Sitzung 1: Psychoedukation

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Transkript:

6 Sitzung 1: Psychoedukation 87 87 6 Sitzung 1: Psychoedukation Einführung und Kennenlernen U. Abel, M. Hautzinger 6.1 Hintergrund und Ziele der Sitzung 88 6.2 Einführung 88 6.3 Was ist kognitive Verhaltenstherapie und wie wirkt sie? 88 6.4 Kennenlernspiele (Vorschläge) 89 6.4.1 Namensalphabet 89 6.4.2 Vorstellungsrunde 90 6.5 Erarbeiten der Gruppenregeln als Poster 90 6.6 Quiz 91 U. Abel, M. Hautzinger, Kognitive Verhaltenstherapie bei Depressionen im Kindes und Jugendalter, DOI 10.1007/9783642297915_6, SpringerVerlag Berlin Heidelberg 2013

88 Kapitel 6 Sitzung 1: Psychoedukation 1 2 3 4 5 6 Thema: Psychoedukation Einführung und Kennenlernen Unterthemen Einführung Was ist kognitive Verhaltenstherapie? Wie wirkt sie? Kennenlernspiele (Vorschläge) Erarbeiten der Gruppenregeln Quiz Methode Kurze Vorstellung der Inhalte Organisatorisches Psychoedukation, Information Namensalphabet Gegenseitiges Vorstellen Poster erstellen 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 6.1 Hintergrund und Ziele der Sitzung In dieser Sitzung geht es darum, dass die Jugendlichen sich gegenseitig kennenlernen und dass allgemeine Regeln sowie die grundsätzliche Vorgehensweise besprochen werden. Dabei werden einige Merkmale der kognitiven Verhaltenstherapie vermittelt, es werden Kennenlernspiele durchgeführt und die Gruppenregeln festgelegt. Wenn noch genügend Zeit ist, können zusätzlich die Übungen: Nina und ihre Freunde ( AB 4) und/oder die Übung: Traurig oder depressiv? ( AB 1, Kap. 7) durchgeführt werden. 6.2 Einführung Zunächst stellen sich die Kursleiter vor. Danach werden organisatorische Aspekte geklärt (Setting, wie lange dauert jede Sitzung, wie oft trifft man sich, wird die 13. und 14. Sitzung mit oder ohne Eltern durchgeführt, erhalten die Eltern zusätzliche Psychoedukation usw.). Dann erfolgt eine kurze Einführung in die Thematik. Einführung für die Jugendlichen In dieser Gruppe sind Jugendliche zusammengekommen, die ähnliche Schwierigkeiten und Probleme haben. Wir möchten im Verlauf der Therapie diese Probleme bearbeiten. Ihr könnt Möglichkeiten kennenlernen, wie man: schlechte Stimmung verbessern kann, traurige Gedanken verändern kann, mit Stress umgeht, Konflikte und Probleme lösen kann. 6.3 Was ist kognitive Verhaltenstherapie und wie wirkt sie? Die angewendete Methode heißt kognitive Verhaltenstherapie und ist eine der am besten untersuchten Behandlungsformen bei Depressionen. Folgende zentralen Aspekte der kognitiven Verhaltenstherapie sollen vermittelt werden (Dafür kann ein Whiteboard oder Flipchart verwendet werden):

6.4 Kennenlernspiele (Vorschläge) 89 6 Whiteboard oder Flipchart kkdie kognitive Verhaltenstherapie (KVT): behandelt aktuelle Probleme und sucht Lösungen für diese, hat zum Ziel, dass die Patienten ihre Probleme schnellstmöglich in den Griff bekommen, erwartet von den Patienten Eigeninitiative (Hausaufgaben, Übungen, Rollenspiele), hat ein partnerschaftliches Verständnis von der PatientTherapeutBeziehung (beide sind Lernende). kkdie KVT setzt sich damit auseinander: ob und wie Gedanken und Überzeugungen sich negativ auf das Wohlbefinden auswirken, welche Verhaltensweisen Probleme verschlechtern oder verbessern. Ihr erhaltet viele Information darüber, warum depressive Störungen im Jugendalter entstehen und vor allem was eine Genesung verhindert. Wir sehen, welche Faktoren in Eurem Alltag die Depressionen aufrecht halten und was Ihr tun könnt, um diese Faktoren auszuschalten. Das heißt auch, dass es möglich sein kann, dass Ihr Gewohnheiten aufgeben und Veränderungen aktiv angehen müsst, um eine Verbesserung Eurer Symptome und Probleme zu erreichen. Was ist kognitive Verhaltenstherapie? Aktuelle Probleme behandeln, Neues ausprobieren?? Gibt es Fragen hierzu? kkweitere zu vermittelnde Aspekte der KVT: Unerwünschte Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Möglicherweise kann es aber zu Veränderungen im Alltag und in Beziehungen kommen, weil die Patienten aktiver werden, sich vielleicht auch mehr trauen zu sagen, was sie möchten. Deshalb wird es auch Elternabende geben, damit Eure Eltern wissen, um welche Themen es geht, ohne dass über Einzelheiten und Inhalte, die nur Euch betreffen, gesprochen wird. Für Fragen nach Vorgehen und den Methoden sollte genügend Zeit bleiben, um Ängste abzubauen. Kurz können an dieser Stelle auch einige Übungen, die Hausaufgaben und Rollenspiele skiiert werden. Danach sollten die Jugendlichen sich gegenseitig kennenlernen. 6.4 Kennenlernspiele (Vorschläge) 6.4.1 Namensalphabet (http://riecken.de) Alle stellen sich in einen Kreis und jeder sagt seinen Namen. Die Spieler stellen sich nun, ohne miteinander zu reden, nach dem Alphabet auf. Wenn alle ihren Platz gefunden haben, werden die Namen wiederholt und es kann überprüft werden, ob die Teilnehmer sich in der richtigen Reihenfolge aufgestellt haben. Dies geht so lange, bis alle an der richtigen Stelle stehen.

90 Kapitel 6 Sitzung 1: Psychoedukation 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 Sich kennenlernen Regeln festlegen 6.4.2 Vorstellungsrunde (ca. 15 20 Minuten) Bevor die Vorstellungsrunde startet, werden Papier und Stifte verteilt, auf die die Teilnehmer die Antworten auf die Kennenlernfragen notieren können. kkinstruktion Findet Euch zu zweit zusammen und versucht etwas über Euer Gegenüber zu erfahren. Jeder hat etwa 5 bis 10 Minuten. Fragen hierzu finden sich am Whiteboard/Flipchart. Anschließend kommt Ihr zurück in die Runde und jeder stellt seinen Partner vor. Whiteboard/Flipchart kkfragen zum Kennenlernen: Name Alter Wohnort Familie Schule Hobbys Musikgeschmack Anschließend kommen die Teilnehmer in die Runde zurück und jeder stellt seinen Partner anhand der beantworteten Fragen vor. Vor allem in der Gruppe ist es wichtig, mit den Teilnehmern frühzeitig Regeln zu erarbeiten, die den gegenseitigen Umgang und die Arbeitshaltung betreffen. Solche Regeln können in der Einzeltherapie zwischen Therapeut vereinbart werden. Die folgende Übung bietet eine Anleitung hierzu. 6.5 Erarbeiten der Gruppenregeln als Poster Ziele Die Therapeuten arbeiten darauf hin, eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen, in der eine therapeutisch günstige Gruppenkohäsion entstehen kann. Die unten aufgeführten Regeln sollen so oder ähnlich in der Gruppe zusammen als Poster erarbeitet werden. Sie bleiben dann über den gesamten Kursverlauf an der Wand für jeden sichtbar hängen und sind, einmal vereinbart, verbindlich. Eine höhere Verbindlichkeit haben die Regeln erfahrungsgemäß, wenn sie von den Gruppenmitgliedern selbst angeschrieben werden. Wichtige Gruppenregeln sind z. B.: Pünktlichkeit Bei Nichterscheinen anrufen/mailen/simsen Den Kursleitern mitteilen, wenn sich die Stimmung verschlechtert etwas Neues auszuprobieren Sich nicht gegenseitig beleidigen oder auslachen Ausreden lassen Laut und deutlich sprechen?? Noch Fragen? Verschwiegenheit Mut

6.6 Quiz 91 6 Falls noch Zeit ist, kann auch mit Themen der Psychoedukation aus der 2. Sitzung begonnen werden. Geeignet hierfür ist AB 3: Wie eine Depression bei Jugendlichen entsteht oder Übung AB 4: Nina und ihre Freunde. 6.6 Quiz?? 1. Was sind wichtige Merkmale der KVT? 2. Welche Regeln gelten zukünftig hier? vv 1. behandelt erwartet befasst befasst befasst KVT: aktuelle Probleme, Aktivitäten von Jugendlichen und Therapeuten, sich vor allem mit Faktoren, die die Genesung verhindern, sich damit, ob und wie sich Gedanken und Überzeugungen negativ auf das Wohlbefinden auswirken, sich damit, welche Verhaltensweisen Probleme verschlechtern oder verbessern. Verlassen alter Gewohnheiten und Ausprobieren neuer Erfahrungen können nötig werden. 2. Wiederholen der aufgestellten Regeln An dieser Stelle können die vorbereiteten, mit dem jeweiligen Namen der Teilnehmer versehenen Mappen oder Schnellhefter verteilt werden ( Abschn. 5.2.1).

http://www.springer.com/9783642297908