5. Einkommens- und Substitutionseffekte

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Transkript:

Einführung in die Volkswirtschaftslehre und mikroökonomische Theorie 5. Einkommens- und Substitutionseffekte Die Gliederung der Folien orientiert sich teilweise an Aufbau und Inhalt des Lehrbuches von N. Gregory Mankiw / Mark P. Taylor: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, Schäffer-Poeschel Verlag, Fünfte Auflage 2012, Prof. Dr. Hanjo Allinger Technische Hochschule Deggendorf

Substitutions- und Einkommenseffekt Substitutionseffekt: Durch eine Preisänderung ausgelöste Bewegung entlang der Indifferenzkurve, die bei unveränderten Realeinkommen eintreten würden, nur weil sich die Relativpreise verändern haben. (Das Nutzenniveau bleibt unverändert.) Einkommenseffekt: Eine Preisänderung führt zu einer Veränderung des Realeinkommens, wodurch ein höheres Indifferenzkurvenniveau ermöglicht oder ein niedrigeres erzwungen wird. Der Einkommenseffekt ist die Bewegung von der alten zur neuen Indifferenzkurve. (Das Nutzenniveau steigt) 1

Einkommens- und Substitutionseffekt bei normalen Gütern: Der Pizzapreis sinkt Bier BG 2 x 1 A x 1 x 1 BG 1 C B x 2 Substitutionseffekt Gesamteffekt x 2 x 2 Einkommenseffekt U 2 Pizzen

Einkommens- und Substitutionseffekt eine Preissenkung bei inferioren Gütern Guter Wein Da schlechter Wein ein inferiores Gut ist, ist der Einkommenseffekt negativ. x 1 x 1 A B X 1 C U 2 0 x 2 Substitutions- Effekt Gesamteffekt x 2 x 2 Einkommenseffekt BG BG 2 1 BG 2 Schlechter Wein 3

Hicks- und Slutsky-Zerlegung: Wie viel wird kompensiert? Bei der Hicks-Kompensation wird zur seperaten Ermittlung von Substitutions- und Einkommenseffekt das Einkommen fiktiv um soviel gesenkt / erhöht, bis das alte Nutzenniveau wieder erreicht ist. Bei der Slutsky-Kompensation wird das Einkommen fiktiv soviel gesenkt / erhöht, bis das alte Güterbündel wieder gekauft werden könnte. 4

Substitutions- und Einkommenseffekt Hicks-Kompensation bei fallendem Bierpreis Bier Einkommenseffekt x 1 x 1 C B Substitutionseffekt x 1 BG 1 A BG 2 U 2 Substitutionseffekt x 2 x 2 x 2 Einkommenseffekt Pizzen 5

Substitutions- und Einkommenseffekt Slutsky-Kompensation bei fallendem Bierpreis Bier BG2 Einkommenseffekt x 1 x 1 C B Substitutionseffekt BG1 x 1 A U 2 Substitutionseffekt x 2 x 2 Einkommenseffekt x 2 U 3 Pizzen 6

Optimaler Konsum-Pfad Da sich aus jeder Preisänderung ein neues Haushaltsoptimum ergibt, kann die Nachfragefunktion eines Haushaltes auch aus der Veränderung der HH-Optima bei konstanten Einkommen und Änderung der Relativpreise abgeleitet werden. 7

Die Ableitung der Nachfragekurve Die Nachfragekurve für Bier Nachfrage Bier Das Haushaltsoptimum B B U 2 Der Bierpreis sinkt von 2 auf 1 A A Bier-Preis 2 2 1 1 Pizzen 8

Nicht alle Nachfragekurven haben einen negativen Verlauf Nachfragekurven können im Ausnahmefall auch eine positive Steigung haben. Ein Steigen des Preises erhöht dann die Nachfrage. Güter, deren Nachfrage mit dem Preis steigt, nennt man Giffen-Güter. Giffen-Güter sind inferiore Güter. Der Einkommenseffekt ist negativ und muss den positiven Substitutionseffekt überkompensieren. 9

Und in der Praxis? Lohnhöhe und Arbeitsangebot Wie beeinflusst die Lohnhöhe das Arbeitsangebot? Konsumgüter und Freizeit stiften Nutzen. Um Konsumgüter zu erwerben, benötigt man aber ein Einkommen, für das man arbeiten muss. Steigt der Lohn, verbilligt sich quasi der Preis für Konsumgüter. Freizeit wird gleichzeitig relativ teurer (Opportunitätskosten). 11

Die Arbeit - Freizeit Entscheidung Konsumgüter Optimum U 3 U 2 0 BG Freizeit 12

Und in der Praxis? Lohnhöhe und Arbeitsangebot Steigt der Lohn, verbilligt sich quasi der Preis für Konsumgüter und Freizeit wird relativ teurer. Wenn der Substitutionseffekt größer ist als der Einkommenseffekt, dann steigt das Arbeitsangebot mit steigendem Lohn. Wenn der Einkommenseffekt größer ist als der Substitutionseffekt, dann wird weniger Arbeit angeboten. 13

Eine Lohnerhöhung kann das Arbeitsangebot ausdehnen Eine Person mit Freude an Konsumgütern Lohn bietet bei höherem Lohnsatz mehr Arbeit an U 2 Freizeit (Stunden) Konsumausgaben Arbeitsangebot (Stunden) 14

Eine Lohnerhöhung kann das Arbeitsangebot sinken lassen Eine Person mit starker Freizeitpräferenz bietet bei höherem Lohnsatz weniger Arbeit an BG 2 Lohn U 2 BG 1 Freizeit (Stunden) Konsumausgaben Arbeitsangebot (Stunden) 15

Noch ein Anwendungsfall: Verzerrende und nicht verzerrende Steuern Steuern, die nicht nur zu einem Einkommenseffekt, sondern auch zu einem Substitutionseffekt führen, belasten den Steuerzahler mehr als nötig. Eine Steuer ohne Substitutionseffekte würde dem Steuerzahler ein ausweichen auf ein höheres Indifferenzniveau gestatten. Die Steuerbelastung kann am horizontalen Abstand vom neuen Haushaltsoptimum zur alten Budgetrestriktion in Pizza- Einheiten abgelesen werden oder am entsprechenden vertikalen Abschnitt in Bier-Einheiten. 16

Biersteuer oder Einkommensteuer? Bier Alte Budgetgerade Altes Optimum Steueraufkommen der Biersteuer Optimum bei Einkommensteuer Optimum nach Biersteuer Budgetgerade Bei Biersteuer 0 U U 3 2 Budgetgerade bei Einkommensteuer Anzahl an Pizzen 17