ABSCHLUSSPRÜFUNG WINTER 2011/2012

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1 Gemeinsame Prüfungsaufgaben der Steuerberaterkammern im Lande Nordrhein-Westfalen Prüfungsnummer: ABSCHLUSSPRÜFUNG WINTER 2011/2012 Ausbildungsberuf: Steuerfachangestellte/r Prüfungsort: Termin: Donnerstag, 10. November 2011 Prüfungsfach: Wirtschafts- und Sozialkunde Bearbeitungszeit: 90 Minuten Bitte deutlich schreiben und Füllhalter, Kugelschreiber oder Filzstift benutzen. Gesamtpunktzahl: 100,0 Erzielte Punkte: 1. Aufgabenteil: 22,0 2. Aufgabenteil: 53,0 3. Aufgabenteil: 25,0 Note: Unterschrift Erstzensor: Unterschrift Zweitzensor:

2 1. Aufgabenteil: (22,0 Punkte) Allgemeine Angaben Alexander Kranz, Florian Dachs und Johanna Stapel gründeten im Jahr 2000 die Stahlbeton GmbH in Münster. Sie sind jeweils mit ,00 beteiligt. Johanna Stapel hält ihren Anteil im Privatvermögen und hat erst ,00 eingezahlt. Die beiden anderen Gesellschafter halten ihre voll eingezahlten Anteile jeweils im Betriebsvermögen der Kranz & Dachs KG, die mit Baumaschinen aller Art handelt. Sachverhalt 1 (4,0 Punkte) Die GmbH kauft drei Tonnen Baustahlmatten für 5.100,00. Der Lieferant wendet sich direkt an Johanna Stapel zwecks Begleichung der Rechnung, da die GmbH die Bezahlung innerhalb einer vereinbarten Frist nicht geleistet hat. Aufgaben 1. Muss Johanna Stapel der Aufforderung des Lieferanten nachkommen? Begründen Sie Ihre Antwort. 2. Wie und gegenüber wem kann der Lieferer gegebenenfalls seinen Zahlungsanspruch durchsetzen? Zu 1.: Zu 2.: Sachverhalt 2 (7,0 Punkte) In dem Gesellschaftsvertrag ist vereinbart, dass die drei Gesellschafter allein vertretungsberechtigte Geschäftsführer sind. Für Ausgaben über 5.000,00 müssen jedoch alle Gesellschafter zustimmen. Aus zeitlichen Gründen erwirbt Johanna Stapel eine Computeranlage für 7.500,00, ohne die anderen Gesellschafter zu fragen, da ihr das Angebot besonders günstig erscheint. Am nächsten Tag informiert sie die anderen Gesellschafter aber sofort über dieses Geschäft. Alexander Kranz und Florian Dachs halten von dem Kauf nichts und wollen ihn rückgängig machen.

3 Aufgaben 1. Kann der Kaufvertrag aus diesem Grunde rückgängig gemacht werden? Begründen Sie unter Nennung der gesetzlichen Grundlage. 2. Hat Johanna Stapel mit Konsequenzen zu rechnen, falls der Computerhändler aus Kulanzgründen die Anlage nur für 7.000,00 zurücknimmt? Wenn ja, mit welchen? Sachverhalt 3 (7,0 Punkte) Aufgrund der Auseinandersetzungen mit den anderen Gesellschaftern beabsichtigt Johanna Stapel ihren GmbH-Anteil an Guido Männlein für ,00 zu verkaufen. Sie schließen zu diesem Zweck einen schriftlichen Vertrag ab. Die anderen Gesellschafter sind mit dem Verkauf nicht einverstanden. Aufgaben 1. Können die Gesellschafter etwas gegen den Verkauf unternehmen? Geben Sie bei Ihrer Lösung die gesetzliche Grundlage an. Bearbeitungshinweis: Gehen Sie bei der Lösung davon aus, dass im Gesellschaftsvertrag keine Regelung über die Veräußerung des Geschäftsanteils getroffen worden ist.

4 2. Kommt der Verkauf in der geschilderten Weise zustande? Begründen Sie Ihre Entscheidung unter Nennung der gesetzlichen Grundlage. Sachverhalt 4 (4,0 Punkte) Ohne Einberufung einer Gesellschafterversammlung ernennt Alexander Kranz die langjährige Mitarbeiterin Angelika Markel ausdrücklich zur Prokuristin, obwohl ihm bekannt ist, dass Florian Dachs und Johanna Stapel damit nicht einverstanden sind. Ist die Ernennung rechtens? Geben Sie bei Ihrer Lösung die gesetzliche Grundlage an.

5 2. Aufgabenteil: (53,0 Punkte) Sachverhalt 1 (10,0 Punkte) Die Geschäftsführer der Stahlbeton GmbH haben für Ende November 2011 eine Gesellschafterversammlung einberufen. Auf der Tagesordnung steht u.a. folgender Punkt: Finanzierungsmöglichkeiten für eine geplante Investition (Erweiterung der Produktionsstätte für Betonfertigteile) in Höhe von ,00 Um möglichst eine Darlehensaufnahme bei einem Kreditinstitut zu vermeiden, möchten die Geschäftsführer mit den Gesellschaftern folgende Finanzierungsmöglichkeiten diskutieren: Finanzierungsmöglichkeiten A B Das Stammkapital der Gesellschaft wird von ,00 um ,00 auf ,00 erhöht. Zur Übernahme der neuen Geschäftsanteile werden ausschließlich die Gesellschafter im Verhältnis ihrer bisherigen Geschäftsanteile zugelassen. Im Betriebsvermögen der GmbH befindet sich ein unbebautes Grundstück (Lagerplatz), das nicht mehr für eigene betriebliche Zwecke benötigt wird. Der Veräußerungserlös erbringt etwa ,00. Das Stammkapital der Gesellschaft wird von ,00 um ,00 auf ,00 erhöht. Zur Übernahme der neuen Geschäftsanteile ist ausschließlich die Thyssen-Krupp AG, die bisher noch nicht an der Gesellschaft beteiligt ist, zugelassen. Die Gesellschafter verzichten in Höhe von ,00 auf die Ausschüttung des im Wirtschaftsjahr 2010 erzielten Bilanzgewinns in Höhe von insgesamt ,00. Der Betrag von ,00 wird in eine Gewinnrücklage eingestellt. Die Gesellschafter gewähren - entsprechend ihrer jeweiligen Beteiligungsquote - der GmbH ein Darlehen in Höhe von insgesamt ,00 aus privaten Mitteln. Aufgabe Um welche der nachfolgend genannten Finanzierungsarten handelt es sich bei den o.a. Vorschlägen: A. Finanzierungsformen (Spalte A) 1. Außenfinanzierung 2. Innenfinanzierung B. Arten der Mittelaufbringung (Spalte B) 3. Selbstfinanzierung 4. Beteiligungsfinanzierung 5. Fremdfinanzierung 6. Finanzierung durch Kapitalfreisetzung Tragen Sie die entsprechenden Ziffern in die Spalten A und B ein!

6 Sachverhalt 2 (20,0 Punkte) Die Geschäftsführer der Stahlbeton GmbH prüfen, ob es sich zukünftig lohnt die Forderungen gegenüber ihren Kunden durch ein Factoring-Institut einziehen zu lassen. Sie gehen von folgenden Daten aus: Jährlicher Durchschnittsumsatz der letzten Jahre: ,00 Jährlicher Durchschnittsbetrag der Außenstände: ,00 Kosteneinsparungen a) Personalbereich: 2 Mitarbeiter mit 13 Monatsgehältern; Monatsgehalt brutto: 2.300,00 Lohnnebenkosten pro Jahr pro festangestelltem Mitarbeiter: 30 % Aushilfen; Jahresaufwand: 7.000,00 b) Raumkosten pro Jahr: 6.000,00 c) Verringerung des Zinsaufwandes für den Kontokorrentkredit: 10,5 % von ,00 d) Forderungsausfall: 0,5 % des Umsatzes Factoring-Gebühren: a) Dienstleistungsgebühr: 1,35 % des Umsatzes b) Delkrederegebühr: 0,6 % des Umsatzes c) Finanzierungsgebühr: 10 % auf den Durchschnittsbetrag der Außenstände Aufgaben 1. Stellen Sie die Kosteneinsparungen und die Factoring-Gebühren rechnerisch gegenüber. 2. Nennen Sie zwei grundsätzliche Vorteile und zwei grundsätzliche Nachteile, die das Factoring mit sich bringt. Kosteneinsparungen: Factoring-Gebühren:

7 Vorteile Factoring: Nachteile Factoring: Sachverhalt 3 (23,0 Punkte) Die Stahlbeton GmbH benötigt zum Ausbau ihres Lagers einen Kredit in Höhe von ,00. Aufgrund der Kreditanfrage verlangt die Bank eine Sicherheit für den Kredit. 1. Alexander Kranz übereignet der Bank sicherungsweise ein Auslieferungsfahrzeug, das dem Betriebsvermögen zugeordnet ist. a) Warum wird die Bank die Übergabe des Kraftfahrzeugbriefs verlangen? b) Wie kann sich die Bank davor schützen, dass das Fahrzeug als Sicherungsgut wertlos werden kann? c) Nennen Sie einen Vorteil der Sicherungsübereignung für den Kreditgeber. d) Nennen Sie einen Vorteil der Sicherungsübereignung für den Kreditnehmer. Zu a) Zu b)

8 Zu c) Zu d) 2. Als weitere Möglichkeit den Kredit zu sichern, bietet Alexander Kranz die Verpfändung eines unbelasteten Grundstücks an. a) Welche Möglichkeiten der Kreditsicherung hat die Bank in diesem Fall? b) Nennen Sie zwei wesentliche Unterschiede zwischen diesen Grundpfandrechten. c) Welche Voraussetzung ist für eine rechtswirksame Verpfändung des Grundstücks notwendig? Zu a) Zu b) Zu c)

9 3. Eine weitere Alternative zur Sicherung des Kredits besteht in der Verpfändung des Aktiendepots der Ehefrau von Alexander Kranz. a) Wie wird der Kredit in diesem Fall bezeichnet? b) Wer ist Eigentümer und Besitzer des Aktiendepots bei dieser Sicherungsmöglichkeit? Zu a) Zu b) 4. Zur weiteren Kreditsicherung verlangt der Sachbearbeiter der Hausbank eine Bürgschaftserklärung. Alexander Kranz bittet daher seinen langjährigen Freund, den Finanzbeamten Matthias Hoffmann, die Bürgschaft zu übernehmen. Die Hausbank sieht eine selbstschuldnerische Bürgschaft vor. a) Wem gegenüber hat Matthias Hoffmann die Bürgschaftserklärung abzugeben? b) In welcher Form muss die Bürgschaftserklärung abgegeben werden? c) Kann Matthias Hoffmann sofort von der Hausbank in Anspruch genommen werden, wenn der Kredit notleidend wird? Begründen Sie Ihre Entscheidung. d) Matthias Hoffmann ist nur bereit eine gewöhnliche (einfache) Bürgschaftserklärung abzugeben. Welchen Vorteil hat die gewöhnliche Bürgschaft für Matthias Hoffmann? Zu a) Zu b) Zu c) Zu d)

10 3. Aufgabenteil (25,0 Punkte) Jens Müller ist als Arbeitnehmer in der umlagepflichtigen Großbäckerei Nikolaus & Söhne GmbH in Düsseldorf beschäftigt. Er ist 28 Jahre alt und arbeitet als Geselle in der Backstube mit einer regelmäßigen Arbeitszeit von Montag bis Freitag jeweils von bis Uhr. Er hat einen Stundenlohn von 14,50 und hat im Monat November 170 Normalstunden gearbeitet. Jens Müller ist ledig, kinderlos, römisch-katholisch und bei der AOK Rheinland pflichtversichert. Jetzt in der Vorweihnachtszeit hat der Geschäftsführer an vier Wochenenden Sonderschichten angesetzt, um der erhöhten Nachfrage nach zu kommen: Jens Müller arbeitet im November zusätzlich an 2 Samstagen und an 2 Sonntagen je 8 Stunden und erhält hierfür entsprechend einer Betriebsvereinbarung für die Samstage einen Zuschlag von 25 % und für die Sonntage einen Zuschlag von 60 % zum Grundlohn. Aufgaben 1. Erstellen Sie für den Gesellen Jens Müller (I/0,0) die Lohnabrechnung für den Monat November Gehen Sie von einem Lohnsteuersatz von 15,82 % aus. 2. Welche Mehraufwendungen entstehen der Nikolaus & Söhne GmbH durch die Sonderschichten des Jens Müller im November 2011? Bearbeitungshinweis: Gehen Sie davon aus, dass die sozialversicherungsrechtliche und die einkommensteuerrechtliche Beurteilung identisch sind. Beachten Sie bei Ihrer Lösung den 3b EStG. Beitragssätze zur Sozialversicherung (2011) Krankenversicherung 15,5 % (Arbeitnehmeranteil: 8,2 % Arbeitgeberanteil: 7,3 %) Pflegeversicherung 1,95 % (Zusatzbeitrag für Kinderlose ab dem 23. Lebensjahr: 0,25 %) Rentenversicherung 19,9 % Arbeitslosenversicherung 3,0 % Beitragsbemessungsgrenzen (2011) Kranken- und Pflegeversicherung: 3.712,50 Renten- und Arbeitslosenversicherung: 5.500,00 Versicherungspflichtgrenze (2011) Kranken- und Pflegeversicherung: 4.125,00 Umlage U1 (Entgeltfortzahlung bei Krankheit 60 %) 1,8 % Umlage U2 (Entgeltfortzahlung bei Mutterschaft 100 %) 0,2 % AOK Rheinland

11 1. Lohnabrechnung Jens Müller November 2011: Bitte wenden!

12 2. Mehraufwendungen für die Nikolaus & Söhne GmbH

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