Wie soll individualisierte Medizin in evidenzbasierten Leitlinien umgesetzt werden? Eine Analyse von Leitlinienmanualen

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1 IFOM INSTITUT FÜR FORSCHUNG IN DER OPERATIVEN MEDIZIN Wie soll individualisierte Medizin in evidenzbasierten Leitlinien umgesetzt werden? Eine Analyse von Leitlinienmanualen Michaela Eikermann, Tim Mathes, Christoph Mosch, Maren Walgenbach, Edmund Neugebauer Institut für Forschung in der operativen Medizin (IFOM) Lehrstuhl für Chirurgische Forschung - Universität Witten/Herdecke Direktor: Univ.-Prof. Dr. Prof. h.c. Edmund A. M. Neugebauer 12. Jahrestagung des Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.v. (DNEbM), 24. bis 26. März 2011 in Berlin

2 Hintergrund Individualisierte Medizin als Zukunftsvision für eine verbesserte Gesundheitsversorgung [1] Entwicklung präventiver und therapeutische Interventionen insbesondere für komplexe Krankheiten Optimierte Behandlungskonzepte Hohe therapeutische Wirksamkeit Minimierung der Nebenwirkungen Förderung der Entwicklung innovativer individualisierter Versorgungskonzepte [2] 1. Zukunftsreport des Büros für Technikfolgenabschätzung (TAB) Individualisierte Medizin und Gesundheitssystem,. Verfügbar unter: 2. Bundesministerium für Bildung und Forschung. Rahmenprogramm Gesundheitsforschung der Bundesregierung. Bonn, Berlin Verfügbar unter:

3 Hintergrund Leitlinien und individualisierte Medizin Potential: Implementierung von sinnvollen (evidenzbasierten) individualisierten Behandlungskonzepten Gefahr: Implementierung von nicht belegten / nicht nützlichen Interventionen Aktueller Status: Empfehlungen zu individualisierten Behandlungskonzepten finden zunehmend Eingang in Leitlinien [1] Die zugrundeliegende Evidenz ist jedoch häufig unklar, limitiert oder widersprüchlich [1] 1. Kelley R, van Bebber S, Philipps K. Personalized Medizin and Oncology Practice Guidelines: A case study of contemporary Biomarkers in Colorectal Cancer. JNCCN Vol. 9 (1); 2011

4 Fragestellung und Ziel Wie / zu welchem Zeitpunkt können individualisierte Versorgungskonzepte in evidenzbasierten Leitlinien aufgenommen werden? Welche Anforderungen an die zugrunde liegende Evidenz können / müssen gestellt werden? Ziel: Statuserhebung zur Thematisierung und methodischen Operationalisierung individualisierter Medizin im Rahmen der Leitlinienerstellung

5 Methoden Analyse von Leitlinienmanualen Recherche bei: Mitgliedorganisationen der Guidelinies International Network (G-I- N) AWMF Mitglieder ergänzend: weitere onkologische Fachgesellschaften Sonstige Einschlusskriterien: Publikationszeitraum: 2000 Dezember 2010 Sprachen: deutsch, englisch, französisch Suche in den pdf-dokumenten mittels Indikatorbegriffen (spezifisch)

6 Methoden Analysefragen: Wird individualisierte Medizin (IM)* in den Manualen thematisiert? Werden individualisierte Medizin und verwandte Begriffe definiert? Werden Anforderungen an die Evidenzbasis für Empfehlungen zu individalisieren Behandlungs-konzepten formuliert? Werden Vorgaben / Empfehlungen zur Formulierung individualisierter Leitlinien-Empfehlungen gemacht? * IM definiert als therapeutische Nutzung individueller Variationen genetischer oder molekularbiologischer Ausprägungsmerkmale

7 Ergebnisse 63 Leitlinienmanuale wurden identifiziert Konzept zum Umgang mit IM in Leitlinien in keinem Manual Explizite Erwähnung IM in 1 Manual : [ ] However it is argued that treatment decisions need to be individualised and the treatment should be targeted to patients in whom it is expected to do more good than harm. [1] Keine methodische Operationalisierung Allerdings in einigen Manualen weniger spezifische Hinweise (z. B. Berücksichtigung Subgruppen) 1. NHMRC - National Health + Medical Research Council. How to use the evidence: assessment and application of scientific. Handbook series on preparing clinical practice guidelines 2000; Available from:

8 Zusammenfassung Das Thema individualisierte Medizin wird in Leitlinienmanualen noch wenig bis gar nicht angesprochen. Die grundsätzliche Notwendigkeit einer gezielten, auf bestimmte Patientengruppen abgestimmten Behandlung wird von vielen Leitliniengruppen jedoch gesehen. Wann und auf welcher Evidenzbasis Empfehlungen zu individualisierten Behandlungskonzepten gegeben werden sollen, wird von den Leitliniengruppen bisher nicht festgelegt.

9 Diskussion Limitationen und Schwierigkeiten: Analyse nur der Leitlinienmanuale, keine Recherche auf den Websites Schwerpunkt vieler Leitlinienmanuale ist der Prozess der Leitlinienerstellung Spezifische Indikatorbegriffe Unklarheit der Begriffe: Keine einheitliche Definition und kein einheitliches Verständnis von IM

10 Diskussion Zur Nutzung der IM im Rahmen der Routineversorgung sind weitreichende Implementierungskonzepte notwendig, die auch relevant für Leitlinien sind z. B. Generierung einer Evidenzbasis Berücksichtigung von Ausbildung, Ressourcen, Organisation, Patientenpräferenzen, etc. Entwicklungen auf dem Gebiet der IM möglicherweise zu schnell um bereits im Leitlinienmanualen abgebildet zu sein.

11 Fazit Leitlinienempfehlungen auf der Basis individualisierter Medizin zu formulieren stellt zur Zeit noch eine Herausforderung dar, da bisher wenig methodische Vorgaben bestehen. Weitere Methodenentwicklung und diskussion auf Basis einer einheitlichen Definition ist notwendig.

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