Seminar: Blutgasanalytik
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- Kora Hermann
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1 Seminar: Blutgasanalytik Dr. med. Bernhard Schlüter Centrum für Laboratoriumsmedizin - Zentrallaboratorium - Universitätsklinikum Münster Wintersemester 2015/16
2 Gliederung 1. Anwendungen der Blutgasanalytik 2. Blutgasparameter 3. Messtechniken 4. Qualitätskontrolle 5. Probengewinnung und Präanalytik 6. Diagnostische Strategien 7. Fallbeispiele Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 2
3 Einsatzfelder für die Blutgasanalytik Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 3
4 Blutgasparameter Bereich Im engeren Sinne: Säure-Base-Status Sauerstoff-Status Messgrößen ph / pco 2 / Standard-Bicarbonat / BE (Base Excess) po 2 / Hämoglobin (HK) / so 2 (O 2 -Sättigung) p50 (Halbsättigungsdruck)/ cto 2 (O 2 -Konzentration) CO-Hb / Met-Hb (Dyshämoglobine) Im weiteren Sinne: Elektrolyte Na + / K + / Ca 2+ / Cl - Metabolite Glucose / Lactat / Kreatinin / Ammoniak / Bilirubin Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 4
5 Säure-Base-Parameter Gemessene Größen ph pco 2 Berechnete Größen aktuelles Bicarbonat HCO 3 - [mmol/l] = 0,0307 pco 2 [mm Hg] x 10 (ph-6,1) Standardbedingungen: pco 2 40 mm Hg, po mm Hg, 37 C Standard-Bicarbonat Basenabweichung (BE) Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 5
6 Sauerstoff-Parameter Pulmonale O 2 -Aufnahme po 2 O 2 -Transport im Blut so2 Hb O 2 -Versorgung der Gewebe cto2 p Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 6
7 BGA-Normalwerte arteriell ph 7,36-7,44 pco mm Hg HCO - 3 (SBC) mmol/l BE - 2 bis +2 mmol/l po mm Hg so 2 > 95 % Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 7
8 Blutgasanalysatoren Benchtop Analyser Handheld Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 8
9 Elektrochemie Potentiometrie ph, pco 2, Elektrolyte Amperometrie Glucose, Lactat, po 2 (Polarographie) Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 9
10 Ionenselektive Elektrode (ISE) Potentialdifferenz ~ log der Ionenkonzentration im Serumwasser Direkte ISE (ohne Probenverdünnung) unabhängig von Lipid / Proteinkonzentration Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 10
11 Oximetrie Hb / Hb-Fraktionen / Sättigung / Dyshämoglobine Messprinzip: Multiwellenlängen-Spektrophotometrie Extinktion Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 11
12 Pulsoximeter Gefahr der Überschätzung des O 2 Hb-Gehalts durch Pulsoximeter bei Dyshämoglobinämie! Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 12
13 Met-Hb oder CO-Hb ab 10 % Zyanose Vergiftungssymptome bei Dyshämoglobinämie ab 20 % Luftnot, Kopfschmerzen, Tachykardie ab 30 % Schwindel, Bewußtseinsstörung, Schwäche ab 40 % Kreislaufkollaps, Bewußtlosigkeit, Lähmung ab 60 % akute Lebensgefahr, Tod Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 13
14 RiLiBÄK 2008 Vorgaben für die interne und externe Qualitätskontrolle Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 14
15 Interne Qualitätskontrolle 2 x pro 24 Stunden Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 15
16 Interne Qualitätskontrolle 2 x pro 24 Stunden Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 16
17 Externe Qualitätskontrolle Ringversuch, 4x pro Jahr Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 17
18 Externe Qualitätskontrolle Ringversuch, 4 x pro Jahr Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 18
19 Probengewinnung und Präanalytik
20 Probenarten Arteriell Kapillär Gemischtvenös Venös Kritisch Kranke Normalfall O 2 -Extraktion Nur BE testen Ausschließlich heparinisiertes Vollblut! Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 20
21 Patientenvorbereitung für BGA Stressminimierung vor und während Probennahme Probenahme im steady state Vorherige Arterialisierung bei kapillärer Entnahme Normale kapilläre Zirkulation po 2 (a) 90 mmhg pco 2 (a) 40 mmhg po 2 (c) 60 mmhg pco 2 (c) 42 mmhg nach Arterialisierung po 2 (a) 90 mmhg pco 2 (a) 40 mmhg po 2 (c) 86 mmhg pco 2 (c) 41 mmhg Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 21
22 Arterielle Probengewinnung Direkte Gefäßpunktion oder über Katheter Plastikspritze mit Trockenheparin Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 22
23 Kapilläre Probengewinnung Kapillare blasenfrei füllen Mischen mit Magnet Alternativen: Fingerkuppe, Großzehe, Ferse, Ohrhelix Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 23
24 Probenidentifizierung Fehlende oder falsche Identifikation der Probe häufig und folgenschwer Ursachen: Fehlende Patientenidentifikation und/oder Probenetikettierung Übertragungsfehler bei manueller Dateneingabe Fehlen eines vorgeschriebenen Verfahrens Maßnahmen Mindestens 2 Methoden der Patientenidentifikation (Patientenname und Geburtsdatum oder Auftrags-ID) Vor Verlassen des Patienten muss ID-Etikett auf Probennehmer sein Möglichst Strichcode-Scanner verwenden zur bettseitigen Identifikation und am Analysator Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 24
25 Lagerungsdauer Parameter Veränderung Ursache po 2 Zellulärer O 2 -Verbrauch pco 2 Zelluläre CO 2 -Produktion ph CO 2 -Produktion und Glykolyse Glucose Glykolyse Lactat Glykolyse Beispiel Parameter 0 min 60 min Lagerung bei Raumtemperatur ph 7,41 7,39 Glucose [mg/dl] Lactat [mmol/l] 1,5 2, Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 25
26 Lagerungsdauer Konsequenz: Keine Lagerung ist die beste Lagerung Unmittelbare Messung nach Entnahme anstreben! Bei unvermeidbarer Lagerung bis 30 Minuten tolerabel Spezielle Proben innerhalb von 5 Minuten messen: Hoher po 2 Hohe Leukozytenzahl Für Shuntberechnung Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 26
27 Lagerungstemperatur Kunststoffprobennehmer bei Raumtemperatur lagern Probenkühlung in Eiswasser nur bei Glasprobennehmern Beispiel Parameter 0 min 30 min Kunststoffspritze in Eiswasser po 2 [mm Hg] Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 27
28 Hämolyse Ursachen Zu schnelles Befüllen des Probennehmers Heftiges Mischen der Probe Fallenlassen der Probe auf den Boden Probenkühlung auf Eiswürfeln Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 28
29 Hämolyse Maßnahmen zur Vermeidung Selbstfüllende Probennehmer Vorsichtiges Mischen der Probe Möglichst automatische Mischvorrichtung Korrekte Lagerung der Probe bei Raumtemperatur Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 29
30 Luftkontamination der BGA-Probe Verfälschung der Messwerte durch Luftblasen, besonders des po 2 Auswirkung abhängig vom Volumen der Luftblase ursprünglichen po 2 der Probe Mischen der Probe Probentransport (z.b. Rohrpost) Beispiel Parameter Ohne Luftblasen Mit Luftblasen Nach 5 min gemessen po 2 [mm Hg] pco 2 [mm Hg] 45,6 45,4 so 2 [%] 94,0 96, Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 30
31 Luftkontamination der BGA-Probe Maßnahmen zur Fehlervermeidung Unmittelbar nach Entnahme visuelle Prüfung auf Luftblasen Luftblasen entfernen durch Beklopfen und vor der Probenmischung Probennehmer mit belüfteten Verschlusskappen verwenden Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 31
32 Probenkontamination Probenahme durch arterielle Direktpunktion Risiko der versehentlichen Venenpunktion mit Beimengung sauerstoffarmen Blutes Beispiel Parameter arteriell kontaminiert Venöse Beimengung in arterieller Probe po 2 [mm Hg] pco 2 [mm Hg] 41 41,5 so 2 [%] 98 97, Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 32
33 Probenkontamination Probenahme durch arterielle Direktpunktion Maßnahme zur Fehlervermeidung: selbstfüllende Probennehmer kurz angeschrägte Kanülen 45 Punktionswinkel zur Hautoberfläche Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 33
34 Probenkontamination Probenahme aus arteriellem Katheter Risiko Probenverdünnung durch Infusionslösung Folge: Na + und Cl - erhöht, po 2 variabel, andere Parameter erniedrigt Beispiel Parameter 1 x Totraum 6 x Totraum Entfernung unterschiedlicher Katheter-Totraumvolumina vor Probennahme K + [mmol/l] 3,4 4,1 Na + [mmol/l] Cl - [mmol/l] Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 34
35 Probenkontamination Probenahme aus arteriellem Katheter Maßnahme zur Fehlervermeidung mindestens 3 x Totraumvolumen des Katheters verwerfen vor Probenahme Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 35
36 Probenkontamination Kapilläre Probenahme Risiko der Beimengung von interstitieller Flüssigkeit zum Blut durch intensives Quetschen des Gewebes Folge: Hämolyse und falsch hohes K + Maßnahmen zur Fehlervermeidung: Hyperämisierung (Wärme, Finalgon ) Kein Quetschen Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 36
37 Antikoagulation Vermeidung von Gerinnselbildung in der Vollblutprobe Ausschließlich Heparin als Antikoagulans bei BGA zu verwenden EDTA, Citrat als stärkere Säuren ungeeignet Probleme durch angeronnene Proben: Beeinträchtigte Messverfügbarkeit des Analysators Gefahr ungenauer Messwerte in der geronnenen Probe und folgenden Proben Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 37
38 Antikoagulation Maßnahmen Elektrolytkompensation des Heparins, um falsch niedrige Calcium- Werte zu vermeiden Trockenheparin zur Vermeidung von Verdünnungseffekten Sofort nach Probenahme mischen zur Anlösung des Trockenheparins Verwendung von Gerinnselfängern bei Kapillarproben Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 38
39 Probenmischung Gründliches Mischen der Probe Voraussetzung für korrekte Ergebnisse Homogene Suspension der Zellen Besonders wichtig für Hb, HK und abgeleitete Parameter Fehlerquellen Hohe Sedimentationsrate (BSG) Kein standardisiertes Mischen Probennehmer mit geringem Durchmesser Beispiel Parameter Gründlich gemischt Ungenügend gemischt 10 min gelagert vor Messung Hb [g/dl] 10,0 7, Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 39
40 Probenmischung Maßnahmen zur Fehlervermeidung Manuelles Mischen der Probe 1 Minute lang horizontal und vertikal Bei sichtbarer Sedimentierung Mischung über mehrere Minuten Automatische Mischvorrichtung im Blutgasgerät Probennehmer mit integrierter Mischkugel bzw. Mischstäbchen bei Kapillaren Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 40
41 Diagnostische Strategien
42 Diagnostischer Algorithmus Blut-pH Ursache Klinik Kompensation Azidose oder Alkalose? Respiratorische oder metabolische oder kombinierte Störung? Akut oder chronisch? Respiratorisch oder metabolisch? Teil- oder vollkompensiert? Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 42
43 Diagnostik-Nomogramm Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 43
44 Formen der Hypoxie Hypoxämie Anämie Vergiftung Ischämie po 2 (a) und so 2 (a) Hb Dyshämoglobine HZV Schlüter UKM Centrum für Laboratoriumsmedizin 44
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