Pragmatik Konversationsmaximen

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1 Konversationsmaximen Grice, H.P Logic and Conversation. In: Cole, Peter & Jerry Morgan (eds.).1975.syntax and Semantics Vol. 9: Pragmatics.New York: Academic Press. SS (deutsch in: Meggle, Georg (ed.) Handlung, Kommunikation, Bedeutung. Frankfurt: Suhrkamp (Theorie.)) Syntax Semantik - Syntax: Beziehung zwischen den Zeichen Semantik: Beziehung zwischen Zeichen und Gegenständen : Beziehung zwischen Zeichen und Zeichenbenutzern Beschäftigt sich mit dem Sprachgebrauch. 1 2 A: Weißt du wie spät es ist? B: Der Briefträger war gerade da. A. Willst du noch einen Kaffee. B. Ich muss morgen früh raus. A: Können Sie mir sagen wie spät es ist? B: Ja. [Fraktionssprecher Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) auf die Frage, welchen SPD-Kandidaten seine Partei bevorzuge:] Wir haben uns auf der Klausurtagung für August Bebel entschieden. (Schwäbischen Tageblatt, ; aus Meibauer 1999: 25) 3 4 Präsuppositionen / Implikationen Implikatur implikatieren Gemeintes Gesagtes Implikatur Der Müll muss noch runter gebracht werden. Ein Sprecher induziert mit der Äußerung eines Satzes S die Implikatur, daß p der Fall ist, wenn seine Äußerung den Schluß auf p erlaubt, ohne daß er mit S wörtlich gesagt hätte, daß p. (Bußmann ) Ein Schluß p aus einer Äußerung S, ohne daß p explizit geäußert wurde

2 Präsuppositionen / Implikationen Konventionelle Implikaturen Gesagtes Gemeintes Implikatur Wenn der Schluss ausschließlich auf der konventionellen Bedeutung der Wörter und grammatischen Konstruktionen beruht, die in S vorkommen. (Alternativ auch als Präsuppositionen bezeichnet.) konventionelle Sogar Podolski hat ein Tor gemacht. Franz hat nicht vergessen, dass Peter sein Auto geklaut hat. Peter hat Franzens Auto geklaut. Willi hat es nicht geschafft, den Tresor zu öffnen Willi hat versucht, den Tresor zu öffnen Nur Heiner trinkt Kabänes. Kein anderer trinkt Kabänes. Das Haus ist abgebrannt. Das Haus hat gebrannt. 7 8 Präsuppositionen Der Bundeskanzler von Deutschland ist eine Frau. =existentiell >> Es gibt einen Bundeskanzler von Deutschland Ich bereue, das getan zu haben. =faktiv >> Ich habe es getan Peter gibt vor, Lehrer zu sein. =nicht-faktiv >> Peter ist kein Lehrer. Peter hat aufgehört zu rauchen. =lexikalisch >> Peter hat geraucht. Wer ist Professor in Wuppertal? =struktureller >> Jemand ist Professor in Wuppertal Wenn du mich lieben würdest, würdest du... =kontrafaktisch >> Du liebst mich nicht Nach Meibauer 1999: 46ff. Faktive Prädikate Klasse von Ausdrücken, die faktive Präsuppositionen auslösen d.h. Komplemente von FP gelten als wahr präsupponiert: Anne bedauert, dass das Seminar schon vorbei ist. Das Seminar ist vorbei Brad versteht nicht, dass du ihn nicht heiraten willst. Du willst Brad nicht heiraten Präsuppositionen / Implikationen Konversationelle Implikaturen Gemeintes Gesagtes konventionelle Spezialisierte Implikatur konversationelle Generalisierte Wenn die Implikatur außer auf der konventionellen Bedeutung des geäußerten Ausdrucks auch auf der Annahme beruht, dass der Sprecher gewisse Konversationsmaximen befolgt oder absichtlich verletzt hat. nach Meggle 1999=

3 Generelle konversationelle Implikaturen wenn sie in allen Normalkontexten erscheint: Ich habe Hans gestern mit einer Frau im Kino gesehen Es war nicht seine Frau. Peter hat sich gestern einen Finger abgeschnitten Es war sein Finger.? Es war nicht sein Finger. Spezielle konversationelle Implikaturen die nur in bestimmten Äußerungskontexten auftauchen, Der Kapitän notiert im Logbuch: Heute, 23. März, der Maat ist betrunken. Einige Tage später schreibt der Maat ins Logbuch: Heute, 26. März, der Kapitän ist nicht betrunken. (Aus: Grewendorf, Hamm, Sternefeld 1987: 411) Implikationen implizieren Nastassja küßte Charlie leidenschaftlich. Nastassja küßte Charlie. Charlie wurde von Nastassja geküßt. Nastassja berührt Charlie mit ihren Lippen In jeder Situation, wo Satz p wahr ist, muss auch Satz q wahr sein. In jeder Situation, wo Satz q falsch ist, kann Satz p nicht wahr sein. Konversationsmaximen Grice Herbert Paul ( ) studierte und unterrichtete bis 1967 in Oxford. Von 1939 bis 1967 war er Fellow am St. John s College. Von 1968 bis zu seiner Emeritierung 1980 war Grice Professor für Philosophie in Berkeley (Kalifornien) Konversationsmaximen H. Paul Grice: Logik und Konversation Eine der größten linguistischen Entdeckungen sind nach unserer Meinung die Griceschen Maximen. Die Griceschen Maximen haben uns das Funktionieren menschlicher Kommunikation besser verstehen lassen, sie haben die kommunikative Analyse entscheidend verbessert, sie haben vielleicht auch den Grund gelegt für eine Ethik der Kommunikation. Es ist verblüffend, dass es so lange dauerte, bis sie entdeckt wurden. (Heringer 2004: 70) Unsere Gespräche bestehen normalerweise nicht aus einer Abfolge unzusammenhängender Bemerkungen, und wären so auch nicht rational. Sie sind, kennzeichnender Weise, wenigstens bis zu einem gewissen Maß, kooperative Bemühungen; und jeder Teilnehmer erkennt bis zu einem gewissen Grad in ihnen einen gemeinsamen Zweck (bzw. mehrere davon) oder zumindest eine wechselseitig akzeptierte Richtung an

4 Zweck oder Richtung können von Beginn an festgelegt sein (z.b. durch einen Vorschlag einer zu erörternden Frage) oder sich während des Gesprächs herausbilden; sie können ziemlich bestimmt sein oder so unbestimmt, daß sie den Teilnehmern ganz beträchtlichen Spielraum lassen (wie bei zwangloser Konversation). Aber an jedem Punkt wären einige Züge im Gespräch als konversational unpassend ausgeschlossen. Wir könnten demnach ganz grob ein allgemeines Prinzip formulieren, dessen Beachtung von allen Teilnehmern beachtet wird: Kooperationsprinzip Mache deinen Gesprächsbeitrag jeweils so, wie es von dem akzeptierten Zweck oder der akzeptierten Richtung des Gesprächs, an dem du teilnimmst, gerade verlangt wird. (1979: 248) Maxime der Quantität Maxime der Qualität 1. Mache deinen Beitrag so informativ wie (für die gegebenen Gesprächszwecke) nötig. 2. Mache deinen Beitrag nicht informativer als nötig. Einige Philosophen halten die These für unsinnig. Es gibt einige Philosophen, die die These nicht für unsinnig halten. Versuche deinen Beitrag so zu machen, dass er wahr ist. 1. Sage nichts, was du für falsch hältst. 2. Sage nichts, wofür dir angemessene Gründe fehlen Maxime der Relation Maxime der Modalität Sei klar Sei relevant. 1. Vermeide Dunkelheit des Ausdrucks. 2. Vermeide Mehrdeutigkeit 3. Sei kurz (vermeide unnötige Weitschweifigkeit) 4. Der Reihe nach!

5 I. Maximen der Quantität: 1. Mach deinen Gesprächsbeitrag so informativ wie möglich Mach deinen Gesprächsbeitrag nicht informativer als nötig II. Maximen der Qualität 1. Versuche Behauptungen so zu formulieren, daß sie wahr sind. 2. Behaupte nichts, wofür du keine hinreichenden Gründe hast. III. Maxime der Relation 1. Sage nur Relevantes IV.Maxime der Modalität 1. Vermeide Unklarheit Vermeide Mehrdeutigkeit Vermeide Weitschweifigkeit Vermeide Ungeordnetheit... Welchen Status haben diese Maximen? Die genaue Anzahl und die eindeutige Abgrenzung der einzelnen Maximen ist unwesentlich. Offensichtlich ist die Beachtung einiger dieser Maximen weniger dringend als die Beachtung anderer; wer sich übermäßig weitschweifend ausdrückt, wird im allgemeinen milderer Kritik ausgesetzt sein als jemand, der etwas sagt, das er für falsch hält. (250) Natürlich gibt es alle möglichen anderen Maximen (ästhetischer, gesellschaftlicher oder moralischer Natur), wie etwa Sei höflich, die von den Gesprächsteilnehmern normalerweise ebenfalls beachtet werden. 2. Die Maximen sind nicht speziell als Konversationsregeln gedacht, sondern Rede wird nur als Spezialfall oder eine Spielart zweckhaften, ja rationalen Handelns gesehen. Zumindest einige der Maximen [haben] ihre Entsprechungen auch in der Sphäre solcher Interaktionen, die keine Gespräche sind (250f.) Quantität Qualität Wenn du mir dabei hilfst, einen Wagen zu reparieren, dann erwarte ich, dass du weder mehr noch weniger dazu beiträgst, als erforderlich ist. Wenn ich vier Schrauben brauche, dann erwarte ich, dass du mir vier gibst und nicht zwei oder sechs. Ich erwarte, dass du wirklich etwas beiträgst und nicht nur so tust. Wenn ich Zucker für den Kuchen brauche, dann erwarte ich nicht, dass du mir Salz gibst Wenn ich einen Löffel brauche, erwarte ich keinen Tricklöffel aus Gummi

6 Relation Modalität Ich erwarte vom Beitrag des Partners, dass er dazu passt, was an dem jeweiligen Punkt der Interaktion vonnöten ist. Wenn ich die Zutaten für einen Kuchen verrühre, möchte ich kein gutes Buch und nicht einmal einen Topflappen bekommen. Ich erwarte vom Partner, dass er klarmacht, was er beiträgt, und dass er es einigermaßen zügig tut Die Beziehung zwischen dem Kooperationsprinzip und seinen Maximen und den konversationalen Implikaturen Maximen können auf unterschiedliche Weisen nicht erfüllt werden: 1. Er mag ganz still und undemonstrativ eine Maxime verletzen; er wird dann in manchen Fällen sehr leicht irreführen. 2. Er kann aussteigen: Mehr kann ich nicht sagen, meine Lippen sind versiegelt. 3. Er mag vor einer Kollision stehen: Er mag beispielsweise nicht in der Lage sein, die erste Maxime der Quantität zu erfüllen, ohne die zweite Maxime der Qualität zu verletzen Er mag gegen eine Maxime verstoßen; unter der Annahme, i. dass der Sprecher die Maxime erfüllen kann und dies auch, ohne eine andere Maxime zu verletzen, ii. dass er zudem nicht aussteigt und angesichts der Offensichtlichkeit seines Tuns nicht irrezuführen versucht, steht der Hörer vor keinem allzu großen Problem: Wie kann der Umstand, dass er das sagt, was er sagt, mit der Annahme in Einklang gebracht werden, dass er das umfassende KP beachtet? Diese Situation lässt charakteristischerweise eine konversationelle Implikatur zustande kommen. (254) A: Was gibt es heute Abend zu essen. B: Peter hatte einen Unfall. 1. Die Antwort b. ist offensichtlich in ihrer konventionellen - Bedeutung irrelevant, verletzt also die Maxime der Relation. 2. A geht aber davon aus, dass B dem KP folgt 3. Angenommen: A und B wissen, dass Peter für das Essen zuständig war, und beide wissen auch, dass der andere das weiß. 4. Dann impliziert B, dass

7 Sagen und meinen Beispiel aus Grice, in dem keine Maxime verletzt wird. Communication is successful not when hearers recognise the linguistic meaning of the utterance, but when they infer the speaker s meaning from it. (Sperber & Wilson 1986: 23) Kommunikation ist nicht bereits dann erfolgreich, wenn wir die konventionale/ linguistische Bedeutung einer Äußerung verstehen, sondern wenn wir erschlossen haben, was der Sprecher meint. A steht vor einem Auto, das sich offensichtlich nicht mehr von der Stelle rührt; B kommt hinzu A: Ich habe kein Benzin mehr. B: Um die Ecke ist eine Tankstelle B würde der Maxime Sei relevant zuwiderhandeln, wenn er nicht dächte oder es für ausgeschlossen hielte, dass die Tankstelle geöffnet ist und Benzin verkauft. Also impliziert er, dass die Tankstelle geöffnet ist oder zumindest möglicherweise aufhat Beispiel aus Grice, in denen eine Maxime verletzt wird, was aber durch Kollision mit einer anderen Maxime bedingt ist. Beispiel aus Grice, in dem eine Maxime ausgebeutet wird. A und B planen eine Reise durch Frankreich. Beide wissen, daß A seinen Freund C in Frankreich treffen möchte. A: Wo wohnt C? B: Irgendwo in Südfrankreich. Die Antwort verletzt die Maxime der Quantität Jede explizitere Antwort würde aber die Maxime der Qualität verletzen Also implikatiert B: Ich weiß nicht, wo C wohnt. A schreibt ein Gutachten über einen Schüler, der sich für eine Stelle beworben hat. Sehr geehrter Herr So-und-so Herr X spricht ein ausgezeichnetes Deutsch, und sein Besuch der Übungen war regelmäßig. Mit freundlichem Gruß Verstoß gegen die Maxime der Quantität. Man erwartet in einem Empfehlungsschreiben mehr Information. Ausbeutung: Es wird implikatiert, dass der Kandidat nicht empfehlenswert ist Ausbeuten der Maxime der Modalität Frl. X sang Home sweet home Frl. X erzeugte eine Lautfolge, die in enger Übereinstimmung mit der Partitur von Home sweet home stand. J. Fischer: Wir haben uns auf der Klausurtagung für August Bebel entschieden. (p) Wir haben uns noch nicht entschieden. (q) 1. Die Äußerung p verletzt die Maxime der Qualität. 2. JF beachtet das Kooperationsprinzip 3. JF weiß, dass ich weiß, dass p unwahr ist, und er weiß auch, dass ich weiß, dass er das weiß und er kann deshalb davon ausgehen, dass ich erkenne, dass er q meint. 4. Er tut nichts dagegen, dass ich denke, dass q. 5. Er will also, dass ich denke, dass q. 6. JF hat also implikatiert, dass q. (Nach: Grewendorf, Hamm, Sternefeld 1987: 409)

8 Literatur Cole, Peter & Jerry Morgan (eds.) Syntax and Semantics Vol. 9: Pragmatics. New York: Academic Press Grewendorf,Günther ; Fritz Hamm ; Wolfgang Sternefeld Sprachliches Wissen - eine Einführung in moderne Theorien der grammatischen Beschreibung. Frankfurt am Main Suhrkamp Grice, H.P "Logic and Conversation". In:Cole & Morgan (eds.): Meggle, Georg (ed.) Handlung, Kommunikation, Bedeutung. Frankfurt: Suhrkamp (Theorie.) Meibauer, Jörg Eine Einführung. Tübingen: Stauffenburg Verlag Sperber, D. & Wilson, D Relevance. Communication and Cognition. Oxford: Basil Blackwell Ltd. 43 8

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