Begrüßung und Einführung

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Nierenkrebs. Ursachen. Symptome. Diagnose. Behandlung. Heilungschancen. Eine Information der Krebsliga

Transkript:

Begrüßung und Einführung Hubert Schrezenmeier Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik Ulm DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg Hessen Institut für Transfusionsmedizin, Universität Ulm

Patienten- und Angehörigenseminar Ulm 23.03.2013 Seltene Erkrankungen: weniger als 1 Erkrankter pro 2.000 Menschen Zentrum Seltene Erkrankungen Ulm (ZSE ULM) Ziele: - Diagnosestellung - Behandlung - Beratung - Forschung

Patienten- und Angehörigenseminar Ulm 23.03.2013 PNH und aplastische Anämie Klinik für Innere Medizin III Prof. Dr. H. Döhner Dr. M. Bommer; Prof.Dr.D.Bunjes Prof. Dr. H. Heimpel Klinik für Kinderund Jugendmedizin Prof. Dr. K.-M. Debatin Dr. H. Cario, Dr.A.Schulz Prof.Dr.E.Kohne Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik Dr. B. Höchsmann Dr. S. Körper Prof. Dr. H.Schrezenmeier - Diagnostik - Supportive Therapie - Nicht-Transplantationstherapie - Allogene Stammzelltransplantation

Patienten- und Angehörigenseminar Ulm 23.03.2013 Nationale und internationale Kooperationen zur Paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie (PNH) und aplastischen Anämie (AA) PNH-Register ( PNH Registry ) International PNH Interest Group (IPIG) Deutsche Studiengruppe Aplastische Anämie Arbeitskreis nicht-maligne Hämatologie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) Europäische Gruppe für Knochenmark- und Stammzelltransplantation ( European Group for Blood and Marrow Transplantation ; EBMT) Arbeitsgruppe Aplastische Anämie ( Working Party Aplastic Anemia, WP AA).

Patienten- und Angehörigenseminar Ulm 23.03.2013 www.dgho.de

Patienten- und Angehörigenseminar Ulm 23.03.2013 Ziele der heutigen Veranstaltung: Aktuelle Information zu Leitlinien-gerechter Behandlung der PNH und der aplastischen Anämie. Beantwortung häufig gestellter Fragen. Betrachtung aus Patienten-Perspektive. Plattform für gegenseitiges Kennenlernen. Erfahrungen sammeln für weitere Veranstaltungen.

Patienten- und Angehörigenseminar Ulm 23.03.2013 Vorbemerkungen: Medizin - Statistik - Patient Jeder Mensch ist individuell auch in der Krankheit. Ständige Weiterentwicklung der Erkenntnis und der Empfehlungen und Informationen zu Diagnostik, Therapie und Verlauf.

Patienten- und Angehörigenseminar Ulm 23.03.2013 AA, PNH & Co nicht bösartig, aber doch bedrohlich?!

Patienten- und Angehörigenseminar Ulm 23.03.2013 Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH): - Entstehung der Krankheit - Typische Symptome

Komplement-vermittelte Zerstörung von roten Blutkörperchen

Komplement-Faktoren Eiweiße im Blut, welche als Teil des Immunsystems Bakterien attackieren. Faktoren liegen in inaktiver Form vor und werden durch Bakterien oder Antikörper aktiviert. Kettenreaktion, an deren Ende die Bildung eines Membran-Angriffs- Komplexes steht. http://www.niaid.nih.gov/publications/immune/the_immune_system.pdf

Komplement-vermittelte Zerstörung von roten Blutkörperchen

Erworbene, d.h. im Laufe des Lebens, auftretende Veränderungen im PIG-A Gen in blutbildenden Vorläuferzellen sind eine Voraussetzung für das Entstehen einer PNH. PIG-A Gen ist für die Synthese des GPI-Ankers erforderlich. GPI- verankerte Proteine

Blut und Knochenmark bei PNH: normale Zellen und PNH-Zellen Normale Zelle GPI-defiziente, PIG-A mutierte Zelle = PNH-Zellen Klongröße: Anteil der PNH-Zellen

Blut und Knochenmark bei PNH: normale Zellen und PNH-Zellen Subklinische PNH Klinische PNH 1. 2. Normale Zelle (oder funktionell defekte Stamm-/Progenitorzellen, welche die relative Expansion von GPI-defizienten Zellen erlauben). GPI-defiziente, PIG-A mutierte Zelle

Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie Klinische Trias: Blutarmut durch Hämolyse, d.h. Zerstörung der Erythroyzten Thromboseneigung Unzureichende Blutbildung. Kombination der Symptome, Ausprägung und klinischer Verlauf sehr variabel! Chamäleon der Hämatologie Verlauf in der Regel chronisch, mit akuten PNH-Krisen Spontane Remissionen können auftreten

Patienten- und Angehörigenseminar Ulm 23.03.2013 Symptome der PNH Müdigkeit Dunkler Urin Kopfschmerzen Atemnot Bauchschmerzen Gelbfärbung der Augen Erektionsstörungen Schmerzen in der Brust Schluckbeschwerden Verwirttheit 30% 28% 22% 22% 44% 43% 62% 59% 63% 76% 0% 25% 50% 75% 100% Prozentt Zum Zeitpunkt der Aufnahme in das PNH Register

Überleben Patienten- und Angehörigenseminar Ulm 23.03.2013 Prognose der PNH: Gesamtüberleben bei PNH-Patienten 1 0.8 0.6 O/N 33/112 14/91 40/222 Subkategorie: Klassische PNH Intermediäre PNH AA-PNH 0.4 p = 0.52 0.2 0 0 5 10 15 20 25 30 35 40 Jahre nach Diagnose 112 58 40 22 10 5 1 Klassische PNH 91 43 20 6 3 1 Intermediäre PNH 222 93 48 24 6 3 1 AA-PNH De Latour P et al., Blood 2008;112:3099-3106

Patienten- und Angehörigenseminar Ulm 23.03.2013 Erworbene Aplastische Anämie Krankheitsentstehung Diagnostik

Aplastische Anämie Definition: Verminderung der Anzahl von roten Blutkörperchen, Blutplättchen und weißen Blutkörperchen (Erythrozyten, Thrombozyten, Leukozyten) (mindestens 2 dieser 3 Zelltypen müssen stark reduziert sein) zusammen mit einem leeren Knochenmark (Verminderung der blutbildenden Zellen im Knochenmark ) nicht verursacht durch Chemotherapie oder Bestrahlung

Verminderte Blutbildung bei AA Zum Vergleich: normales Knochenmark

Einteilung der aplastischen Anämie in Schweregrade. Granulozyten Thrombozyten Retikulozyten Nicht schwere aplastische Anämie nsaa < 1.000 /µl < 50.000 /µl < 60.000 /µl schwere aplastische Anämie SAA sehr schwere aplastische Anämie vsaa < 500 / µl < 20.000 / µl < 20.000 / µl < 200 / µl < 20.000 / µl < 20.000 / µl * Jeweils 2 der drei gelisteten Kriterien müssen erfüllt sein * Für die Klassifikation als VSAA ist eine Granulozytenzahl < 0.2 #x# 10 9 /l obligat

Aplastische Anämie Symptome / Gefahren- Anämie: Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Blässe, Atemnot, verminderte körperliche Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit Blutungsneigung: Nasenbluten, Zahnfleischbluten, kleine Einblutungen in die Haut (Petechien), Einblutungen in innere Organe (Gehirn, Lunge, andere) Infektionen

Patienten- und Angehörigenseminar Ulm 23.03.2013 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit