Haushalts- und Konsumökonomie

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1 Haushalts- und Konsumökonomie Vorlesung 3: Arbeit und Freizeit

2 Ziele der heutigen Vorlesung Ein einfaches Modell darstellen, mit dem wir die Zeitallokation eines Haushalts analysieren können. Verstehen, welche ökonomischen Variablen die Zeitallokation maßgeblich beeinflussen. Versuchen, längerfristige Trends im Zeitallokationsverhalten zu erklären. Erklären, weshalb Arbeitsstundenrestriktionen entstehen.

3 Inhalt der heutigen Vorlesung 1. Einführung 2. Ein einfaches Modell Nutzenfunktion Produktionsfunktion Gleichgewicht 3. Einkommenseffekt 4. Lohneffekt 5. Technologischer Fortschritt 6. Veränderung von Präferenzen 7. Arbeitslosigkeit und Stundenrestriktionen 8. Diskussionsthemen 9. Ausblick

4 1. Einführung Bisher haben wir angenommen, dass das Einkommen exogen vorgegeben ist => dies ist unrealistisch (Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit können wir bestimmen) Die Zeitallokation in Deutschland (und in allen Industrieländern) hat sich im letzten Jahrhundert sehr stark verändert.

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6 70 60 Erwerbsquoten in Prozent Männer Frauen Quelle: Statistisches Taschenbuch 2007 Arbeits- und Sozialstatistik

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8 Wie können wir solche Veränderungen erklären? Veränderungen der Zeitnutzung zwischen 1991/92 und 2001/ Veränderungen zwischen 1991/92 und 2001/02 in Minuten +33 [in Stunden pro Tag] Männer Frauen Männer Frauen Männer Frauen Männer Frauen Persönlicher Bereich, Regeneration Freizeit Haushaltsarbeitszeit Erwerbstätigkeit, Weiterbildung

9 2. Ein einfaches Modell: Nutzenfunktion Ziel: Erklären wie Personen ihre Zeit aufteilen. Nutzenfunktion: U = u(c,g,l) C = Marktgüter und -dienstleistungen G = Güter und Dienstleistungen, die im Haushalt produziert werden Damit die graphische Darstellung übersichtlich bleibt, nehmen wir an, dass C und G perfekte Substitute sind, d.h. U = u(c + G,L); ist diese Annahme realistisch? Zeitrestriktion: T = 24 Stunden = M + H + L M = bezahlte Arbeitszeit H = unbezahlte Arbeitszeit L = Freizeit

10 2. Ein einfaches Modell: Nutzenfunktion C+G u 0 u 1 T (vorübergehende Annahme T = L)

11 2. Ein einfaches Modell: Produktionsfunktion Haushaltsproduktionsfunktion: Spiegelt die technologischen Bedingungen im Haushalt wider => zeigt Outputmenge der Haushaltsprodukte für eine bestimmte Inputmenge an unbezahlter Arbeit und Marktgütern G = g(h,c) H = Stunden unbezahlte Arbeit C = Marktgüter Wie könnte eine solche Funktion graphisch aussehen?

12 2. Ein einfaches Modell: Produktionsfunktion

13 2. Ein einfaches Modell: Gleichgewicht Wie sieht das Gleichgewicht in einer Welt ohne Arbeitsmarkt aus?

14 2. Ein einfaches Modell: Gleichgewicht Ist eine Person erwerbstätig, dann gilt folgende Budgetrestriktion: pc = wm + V pc = Ausgaben für Marktgüter wm = Stundenlohn x Arbeitsstunden = Erwerbseinkommen V = Nichterwerbseinkommen Angenommen keine Haushaltsproduktion findet statt, dann T = M + L pc = w(t-l) + V pc + wl = wt + V

15 2. Ein einfaches Modell: Gleichgewicht Berechnen Sie die Steigung der Budgetrestriktion.

16 2. Ein einfaches Modell: Gleichgewicht Steigung der Budgetrestriktion = W/P = Menge an Marktgüter, die wir für eine zusätzliche Einheit Freizeit aufgeben müssen = Preis der Freizeit jetzt müssen wir die Haushaltsproduktion integrieren; dazu ein Beispiel Angenommen: Haushaltsproduktionsfunktion: G = 40H 0.5H 2 Preis von Marktgütern = p = 1 EURO / Einheit Lohn = 10 EURO / Std. Marktgüter und Haushaltsgüter sind perfekte Substitute.

17 2. Ein einfaches Modell: Gleichgewicht H G g h (Grenzprodukt) Wie viele Stunden Hausarbeit sollte geleistet werden?

18 2. Ein einfaches Modell: Gleichgewicht Die Haushaltsproduktion sollte ausgeweitet werden bis

19 2. Ein einfaches Modell: Gleichgewicht Person r ist nicht erwerbstätig. Warum? Person s ist erwerbstätig. Warum?

20 3. Einkommenseffekt Wie verändert sich die Zeitallokation, wenn das Nichterwerbseinkommen (V) sich erhöht? Bei Person R: Freizeit nimmt zu, Hausarbeit nimmt ab. Warum? Bei Person S: Auch hier nimmt die Freizeit zu; aber welche Arbeitform nimmt ab bezahlte oder unbezahlte Arbeit?

21 4. Lohneffekt Wie wirkt sich eine Veränderung des Lohns auf die Zeitallokation aus? Drei Effekte müssen unterschieden werden: : Eine Erhöhung des Lohns erhöht die Produktivität am Markt relativ zur Produktivität im Haushalt. C.p. wird weniger Hausarbeit und mehr Marktarbeit geleistet. : Eine Erhöhung des Lohns macht Freizeit relativ zu Marktgütern teuerer. C.p. wird mehr am Markt gearbeitet, damit mehr Marktgüter konsumiert bzw. gekauft werden können; Freizeit geht zurück. : Eine Erhöhung des Lohns erhöht das Haushaltseinkommen, was die Nachfrage nach Gütern und Freizeit erhöht (da normale Güter).

22 4. Lohneffekt Wie wirkt sich eine Erhöhung des Lohns auf die Zeitallokation aus?

23 4. Lohneffekt Gesamteffekt einer Lohnerhöhung auf: Hausarbeitszeit: Wird nur durch Produktionssubstitutionseffekt beeinflusst und ist somit eindeutig: Eine Erhöhung des Lohns führt zu einer Reduktion der Hausarbeit. Freizeit: Wird durch Konsumsubstitutions- und Einkommenseffekt beeinflusst; bei einer Lohnerhöhung ist der Einkommenseffekt positiv und der Konsumsubstitutionseffekt negativ. Bezahlte Arbeitszeit: Die 2 Substitutionseffekte erhöhen und der Einkommenseffekt reduziert das Arbeitsangebot. Der Effekt einer Lohnveränderung auf das Arbeitsangebot ist also nicht eindeutig.

24 4. Lohneffekt Empirische Evidenz für die Lohnelastizität des Arbeitsangebots: Für Männer: Ca. 0.11, d.h. eine Erhöhung des Lohns um 10% erhöht das Arbeitsangebot um 1,1%. Für Frauen: Ca Empirische Evidenz (wenig!) für die Lohnelastizität des unbezahlten Arbeit: Für verheiratete Frauen: Ca. -6,6, d.h. eine Erhöhung des Lohns um 1% reduziert die Hausarbeitszeit um 6,6%. Für verheiratete Männer: Ca Warum sind die Elastizitäten für Frauen wesentlich größer als für Männer?

25 4. Lohneffekt ein möglicher Grund ist die Spezialisierung im Haushalt: Komparativer Vorteil der Marktarbeit gegenüber der Hausarbeit: W i /g i i = M,F und g i = Grenzproduktivität der unbezahlten Arbeit. Ist W F /g F < W M /g M dann wird sich der Mann am Arbeitsmarkt spezialisieren. In der Realität beobachten wir, dass sich Männer fast vollständig spezialisiert haben; Frauen nur teilweise (Grund: wenn Kinder älter sind, können Frauen wieder arbeiten). Bei einer Erhöhung des Lohns (was i.d.r. der Fall ist), kann der Mann seine Arbeitszeit oft nicht mehr erhöhen, Frauen sind aber bezüglich Zeitallokation flexibler.

26 5. Technologischer Fortschritt Wie wirkt sich technologischer Fortschritt auf die Zeitallokation aus? Einkommenseffekt: Technologischer Fortschritt erhöht das Einkommen => Erhöht die Nachfrage nach normalen Gütern. (im Prinzip => mehr Freizeit, weniger bezahlte Arbeit, Abnahme der Hausarbeit bei Nichterwerbstätigen) Produktionssubstitutionseffekt: Steigt die Produktivität des Kapitals relativ zur Produktivität der Arbeit im Haushalt, dann wird kapitalintensiver produziert und die unbezahlte Arbeitszeit sinkt. Beachte: Technologischer Fortschritt im Haushalt beeinflusst die Haushaltsproduktionsfunktion

27 6. Veränderung von Präferenzen Sehr viele Faktoren beeinflussen die Präferenzen eines Haushalts (Beispiele?). Wichtig ist u.a. die Größe und Zusammensetzung des Haushalts: Die Geburt eines Kinds verändert die Präferenz nach bestimmten Gütern und auch eine höhere Nachfrage insgesamt ist wahrscheinlich. Die Geburt eines Kinds kann aber auch die Nachfrage nach Freizeit erhöhen; ob eine stärkere güterorientierte oder freizeitorientierte Präferenz entsteht ist unklar. Beachte: Die Haushaltsgröße beeinflusst auch die Produktivität im Haushalt => joint production und Skalenerträge können die Haushaltsproduktion mit zunehmender Haushaltsgröße erhöhen.

28 6. Veränderung von Präferenzen Die Struktur des Haushalts beeinflusst ebenfalls die Präferenzen und Zeitallokation des Haushalts. Ein Beispiel: Geschlecht: weiblich Zivilstand: verheiratet Alter: Jahrgang 1967 Haushaltsstruktur: 4-Personen Haushalt (davon 2 Kinder mit Jahrgängen 1990 & 1996) so sieht die Zeitallokation für Hausarbeit und Kinderbetreuung aus

29 6. Veränderung von Präferenzen Abbildung 1: Entwicklung des zeitlichen Aufwandes der Hausarbeit ( ) Stunden Hausarbeit pro Jahr Abbildung 2: Entwicklung des zeitlichen Aufwandes der Kinderbetreuung ( ) Stunden Hausarbeit pro Jahr

30 7. Arbeitslosigkeit und Stundenrestriktionen Arbeitslosigkeit kann freiwillig und unfreiwillig sein. Wann entsteht freiwillige Arbeitslosigkeit? Freiwillige Arbeitslosigkeit entsteht, wenn der angebotene Lohn tiefer ist als der Reservationslohn.

31 7. Arbeitslosigkeit und Stundenrestriktionen

32 7. Arbeitslosigkeit und Stundenrestriktionen Bei unfreiwilliger Arbeitslosigkeit möchte eine Person lieber mehr arbeiten.

33 7. Arbeitslosigkeit und Stundenrestriktionen Arbeitsstundenrestriktionen entstehen, wenn bei gegebenem Stundenlohn Arbeitnehmer entweder mehr (Unterbeschäftigung) oder weniger (Überbeschäftigung) arbeiten möchten. Die tatsächlichen Arbeitsstunden weichen also von den gewünschten Arbeitsstunden ab. Arbeitsstunden treten sehr häufig auf

34 100% 80% 60% 40% 20% 0% Germany Great Britain United States Hungary Italy Netherlands Norway Sweden Czech Republic Slovenia Bulgaria Russia New Zealand Israel Japan Spain France Portugal Denmark Cyprus Switzerland work less and earn less work the same and earn the same work more and earn more 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% Denmark Norway Great Britain Switzerland Netherlands Germany Sweden France New Zealand Spain Cyprus Slovenia Japan Italy United States Czech Republic Hungary Portugal Israel Bulgaria Russia

35 7. Arbeitslosigkeit und Stundenrestriktionen Wieso entstehen solche Arbeitsstundenrestriktionen?

36 7. Arbeitslosigkeit und Stundenrestriktionen

37 7. Arbeitslosigkeit und Stundenrestriktionen

38 8. Diskussionsthemen Warum hat die Erwerbsquote der Frauen zugenommen? Warum hat die bezahlte Arbeitszeit abgenommen? Warum hat die unbezahlte Arbeit bei Frauen abgenommen?

39 9. Ausblick auf die nächste Vorlesung

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