Mean Time Between Failures (MTBF)



Ähnliche Dokumente
05/2016. Mean Time between Failures (MTBF)

Life Cycle elektrischer Komponenten

Zuverlässigkeit und Lebensdauer

QM: Prüfen -1- KN

Würfelt man dabei je genau 10 - mal eine 1, 2, 3, 4, 5 und 6, so beträgt die Anzahl. der verschiedenen Reihenfolgen, in denen man dies tun kann, 60!.

Lineargleichungssysteme: Additions-/ Subtraktionsverfahren

SAFEYTEAMS-Newsletter Nr. 5

Sonderrundschreiben. Arbeitshilfe zu den Pflichtangaben in Immobilienanzeigen bei alten Energieausweisen

Festigkeit von FDM-3D-Druckteilen

Professionelle Seminare im Bereich MS-Office

Anleitung über den Umgang mit Schildern

B 2. " Zeigen Sie, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Leiterplatte akzeptiert wird, 0,93 beträgt. (genauerer Wert: 0,933).!:!!

Erläuterungen zu Leitlinien zum Untermodul Krankenversicherungskatastrophenrisiko

AGROPLUS Buchhaltung. Daten-Server und Sicherheitskopie. Version vom b

OECD Programme for International Student Assessment PISA Lösungen der Beispielaufgaben aus dem Mathematiktest. Deutschland

Info zum Zusammenhang von Auflösung und Genauigkeit

WinVetpro im Betriebsmodus Laptop

Übungsaufgaben Tilgungsrechnung

Zwischenablage (Bilder, Texte,...)

Bundesverband Flachglas Großhandel Isolierglasherstellung Veredlung e.v. U g -Werte-Tabellen nach DIN EN 673. Flachglasbranche.

Lernaufgabe Industriekauffrau/Industriekaufmann Angebot und Auftrag: Arbeitsblatt I Auftragsbeschreibung

Statuten in leichter Sprache

Chemie Zusammenfassung KA 2

Aber zuerst: Was versteht man unter Stromverbrauch im Standby-Modus (Leerlaufverlust)?

Welche Lagen können zwei Geraden (im Raum) zueinander haben? Welche Lagen kann eine Gerade bezüglich einer Ebene im Raum einnehmen?

Outlook. sysplus.ch outlook - mail-grundlagen Seite 1/8. Mail-Grundlagen. Posteingang

Informationsblatt Induktionsbeweis

FAQ 04/2015. Auswirkung der ISO auf 3SE53/3SF13 Positionsschalter.

Zahlenwinkel: Forscherkarte 1. alleine. Zahlenwinkel: Forschertipp 1

Erweiterung der Aufgabe. Die Notenberechnung soll nicht nur für einen Schüler, sondern für bis zu 35 Schüler gehen:

Abschlussprüfung Realschule Bayern II / III: 2009 Haupttermin B 1.0 B 1.1

4. Das neue Recht der GmbH ein Überblick

Charakteristikum des Gutachtenstils: Es wird mit einer Frage begonnen, sodann werden die Voraussetzungen Schritt für Schritt aufgezeigt und erörtert.

Pflegedossier für die kreisfreie Stadt Frankfurt (Oder)

Die Gleichung A x = a hat für A 0 die eindeutig bestimmte Lösung. Für A=0 und a 0 existiert keine Lösung.

Datenexport aus JS - Software

Temperatur- und Feuchtigkeitsregulierung in Schaltschränken. Whitepaper März 2010

Zahlen auf einen Blick

Fachbereich Physik Dr. Wolfgang Bodenberger

Erfahrungen mit Hartz IV- Empfängern

Trainingsplan 16-wöchiger Trainingsplan für einen Triathlon (Volkstriathlon), Einsteiger

Mit dem Tool Stundenverwaltung von Hanno Kniebel erhalten Sie die Möglichkeit zur effizienten Verwaltung von Montagezeiten Ihrer Mitarbeiter.

Gussnummern-Lesesystem

Wichtiges Thema: Ihre private Rente und der viel zu wenig beachtete - Rentenfaktor

1 topologisches Sortieren

ONLINE-AKADEMIE. "Diplomierter NLP Anwender für Schule und Unterricht" Ziele

6 Schulungsmodul: Probenahme im Betrieb

Repräsentative Umfrage zur Beratungsqualität im deutschen Einzelhandel (Auszug)

Lehrer: Einschreibemethoden

Konzentration auf das. Wesentliche.

Wie Sie mit Mastern arbeiten

Anita Breitner- Käser Homepage: regenbogen.geisenfeld.de E- Mail:

Versuch 3. Frequenzgang eines Verstärkers

Durch diese Anleitung soll eine einheitliche Vorgehensweise bei der Vermessung und Bewertung von Golfplätzen sichergestellt werden.

Finanzierung: Übungsserie III Innenfinanzierung

Auswertung zur. Hauptklausur Unternehmensbesteuerung. vom und Ergebnisse der Kundenbefragung

SCHRITT 1: Öffnen des Bildes und Auswahl der Option»Drucken«im Menü»Datei«...2. SCHRITT 2: Angeben des Papierformat im Dialog»Drucklayout«...

Berechnung der Erhöhung der Durchschnittsprämien

Vorgehensweise bei Lastschriftverfahren

Tutorium zur Mikroökonomie II WS 02/03 Universität Mannheim Tri Vi Dang. Aufgabenblatt 3 (KW 44) ( )

Elektronik- und Messtechniklabor, Messbrücken. A) Gleichstrom-Messbrücken. gespeist. Die Brücke heisst unbelastet, weil zwischen den Klemmen von U d

TYPO3 Tipps und Tricks

50. Mathematik-Olympiade 2. Stufe (Regionalrunde) Klasse Lösung 10 Punkte

Benutzerhandbuch - Elterliche Kontrolle

Wachstum 2. Michael Dröttboom 1 LernWerkstatt-Selm.de

Bürgerhilfe Florstadt

Einfache Varianzanalyse für abhängige

AutoCAD Dienstprogramm zur Lizenzübertragung

Was ist das Budget für Arbeit?

Media Teil III. Begriffe, Definitionen, Übungen

Korrelation (II) Korrelation und Kausalität

Mehr Transparenz für optimalen Durchblick. Mit dem TÜV Rheinland Prüfzeichen.

White Paper - Umsatzsteuervoranmeldung Österreich ab 01/2012

Ohne Fehler geht es nicht Doch wie viele Fehler sind erlaubt?

Deutliche Mehrheit der Bevölkerung für aktive Sterbehilfe

Prozentrechnung. Klaus : = Karin : =

MORE Profile. Pass- und Lizenzverwaltungssystem. Stand: MORE Projects GmbH

Lösungsmethoden gewöhnlicher Differentialgleichungen (Dgl.)

Das große ElterngeldPlus 1x1. Alles über das ElterngeldPlus. Wer kann ElterngeldPlus beantragen? ElterngeldPlus verstehen ein paar einleitende Fakten

Anwendungshinweise zur Anwendung der Soziometrie

Wir machen neue Politik für Baden-Württemberg

Versetzungsregeln in Bayern

Gründung Personengesellschaft

AUTOMATISIERTE HANDELSSYSTEME

- Eine typische Ausfallrate, wie sie bei vielen technischen Anwendungen zu sehen ist hat die Form einer Badewanne, deshalb nennt man diese Kurve auch

Rente = laufende Zahlungen, die in regelmäßigen Zeitabschnitten (periodisch) wiederkehren Rentenperiode = Zeitabstand zwischen zwei Rentenzahlungen

Güte von Tests. die Wahrscheinlichkeit für den Fehler 2. Art bei der Testentscheidung, nämlich. falsch ist. Darauf haben wir bereits im Kapitel über

Daten sammeln, darstellen, auswerten

Musterlösungen zur Linearen Algebra II Blatt 5

1 Einleitung. Lernziele. automatische Antworten bei Abwesenheit senden. Einstellungen für automatische Antworten Lerndauer. 4 Minuten.

Bruttoreaktionen sagen nichts darüber aus, wie der Umsatz tatsächlich abläuft.

Wirtschaftsstruktur Allschwil 2003

Steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten nutzen

FAQ Unisex in der Krankenversicherung

Evangelisieren warum eigentlich?

Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) - Sammelposten (Wahlrechte in Steuerbilanz und Handelsbilanz)

SEK II. Auf den Punkt gebracht!

HIER GEHT ES UM IHR GUTES GELD ZINSRECHNUNG IM UNTERNEHMEN

Behörde für Bildung und Sport Abitur 2008 Lehrermaterialien zum Leistungskurs Mathematik

1 Mathematische Grundlagen

Transkript:

Mean Time Between Failures (MTBF) Hintergrundinformation zur MTBF

Was steht hier? Die Mean Time Between Failure (MTBF) ist ein statistischer Mittelwert für den störungsfreien Betrieb eines elektronischen Gerätes. Durch die Angabe dieses statistischen Wertes in Jahren, wird dieser oft fälschlicher Weise als Lebensdauer (bzw. Gebrauchsdauer) der Komponente interpretiert. Im Folgenden wird daher gezeigt, was unter Lebensdauer und MTBF zu verstehen ist wie mit Hilfe der MTBF die Ausfallwahrscheinlichkeit ermittelt werden kann. Was wird unter Lebensdauer (bzw. Gebrauchsdauer) verstanden? Die Lebensdauer (bzw. Gebrauchsdauer) ist die Zeit, für die ein Gerät oder eine Baugruppe konstruktiv ausgelegt ist. Es handelt sich also um die Zeit bis zum Beginn der Verschleißphase, durch ein physikalisches Gesetz oder durch Alterung aufgrund chemischer Reaktionen. Bei Geräten mit elektromechanischen Teilen (Relais) wird die Lebensdauer im Wesentlichen von der Anzahl Schaltspiele und der angeschlossenen Last bestimmt. Was wird unter MTBF verstanden? Die MTBF gilt nicht für eine einzelne Komponente, sondern stellt einen statistischen Mittelwert für die durchschnittliche Zeit, zwischen zwei Zufallsausfällen, während der normalen Gebrauchsdauer, dar. Die MTBF bezieht sich immer auf die Phase mit konstanter Ausfallrate (d. h. ohne Früh- und Spätausfälle) und ist nur dort gültig (siehe Bild "Badewannenkurve"). Je höher die MTBF, desto seltener fällt die entsprechende Komponente aus bzw. desto zuverlässiger ist sie. Unter Zuverlässigkeit versteht man gemäß DIN 40041 die Beschaffenheit einer Funktionseinheit bzgl. ihrer Fähigkeit, während oder nach vorgegebenen Zeitspannen bei festgelegten Betriebsbedingungen die Zuverlässigkeitsanforderungen zu erfüllen. Es ist zu beachten, dass zusätzlich zum MTBF-Wert die zugrunde gelegten Umgebungs- und Funktionsbedingungen (insbesondere die Temperatur), die Ausfallkriterien sowie die Geltungsdauer des Wertes angegeben und betrachtet werden müssen. Wird ein Gerät außerhalb seiner Spezifikation betrieben (z.b. bei stark erhöhtet Umgebungstemperatur oder ist es massiven EMV-Belastungen ausgesetzt), so gelten die MTBF-Werte nicht mehr und es kann zu gehäuften Ausfällen kommen. V 1.1 17.12.2010 2/5

Badewannenkurve Der Kehrwert der MTBF, die ein Maß für die Zuverlässigkeit einer Komponente darstellt, ist die Ausfallrate λ. Das Auftragen der statistischen Ausfallrate λ über der Zeit t führt zu der nachfolgend gezeigten Badewannenfunktion (Badewannenkurve): Ausfallrate Ausfallraten haben die Dimension 1/Zeiteinheit. Für einzelne Bauelemente wird auch oft der Begriff FIT (failures in time) verwendet. Dieser beschreibt eine Ausfallrate, bezogen auf eine entsprechende Zeitbasis: 1 FIT = 10-9 h -1. Die MTBF wird ermittelt durch die Addition der FIT-Werte der einzelnen Bauelemente. Die Phase der Frühausfälle wird zum größten Teil durch fehlerhafte Komponenten geprägt, die während der Herstellung erkannt werden und dem Anwender letztendlich nicht zur Verfügung stehen. Die Phase der Spätausfälle wird vorwiegend durch den Verschleiß der Komponenten bestimmt. Die Phase mit konstanter Ausfallrate stellt die Nutzungszeit der Komponente dar. In dieser Zeit kann von einem definierten (konstanten) Ausfall der Komponenten ausgegangen werden. V 1.1 17.12.2010 3/5

Ausfallwahrscheinlichkeit Um die Ausfallwahrscheinlichkeit von elektronischen und elektrotechnischen Komponenten zu bestimmen, lässt sich die Exponentialverteilung anwenden. Dort gilt: F(t) = 1 - e (-λt) Dabei ist F(t) die Ausfallwahrscheinlichkeit λ die Ausfallrate in 1/Zeiteinheit (z. B. 1/h) t die betrachtete Lebensdauer (z. B. h) Dieser Zusammenhang gilt nur für die Phase mit konstanter Ausfallrate der Badewannenkurve, also für λ = konstant! Unter dieser Voraussetzung gilt für die MTBF folgende Beziehung: MTBF = 1 / λ oder λ = 1 / MTBF Ersetzt man nun die Ausfallrate λ in F(t) ergibt sich: F(t) = 1 - e (-t/mtbf) Somit lässt sich mit der vom Hersteller angegebenen MTBF auf einfache Weise, unter der Annahme einer konstanten Ausfallrate, die Ausfallwahrscheinlichkeit von Komponenten errechnen. Beispiel Nach einem Jahr Liefereinsatz befinden sich 20.000 Komponenten mit einer MTBF von 60 Jahren im Feld. Wie hoch ist die Ausfallwahrscheinlichkeit der Komponenten? Mit F(t) = 1 - e (-1/60) mit t=1a und MTBF=60a ergibt sich: F(t) = 0,0165, d. h. die Ausfallwahrscheinlichkeit der Komponenten beträgt 1,65%. Bei den angenommenen 20.000 Komponenten heißt das: Statistisch gesehen dürfen 330 Komponenten innerhalb eines Jahres ausfallen. Die Praxis hat allerdings gezeigt, dass insbesondere bei elektronischen Komponenten, die tatsächlichen Ausfälle wesentlich geringer sind. V 1.1 17.12.2010 4/5

Ermittlung der MTTF D aus der MTBF Die MTTF (Mean Time to failure) bzw. MTTF D (Mean Time to failure dangerous) ist die mittlere Zeit bis zum Ausfall bzw. die mittlere Zeit bis zum gefährlichen Ausfall. Wird in der Praxis, bei vorliegender MTBF, die MTTF bzw. MTTF D benötigt, kann diese über die nachfolgend beschriebenen Zusammenhänge ermittelt werden: MTTF = 1 / λ oder λ = 1 / MTTF (Basisgleichung aus der IEC 62061) Damit können, auch im Zusammenhang mit der ISO 13849-1, die MTBF-Werte mit den MTTF-Werten gleichgestellt werden. Dieser Zusammenhang gilt aber nur, solange keine gefährlichen Ausfälle betrachtet werden (MTTF ohne Index d ). Bei der Betrachtung der gefährlichen Ausfälle geht man davon aus, dass statistisch nur jeder zweite Ausfall ein Ausfall in gefährliche Richtung ist. Damit gilt: MTTF D = 2 MTTF Mit der Gleichsetzung von MTTF und MTBF ergibt sich damit: MTTF D = 2 MTBF Dieser mit der IEC 61508 bzw. ISO 13849-1 konforme Zusammenhang gilt für elektronische Komponenten unter folgenden Bedingungen: Die zulässigen Umgebungsbedingungen müssen eingehalten werden. Die Mean Time to Repair (MTTR) ist bedeutend kleiner als die MTBF. V 1.1 17.12.2010 5/5