Lern- und Leistungsvoraussetzungen Konditionell Stützkraft Anteversionskraft Retroversionskraft Ganzkörperspannung Schulterbeweglichkeit Anzustrebende Bewegungsmerkmale Vorschwung Beim Abschwung leichte Überstreckung in der Hüfte Geringe Vorverlagerung der Schulter Beinschwung frühestens nach der Senkrechten Schulter in Endposition vor der Schulter bei weit geöffnetem ARW Dabei hohe Position des gesamten Körpers nahe der oberen Senkrechten mit nahezu gestrecktem Körper (keine Beugung der Hüfte) Rückschwung Kurzer energischer Beinschwung beim RS ab der unteren Senkrechten mit leicht überstrecktem Körper Keine Überstreckung am Ende des Rückschwungs Methodik Der Turner soll versuchen, durch Verlagerung der Schulter nach vorne und nach hinten zum Schwingen zu kommen. Dabei soll die Hüfte völlig gestreckt sein. Dies entspricht nicht dem Schwung in der Endform, aber dadurch wird vermieden, dass er nur die Beine hin und her bewegt, ohne dass sich die Hüfte von der Position zwischen den Händen bewegt. Flavio Bessi 2013 1
Aus dem Querstütz am Barrenende mit dem Blick nach innen rückschwung-betontes Schwingen in den Liegestütz vorlings mit zwei Helfern. Die Helfer unterstützen den Turner mit einer Hand am Oberarm und mit der anderen an der Oberschenkelvorderseite Aus dem Querstütz am Barrenende mit dem Blick nach außen vorschwung-betontes Schwingen in den Liegestütz rücklings mit zwei Helfern. Die Helfer halten die Turner an den Beinen. Bei entsprechender Schwunghöhe sollte die turnernahe Hand eher am der unteren LWS halten. Schwingen in der Barrenmitte mit vier Helfern. Vor allem bei größeren Gruppen kann man sich leisten, viele Helfer einzusetzen. Das erhöht zum einen die Sicherheit, da sich mehrere Personen das Gewichts des Turnenden teilen, erlaubt aber gleichzeitig viele Personen am "Üben" zu halten, ohne dass große Pausen entstehen. Bei dieser Übungen werden mindestens 5 Personen pro Barren beschäftigt. Schwingen in der Barrenmitte mit zwei Helfern. Im Prinzip ist das dieselbe Übung wie davor, nur dass sich hier zwei Helfer die Hilfeleistung teilen. Schwingen alleine mit der Absicht, die Amplitude des Schwunges nach und nach zu erhöhen. Der Grundsatz lautet: möglichst hoch aber ausreichend niedrig. Das bedeutet, dass der Turner nur so weit nach oben schwingen darf, wie er die Situation und die Endposition auch kontrollieren kann. 2 Flavio Bessi 2013
Begleitende Übungen Auf einer höheren Unterlage Füße nach vorne oben schieben (und somit die Schulter öffnen). Dabei Hüfte strecken, so dass der Körper eine Linie bildet. Häufige allgemeine Fehler und Korrekturen Der Turner lässt den ARW zu und bewegt ausschließlich die Beine (sowohl beim Vor- als auch beim Rückschwingen). Mit weniger Amplitude schwingen und verlangen, dass der Turner nur mit total gestreckter Hüfte turnt. Vorschwung Der Turner bringt beim Abschwingen zunächst die Füße nach vorne, so dass er durchschaufelt. Dadurch bekommt er keinen Vorschwung. Füße halten und Brust mit einer Hand am Rücken nach unten drücken. Flavio Bessi 2013 3
Zu starke Schultervorlage beim Abschwingen zum VS. Dadurch wird der Schwung reduziert. Schultervorlage minimieren. Ab der Waagerechten Blick nach vorne. Der Turner beugt beim VS die Hüfte. Trainer hält die Hand vorne bei den Füßen und der Turner hat die Vorgabe, dass er sie nicht berühren darf. Der Turner lehnt sich beim Vorschwingen zurück und dadurch schafft er den Übergang zum RS nicht mehr oder fällt vom Stütz nach hinten. Schulung der Vorschwungposition mit Trainer oder schräger Ebene. Zu flacher, niedriger VS. Der Trainer begleitet die Bewegung und schiebt die Schulter am Ende des VS nach vorne. Achtung! Oft entsteht eine Gegenaktion des Turners, der sich zurücklehnt. In diesem Falle Druck abbauen, damit er nach hinten fällt. Eher selten im Anfängerbereich: Die Schulter wird am Ende des VS zu weit nach vorne geschoben oder der Turner schwingt zu steil. Dadurch ist ein Übergang zum Rückschwung nicht oder kaum möglich. Vorschwung etwas flacher ansetzen. Rückschwung Gebeugte Beine Hinweis darauf, dass die Kniekehlen die Bewegung führen, nicht die Fersen. 4 Flavio Bessi 2013
Die Fersen werden zu lange eingesetzt oder gehalten. Der Turner kommt mit Überstreckung in den Handstand. Am Ende des RS Hinweis Rücken rund machen Der Kopf wird beim RS auf die Brust gebracht und die Fersen zur Überstreckung. Hinweis auf unveränderte Kopfhaltung Der Turner beugt die Arme, wenn er sich dem Handstand nähert. Dies kann mindestens zwei Gründe haben: 1. Unsicherheit: Der Turner hat Angst, so hoch zu schwingen (wahrscheinlich weil er den Handstand nicht beherrscht). 2. Aufgrund fehlender Schulterbeweglichkeit. Grund 1: Handstandtraining mit Zusatzgeräten Grund 2: Schulterbeweglichkeit verbessern Der Turner erreicht den Handstand. Er bildet aber keine Linie. Der Oberkörper ist überstreckt, dafür die Hüfte gebeugt. Das ist ein Problem des Handstandes, nicht des Rückschwungs. Dementsprechend soll dieser Fehler durch die Verbesserung der Handstandposition behoben werden. Literatur & Quellen BESSI, F. et al. (2009): Materialien für die Trainerausbildung im Gerätturnen. Band 2. 1. Aufl. Freiburg: Eigenverlag Flavio Bessi 2013 5