6. Wechselkurse. Dr. Felix Heinzl. Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 1 / 19

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1 6. Wechselkurse Dr. Felix Heinzl Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 1 / 19

2 6. Wechselkurse 6.1 Motivationsbeispiel Preisniveau in Region 1 Verbraucherpreisindex von t = 0 auf t = 2 für einen deutschen Ort nahe der Schweizer Grenze (siehe Übungsaufgabe 1): Obst Kaffee t = 0 t = 2 Preis in je Pfund 1,30 1,00 Menge in Pfund Preis in je kg 5,00 5,00 Menge in kg V P I 0,2 = 2 i=1 p(i) t q (i) 0 2 i=1 p(i) 0 q(i) 0 = , = 370 0, Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 2 / 19

3 6. Wechselkurse 6.1 Motivationsbeispiel Preisniveau in Region 2 Verbraucherpreisindex von t = 0 auf t = 2 in einem Schweizer Ort nahe der deutschen Grenze: Obst Kaffee t = 0 t = 2 Preis in CHF je Pfund 1,50 1,60 Menge in Pfund Preis in CHF je kg 6,00 6,50 Menge in kg V P I 0,2 = 2 i=1 p(i) t q (i) 0 2 i=1 p(i) 0 q(i) 0 = 1, , , = 388 1, Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 3 / 19

4 6. Wechselkurse 6.1 Motivationsbeispiel Preisniveau in Region 2 in Euro Verbraucherpreisindex von t = 0 auf t = 2 in einem Schweizer Ort nahe der deutschen Grenze mit Preisen in Euro: t = 0 t = 2 Wechselkurs 1,2 CHF : 1 1 CHF : 1 Obst Kaffee t = 0 t = 2 Preis in je Pfund 1,25 1,60 Menge in Pfund Preis in je kg 5,00 6,50 Menge in kg V P I 0,2 = 2 i=1 p(i) t q (i) 0 2 i=1 p(i) 0 q(i) 0 = 1, , , = 388 1, Durch die Veränderung des Wechselkurses ist das Preisniveau in dem Schweizer Ort aus Sicht des deutschen Ortes effektiv noch deutlicher angestiegen. Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 4 / 19

5 6. Wechselkurse 6.2 Allgemeines Nominaler Wechselkurs Nominaler Wechselkurs: Preis einer Währung, ausgedrückt in einer anderen Währung. Zwei Berechnungsmethoden: Preisnotierung: Preis der ausländischen Währung in einheimischer Währung z. B. E = 0, 92 /$ Mengennotierung: Preis der einheimischen Währung in ausländischer Währung z. B. E 1 = 1, 09 $/ Quelle: Blanchard and Illing (2009) Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 5 / 19

6 6. Wechselkurse 6.2 Allgemeines Abbildung: Preis eines Euros in US-Dollars in den letzten 3 Jahren (Quelle: Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 6 / 19

7 6. Wechselkurse 6.2 Allgemeines Relativer Preis eines Guts Preis eines ausländischen Gutes relativ zum Preis eines inländischen Gutes: E p p E p p Nominaler Wechselkurs, Preis für ein Gut im Ausland (in ausländischer Währung), Preis für ein Gut im Inland (in inländischer Währung). Beispiel: Big-Mac-Index Durchschnittlicher Preis eines Big-Macs in den USA: p = 4, 80 $ Durchschnittlicher Preis eines Big-Macs in Deutschland: p = 3, 67 E p p = 0, 92 $ 4, 80 $ = 1, 2 3, 67 Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 7 / 19

8 6. Wechselkurse 6.2 Allgemeines Realer Wechselkurs Realer Wechselkurs: Relativer Preis eines bestimmten Warenkorbs: ɛ = E P P E P P Nominaler Wechselkurs, Ausländisches Preisniveau, Inländisches Preisniveau. Erläuterungen: Realer Wechselkurs korrigiert nominalen Wechselkurs um Inflationseffekte. Realer Wechselkurs ist Indexzahl (misst relative Änderungen). Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 8 / 19

9 6. Wechselkurse 6.3 Kaufkraftparität Kaufkraftparität ɛ E P P! = 1 = 1 E = P P E P P Kaufkraftparitäts-Wechselkurs, Ausländisches Preisniveau, Inländisches Preisniveau. Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 9 / 19

10 6. Wechselkurse 6.3 Kaufkraftparität Fehlende Kaufkraftparität Schwache einheimische Währung: E > E E > P P E P > P Güter im Ausland sind teurer als im Inland. Starke einheimische Währung: E < E E < P P E P < P Güter im Ausland sind billiger als im Inland. Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 10 / 19

11 6. Wechselkurse 6.3 Kaufkraftparität Folgen einer schwachen Währung Szenario: Einheimische Währung ist relativ schwach im Vergleich zu einer anderen Fremdwährung. Vorteile: Eigene Produkte sind für das Fremdwährungsausland vergleichsweise billig Gute Exportmöglichkeiten Steigerug der Nachfrage Wirtschaftswachstum Steigerung der Beschäftigung Hohe Nachfrage nach einheimischer Währung (bei Vertrauen in die Währung) Nachteile: Geringe Kaufkraft bei nach der Fremdwährung ausgewiesenen Produkten Import von Produkten vergleichsweise teuer Niedrige Preise im Inland Niedrige Löhne Niedriger Lebensstandard Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 11 / 19

12 6. Wechselkurse 6.3 Kaufkraftparität Reaktion des Wechselkurses bei schwacher Währung Szenario: Schwache einheimische Währung: E > E Unter konstanten Preisen gilt: Hohe Nachfrage nach einheimischer Währung Preis für einheimische Währung steigt Aufwertung der einheimischen Währung E sinkt Hohe Nettoexporte Exporteure erhalten ausländische Währung, wollen aber einheimische Währung Überangebot an ausländischer Währung im Vergleich zur einheimischen Währung Aufwertung der einheimischen Währung E sinkt Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 12 / 19

13 6. Wechselkurse 6.3 Kaufkraftparität Reaktion des Wechselkurses bei starker Währung Szenario: Starke einheimischer Währung: E < E Unter konstanten Preisen gilt: Geringe Nachfrage nach einheimischer Währung Preis für einheimische Währung sinkt Abwertung der einheimischen Währung E steigt Hohe Nettoimporte Importeure bezahlen mit einheimischer Währung Überangebot an einheimischer Währung im Vergleich zur ausländischen Währung Abwertung der einheimischen Währung E steigt Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 13 / 19

14 6. Wechselkurse 6.3 Kaufkraftparität Theorie der Kaufkraftparität Ist Kaufkraftparität nicht gegeben: Arbitragemöglichkeit Langfristig dürfen Preisunterschiede nicht bestehen bleiben E passt sich so an, dass ein Gleichgewicht erreicht wird: Bei schwacher einheimischer Währung: E > E E sinkt bis E = E gilt Bei starker einheimischer Währung: E < E E steigt bis E = E gilt Aber: Absolute Kaufkraftpariät wird nicht erreicht, denn: Handelsströme reagieren bei vielen Gütern nur langsam Nicht alle Güter sind handelbar (z.b. Wohnungen, Dienstleistungen) Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 14 / 19

15 6. Wechselkurse 6.4 Fallbeispiele Beispiel: Koppelung des Schweizer Franken an den Euro : Schweizer Nationalbank (SNB) erklärt, sie will keinen Wechselkurs unter 1,2 CHS/ mehr tolerieren Grund: Drastische Aufwertung des Schweizer Franken in den vorangegangenen Monaten Deutliche Verteuerung Schweizer Güter im Ausland Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz in Gefahr Mittel: Unbeschränkter Ankauf von Devisen : SNB gibt Kopplung des Schweizer Franken an den Euro auf Gründe: Kosten zur Aufrechterhaltung des Mindestwechselkurs auf die Dauer zu hoch Neue Sachlage: Unterschiedliche Wirtschaftsentwicklungen in USA und Europa Mittel, um Schweizer Franken nicht zu attraktiv zu machen Senkung der Negativzinsen von -0,5% auf -0,75%. Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 15 / 19

16 6. Wechselkurse 6.4 Fallbeispiele Abbildung: Preis eines Euros in Schweizer Franken in den letzten 5 Jahren (Quelle: Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 16 / 19

17 6. Wechselkurse 6.4 Fallbeispiele Abbildung: Preis eines Euros in Schweizer Franken im letzten Jahr (Quelle: Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 17 / 19

18 6. Wechselkurse 6.4 Fallbeispiele Beispiel: Grexit Problem einer gemeinsamen Währung im Euroraum: Sehr heterogene Wirtschaftsräume sind an dieselben Wechselkurse gebunden. Wirtschaftsschwachen Ländern wie Griechenland fehlt die Möglichkeit einer Abwertung der eigenen Währung, um Exporte/Wirtschaft anzukurbeln. Allerdings: Griechenland ist keine Export-Nation wäre Abwertungsmöglichkeit überhaupt ein großer Vorteil? Abwertung einer neuen Währung würde auch Erhöhung der Schulden bedeuten. Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 18 / 19

19 Quellen Quellen finanzen.net gmbh. https://www.finanzen.net. Zugriff: Blanchard, O. and G. Illing (2009). Makroökonomie (5th ed.). München: Pearson Studium. Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 19 / 19

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