Umgang mit Intensivtätern
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- Erna Beyer
- vor 7 Jahren
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Transkript
1 Klinik für Forensische Psychiatrie Zentrum für Kinder- und Jugendforensik Ambulante Forensische Therapie Umgang mit Intensivtätern Das Behandlungsangebot des ZKJF der KFP der PUK Zürich lic. phil. Leonardo Vertone Leitender Psychologe
2 Kernaufgaben «am Klienten» Konsil / Bedrohung Gefängnis (stationär) Gutachten /Abklärung Therapie Seite 2
3 Welcher Art von Prävention dienen wir? Primärprävention (nein) - Interventieren bevor Delikte überhaupt geschehen - «die Bürger/innen sollen keine Delikte begehen» Gesetz, Aufklärung Sekundärprävention (teilweise) - intervenieren, sodass Risikofaktoren nicht stärker od. dass sie schwächer werden - «die gefährdete Population X soll keine Delikte begehen» wir: im Rahmen Bedrohungsmanagement Im Rahmen dessen, dass Delinquenten nicht noch andere Delikte begehen Tertiärprävention (hauptsächlich) - Intervenieren, dass sich Delikte nicht wiederholen - «Delinquente sollen nicht nochmals delinquieren» Unser Hauptzweck Quartärprävention (teilweise) - Dafür sorgen, dass Interventionen (Nebenwirkungen) nicht schaden Überprüfung unserer Therapien (Qualitätssicherung, regelmässige Berichte). Massnahmenverlaufsgutachten. Seite 3
4 Schritt 1: Verstehen Form: Abklärung/Gutachten Risikoanalyse ( Risk assessment) 1 Qualität (Verständnis) 2 Ausmass (Prognose) A) Deliktmechanismus & wesentliche deliktbegünstigende Faktoren B) Art der zu erwartenden Delikte (und/oder Dynamik) Höhe der Wahrscheinlichkeit zukünftiger Delikte Voraussetzung dafür ist: Verständnis der Persönlichkeit - Entwicklung und Persönlichkeit - Diagnose Prozess 1. Verknüpfung Persönlichkeit, Umstände und Delikt 2. Erst dann: Intervention (Massnahmeempfehlungen) Seite 4
5 Schritt 2: Intervenieren Behandlungsangebot Je Indikation: Modulare Therapieprogramme (für Gruppe geeignet) Eigentum- und Gewaltstraftäter (ForTis) Sexualstraftäter (ThepaS) Defizite in Sozialkompetenz (SKT) Defizite in der Emotionalen Kompetenz (TEK) Pornographiedelikte (KIP) Individuell massgeschneiderte Psychotherapie (Einzel) Jeweils medizinische Versorgung Kombination möglich Seite 5
6 ForTiS Forensisches Therapieprogramm für jugendliche Straftäter mit Gewalt- und Eigentumsdelinquenz Zielgruppe: Jugendliche ab 12J. mit Gewalt- und/ oder Eigentumsdelikten Ziel: Erkenntnis fördern, dass Nachteile von Delikten überwiegen, Entscheid, eigenes Deliktverhalten verstehen, eigene Risikosituationen und -faktoren kennen, wachsam sein, deliktpräventive Strategien lernen und anwenden Inhalte: a) Klären: Recht und Gesetze, Deliktanalyse, Bilanzierung b) Trainieren: Selbstmanagement, kognitive und soziale Fertigkeiten, soziale Perspektivenübernahme und Opferempathie c) Umsetzen: Rückfallprävention, persönliches Risikoprofil und Handlungspläne für konkrete Alltagssituationen erarbeiten Setting: Ca. 12x wöchentlich à ca. 90min, Booster nach 3 m Teilnehmerzahl: 2-5 Jugendliche Seite 6
7 ThePaS Therapieprogramm für angemessenes Sexualverhalten bei Jugendlichen Zielgruppe: Jugendliche zwischen 12 und 18J., die in einem Verfahren wegen Delikten gegen die sexuelle Integrität stehen oder standen Ziel: vertiefte Auseinandersetzung mit Themen, die mit dem problematischen Sexualverhalten in Verbindung stehen, sowie Risikoverminderung Inhalt: 19 themenspezifische Module; betreffen Gesetzestexte, eigene Sexualität, eigenes Fehlverhalten, Opferempathie, soziale Kompetenzen Setting: 14x wöchentlich à 2h, Booster nach 3 u/o 6 m Teilnehmerzahl: 2 5 Jugendliche Evaluation: Modellversuch über das Bundesamt für Justiz zur Wirksamkeit des ThePaS - Gruppe deliktorientiert - Gruppe nicht deliktorientiert Seite 7
8 SOK-JF Training sozialer Kompetenzen - Jugendforensik Zielgruppe: Jugendliche zwischen 10 und 18J. mit Defiziten bezüglich ihrer sozialen Kompetenzen Ziel: soziale Kompetenzen vermitteln und trainieren Inhalte: Lebensplanung und Freizeitgestaltung (Erwartungen, Bedürfnisse und Ziele) Gefühle und Einfühlungsvermögen (Grundgefühle und deren Ausdruck kennenlernen, wahrnehmen und richtig interpretieren) Selbstsicherheit Konflikte lösen / Umgang mit Misserfolg und Kritik Vorstellungsgespräche Anerkennung aussprechen und loben Angemessene Bedürfnisdurchsetzung Setting: 9 wöchentliche Gruppensitzungen à 2 Stunden während 3 bis 6 Monaten, Auffrischungssitzung 3 Monate nach Beendigung Teilnehmerzahl: 3 6 Jugendliche Seite 8
9 TEK-JF Training emotionaler Kompetenzen - Jugendforensik Zielgruppe: Jugendliche zwischen 10 und 18J. mit Defiziten bezüglich ihrer emotionalen Kompetenzen Ziel: Emotionale Kompetenzen vermitteln und trainieren; deliktunabhängige Verbesserung des interaktionellen Verhaltens der Jugendlichen Inhalt: Theorie- und Praxisteil Zusammenhang zwischen Gefühlen und Verhalten kennenlernen, Erlernen eines angemessenen Umgangs mit negativen Gefühlen, Training von Fertigkeiten um besser mit Stress umzugehen, Selbstwert regulieren und stärken Setting: 10 wöchentliche Gruppensitzungen à 2 Stunden während 3 bis 6 Monaten, Auffrischungssitzung 3 Monate nach Beendigung Teilnehmerzahl: 3 6 Jugendliche Seite 9
10 KIP Kurzinterventionsprogramm Pornografie Zielgruppe: Jugendliche mit Verstoss gegen den Pornografieartikel 197 StGB Ziel: Wissen & Kompetenzzuwachs im Bereich Pornografie, Erhöhung der Steuerungsfähigkeit Inhalte: Wissensvermittlung bezüglich Inhalt und Zweck von 197 StGB und den rechtlichen Konsequenzen Auseinandersetzung mit dem Einfluss von illegaler und legaler Pornografie auf die eigene Entwicklung Auseinandersetzung mit den Folgen für Opfer von illegalen Pornografieprodukten Analyse des eigenen Konsumverhaltens und individueller Risikosituationen Erarbeitung eines individuellen Handlungsplans Diagnostik von sexuellen Devianzen und psychosexuellen Fehlentwicklungen Setting: ca. 3 Gruppensitzungen à ca. 2 Stunden Teilnehmerzahl: 2 5 Jugendliche Seite 10
11 Einzeltherapie Je Indikation, wenn - zu komplexe Problematik - zu persönlich/individuell - ungünstige Gruppendynamik erwartbar - Familieneinbezug notwendig - Psychosoziales Funktionsniveau zu tief - Intelligenz zu tief - zu starke/breite Psychopathologie Schwere Persönlichkeitsstörung Akute Psychose Schwere Depression mit akuter Suizidalität Erheblicher Substanzmissbrauch Erhebliche hirnorganische Beeinträchtigung Schwere Verhaltensstörung Erhebliche Kommunikationsprobleme Seite 11
12 Strukturelle Bedingungen - Zwangskontext - Klare Finanzierung - Behandlungsvertrag - Regelung der eingeschränkten Schweigepflicht - Kommunikation mit Jugendanwaltschaft - Kommunikation mit Drittpersonen - Einbezug Eltern - Supervision - Zeit! Seite 12
Leistungsbeschreibung
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