Wundbehandlung gestern und heute

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Transkript:

1 Wundbehandlung gestern und heute Pädiatrische Fachtagung 27.9.2012 in Luzern Franziska Zwahlen-Müller, Wundexpertin SafW, Höfa 1 Anna-Barbara Schlüer, Pflegewissenschaftlerin und APN Wundpflege, MScN Inhalte des Workshops Einstieg und Zielsetzungen Anforderungen an die Wundbehandlung Wundbeurteilung Anforderungen an die pädiatrische Wundversorgung Fallbeispiele und Diskussion 2 Abgrenzung Keine Versorgung von Patienten mit Stomaversorgungen Kein Schwerpunkt bei Gesässhautläsionen Keine primär chirurgischen Wundbehandlungen 3

4 Evidenz in der Pädiatrie Welche Evidenz haben wir? Reicht das? Evidenzbasierte Wundversorgung aufbauend auf 4 Säulen Forschung Erfahrungswissen Klinische Patientenpräferenzen Lokaler Kontext Erfahrung Honig? Ja, Medihoney Indikationen und Anwendungsgebiete: Antibakteriell (wirksam u. a. gegen MRSA, VRE, ESBL, Pseudomonas) Wirksam gegen Biofilme Keine Resistenzbildung? Keine Kreuzresistenz? Anti-entzündlich? Schutz und Reinigung der Wunde Fördert die Wundheilung Schützt vor Wundinfektionen? Reduziert die Bildung von Narbengewebe? Fördert ein idealfeuchtes Wundheilungsmilieu 5 Wann kommt Medihoney in der Pädiatrie zum Einsatz? Infizierte Wunden, nicht in tiefe Bauchhöhlen Wunden mit Fistelgängen (oberflächlich oder perianal) Nekrotische Wunden (CAVE!!!) Belegte Wunden! Übel riechende Wunden (keine Erfahrungen) Schlecht heilende Wunden, stagnierende Wunden Pilonidalsinusabszess? 6

7 Wunddokumentation Elektronisch Interdisziplinär Eigenes Dossier Fallübergreifend Nach definierten Standards Wundklassifikation vor 20 Jahren Wundbeschreibung im Pflegeverlaufsbericht vor 20 Jahren: Wunde entleert ca. 300 ml Eiter Penrose eingelegt VW gemacht: Wunde ist wahnsinnig gross und klaffend. Ist offen ausgespült mit NaCl und Wasserstoffsuperoxid. Wunde gefüllt mit Zucker + Betadinegemisch und mit Gazen und Absorptionsverband zugedeckt VW gemacht mit Duschen, ging recht gut Wunde zieht recht Fäden, beim Duschen kommt wenig ab grosse Wunde sieht rel. gut aus, ist innen weiss belegt (zieht Fäden) und aussen kaum gerötet von re Seite schliesst sich Naht von innen her hat an Wundränder viel Granulationsgewebe, auf rechter Seite am Rand gestiftet. Brennt ihn z.t. Belag in Wunde probiert wegzuwischen. Geht nicht alles hinaus Naht viel schöner, Wundränder o.b., praktisch keine weissen Fetzli mehr in Wunde 8 Geschichte des Silbers in der Römerzeit zur Haltbarmachung von Trinkwasser verwendet 1. dokumentierte medizinische Anwendung von Silber 750 v.chr. 1881 mit 1%-Silbernitratlösung Bekämpfung von Blindheit bei Neugeborenen aufgrund postnataler Infektionen Ende des 20. Jahrhunderts SSD bei Brandwunden Entdeckung der Antibiotika 1940: Anwendung silberhaltiger Produkte ging zurück 1960, nach Entdeckung der weit verbreiteten Antibiotikaresistenz kamen topische antimikrobielle Mittel auf Silberbasis wieder zum Einsatz 9

10 Wirkung der Silberkationen Wirkungsspektrum: bakterizid, fungizid, viruzid, protozoizid Wirkmechanismus: - schädigt Zellmembran - deaktiviert Zellstoffwechsel - hemmt die DNA-Transkription und behindert damit die Vermehrung führt so zur Inaktivierung der Bakterienzelle Nebenwirkungen: Wundverfärbung bakterielle Resistenz gegen Silber, jedoch nur bei Bakterien, die nicht typisch in Wunden sind Evidenz Silber EWMA schreibt 2006: derzeit kann der Einsatz topischer Antimikrobia nicht uneingeschränkt und ohne weiteres empfohlen werden. Die Anwendung (...) ist dann als missbräuchlich anzusehen, wenn damit keine Reduktion der Mikrobenbelastung beabsichtig wird (Maillard & Denyer, 2006a) SBK 3/2011 Jürgen Haidorfer der verbesserte Nutzen, Verminderung der Kosten und die Ungefährlichkeit von silberhaltigen Verbänden sind nicht durch wissenschaftliche Forschung belegt Silber sparsam und nur nach genauer Abwägung einsetzen um die antibiotische Wirkung des Silbers langfristig nicht zu gefährden Silber nur bei kritisch kolonisierten Wunden einsetzen Silberionen werden nur in feuchten Wunden aktiviert 11 Feuchte Wundbehandlung Geschichte 1517 Feldbuch der Wundartzney Hans von Gersdorff zu Strassburg: empfiehlt feuchte Wundbehandlung bei Amputationsstümpfen mittels Schweineblase 1962 Erkenntnis der feuchten Wundbehandlung: Georg Winter publiziert in Nature seine Beobachtungen, dass sekundär heilende Wunden bessere Heilungsraten haben, wenn sie feucht gehalten werden. 1965 erster hydrocolloider Verband (Varihesive und Comfeel) Wirkungsweise Es bestehen physiologische Bedingungen (Feuchtigkeit und Temperatur) Verbesserte lokale Bakterizide durch phwert 5,5 Mechanische Behinderung der Epithelzellen entfällt 12

13 Entwicklung Verbandsstoffe 1870 1. Verbandsstofffabrik der Welt: Theophil Bäschlin, Schaffhausen 1902 Erfindung des Stomabeutels (Pflegefachfrau Elise Sorensen) 1921 erster Schnellverband Hansaplast 1962 feuchte Wundbehandlung wird publiziert (Winter) 1971 Folien 1990 Calciumalginate 1992 VAC-Therapie wird entwickelt (Argenta und Fleischmann) Wundauflagen früher und heute Anforderungen an konventionelle Wundauflagen (Longuetten) Wunde schützen nach aussen Sekret aufsaugen (können Verkleben, Durchnässen möglich) Trägermaterial für die lokal anzuwendenden Arzneimittel sein Anforderungen an moderne (hydroaktive) Wundauflagen Reinigungsphase: Exsudat aufnehmen und binden, Mazeration verhindern, Wunde trotzdem feucht halten Granulationsphase: Austrocknen verhindern, überschüssiges Sekret aufsaugen, Wundruhe Epithelisierungsphase: Schutz des neu gebildeten Gewebes Allgemein: Gasaustausch ermöglichen Thermische Isolation Schutz vor Sekundärinfektionen Patientenakzeptanz (z.b. Schmerzreduktion) Anwenderfreundlich (einfache Handhabung) Kosteneffizienz 14 Anforderungen von Wundauflagen in der Pädiatrie Kleine Grössen Einfache Handhabung Lange Intervalle bis zum nächsten Verbandswechsel Zuschneidbar, keine fixen Ränder Exsudat Kein Verkleben mit der Wunde, atraumatische Verbandwechsel (Keine) wirkstoffhaltigen Inhaltsstoffe Transparenz Flexibel 15

16 Besonderheiten der Hautstrukturen im Kindesalter Hautoberfläche beim Erwachsenen: 1,5 2 m 2 mit einem Gewicht von 3,5 bis 10 kg grösstes Organ des menschlichen Körpers Haut des Frühgeborenen mit physiologischen & anatomischen Besonderheiten Haut ist das grösste Organ des Frühgeborenen und macht ca. 13 % des Körpergewichtes aus 4 Besonderheiten: - Unterentwicklung des Stratum corneum - dermale Instabilität - hoher ph-wert in der postnatalen Phase - ernährungsbedingter Mangel an z.b. Zink Fallbeispiele Schritte von der Wundbeurteilung zum Wundverband Demografische Daten Ursache der Wunde? Therapiemassnahmen? Beurteilung der Wunde nach URGE (WundUmgebung, WundRand, WundGrund, WundExsudat) Infekt ja / nein? Wundreinigung womit Ziel der Wundbehandlung Wundverband: Material: Wundfüller, Wundrand, Wundabdeckung Was ist bei der Applikation des Materials zu beachten? 17 Desinfektionsmittel/Mittel zur Keimreduktion Wirkungsspe ktrum Einwirkungsz eit Octenisept Betadine Prontosan Bakterien, Pilze, Bakterien, Pilze, Bakterien, Pilze Viren Viren, Sporen 1 2 Min. Sofort 15 Min. Haltbarkeit 6 Mt. 5 Jahre 8 Wochen Vorteile Farblos Verdünnbar Preiswert Lange Wirkungsdauer Nachteile Eiweissfehler Farbig Iod-Resorption Farblos Gute Gewebeverträglichkeit Reduktion Biofilm Geringer Blut-, Eiweissfehler 18

19 Unterlagen zum Workshop Kontaktadresse Bern Franziska Zwahlen Franziska.Zwahlen@insel.ch Kontaktadresse Zürich Anna-Barbara Schlüer Barbara.schlueer@kispi.uzh.ch Die Präsentation des Workshops kann nur in reduzierter Form zur Verfügung gestellt werden (ohne Fallbeispiele und Bilder). Bei Fragen oder Interesse wenden Sie sich bitte an die Workshopleiterinnen.