3. Klassische Konditionierung

Ähnliche Dokumente
Eigene MC-Fragen Behaviorismus

Klassische Konditionierung Iwan P. Pawlow ( ) Psychologie des Lernens. Iwan P. Pawlow. Iwan P. Pawlow - Literatur

Klassische Konditionierung

Tutor: Liz Leutner. Termin: LERNTHEORIEN. Tutorium Persönlichkeitspsychologie I

Tutorium V Lernen Klassisches Konditionieren

Lernen und Gedächtnis

Einführung in die Pädagogische Psychologie HS 2013

Lernen: Themen der Vorlesung

Zur Psychologie des Lernens I: Klassischer Behaviorismus und klassische Konditionierung

Entwicklungspsychologie für Lehrer. Lernprozesse in der Entwicklung

Behaviorismus & Neobeahviorismus

Zusammenfassung: Klassische Konditionierung

Lernen: Behaviorismus - Klassische und operante. Konditionierung

Grenzen zwischen Reflexen und Operanten = oft fließend

Mechanismen der klassischen Konditionierung. Mechanismen der klassischen Konditionierung

1. Pawlows Entdeckung und ihre Bedeutung

Lernen: Klassische Konditionierung I

Klassisches Konditionieren

Allgemeine Psychologie

B E L E G A R B E I T

Lerntheoretische und kognitive Modelle

Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Wirtschaftsdidaktik. Pädagogische Psychologie

Pädagogik (Erziehungswissenschaft)

4. Operante Konditionierung

Wiederholungsfragen Behaviorismus

LERNEN. Lernen - Beispiele. Definition von Lernen. Alltagssprachlicher Lernbegriff

AllgemeinePsychologieII

Experimentelle Untersuchung der klassischen Konditionierung

Definition Lernen VORLESUNG ZUR EINFÜHRUNG IN DIE PSYCHOLOGIE 1. Lernen. Wurde da gelernt? Jemand...

Lernen. Film. Klassisches Konditionieren. Drei grundlegende Lernprinzipien: Klassisches Konditionieren Operantes Konditionieren Modell Lernen

Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Wirtschaftsdidaktik. Pädagogische Psychologie

Schnittpunkt vieler Wissenschaften ca. 1860

Psychologie. Das Prüfungstraining zum Zimbardo. Deutsche Bearbeitung von Ralf Graf

Eine biologische Definition des Begriffs Lernen

Zusammenfassung: Behavioristische Lerntheorien

4. Operante Konditionierung

Management sozialer Prozesse

Professur Allgemeine und Biopsychologie Institut für Psychologie Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften

Operantes Konditionieren

Aristoteles: Seelenteile

Klassisches Konditionieren II: Rest

Beeinflussung des Immunsystems

Behaviorismus und Nativismus im Erstspracherwerb. Theresa Schmidt Naturwissenschaft für Querdenker

Pavlov s Papageien: Verstehen und Auslöschen von Angst-Auslösern Von S.G. Friedman, Ph.D. copyright

Einführung in die Allgemeine Psychologie

Schlüsselkonzepte der Psychologie

Ihr Name. Lernen. Reaktion Response. Reiz Stimulus. Veranstaltung Datum Ort. Name des Präsentators Firma

Multimediale Lehr- und Lernumgebungen

Lerntheorien im Überblick

w w w. a c a d e m y o f s p o r t s. d e w w w. c a m p u s. a c a d e m y o f s p o r t s. d e Pädagogik L E SEPROBE

Die Entwicklung der Gefühle: Aspekte aus der Hirnforschung. Andreas Lüthi, Friedrich Miescher Institut, Basel

Lernen und Gedächnis. Was ist Gedächtnis? Explizites vs implizites Gedächtnis Anatomisches Substrat Neuronale Mechanismen Plastizität

Klassisches Konditionieren II

Einführung in die Lernpsychologie

Vorlesung Medizinische Psychologie SS Psychologische Lerntheorien. Klassische Konditionierung. Vorlesungsskripte unter:

Verhaltensmedizin bei der Katze

Zusammenfassung Behaviorismus

Was ist Angst? Was ist Angst? Neuronale Grundlagen der Angst. 1. Körper 2. Angstgefühl 3. Verhalten. Was ist Angst? Wie lernen wir Angst zu haben?

Studie: Awareness of faces is modulated by their emotional meaning Autoren: M.Milders, A.Sahraie, S.Logan & N.Donnellon

Lernen und Kognition

Behavioristische Emotionstheorien /Phobien

Psychologie des Lernens

Das Angstmodul. Das Angstmodul. Das Angstmodul. Das Angstmodul. Das Angstmodul INTERAKTIONALE THEORIE DES ENTSTEHENS VON PHOBIEN

Beispielbild. Lernen & Gedächtnis. Theorien der Klassischen Konditionierung. SoSe 2007

Verhaltensänderung in der Dialektisch-Behavioralen Therapie

Basale Funktionen in Lehr-Lernprozessen Gedächtnis Lernen - Definition Behaviorismus Modelllernen

Beispielbild. Lernen & Gedächtnis. Prinzipien und Modelle der Klassischen Konditionierung. SoSe 2008

Allgemeine Psychologie: Lernen. Sommersemester Thomas Schmidt

Das Häufigkeitsprinzip (Thomas Brown 1820) 1. Grundlegendes zum assoziativen Lernen

Lernen: Klassische Konditionierung II Operante Konditionierung I

Abb. 38: Aktivierung durch Erotik. 2.7 Reiz-Reaktions-Lernen in verschiedenen Bereichen 49

Ressourcen 2: Ankern

Beispielbild. Lernen & Gedächtnis. Einführung. SoSe 2007

Über die Entwicklung des Hundes und warum es nicht so einfach ist

Behavioristisch: Verhaltens Kognitionswissenschaftlich: von mentalen Repräsentationen und Assoziationen im Geist Neurobiologisch:

Allgemeine/Biologische Psychologie

1

Behaviorismus und Nativismus im Erstspracherwerb

A u f g e h t s... Clickertrainingseminar

1 Erbkoordiniertes (= angeborenes) Verhalten

Abbildung Proximate Ursachen = Wirkursachen. Ultimate Ursachen = Zweckursachen (Überleben & Fortpflanzung)

Liane Rauch Hundetraining. ohne Worte Führen mit der leeren Hand

Bis Hochladen der Vorstellungsvideo Lesen des Studienbegleithefts

Zusammenfassung. Instruktionspsychologie. Professur E-Learning und Neue Medien. Institut für Medienforschung Philosophische Fakultät

Protokoll zum Lernverhalten der Pferde

Inhaltsverzeichnis. Vorwort 12. Was ist Lernen? 16

Einführung in die moderne Psychologie

Unterrichtsverlauf Phase / Zeit Unterrichtsschritte / Verlauf Methoden / Sozialformen / Medien Methodisch-didaktischer Kommentar Begrüßung

Lernen: Themen der Vorlesung

Physiologische Komponente. Erlebenskomponente

Kapitel 1 Psychologie als Wissenschaft

Instrumentelles Konditionieren I

David G. Myers. Psychologie

Zusammenfassung Wissenschaftliche Ausgangslage: Methoden, Theorien und Befunde... 14

Lernen: Themen der Vorlesung

Theorien der Klassischen Konditionierung

Ergänzungsfach Sport Pete Moor Gymnasium Biel-Seeland Wahrnehmen-Entscheiden-Handeln 1. Lernen im Sport

Transkript:

3. Klassische Konditionierung

Ivan Petrovich Pavlov 1849-1936 Russischer Arzt, Wissenschaftler Nobel Preis in Medizin 1904 für seine Forschung zum Verdauungssystem bei Hunden 3. Klassische Konditionierung

Pavlov s Labor in St.Petersburg 3. Klassische Konditionierung

Demonstration des bedingten Reflexes Klassische Konditionierung 3. Klassische Konditionierung 3.1 Pavlov s Klassisches Experiment

Klassische Konditionierung (1) UCS = Unkonditionierter Stimulus UCR unkonditionierte Reaktion NS = neutraler Stimulis (Glocke) 3. Klassische Konditionierung 3.1 Pavlov s Klassisches Experiment

Klassische Konditionierung (2) UCS = Unkonditionierter Stimulus UCR unkonditionierte Reaktion NS = neutraler Stimulis (Glocke) 3. Klassische Konditionierung 3.1 Pavlov s Klassisches Experiment

Klassische Konditionierung (3) UCS = Unkonditionierter Stimulus UCR unkonditionierte Reaktion CR NS CS 3. Klassische Konditionierung 3.1 Pavlov s Klassisches Experiment

3. Klassische Konditionierung 3.1 Pavlov s Klassisches Experiment

John B. Watson 1878-1958 3. Klassische Konditionierung 3.2 Watson und seine Forschung am Menschen

John B. Watson Publizierte 1913 in Psychological Review: «Psychology as the Behaviorist views it» 3. Klassische Konditionierung 3.2 Watson und seine Forschung am Menschen

Psychology as the behaviorist views it is a purely objective experimental branch of natural science. Its theoretical goal is the prediction and control of behavior. Introspection forms no essential part of its methods, nor is the scientific value of its data dependent upon the readiness with which they lend themselves to interpretation in terms of consciousness. The behaviorist, in his efforts to get a unitary scheme of animal response, recognizes no dividing line between man and brute. The behavior of man, with all of its refinement and complexity, forms only a part of the behaviorist's total scheme of investigation. 3. Klassische Konditionierung 3.2 Watson und seine Forschung am Menschen

Behaviorismus: Watson s Perspektive...purely objective Part of Natural Science... Vorhersage von Verhalten Introspektion keine Methode zum Erkenntnisgewinn Bezüglich des Untersuchungsfokus keine Trennlinie zwischen Mensch und Tier bewusste Erfahrung keine conditio sine qua non 3. Klassische Konditionierung 3.2 Watson und seine Forschung am Menschen

"Little Albert" Experiment Rosalie Rayner Albert B. John B. Watson ca. 1920 kontroverses Experiment Klassische Konditionierung beim Menschen; experimentelle Konditionierung von Angst Video Little Albert Experiment 3. Klassische Konditionierung 3.2 Watson und seine Forschung am Menschen

Allerdings Ben Harris (1979): es sei unklar, ob Albert überhaupt eine Phobie entwickelte 3. Klassische Konditionierung 3.2 Watson und seine Forschung am Menschen

Zusammenfassung Klassische Konditionierung: Pavlov s Hunde-Experiment Koppelung eines unkonditionierten Stimulus (Futter) mit einem neutralen Stimulus (Lampe, Glocke), der in der folge als konditionierter Stimulus eine Reaktion (Speichelfluss) hervorrufen kann. Watson: Angstkonditionierung beim kleinen Albert 3. Klassische Konditionierung 3.3 Zusammenfassung Pavlov & Watson

Klassiche Konditionierung: Begriffsabgrenzung, Beispiele, moderierende Variablen und Einflussgrössen 3. Klassische Konditionierung 3.4 Konzeptualisierung, Begriffe

UCS Unkonditionierter Stimulus Ein Reiz, dessen Bedeutung für einen Organismus (und eine Art) angeboren ist. es besteht also eine biologische verankerte Veranlagung für Reaktionen auf einen Stimulus of Stimuli, die für basale Bedürfnisse relevant sind (Nahrung, Schmerz, Gefahr, Sex, etc.) auch ohne Lernprozesse erfolgt auf einen solchen Stimulus immer eine spezifische Reaktion 3. Klassische Konditionierung 3.4 Konzeptualisierung, Begriffe

UCS Unkonditionierter Stimulus Schmerz olfaktorisch 3. Klassische Konditionierung 3.4 Konzeptualisierung, Begriffe

UCS Unkonditionierter Stimulus Schmerz olfaktorisch taktil

UCS Unkonditionierter Stimulus Schmerz olfaktorisch taktil visuell 3. Klassische Konditionierung 3.4 Konzeptualisierung, Begriffe

UCS Unkonditionierter Stimulus Schmerz olfaktorisch taktil visuell auditiv 3. Klassische Konditionierung 3.4 Konzeptualisierung, Begriffe

UCS Unkonditionierter Stimulus Physiologische Reize Herzrasen Ohnmachtsgefühl Erstickungsgefühl Übelkeit Schwindel 3. Klassische Konditionierung 3.4 Konzeptualisierung, Begriffe

UCS Unkonditionierter Stimulus Positive Reize Süssigkeiten 3. Klassische Konditionierung 3.4 Konzeptualisierung, Begriffe

UCS Unkonditionierter Stimulus Positive Reize Süssigkeiten Lächeln 3. Klassische Konditionierung 3.4 Konzeptualisierung, Begriffe

UCR Unkonditionierte Reaktion automatisierte Reaktion auf UCS Speichelsekretion Zurückzucken Aufhorchen -> erhöhte Konzentration... vegetative, motorische, kognitive Ebene 3. Klassische Konditionierung 3.4 Konzeptualisierung, Begriffe

NS Neutraler Stimulus Stimulus, der zwar unerwartet ist, aber nicht biologisch verankerte Aversivität aufweist ruft Orientierungsreaktion hervor erhöhte Reaktionsbereitschaft EDA Anstieg Muskeltonus Senkung der Herzfrequenz, etc. Immer dann NS, wenn nicht alle Organismen einer Art mit derselben Reaktion auf Stimulus reagieren. 3. Klassische Konditionierung 3.4 Konzeptualisierung, Begriffe

CS Konditionierter Stimulus Erstmals NS, der durch Koppelung mit UCS zum CS wurde und der eine der UCR ähnliche CR hervorruft. 3. Klassische Konditionierung 3.4 Konzeptualisierung, Begriffe

Konditionierung höherer Ordnung baut auf dem Grundprinzip der Konditionierung auf Ein Konditionierter Stimulus kann dazu dienen, einen neutralen Stimulus auf dieselbe Reaktion zu konditionieren. Kann zu Ketten von konditionierten Reaktionen ausgebaut werden, vor allem im emotionalen und motivationalen Bereich schwierigere Acquisition, weniger starke Assoziation, kann leichter gelöscht werden 3. Klassische Konditionierung 3.4 Zusammenfassung: Konzeptualisierung, Begriffe

Konditionierung zweiter bzw. höherer Ordnung In einer ersten Phase wird ein UCS mit einem NS gepaart, NS wird zum CS, und vermag nun, die CR auszulösen Weil der CS nun die CR (ursprünglich UCR ) auslösen kann, kann nun ein weiterer NS mit dem CS gepaart werden 3. Klassische Konditionierung 3.5 Prozesse höherer Ordnung

Generalisierung Gelernte Reaktion wird auf einen erweiterten Kreis von Stimuli (CS) gezeigt Primäre Generalisierung: physikalische Ähnlichkeit Sekundäre Generalisierung: ähnlicher Semantischer Hintergrund, Überlappung im Bedeutungsgehalt 3. Klassische Konditionierung 3.5 Prozesse höherer Ordnung

Zusammenfassung Begriffe u. Konzepte UCS: Reiz der unbedingt eine angeborene Reaktion auslöst UCR: angeborene Reaktion auf UCS NS: Neutraler Stimulus, unerwartet CS: NS, der durch einen KK Prozess die Eigenschaft erworben hat, eine der UCR äquivalente Reaktion auszulösen, die nun CR genannt wird UCS können sehr unterschiedliche Ebenen der Wahrnehmung betreffen UCR können auf sehr unterschiedlichen Ebenen stattfinden

Zusammenfassung Konditionierung höherer Ordnung umschreibt, das Phänomen, dass nach einer Paarung mit einem UCS, der nun CS erneut mit einem NS gepaart wird und dieser CS(2) nun eine CR auslösen kann Generalisierung umschreibt das Phänomen, dass durch die Konditionierung nicht nur ein ganz spezifischer Stimulus als CS fungiert, sondern auch weitere Stimuli, die in ihren physikalischen Eigenschaften oder Bedeutung ähnlich sind

Wichtige weitere Einflussgrössen:

Einflussgrössen Kontiguität raum-zeitliche Nähe, primär zwischen UCS und NS NS UCS simultan bedingte Reaktion 3. Klassische Konditionierung 3.6 Wichtige Einflussgrössen

weitere Einflussgrössen Kontiguität raum-zeitliche Nähe, primär zwischen UCS und NS NS UCS verzögert bedingte Reaktion 3. Klassische Konditionierung 3.6 Wichtige Einflussgrössen

weitere Einflussgrössen Kontiguität raum-zeitliche Nähe, primär zwischen UCS und NS NS UCS spurenbedingte Reaktion 3. Klassische Konditionierung 3.6 Wichtige Einflussgrössen

weitere Einflussgrössen Kontiguität raum-zeitliche Nähe, primär zwischen UCS und NS NS UCS rückwärts bedingte Reaktion 3. Klassische Konditionierung 3.6 Wichtige Einflussgrössen