit BG 5 BG 4 und besondere Bedarfskonstellation 9

10 Verteilung der Pflegestufen des NBA im Vergleich zu dem derzeitigen Verfahren (Erwachsene) Verbesserung Verschlechterung 10

11 Finanzielle Auswirkungen des erweiterten Pflegebegriffs Bedarfsgrad 1 Bedarfsgrad 2-4 Bedarfsgrad 5 Leistungen nach 43a SGB XI Mehrausgaben in Mrd. Szenario I - bisherige Leistungsbeträge - NBA-Schwellenwerte 0,767 bei einem Geldbetrag von 100 Euro 2,082 0,075 0,200 3,124 Szenario II - bisherige Leistungsbeträge - angehobene NBA-Schwellenwerte 0,767 bei einem Geldbetrag von 100 Euro - 0,116 0,075 0,200 0,926 Szenario III - abgesenkte Leistungsbeträge - NBA-Schwellenwerte 0,767 bei einem Geldbetrag von 100 Euro 0,582 0,200 0,200 1,549 11

12 Pflege-Neuordnungsgesetz- Änderungen für den Med. Dienst Verfahren der Begutachtung individuelle und umfassende Information des Versicherten über Begutachtungsgrundlagen und Verfahren Versicherte erhalten Pflegegutachten (Abfrage) Rehabilitations-Empfehlung des MDK ist gesondert zu dokumentieren und die Versicherten darüber zu informieren 12

13 Pflege-Neuordnungsgesetz- Änderungen für den Med. Dienst Service-Orientierung des MDK (Dienstleistungs-Richtlinie) - Verhaltensgrundsätze für Gutachter - Beschwerdemanagement - Versichertenbefragungen Service-Orientierung des MDK / der Pflegekassen - Strafgebühr von 70,- je Überschreitungswoche bei Nichteinhaltung der gesetzlichen Antragsfristen Zulassung anderer Gutachter für die Begutachtung von Pflegebedürftigkeit 13

14 Finanzierungsprobleme der Pflegeversicherung Anstieg der Leistungsempfängerzahlen aufgrund der demografischen Entwicklung verstärkte Nutzung professioneller Pflege beabsichtigte Leistungsverbesserungen, insbesondere für Menschen mit Demenz notwendige Dynamisierung der Leistungen ungleiche Risikostrukturen von sozialer und privater Pflegeversicherung nachhaltige Finanzierung der Pflegeversicherung nicht gesichert 14

15 Optionen der Finanzierung Option 1: Stärkung der umlagefinanzierten sozialen Pflegeversicherung Option 2: Einführung einer zusätzlichen kapitalgedeckten Pflegeversicherung Option 3: Aufbau einer kapitalgedeckten Nachhaltigkeitsreserve in der Pflegeversicherung 15

16 Pflege-Neuordnungsgesetz- Förderung privater Pflege ( Pflege-Bahr ) Förderung einer freiwilligen privaten Pflegezusatzversicherung Zusatzversicherung in Form einer kapitalgedeckten Pflegetagegeldversicherung Mindestbeitrag von 10,- ; Wartezeit höchstens 5 Jahre Zulage von 5,- monatlich 16

17 Fazit und Ausblick Das Pflege-Neuausrichtungsgesetz ist ein kleiner Reformschritt positiv sind insbesondere die geplanten Leistungsverbesserungen für Menschen mit Demenz Gleichstellung von Menschen mit Demenz erfordert Einführung des neuen Pflegebegriffs Nachhaltige Finanzierung ist insbesondere in der sozialen Pflegeversicherung herzustellen Demografische Perspektive erfordert neue Grundansätze in der Alten- und Pflegepolitik Berufsbild Pflege ist neu auszurichten und attraktiver zu gestalten 17

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