Anlage 1 zur Sitzungsvorlage Nr. 091/2019 Regionalversammlung am 30.01.2019 TOP 1 Beschlussfassung über die Anpassung des Verkehrsvertrags in Verbindung mit der Einführung von ETCS bei der S-Bahn und der Beschaffung von zusätzlichen S-Bahn-Fahrzeugen
Ausgangsituation Der S-Bahn-Verkehr ist das Rückgrat des Nahverkehrs in der Region Stuttgart:» Rund 420.000 Fahrgäste an einem durchschnittlichen Werktag.» Haltezeitüberschreitungen insbesondere im Bereich der S-Bahn-Stammstrecke.» Die Erfordernisse aus der Luftreinhaltung sowie die Tarifzonenreform des VVS lassen einen weiteren Anstieg erwarten.» Das Angebot der S-Bahn soll weiter ausgebaut werden. Mit Einführung des ganztägigen Viertelstundentakts werden ca. 1.000 S-Bahn-Züge die Stammstrecke am Tag befahren.» Die Qualität im S-Bahn Verkehr muss dringend verbessert werden Mögliche Maßnahmen:» Ausbau der Infrastruktur: Der Ausbau der Stammstrecke (zusätzliche Außenbahnsteige) ist bautechnisch nicht möglich.» Der Bau einer zusätzlichen 2. Stammstrecke ist nicht finanzierbar. Aber: Die Inbetriebnahme des Projekts Stuttgart 21 mit der neuen Station Mittnachtstraße bietet neue Perspektiven! Folie 1
Lösungsansätze 1. Ansatz: Infrastrukturausbau Zusätzliche Außenbahnsteige nicht realisierbar. Zweite S-Bahn-Stammstrecke nicht finanzierbar. 2. Ansatz: bessere Nutzung der vorhandenen Infrastruktur Betriebliche Verbesserung mit konventioneller Signaltechnik nicht möglich. LZB-Einsatz (wie bei der S-Bahn München) wird absehbar enden (2030). Potenziale zur Beschleunigung des Fahrgastwechsels nahezu ausgeschöpft. 3. Ansatz: Neue Technik Folie 2
Was ist ETCS? ETCS ist das standardisierte, künftig europaweit eingesetzte Zugbeeinflussungssystem. Quelle: DB AG Folie 3
Vorteile: Kurze Blöcke und damit kürzere Zugfolge Quelle: DB PSU Folie 4
ETCS-Ausrüstungsbereich Quelle: INGE WSP/Nextrail/ViaCon/railistics Folie 5
Ergebnisse Technik Ergebnisse zu den Systemkomponenten ESTW und ETCS (Streckenseite)» Die Ergebnisse der Stufe 1 in Bezug auf die Anforderung an das ESTW und ETCS (Strecke) wurden für den kompletten Untersuchungsraum bestätigt.» Das Systemkonzept ist für die heutige ESTW- und die neue DSTW-Technik geeignet. Ergebnisse zur Systemkomponente GSM-R» Bestehendes GSM-R-Netz kann für ETCS Level 2 erweitert werden.» Die ETCS-Ausrüstung des Fern- und Regionalverkehrs wurde berücksichtigt.» Die Kapazitätsreserven sind für den gesamten Untersuchungsraum und für die angedachte Zielkonfiguration ETCS mit ATO-GoA2 für alle Verkehrsträger ausreichend.» GPRS wird nicht benötigt. Folie 6
Ergebnisse Technik Ergebnisse zur Systemkomponente ETCS-/ATO-Fahrzeugausrüstung» Die Ergebnisse der Stufe 1 in Bezug auf die Anforderung an die Fahrzeugausrüstung wurden bestätigt.» Ausschreibung von ETCS und ATO GoA 2 auf Basis der europäischen Standards ist zu empfehlen. Funktionen von ATO/TMS» ATO GoA2 entlang dynamischer Fahrpläne» Durch kontinuierliche, globale Betriebsoptimierung erhöht ATO/TMS Kapazität und Qualität weiter.» Basis für automatisiertes, betriebliches Störungsmanagement (EVU & Netz)» Kapazitätsgewinn durch hochpräzises, homogenes Abfahren der (ETCS)-Bremskurven Folie 7
Mit ETCS Level 2 und ATO GoA 2 werden die betrieblichen und verkehrlichen Ziele erreicht Betriebsqualität steigt signifikant Mindestzugfolgezeiten können um mehr als 20 % verkürzt werden. Haltezeitüberschreitungen können deutlich besser kompensiert werden. Mögliche Geschwindigkeitserhöhungen schaffen zusätzliche Fahrzeitreserven (im Verspätungsfall). Verspätungsabbau über die Stammstrecke wird möglich. Erste Angebotsausweitung erzielbar Taktverdichtung bis Stuttgart- Vaihingen wird möglich (ggf. zusätzlicher Infrastrukturausbau in Vaihingen erforderlich). ETCS Level 2 mit ATO-GoA2 ist Trägersystem für mehr als 24 Züge/h auf der Stammstrecke nach Umsetzung flankierender Maßnahmen. Folie 8
Mit ETCS Level 2 und ATO GoA 2 werden die betrieblichen und verkehrlichen Ziele erreicht Quelle: INGE WSP/Nextrail/ViaCon/railistics Folie 9
Ausblick: Wie kommen wir zu 36 Zügen? Quelle: INGE WSP/Nextrail/ViaCon/railistics Folie 10
Zusammenfassung der Ergebnisse Die Ergebnisse der ETCS-Untersuchung auf der S-Bahn Stuttgart zeigen:» Die Einführung von ETCS Level 2 und ATO GoA 2 ist in hochbelasteten Eisenbahnknoten technisch beherrschbar und betrieblich sinnvoll.» Sie bietet als Innovationsprojekt eine einmalige Chance für die Weiterentwicklung des Schienenverkehrs in der Region Stuttgart. Nur auf dieser Grundlage kann» zukünftig ein stabiler und pünktlicher S-Bahn-Verkehr in der Region Stuttgart gewährleistet werden.» modernste Verkehrsleittechnik (TMS Traffic Management System) mit automatisiertem Störungsmanagement entwickelt werden.» die größtmögliche Kapazität der vorhandenen Infrastruktur erzielt werden.» die politische Vorgabe zur Angebotsausweitung und zur Attraktivitätssteigerung des ÖPNV umgesetzt werden.» ein Beitrag zur Luftreinhaltung geleistet werden. Folie 11
Metropolenregion Stuttgart als Teil des Programms Digitale Schiene Deutschland Folie 12
Drei Bausteine des Pilotprojekts des Programms Digitale Schiene Deutschland in der Region Stuttgart 1. Baustein (ändert und ergänzt S21)» ETCS-/ATO-Nachrüstung der kompletten S-Bahn-Flotte in der Region Stuttgart.» ETCS-Level-2-Ausrüstung der S-Bahn-Stammstrecke, des Hasenbergtunnels, des Stellbereichs im Planfeststellungsabschnitt 1.3b des Projekts Stuttgart 21 (innerer S-Bahn-Knoten). 2. Baustein (ändert und ergänzt S21)» ETCS-/ATO-Nachrüstung sämtlicher im Stuttgarter Knoten verkehrender Regionalfahrzeuge.» Optimierung der signaltechnischen Planung im Projekt Stuttgart 21, um Kapazitätssteigerung von ETCS und ATO nutzen zu können. 3. Baustein (getrennt von S21)» Komplettausrüstung der Netzbezirke Stuttgart und Plochingen der DB Netz AG mit ETCS Level 2, DSTW sowie moderner und dynamischer Leittechnik (TMS).» FRMCS einführen. Darstellung der räumlichen Ausdehnung des Pilotprojektes (Baustein 3) ETCS European Train Control System ATO Automatic Train Operation TMS Traffic Management System FRMCS Future Railway Mobile Communication System Quelle: INGE WSP/Nextrail/ViaCon/railistics Folie 13
S-Bahn: Geplante Angebotsverbesserungen» Langzugbildung in der Hauptverkehrszeit. Langzugbildung im gesamten Netz» Weiterführung von S-Bahnen aus dem Nordast nach Vaihingen und Böblingen. Zusätzliches halbstündliches Angebot auf der S6» Zusätzliches halbstündliches Angebot auf der S6 zwischen Weil der Stadt und Feuerbach.» Ausdehnung des 15-Minuten- Takts auf die Außenbereiche, S-Bahn nach Nürtingen. 15-Minuten-Takt in den Außenbereichen Durchbindung von Zügen aus dem Nordast» 15-Minuten-Takt Neuhausen. S-Bahn nach Nürtingen Oberboingen» Fahrplanpuffer im Rahmen des Zielfahrplans S21.» Zusätzliche Fahrzeugreserven. Sielmingen Neuhausen 15-Minuten-Takt bis Neuhausen Nürtingen 15-Minuten-Takt in den Außenbereichen Folie 14 Quelle: VVS