Wie geht Berlin im Internet mit seiner Geschichte um?

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1 Wie geht Berlin im Internet mit seiner Geschichte um? An diesem Thema waren mehrere Fragestellungen für mich interessant. Wie präsentiert sich eine Stadt, über ihre offizielle Website, im Internet Fremden gegenüber. Wie werden geschichtswissenschaftliche Inhalte in solchen Plattformen dargestellt. Wie kann sich der Wert von Informationen verändern, wenn ich diese Informationen aus dem Internet beziehe und nicht aus der Literatur? Im folgenden werde ich versuchen diese Fragen zu klären. Als Grundlage dafür diente mir die Website mit der ich mich befasst habe. Diese Seite ist jedoch auch für anderes zuständig, etwa E-goverment, Wirtschaftförderung, usw. Für mich von Interesse war jedoch allein der Menüpunkt Die Hauptstadt, da man hier den Weg zu historischem Material finden kann. Als theoretische Grundlage habe ich eine relativ junge Forschungsrichtung ausgewählt, die sich Mediologie nennt. Sie basiert weitgehend auf den Erkenntnissen des Medientheoretikers Marshall McLuhan. Was ist Mediologie? The medium is the message, dass sagte bereits 1960 der Medienwissenschaftler Marshall McLuhan. Es geht um die Erforschung der Interaktion zwischen Medium und Botschaft. 1 Das heißt die Mediologie versucht zwei Bereiche zu untersuchen und diese zusammenzuführen, und zwar jenen der Technik der Übertragung und des Transports (Medium) und jenen der symbolischen Produktionen (Botschaft). Werden die symbolischen Produktionen untersucht, lässt man dabei oft die Techniken außer acht, die zur Übertragung oder zur Speicherung nötig sind. Dabei sind diese sehr wichtig. 2 1 Bougnoux, Daniel (2003). Warum Mediologen... In: Engell, Lorenz/Vogl, Joseph (Hg.). Mediale Historiographie. Weimar: Universitätsverlag, S 23 2 vgl. ebd., 23-24

2 Kann ich zwei Medien miteinander vergleichen? Ist es möglich den Inhalt des Mediums Buch mit dem Inhalt des Mediums Internet zu vergleichen? Und weiterführend: Was ist gesellschaftlich schwerwiegender: das die Personen A und B zu einem gewissen Zeitpunkt die Botschaften Y und Z rezipierten oder dass sie ein Buch lesen konnte, weil dieses Medium existiert. Was ist also wichtiger die Botschaft oder die Existenz des Mediums. Ihre Aufgabe sieht die Mediologie in der Zusammenführung des Symbolischen und des Technischen und darin für die einzelnen Medien und deren Inhalte eigenen Analysemethoden zu entwerfen. Hier noch einmal zusammengefasst: The medium is the message. Das Medium ist also die Botschaft oder weniger provokant ausgedrückt: Der mediale Träger ist ein Teil der Botschaft. 3 Die Übersetzung eines Stoffes von einem Medium in ein anderes kann also eine andere Wirkung erzielen. Im weiteren werde ich versuchen dies auf einige ausgesuchte Beispiele aus anzuwenden. Die Chronik Berlin Die Chronik Berlin wurde eigentlich in Buchform herausgegeben, jedoch zur Gänze in die Berlin.de Website übernommen. Zu Beginn etwas zum Buch: Die Chronik enthält 212 Kalendarien, und über Kurzinformationen zur Berliner Stadtgeschichte. Sie erschien 1996 in der 3., aktualisierten Auflage. Daten wurden bis Ende 1996 fortgeschrieben. Hinzu kommen 17 Übersichtsartikel, von verschiedenen Historikern und Publizisten Die Chronik Berlin ist nach den Hauptperioden der Berlin-Geschichte übersichtlich in 17 Abschnitte gegliedert, die jeweils mit ihren Kalendarien, Kurzinformationen sowie dem entsprechenden Übersichtsartikel gleich strukturiert sind. Was man jedoch vermisst ist die Angabe von Quellen. 3 ebd., 24

3 Das Buch stützt sich zwar auf viele Dokumente, darunter manche mit Seltenheitswert. Was nützen einem aber zum Beispiel die Rekonstruktionen historischer Stadtgrundrisse, wenn keine Quelle genannt wird? 4 Und selbstverständlich hat auch in dieser wie in jeder Chronik der Zeitgeist mehr oder weniger kräftig auf die Auswahl und Beschreibung der Geschehnisse abgefärbt. Besonders bei der Darstellung der Ost-West-Problematik in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wird deutlich, daß und wie politische Sichten die Auswahl und Beschreibung der Geschehnisse beeinflußt haben. Der aufmerksame Leser, besonders aus der ehemaligen DDR, wird deshalb manches als merkwürdig empfinden. Liest er beispielsweise den Übersichtsartikel Zwischen Ernüchterung und Aufbruch von Wolf Jobst Siedler über Berlin in den 80er Jahren <...>, so scheint es, als habe es Ost-Berlin - von zwei Sätzen abgesehen - gar nicht gegeben. Der Leser findet zu seinem Erstaunen im gesamten Chronik-Werk keinen einzigen Hinweis darauf, daß sich Ost-Berlin um die drei Stadtbezirke Marzahn (1979), Hohenschönhausen (1985) und Hellersdorf (1986) erweiterte, die zusammen etwa ein Fünftel der östlichen Stadthälfte einnehmen! Vergleicht der Leser das in der Chronik dokumentierte Geschehen nach dem Zweiten Weltkrieg in beiden Teilen Berlins, so fällt nicht nur die ausführlichere Darstellung vieler Ereignisse in Berlin-West auf, sondern auch die Distanz der Chronisten zu den im Osten vollbrachten Leistungen. Man gewinnt auch den Eindruck, daß es im Ostteil der Stadt keinerlei kulturelles Leben gegeben hat. 5 Die Onlineversion findet man unter Die Website wurde also zur Gänze aus der Chronik Berlin, die in Buchform erschien übernommen. Eine Internetseite wird jedoch anderes genutzt. Man klickt sich durch, während man Bücher oft ganz oder kapitelweise liest. Es hat also gewiss Vorteile eine Chronik in dieser Form zu nutzen, da es einfacher ist auf gewisse Epochen zuzugreifen. Außerdem werden bestimmte Artikel miteinander verknüpft und ersparen dem Leser das nachblättern. Diese Form der Chronik hat also ihre Vorteile, es täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass das ehem. Ostberlin in.gewissen Abschnitten kaum behandelt wird. Befindet man mich aber im Internet, 4 vgl ebd.

4 kann man relativ schnell Nachforschungen anstellen, die das Bild, dass eine solche Chronik vermittelt revidieren könne. Trotzdem ist es meiner Ansicht nach beachtlich diese Chronik für jeden, der Zugang zum Internet hat, zur Verfügung zu stellen. Der Palast der Republik Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurde das Berliner Stadtschloss zerstört und daraufhin abgerissen. Das freie Gelände lag auf dem Gebiet der DDR. Der Schlossplatz (später Marx-Engels-Platz) wurde zu einem zentralen Platz in der DDR und für Aufmärsche und Festlichkeiten genützt schließlich fiel der Entschluss eine Haus des Volkes, den Palast der Republik auf diesem Ort zu bauen. Die Eröffnung folgte Das Gebäude diente der Volkskammer der DDR und den SED-Parteiveranstaltungen, sowie als Versammlungsort verschiedener Gruppierungen und Gewerkschaften. Darüber hinaus fanden kulturelle Ereignisse, wie das Festival des politischen Liedes, Konzerte, Ausstellungen vor allem zeitgenössischer Künstler der DDR und Inszenierungen des "Theater im Palast" statt. In den Veranstaltungsräumen befanden sich sogar eine Bar, Resaurants und ein Bowlingcenter. Nach der Wiedervereinigung wurde der Palast wegen Asbestverseuchung geschlossen. Das Gebäude wurde ausgehöhlt und steht seit einiger Zeit für Führungen und Veranstaltungen zur Verfügung. Seit etwa einem Jahrzehnt wird über die Nutzung des Palastes der Repbulik gestritten. Soll er abgerissen werden, oder stehen bleiben. Und was soll an seine Stelle kommen. Eine Rekonstruktion des alten Hohenzoller Stadtschlosses? Oder soll man den Rohbau stehen lassen und ihn ausfüllen? 2002 wird der Abriss des Palastes und der Neubau des Stadtschlosses beschlossen, aus Geldgründen jedoch immer wieder verschoben. 6 Auf ist der Palast zwar aufgeführt, jedoch nicht unter den wichtigen Sehenswürdigkeiten, obwohl er eine zentrale Rolle im Stadtbild von Berlin Mitte spielt. 6 vgl.

5 Die Erinnerung an den Palast wird meiner Ansicht nach damit weitgehend vergessen. Der Palast war in der DDR ein Symbol und ist es auch heute noch. Der Umstand, dass er nicht als zentrale Sehenswürdigkeit aufgeführt wird hat wohl auch verschiedene Gründe, einer davon wird jedoch der Versuch sein das Gebäude zu vergessen. Der Abriss eines symbolischen Gebäudes vernichtet auch immer einen Teil der Erinnerung an jene Zeit, in der dieses Gebäude wichtig war. In anderen Medien, wie etwa einer Zeitung ist es nicht so leicht den Palast zu vergessen, man muss nur auf die Homepage der Berliner Zeitung sehen, den Suchbegriff Palast der Republik einzugeben und man findet eine umfassende Berichterstattung zur Frage von Abriss und Neubau. Schlussfolgerungen Die Website ist umfangreich aber dennoch klar gegliedert. Mit Hilfe der Menüpunkte ist es einem möglich relativ schnell zu navigieren. Bestimmte Inhalte können ausgeblendet werden, denkt man etwa an die Berlin Chronik, in der gewisse Epochen von Ost-Berlin nur am Rande erwähnt werden. Internetinhalte unterscheiden sich teilweise zu Inhalten anderer Medien. Ich hoffe, dass ich diesen Punkt hier herausstellen konnte. Die Übersetzung eines Inhalts von einem Medium in ein anderes kann Vorteile und Nachteile haben. Ein Vorteil wäre die Chronik Berlin, auf die man nun besser und schneller zugreifen kann. Ein Nachteil wäre die Kontroverse über den Palast der Republik der auf kaum erwähnt wird. Quellenverzeichnis: Bougnoux, Daniel (2003). Warum Mediologen... In: Engell, Lorenz/Vogl, Joseph (Hg.). Mediale Historiographie. Weimar: Universitätsverlag,

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