Adolf Endler und Elke Erb Das bucklige Pferdchen Märchenspiel in Versen Nach dem Poem von P. Jerschow 1
henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin GmbH 2007 Als unverkäufliches Manuskript vervielfältigt. Alle Rechte am Text, auch einzelner Abschnitte, vorbehalten, insbesondere die der Aufführung durch Berufs- und Laienbühnen, des öffentlichen Vortrags, der Buchpublikation und Übersetzung, der Übertragung, Verfilmung oder Aufzeichnung durch Rundfunk, Fernsehen oder andere audiovisuelle Medien. Das Vervielfältigen, Ausschreiben der Rollen sowie die Weitergabe der Bücher ist untersagt. Eine Verletzung dieser Verpflichtungen verstößt gegen das Urheberrecht und zieht zivil- und strafrechtliche Folgen nach sich. Die Werknutzungsrechte können vertraglich erworben werden von: henschel SCHAUSPIEL Marienburger Straße 28 10405 Berlin Wird das Stück nicht zur Aufführung oder Sendung angenommen, so ist dieses Ansichtsexemplar unverzüglich an den Verlag zurückzusenden. F1 2
PERSONEN Das bucklige Pferdchen Der Marshall Der Zar Die Prinzessin Danilo ) ) s Brüder Gawrilo ) Die Stute Der Mond Der Wal Der Stadthauptmann Diener, Händler, Volk, Polizei 3
I. AUFZUG GROSSVÄTER Liebe Kinder, also Und? War einmal ein großer Hund. War einmal ein großer Köter. Und man nannte ihn nur Peter. Und weshalb hieß er nicht Klaus? So hieß doch die kleine Maus, die den Hund so sehr erschreckte, als sie ihre Zähne bleckte. Zu den Ziegen lief er schnell, unser Peter, mit Gebell. Und dann ist er mit den Ziegen in den höchsten Baum gestiegen, und dort tranken sie Kakao. Peter sagte froh: Wauwau! Eine Wolke kam und schaute. Und der Schneemann, ach, er taute. Auf den Bergen standen Wälder. Vor der Stadt begannen Felder. Besser, du bist endlich stumm. Denn das alles ist zu dumm. Hund und Ziege dann im Bette schnarchten eifrig um die Wette. Das war ein Märchen nebenher. Jetzt das richtige, ich schwör! 5
GROSSVÄTER, BRUDER, IWAN Brüder Gawrilo Danilo Auf der Erde, in der Welt warn drei Brüder und ein Feld. Einer galt als klug Danilo, der zweite als nicht dumm Gawrilo. Der dritte aber wurd im Land -Dummkopf nur genannt. Blöder, Dummer! Eines Tages trifft sie ein Kummer. Hört, im Weizen, auf dem Feld ward ein Diebstahl festgestellt. Auf dem Felde von Danilo, auf dem Felde von Gawrilo, auf dem Feld von -dumm wandert nachts ein Dieb herum. Welches Leid. Die armen Bauern bangen um ihr Korn und trauern. Unser schönes Weizenfeld! Ohne Weizen gibts kein Geld! Und nach langem Grübeln, Raten, Diskutieren und Beraten kamen sie zu dem Entschluß, daß man Wache halten muß. Als erster ging aufs Feld Danilo. Nach Danilo ging Gawrilo. Doch nach einer Stunde schon fürchteten sie sich und flohn. Schliefen dort im Stall verborgen. Und zu Haus, am andern Morgen hieß es: 6
Gawrilo War das eine Nacht Hab kein Auge zugemacht. Danilo Beide Und den Dieb doch nicht gesehen. Jetzt muß Wache stehen. ( schläft auf dem Ofen.) Danilo Gawrilo -Dummkopf, du bist dran! Wach auf! Danilo Steh auf! Die Nacht fängt an! Gawrilo Danilo Gawrilo Hör, wir werden dich belohnen! Erbsen kriegst du, Möhren, Bohnen! Und noch einen neuen Hut. Wirklich? Brüder Jetzt geh du. Na gut. AM FELD. IWAN, GROSSVÄTER, SPÄTER STUTE. Werd ich so ums Feld herumgehn und mich hier maln bißchen umsehn Ach, das ist ein schöner Strauch Wenn in den hinein ich krauch, sieht mich keiner. Wozu hetzen? Schließlich kann man sich auch setzen. He, was macht? Er schaut! He, was macht er nu? Er kaut. Was kaut er? 7
Na, Brot! Und jetzt? Gerad hat er ein Blatt zerfetzt. Nu? (Statt Nu vielleicht Jetzt.) Nu blickt er in die Ferne. Nu? Ich glaub, er zählt die Sterne. Und nu? Er singt. Und was? Na, n Lied! ( singt Hänschen klein.) Je, was bin ich müd. Ich denk, jetzt mach ich mal ne Pause, geh und wärme mich zu Hause. (Wiehern.) Nachbar, hast du das gehört? Nein, das war nichts, bloß ein Pferd. Wie? Da ist es ja, das Diebchen! Wart, ich komm dir hin, mein Liebchen. Schandgaul, Mähre, halt, du Tier! Oho ho hopps schon sitz auf dem Hals ich dir. Bloß verkehrt rum sitzt der Gute. Guck, wie sie sich wehrt, die Stute. Ha, mein Schätzchen, springe nur! Bauer, der bleibt stur. Werd dich lehren Weizen klauen! 8
Solln wirs Feld umsonst bebauen? Da versteh ich keinen Spaß. Friß du Unkraut, friß du Gras! Dreht den Kopf wie eine Schlange. Was? Jetzt bist du in der Zange! Krrrng! krrrng Stute Uff. Genug. Ich kann nicht mehr. Junge, schenke mir Gehör! Jetzt nenn ich dich meinen Herren, du mußt in den Stall mich sperren, denn ich bin in deiner Macht. ( springt ab, hört zu.) Dreimal wirds Tag und dreimal Nacht. Solang mußt du mich umsorgen. Nach der dritten Nacht, am Morgen bring zwei Pferde ich zur Welt. Die verkaufst du für viel Geld. Stute Stute Oh. Und dann kommt noch ein ganz kleines Pferdchen, ein besonders feines. Mit zwei meterlangen Ohrn und zwei Buckeln wirds geborn. Oh. Das behalt. Nicht für Dukaten, Kleider, Gürtel, Entenbraten, selbst für keine Königin gib du dieses Pferdchen hin. Mags auch bucklig und nicht grad sein, wird es doch dein Kamerad sein allezeit und überall. So. Jetzt führ mich in den Stall! ( führt die Stute in den Stall und verriegelt sorgfältig die Tür. Großväter ab. an der Hütte.) Ihr! Macht auf! Los, los! Ich friere. Pennen wie die Murmeltiere. Brüder Dummkopf, du? Was für ein Krach! 1 9