IT Innovation Readiness Index

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1 IT Innovation Readiness Index

2 2 INHALT 3 Inhalt Vorwort 5 Executive Summary 6 Einführung und Methodik 9 Ergebnisse Industrie 4. 1 Cloud Computing 14 Mobility 18 Big Data UCC, CAD und MES 21 Markt-Herausforderungen 22 Fazit 23

3 4 VORWORT 5 Impressum Vorwort Pierre Audoin Consultants (PAC) GmbH Holzstraße München Tel Fax Geschäftsführer Frédéric Munch Ust.-ID/VAT Nr. DE Amtsgericht München HRB Freudenberg IT SE & Co. KG Höhnerweg Weinheim Tel Fax Komplementärin Freudenberg SE, Höhnerweg 2 4, D Weinheim Amtsgericht Mannheim, HRB Vorstand Dr. Mohsen Sohi (Sprecher), Christoph Mosmann, Dr. Ralf Krieger Vorsitzender des Aufsichtsrats Dr. Wolfram Freudenberg Die Digitalisierung dringt in immer höherem Tempo in das produzierende Gewerbe vor und löst dort einen massiven Wandel der Geschäfts- und Fertigungsprozesse aus. Neben wachsenden Marktanforderungen wie höherer Effizienzsteigerung und nachhaltiger Kostensenkung in der Produktion steht die mittelständische Fertigungs industrie aktuell vor der Schwelle in eine vierte industrielle Revolution. Der Informations technologie (IT) wird in diesem Gebilde eine entscheidende Rolle vor dem Hintergrund der Wettbewerbssteigerung und der Erhöhung der jeweiligen Innovationsfähigkeit zugesprochen. Daher gilt: Wie erfolgreich mittelständische Fertigungsunternehmen diese vielfältigen Herausforderungen der Zukunft meistern werden, hängt entscheidend von dem Innovationsgrad ihrer IT ab. Ein konsolidierter Status quo der IT-Durchdringung dem entscheidenden Kennzeichen einer tiefgreifenden Innovationsfähigkeit im produzierenden Gewerbe lag jedoch bis dato nicht vor. Ein Ziel der vorliegenden Studie war es daher, diese Informationslücke zu schließen und den aktuellen IT-Innovationsindex der mittelständischen Fertigungsindustrie zu bestimmen und zukünftig mess- und somit vergleichbar zu machen. Damit zeichnet die Untersuchung erstmals ein kompaktes Bild zum Reifegrad der IT in diesem Wirtschaftssegment und kann gleichzeitig als Akzeptanzbarometer für technologische Megatrends wie Cloud Computing, Mobility, Big Data und Industrie 4. gelesen werden. In der Summe liefert der»it Innovation Readiness Index«eine wissenschaftlich fundierte Faktenbasis, um den aktuellen Handlungsbedarf auf dem Weg in das neue Industriezeitalter abzuleiten. Eine anregende Lektüre wünschen Ihnen Karsten Leclerque Principal Consultant Pierre Audoin Consultant Horst Reichardt CEO Freudenberg IT Unternehmensleitung Horst Reichardt (CEO) Dr. Sebastian Weiß (CFO) Thomas Ahlers (Executive Vice President Consulting) Murat Ekinci (Executive Vice President Operations) Oliver Wolter (Executive Vice President Sales) Projekteitung Manfred Stein (Vice President Marketing & Corporate Communications) Karsten Leclerque Principal Consultant Pierre Audoin Consultants Horst Reichardt CEO Freudenberg IT

4 6 EXECUTIVE SUMMARY 7 Executive Summary Der Innovationsindex mittelständischer Fertigungsunternehmen liegt auf einer Skala zwischen und 1 bei 4,91. Dieser Wert ergibt sich aus einer Aggregation techno logischer Einzelindizes, die sich hauptsächlich auf Industrie 4., Mobility und Cloud Computing beziehen. Dabei erreicht das produzierende Gewerbe im deutschen Mittelstand derzeit einen Industrie 4.-Index von 6,28. Positiv wirkte sich hierbei vor allem aus, dass 7 Prozent aller befragten Unternehmen IT-Fernwartung, 6 Prozent IT-basierte Automatisierungslösungen und fast zwei Drittel einen zumindest teilweise intelligenten Anlagenpark nutzen. Negativen Einfluss hatte demgegenüber beispielsweise die Tatsache, dass 47 Prozent der Befragten den Einsatz dezentral vernetzter, selbststeuernder Produktionsprozesse in ihrem Unternehmen ausschließen. Für die übergroße Mehrheit aller Befragten (8 Prozent) stellen Effizienzsteigerung und Kostensenkung in der Produktion aktuell eine»sehr große Herausforderung«dar. Allerdings sieht nur eine Minderheit der Maschinen- und Anlagenbauer in dezentral vernetzten, selbststeuernden Produktionsprozessen und intelligenten Produktionsanlagen einen Hebel für mehr Effizienz und geringere Kosten in der Fertigung: 44 Prozent von ihnen halten intelligente Produk tionsanlagen für eher uninteressant; bei dezentral vernetzter Selbststeuerung von Fertigungsprozessen waren es sogar 61 Prozent. Die Automobilindustrie ist hier deutlich weiter: Rund 8 Prozent der in dieser Branche Befragten haben bereits intelligente Produktionsanlagen im Einsatz. FERTIGUNG IM FOKUS IT Innovation Readiness Index 13 Noch ist der Einfluss der Produktion auf die IT-Entwicklung in mittelständischen Fertigungsbetrieben relativ gering: Nur 1 Prozent aller befragten Produktionsleiter gaben an, dass sie in strategische IT-Entscheidungen einbezogen würden. 43 Prozent sagten gleichzeitig jedoch, dass ihr Einfluss auf die IT in den letzten Jahren gewachsen sei. Innovations-Index Industrie PAC geht davon aus, dass der Einfluss der Fachbereiche und der Produktion auf strategische IT-Entscheidungen in den nächsten Jahren weiter steigen wird. Dies wird die Indexwerte für Cloud, Mobility und Industrie 4. mittelbis langfristig erhöhen. Mobility 5.65 Cloud Computing Skala = Einsatz wird von allen Befragten in allen Anwendungsfeldern kategorisch abgelehnt 1 = bereits bei allen Befragten in allen Anwendungsfeldern im Einsatz Unter den IT-Megatrends lag der Indexwert für Mobility mit 5,65 am höchsten. Ein positiver Einflussfaktor war hier der Umstand, dass mehr als zwei Drittel aller Fertigungsunternehmen bereits Prozesse mit mobilen Arbeitsplätzen flexibilisieren und dass vor allem große Betriebe mit mehr als 5 Mitarbeitern das Potenzial eines unter nehmensweiten Mobile Device Managements erkannt haben. Negativ schlug sich nieder, dass über die Hälfte der Studien teilnehmer die beruflich-private Mischnutzung mobiler Endgeräte Stichwort Bring Your Own Device (BYOD) noch für irrelevant hält. Industrie 4.-Reife in Deutschland überraschend hoch Mobility- und Cloud-Technolgien sind Wegbereiter für das neue Industriezeitalter

5 8 METHODIK 9 Einführung in die Methodik PAC erwartet, dass in dem Maße, in dem der Einfluss der Fachabteilungen auf IT-Entscheidungen in den nächsten Jahren steigt, auch die Unterstützung mobiler Geschäftsprozesse in der mittelständischen Fertigungsindustrie zunehmen wird. Interessant ist in diesem Kontext auch die Tatsache, dass fast zwei Drittel aller befragten Produktionsleiter die steigende Datenflut in der Produktion für eine sehr große Herausforderung halten. Deshalb ist davon auszugehen, dass der Bedarf an leistungsfähigen Daten analysetools Stichwort: Big Data in der Fertigungsindustrie in Zukunft deutlich steigen wird. Für den Megatrend Cloud Computing ergab die Untersuchung einen Index von 2,8. Dieser relativ niedrige Wert resultiert aus der verbreiteten Ablehnung des Cloud-Modells im industriellen Mittelstand: Zwar nutzen 18 Prozent Speicher oder Server aus der Cloud und 16 setzen Software-as-a-Service (SaaS) für einzelne Nischenlösungen ein, doch stößt Cloud Computing bei 4 Prozent der Befragten auf generelle Ablehnung. Für knapp zwei Drittel aller befragten Unternehmen stellen die Flexibilität und Reaktions geschwindigkeit sowie die Service-Qualität, Performance und Verfügbarkeit ihrer IT sehr große Herausforderungen dar. Die Chancen, dieser Herausforderung durch Cloud-Nutzung zu begegnen, werden aber insbesondere von kleine ren Mittelständlern mit weniger als 5 Mitarbeitern noch weitgehend verkannt. Deutliche Unterschiede zwischen den Branchen sind unter anderem bei SaaS erkennbar: Während in der Automotive-Industrie 13 Prozent der Befragten SaaS als strategische Softwareplattform einsetzen, sind es im Maschinen- und Anlagen bau nur 2 Prozent und in sonstigen Fertigungsbranchen 4 Prozent. Für die Studie wurden Entscheider auf Managementebene respektive aus der ITund Produktionsleitung in 141 deutschen mittelständischen Fertigungsunternehmen befragt. Die ausgewählte Unternehmensstichprobe bildet der Größe und Branchenverteilung nach einen repräsentativen Querschnitt des indus triellen Mittelstands in der Bundesrepublik. 38 Prozent der befragten Betriebe gehören dem Maschinenund Anlagenbau an, 28 Prozent dem Auto motive-bereich und 33 Prozent sonstigen Fertigungsbranchen. 48 Prozent der teilnehmenden Unternehmen haben 25 bis 499 Mitarbeiter, 52 Prozent 5 bis Mitarbeiter. Thematisch reichten die insgesamt 16 Fragen von aktuellen Herausforderungen an die IT über Investitionspläne bis hin zur grundsätzlichen Haltung. Die IT-Megatrends Cloud Computing, Mobility, Big Data und Industrie 4. standen dabei im Zentrum der Untersuchung. Insbesondere in größeren Unternehmen fühlten sich Entscheider auf Managementebene von dieser Thematik oftmals weniger angesprochen und delegierten die Fragen an die IT- beziehungsweise Produktionsleitung weiter. Mit 18 Prozent fällt der Anteil von Managemententscheidern unter den Teilnehmern daher am geringsten aus. 5 Prozent der Studienteilnehmer waren IT-Entscheider, 32 Prozent Produktionsleiter. Konkret gefragt wurde bei Themenfeldern wie beispielsweise Cloud Computing, Mobility oder Industrie 4., ob diesbezügliche Anwendungen»bereits im Einsatz«,»geplant«,»nicht geplant, aber prinzipiell denkbar«oder»eher ausgeschlossen«sind. Die Vorgabe von vier Antwortmöglichkeiten erlaubt eine Verdichtung der erhobenen Resultate zu aussage kräftigen Indexwerten auf einer Skala von bis 1. Dabei würde der Index bedeuten, dass alle Befragten den Einsatz der betreffenden Technologie für ausgeschlossen halten. Der Index 1 hingegen hieße, dass alle Befragten die in Rede stehende Technologie bereits heute im Einsatz haben.

6 1 ERGEBNISSE 11 Ergebnisse Industrie Prozent aller befragten Unternehmen haben in ihrer Fertigung bereits heute dezentral ver netzte, selbststeuernde Produktionsprozesse etabliert. Fast 6 Prozent setzen IT-basier te Automatisierungslösungen ein, während 7 Prozent IT-Lösungen zur Fernwartung ihrer Anlagen und Maschinen nutzen. Mehr als die Hälfte, nämlich 52 Prozent, verfügt zudem über einen intelligenten Anlagenpark. IT-DURCHDRINGUNG IN DER PRODUKTION STATUS QUO Industrie 4. wird real: Bereits 15 % der deutschen Fertiger setzen selbststeuernde Produktionsprozesse ein Perspektive Industrie 4.-Reife aus Sicht der Freudenberg IT IT-Lösungen zur Fernwartung Automatisierungslösungen Planungs- und Steuerungselemente ERP-Systeme 59 % 59 % 57 % 69 % Am weitesten fortgeschritten ist die Industrie 4.-Bereitschaft bei Automotive-Unternehmen mit mehr als 5 Mitarbeitern. Eine mögliche Erklärung für diese Tatsache dürfte im überdurchschnittlich hohen Innovationsdruck liegen, der in dieser Branche von den großen Auftraggebern am Ende der Supply Chain ausgeht: Automobilzulieferer müssen schon heute in der Lage sein, durch hohe Lieferflexibilität eine bedarfssynchrone Produktion bei den großen Herstellern sicherzustellen. Dies gelingt ihnen offenbar am besten durch selbststeuernde Prozesse in ihrer eigenen Fertigung. Intelligente Produktionsanlagen Basis für Industrie % Optimierung der Energieeffizienz 37 % Dezentrale/selbststeuernde Produktionsprozesse Kern von Industrie %

7 12 ERGEBNISSE 13 Auch beim Einsatz intelligenter Produktionsanlagen zeigt sich, wie weit die Schere zwischen beiden Branchen geöffnet ist: 8 Prozent bei Auto mobil zulieferern und 31 Prozent bei Maschinen- und Anlagenbauern. Einzig bei IT-Fernwartungslösungen liegt die Automobilbranche mit 75 gegenüber 67 Prozent relativ gleich auf mit Unternehmen im Maschinen- und Anlagen bau. Der Einsatz intelligenter Anlagen ist ein deutlicher Indikator für die Industrie 4.-Reife eines Unternehmens, weil Anlagenintelligenz eine Grundbedingung für weitgehend selbststeuernde Fertigungsprozesse ist. Schon heute stiften intelligente Anlagen greifbaren Nutzen wie höhere Anlagenverfügbarkeit, etwa indem Wartungsanforderungen automatisch ausgelöst werden oder Anlagen sich bei einem fälligen Ölwechsel selbstständig abschalten können. Im Maschinen- und Anlagenbau praktizieren erst 9 Prozent aller Unternehmen Selbststeuerung in der Fertigung. In der Automobilindustrie sind es bereits doppelt so viele. CHANCEN FÜR SMART FACTORIES Maschinen- und Anlagenbauer verkennen Potenzial von Industrie 4. In Kontrast zum Automotive-Sektor halten im Maschinen- und Anlagenbau 61 Prozent der Befragten selbststeuernde, dezentral vernetzte Produktionsprozesse im Hinblick auf ihre Wettbewerbsfähigkeit für»eher uninteressant«. Bei Automobilunternehmen lag dieser Wert mit 33 Prozent nur knapp halb so hoch. Intelligente Produktionsanlagen Basis für Industrie 4. Automotive Maschinen- und Anlagenbau im Einsatz 8 % 31 % nicht interessant 13 % 44 % Dezentrale/selbststeuernde Produktionsprozesse Kern von Industrie 4. im Einsatz nicht interessant 18 % 9 % 33 % 61 %

8 14 ERGEBNISSE 15 Den höchsten Verbreitungsgrad haben in der mittel stän dischen Fertigung Cloud-basierte Speicher-, Backup- beziehungsweise Server lösungen. Cloud Computing CLOUD-AKZEPTANZ IN DER FERTIGUNG Automobilindustrie ist Branchenprimus bei Cloud Computing Automotive Auffallend hoch ist der Anteil der Verweigerer: Mehr als 4 Prozent der Befragten lehnen Cloud Computing grundsätzlich ab ein Ergebnis, das in deutlichem Kontrast zu der Tatsache steht, dass Cloud Computing gerade für kleinere Mittelständler eine kostengünstige Option schafft, sowohl zur Verbesserung der Servicequalität als auch der Reaktionsfähigkeit der IT in Bezug auf neue Markt anforderungen. Beispielsweise stellen für einen Großteil der Unternehmen mit weniger als 5 Mitarbeitern aus IT-Perspektive die Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit (65 Prozent) sowie die Servicequalität, Performance und Verfügbarkeit (72 Prozent) eine sehr große Herausforderungen dar. Im Branchenvergleich hat der Automotive-Sektor auch bei der Cloud-Nutzung eine Vorreiterrolle übernommen. So haben zwischen 13 und 23 Prozent der Unternehmen dieser Branche Cloud-Lösungen in der einen oder anderen Form bereits im Einsatz. Im Maschinen- und Anlagenbau sind es dagegen nur zwischen 2 und 15 Prozent, im Bereich der sonstigen Fertigung zwischen 4 und 17 Prozent. Cloud-basierte Speicher-/ Backup-Lösungen 23 8 Cloud-basierte Serverkapazitäten 1 SaaS für einzelne Nischenlösungen 1 Cloud-basierte Entwicklungs-/ Testumgebungen 18 SaaS als strategische Software-Plattform Maschinen- und Anlagenbau 3 4 Sonstige Fertigung im Einsatz 6 geplant OHNE CLOUD COMPUTING KEIN INDUSTRIE 4. 4 % der deutschen Fertigungsindustrie lehnen Cloud Computing ab Cloud-basierte Speicher/BackupLösungen 18 % Cloud-basierte Serverdienste 18 % SaaS für einzelne Nischenlösungen 16 % Bereits im Einsatz Einsatz geplant Einsatz denkbar 6 % 6 % 8 % 21 % 19 % 21 % 4 4 % Einsatz von Cloud Computing wird abgelehnt Auch die Adaption von Cloud Computing bietet im industriellen Mittelstand ein sehr heterogenes Bild: Insgesamt nutzen derzeit 18 Prozent aller Fertigungsunternehmen Cloud-basierte Speicher-, Backup- oder Serverdienste. 16 Prozent setzen Software-as-a-Service (SaaS) für Nischenlösungen ein, zum Beispiel für CRM oder HR. Lediglich bei 6 Prozent der Unternehmen dient SaaS darüber hinaus als strategische Softwareplattform. 4 6 denkbar

9 16 ERGEBNISSE 17 MEGATREND CLOUD NOCH IMMER UNDURCHSICHTIG Unterschiede bei 23 % der Fertigungsindustrie nicht bekannt Bevorzugte Cloud-Modelle im industriellen Mittelstand Insgesamt Fast ein Viertel der mittelständischen Fertigungs unternehmen in Deutschland kann nicht hin reichend zwischen Private und Public Cloud unterscheiden und ist daher auch nicht in der Lage, Chancen und Risiken unterschiedlicher Cloud-Modelle realistisch einzuschätzen. < 5 Mitarbeiter > 5 Mitarbeiter Public Cloud Private Cloud Public Cloud für einzelne Unternehmensbereiche Unterschiede sind nicht bekannt 5 Prozent der Befragten gaben an, dass sich der Public Cloud- Ansatz prinzipiell für alle Einsatzbereiche eigne. Dagegen sahen 11 Prozent ausschließlich im Private Cloud-Modell eine Option für ihr eigenes Unternehmen. Perspektive Cloud Computing aus Sicht der Freudenberg IT 23 Prozent der Automotive-Unternehmen nutzen Speicher- und Backup-Lösungen aus der Cloud. Im Maschinen- und Anlagenbau sind es 15 und bei sonstigen Fertigern 17 Prozent. SaaS als strategische Softwareplattform haben 13 Prozent der Automotive-Unternehmen im Einsatz ein Prozentpunkt über dem doppelten Branchendurchschnittswert. Dagegen nutzen nur 2 Prozent der Maschinen- und Anlagenbauer SaaS als strategische Softwareplattform sowie 4 Prozent der Unternehmen in sonstigen Branchen. Serverkapazitäten aus der Cloud sind der einzige Fall, bei dem Automobil unternehmen mit -prozentiger Nutzung nicht an der Spitze stehen. Hier liegt der Wert in den sonstigen Branchen um drei Prozentpunkte höher. Am geringsten liegt auch dieser Wert im Maschinen- und Anlagenbau, nämlich bei 13 Prozent. Überraschende Defizite ergab die Befragung im Unterscheidungsvermögen in Bezug auf unterschiedliche Cloud-Modelle insbesondere bei kleineren Unternehmen: 34 Prozent der Befragten in Betrieben mit weniger als 5 Mitarbeitern konnten keine Angabe dazu machen, ob für ihr Unternehmen eher das Public oder Private Cloud-Konzept in Frage käme. Bei größeren Mittelständlern mit mehr als 5 Mitarbeitern sahen sich 14 Prozent außerstande, zu diesem Thema eine klare Aussage zu treffen. Im Durchschnitt aller Unternehmen waren es 23 Prozent. Unkenntnis hinsichtlich der Einsatzprämissen verschiedener Cloud-Modelle leistet irrationalen Vorbehalten Vorschub. Dabei werden zum Beispiel Sicherheitsbedenken gegen Public Clouds pauschal auf das Private Cloud-Modell übertragen, wobei die aktuelle Berichterstattung über Spähprogramme ausländischer Geheimdienste im Mittelstand zusätzliche Ängste vor Industriespionage in einer vermeintlich anonymen Cloud schürt. Anders jedoch als bei öffentlichen Cloud-Angeboten ist eine Private Cloud nicht über das öffentliche Internet zugänglich, sondern ausschließlich über verschlüsselte Tunnelleitungen eines VPN (Virtual Private Network). Sofern die Datenhaltung in der Bundesrepublik erfolgt, gilt allein deutsches Datenschutzrecht und der Cloud-Provider unterliegt nicht beispielsweise dem US-amerikanischen Patriot Act. Bemerkenswert an den verbreiteten Sicherheitsbedenken gegen Private Clouds ist der Umstand, dass sie sich in puncto Sicherheit nicht grundsätzlich von konventionellen Hosting-Angeboten unterscheiden. Diese hingegen sind im industriellen Mittelstand weitgehend akzeptiert. Cloud Computing hat als Weichenstellung für Industrie 4. eine über ragende Bedeutung, da nur mit diesem IT-Modell die komplexen Integrationsanforderungen, die mit dem Aufbau selbstorganisierender Fertigungsprozesse einhergehen, für Einzel unternehmen beherrschbar werden.

10 18 ERGEBNISSE 19 Perspektive Mobility aus Sicht der Freudenberg IT Mobility Inzwischen ist die Mobilitätswelle auch im industriellen Mittelstand angekommen: Nahezu jeder zweite Fertigungsbetrieb hat bereits Mobile Device Management (MDM) implementiert. Obgleich 7 Prozent aller befragten Unternehmen über mobile Arbeitsplätze verfügen, hält mehr als die Hälfte davon eine dezidierte Strategie für die berufliche und private Mischnutzung von Mobilgeräten im Sinne von Bring Your Own Device (BYOD) nicht für relevant. Diese Haltung gegenüber BYOD lässt sich als spontane Reaktion angesichts der zunehmenden Gerätediversifizierung und wachsenden Vielfalt mobiler Betriebssysteme interpretieren. Demgegenüber spricht der Einsatz von MDM für einen systematischen Ansatz, der auf eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Potenzial von Mobilität schließen lässt. Die Aussagen zu MDM sind im Vergleich zu BYOD somit als fundierter und valider einzuschätzen. Diese fließen daher auch mit höherer Gewichtung in die Indexbildung ein. Die Adaption des Mobilitätstrends hat in Fertigungsbetrieben vor allem deshalb eine Indikatorfunktion für die Industrie 4.-Reife, weil die Integration intelligenter Werkstücke in die Maschine-zu- Maschine-Kommunikation (M2M) naturgemäß mobil ist. Intelligente Produkte, die mit eingebetteten IT-Funktionen ausgestattet und via Internet vernetzt sind, werden im Industrie 4.-Kontext oft auch cyber-physische Systeme (CPS) genannt sie gelten als wesentliche Treiber der vierten industriellen Revolution. MOBILER WORKFLOW IN DER PRODUKTION STATUS QUO Mobile Fabrik: 47 % im produzierenden Gewerbe setzen auf Mobile Device Management Mobile Arbeitsplätze 15 7 Mobile Device Management (MDM) Mobile Prozesse BYOD-Strategie im Einsatz nicht interessant

11 ERGEBNISSE 21 Perspektive Big Data aus Sicht der Freudenberg IT Big Data Mit dem Fortschreiten des Industrie 4.-Trends ist künftig ein deutlicher Anstieg der Datenmenge in der Fertigung zu erwarten: Je mehr Messfühler und Stellglieder von Anlagen und Maschinen in das Internet der Dinge integriert werden, desto größer wird die Menge an Beziehungs- und Bewegungsdaten. Da Industrie 4. oftmals Echtzeit-Analysen dieser Daten verlangt, wird das Thema Big Data in der mittelständischen Fertigungsindustrie künftig an Bedeutung gewinnen. Permanent wachsende Datenvolumina in produktionsnahen Bereichen werden in der Fertigungsindustrie zunehmend als drängendes Problem erkannt. So sehen 55 Prozent der Studienteilnehmer zwei Drittel davon Produktionsleiter in der steigenden Informationsflut eine»sehr große IT-Herausforderung«. Das rasante Datenwachstum wird insbesondere in der Produktion zunehmend als drängendes Problem erkannt. Dabei sind es vor allem die Bereiche Lager- und Transportlogistik, fertigungsnahe Prüfdaten und Qualitätskennzahlen, Service und Support sowie Personaldisposition, in denen große Datenmengen anfallen. Diese gilt es mit geeigneten IT-Lösungen zu managen und auszuwerten. Insbesondere die Erfassung und Weiterverarbeitung von Daten aus der Fertigung wird für das Thema Industrie 4. von zentraler Bedeutung sein. UCC, CAD und MES 4 Prozent der Befragten gaben an, dass in ihren Unternehmen bereits IT-Projekte im Bereich Unified Communication and Collaboration (UCC) realisiert wurden. Diese Aussage ist aber differenziert zu betrachten: Viele Unternehmen haben in der Vergangenheit bereits viel in Collaboration-Lösungen investiert, etwa in einfache Video-Konferenzsysteme. Nach wie vor aber ist viel Bewegung in diesem Thema, weil in der Optimierung der Zusammenarbeit weiterhin ein hohes Produktivitätspotenzial gesehen wird. So nimmt virtuelle Projektarbeit in räumlich verteilten Teams ebenso zu wie die Anzahl der Home Office-Arbeiter beides Treiber für eine effektivere Zusammenarbeit. Laut der Befragung ist der Anteil an bereits realisierten UCC-Projekten in größeren Unternehmen (mehr als 5 Mitarbeiter) höher als in kleineren Unternehmen. Dabei ist der Anteil der realisierten UCC-Projekte in der Automobilindustrie höher als im Maschinen- und Anlagen bau. Aktuell befinden sich viele Unternehmen aber eher in einer Phase der Evaluierung, das heißt es werden verschiedene Lösungen und Tools für eine bessere Zusammen arbeit ausprobiert. Granularere Studien von PAC besagen aber, dass die meisten Unternehmen noch am Anfang stehen, was die Phase der Integration im Sinne einer echten»unified«communication and Collaboration angeht. HERAUSFORDERUNG IT IN DER PRODUKTION Big Data Hürde oder Chance für die deutsche Fertigung? Compliance und Sicherheit Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit Service-Qualität, Performance und Verfügbarkeit Steigende Datenflut (Big Data) Der Bereich CAD ist generell sehr»reif«. Dabei geht es beispielsweise um Investitionen in 3D-Anwendungen (statt 2D-Anwendungen), wobei die Automobilindustrie hier tendenziell schon mehr Projekte realisiert hat als die anderen Fertigungsbranchen. Die Verknüpfung von Daten aus der Fertigung (MES) und der Warenwirtschaft (ERP) ist vor allem bei Automobilunternehmen bereits weit verbreitet. Aufgrund der Tatsache jedoch, dass im Automotive-Segment eine Vielzahl unterschiedlicher, teilweise selbst entwickelter MES-Systeme oft schon seit Jahrzehnten im Einsatz sind, ist die Wartung der Gesamtlösung entsprechend teuer. Von daher überrascht es auch nicht, dass in der Automobilbranche ein größerer Anteil auch künftig entsprechen de Projekte plant, als dies beispielsweise im Maschinen- und Anlagenbau der Fall ist. Komplexität der IT-Architektur Steigende Anforderungen von Seiten der Business-Anwender IT-Budget und Ressourcen Anbindung und Harmonisierung internationaler Einheiten Kostentransparenz IT-Fachkräftemangel Sehr große Herausforderung Weniger große Herausforderung Keine Herausforderung

12 22 FAZIT 23 FERTIGUNG 14 Lastenheft Produktion: Innovationsfähigkeit vs. Preisdruck Kostensenkung bzw. Effizienzzuwachs in der Produktion Preisdruck Innovationsdruck/Time-to-Market Steigende Kundenanforderungen Fazit Mit einem Innovationsindex von 4,91 ist das produzierende Gewerbe in Deutschland hervorragend aufgestellt, um die Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu meistern. Besonders fortgeschritten ist die Adaption bei den IT-Megatrends Mobility und Industrie 4.. Dabei ist der Wert von 6,28 für den Industrie 4.-Index ein klares Indiz dafür, dass der Umbruch in der Fertigungsindustrie nicht in einer fernen Zukunft stattfindet, sondern dass Industrie 4. in Deutschland schon jetzt real zu werden beginnt. Demgegenüber ist der Indexwert für Cloud Computing mit 2,8 noch relativ gering ausgeprägt. Erschließung internationaler Absatzmärkte Optimierung des Vertriebs Optimierung der Supply Chain Internationalisierung der Supply Chain Optimierung des After Sales Business Internationalisierung der Produktion Finanz- und Eurokrise Trotz branchenspezifischer Unterschiede in der Detailbetrachtung zeichnet sich deutlich ab, dass Technologien wie Cloud Computing, Big Data, Mobility und Industrie 4. wichtige IT-Wachstumsfelder in der mittelständischen Fertigungsindustrie sein werden. Von großer Bedeutung wird in Zukunft ein vertiefter Dialog zwischen Produktionsspezialisten und IT-Fachleuten sein. Denn an der Schwelle zum neuen Industriezeitalter entstehen nachhaltig wirksame Innovationen vorrangig durch solche Technologien, die zu einer substanziellen Transformation von Geschäfts- und Produktionsprozessen führen Sehr große Herausforderung Weniger große Herausforderung Keine Herausforderung Perspektive Handlungsbedarf Markt-Herausforderungen Effizienzsteigerungen mit dem Ziel, dem wachsenden Kostendruck in der Produktion entgegenzutreten, stehen in mittelständischen Fertigungsunternehmen derzeit im Vordergrund: 8 Prozent der befragten Entscheider bezeichneten dies als eine»sehr große Heraus forderung«. Dasselbe sagten 76 Prozent in Bezug auf den allgemeinen Preisdruck. In der Automobilindustrie waren es sogar über 9 Prozent. Mit 6 Prozent wurden Innovationsdruck und kürzere Markteinführungszeiten (Time-to-Market) als drittwichtigste IT-Heraus forderung genannt. Steigende Kundenansprüche und die Erschließung internationaler Märkte wurden mit 59 beziehungsweise 57 Prozent als viert- und fünftwichtigste Herausforderung angesehen. Je nach Branche und Unternehmensgröße werden verschiedene Herausforderungen von den Befragten unterschiedlich bewertet. So empfindet beispielsweise mehr als die Hälfte (51 Prozent) der befragten Produktionsleiter die Anbindung und Harmonisierung inter nationaler Unternehmenseinheiten als sehr große Herausforderung. Steigende Anforderungen aus den Fachbereichen stellen dagegen insbesondere für kleinere Unternehmen mit weniger als 5 Mitarbeitern eine sehr große Herausforderung dar. Compliance und Sicherheit wird vor allem in der Automobilindustrie als eine sehr große Herausforderung gesehen, nämlich von drei Viertel der Befragten. Was die vorhandenen IT-Budgets und Ressourcen angeht, sehen hierin doppelt so viele Befragte aus der Automobilindustrie eine sehr große Herausforderung als im Maschinen- und Anlagenbau. Kostentransparenz wiederum wird von der Automobilindustrie eher als weniger große Herausforderung eingestuft im Gegensatz zu den anderen Fertigungsbranchen.»Der fertigende Mittelstand ist einer der Vorreiter hinsichtlich der Akzeptanz und Realisie rung dieser vierten industriellen Revolution und hat jetzt die Möglichkeit, diesen Markt aktiv mitzugestalten. Doch es ist Überzeugungsarbeit notwendig, um zum Beispiel den Zusammenhang zwischen Innovationskraft, Effizienz und nachhaltiger Kostenreduktion in der Produktion einerseits und der Flexibilität Cloud-basierter IT-Lösungen anderseits deutlicher als bisher zu vermitteln. Dabei gilt es, gegen hartnäckige Vorurteile etwa in Bezug auf die Informationssicherheit vorzugehen und gleichzeitig aufzuzeigen, inwiefern das Private Cloud-Modell hilft, schon heute aktuelle Wettbewerbsanforderungen jenseits von Industrie 4. besser zu bewältigen. Ein Beispiel dafür ist die Internationalisierung der Absatzmärkte, die für 57 Prozent aller mittelständischen Fertigungsunternehmen derzeit eine Schwerpunktherausforderung ist. So kann ein SAP-System aus der Cloud den Weg auf die internationalen Märkte deutlich schneller mitgehen als jedes lokal installierte ERP-System. Festzuhalten ist: Deutsche Fertigungsunternehmen stehen heute kurz vor der vierten industriellen Revolution. Aus diesem Grund fördert die Bundesrepublik das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierte Zukunftsprojekt Industrie 4.. Auch die großen Wirtschaftsverbände und Interessensvertretungen ziehen in dieser Hinsicht mit der Bundesregierung am selben Strang: So haben der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.v. (VDMA) sowie der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.v. (ZVEI) gemeinsam mit dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.v. (BITKOM) 13 in Frankfurt eine Industrie 4.-Geschäftsstelle eingerichtet. Das mittelständische produzierende Gewerbe hat jetzt die Möglichkeit, diese Entwicklung und damit die Zukunft der Fertigungsindustrien aktiv mitzugestalten und Industrie 4. im internationalen Kontext zu besetzen.«horst Reichardt, CEO Freudenberg IT

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