Teil C. Phase der Angebotserstellung - Projektrisiken in der Angebotsphase -

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1 Teil C Phase der Angebotserstellung - Projektrisiken in der Angebotsphase -

2 3 Grundlagen Risikoidentifikation und Risikosteuerung 21 3 Grundlagen Risikoidentifikation und Risikosteuerung Nach der Entscheidung zur Vorgehensweise bei der Bearbeitung des Angebotes hat in der Regel die entsprechend detaillierte Sichtung der Ausschreibungsunterlagen und eine Klärung eventueller sonstiger Randbedingungen zu erfolgen, sodass sich zunächst ein Gesamtbild aus primär technischen und vertraglichen Randbedingungen ergibt. Um hieraus Risiken leichter oder schneller erkennen zu können, wurden Checklisten erarbeitet und zusammengestellt. In einzelnen Checklisten wird die bereits im Rahmen der Risikopotentialanalyse verwendete Einteilung in Risikobereiche nach technischen, vertraglichen, terminlichen und wirtschaftlichen Risiken beibehalten. In der Phase der Angebotserstellung werden jedoch gegenüber der Risikopotentialanalyse detaillierte Formulare und Checklisten verwendet. 3.1 Risikoidentifikation Im Rahmen der in diesem Buch dargestellten Systematik wird bei der Risikoidentifikation und später auch bei der Risikosteuerung grundsätzlich nach zwei Risikogruppen unterschieden. Risikogruppe 1 Hierzu zählen die Risiken, die sich primär aus dem Realisierungsprozess, der Formulierung der Vorbemerkungen oder der Formulierung der einzelnen Positionen des Leistungsverzeichnisses ergeben. Sie sind demnach überwiegend technischer, zum Teil aber auch vertraglicher Natur. Für diese Risiken kann eine quantitative Bewertung erfolgen. Die erkannten und analysierten Risiken der Risikogruppe 1 werden, soweit möglich, direkt in den einzelnen Positionen der Kalkulation berücksichtigt. Zur Erkennung der Risiken wird eine Checkliste verwendet, die die Relevanz des Risikos verdeutlicht und darüber hinaus Risikomaßnahmen sowie Kosten benennt. Risikogruppe 2 Hierzu zählen die Risiken, die tendenziell sehr schwer oder nicht quantifiziert werden können. Sie sind überwiegend in den Bereichen der wirtschaftlichen, vertraglichen und terminlichen Risiken zu finden. Anhaltspunkte für diese Risiken lassen sich regelmäßig in Vertragsbedingungen und Vorbemerkungen finden.

3 22 Teil C Phase der Angebotserstellung Die Risiken der Risikogruppe 2 werden analog der Verfahrensweise zur Risikopotentialanalyse bewertet und sollen dann indirekt in die Kalkulation mit einfließen. Über das Ergebnis der Risikoanalyse für die Risiken der Risikogruppe 2 soll letztendlich eine Art Wagniszuschlag ermittelt werden, der so diese Risiken in der Kalkulation entsprechend abbildet. Umfang der Risikoidentifikation Für die angesprochene Zielgruppe ist es als hinreichend anzusehen, wenn eine Risikoidentifikation und Bewertung für die jeweilige Risikogruppe über die zuvor angedeuteten Verfahren erfolgt. Bei umfangreicheren Analysen und Auswertungen bis hin zu Ansätzen unterschiedlicher Wahrscheinlichkeitsverteilungen für einzelne Risikogruppen und Ermittlung von Grenzschäden und Grenzschadenwahrscheinlichkeit steht der Zugewinn an Information nicht im Verhältnis zu dem zu investierenden Aufwand. Ergänzend zum klassischen Ansatz einer Checklistenauswahl Relevant ja/ nein empfiehlt es sich gleichzeitig stark abgegrenzte Risikosteuerungsmaßnahmen festzulegen. Die möglichen Varianten der Risikosteuerung und die empfohlene spezifische Umsetzung werden im Folgenden näher erläutert. 3.2 Risikosteuerung Im Rahmen der Risikosteuerung wird auf Grundlage der Risikoidentifikation und in der Regel auch einer Risikobewertung festgelegt, welche Risiken Handlungsbedarf auslösen und wie mit ihnen umgegangen bzw. wie auf sie reagiert werden soll. Für einzelne Risiken sind dabei auch fest vorgegebene Risikosteuerungsmaßnahmen aufgrund risikopolitischer Entscheidungen im Unternehmen denkbar Der grundlegende Konflikt Unabhängig von der spezifischen Maßnahme zur Risikosteuerung wird man generell einen offensichtlichen Konflikt bei der Entscheidung für die eine oder andere Vorgehensweise nie endgültig lösen können. Ein risikominimierter Bauablauf kostet Geld Vorbeugende Maßnahmen diese werden bereits im Vorfeld oder während des Projektes präventiv ergriffen ergeben eine risikoärmere Baudurchführung. Diese vorbeugenden Maßnahmen verursachen

4 3 Grundlagen Risikoidentifikation und Risikosteuerung 23 jedoch Kosten, die vorab unabhängig vom tatsächlichen Auftreten des Risikos aufgebracht bzw. kalkuliert werden müssen. 23 Auch ein risikoreicher Bauablauf kostet Geld Nachträgliche Maßnahmen diese werden erst beim Eintreten des Risikos eingeleitet verursachen gegebenenfalls Regulierungs- und Folgekosten, wie zum Beispiel Vertragsstrafen, Schadenersatzforderungen, erhöhten Personalbedarf. Diese Kosten fallen nachträglich aber nur dann an, wenn das Risiko tatsächlich eintritt; dann jedoch häufig in erheblichen Größenordnungen. Eine Entscheidung tendenziell eher zur einen oder anderen Herangehensweise wird in der Regel von der Risikophilosophie und dem Sicherheitsbedürfnis des einzelnen Unternehmens bzw. Unternehmers sowie von dem spezifischen Projekt abhängen. Eine allgemein gültige Empfehlung für die eine oder andere Herangehensweise kann nicht ausgesprochen werden. Wichtig wird diese grundlegende Frage auch dann, wenn auf ein Unternehmen externe Sicherheitsbedürfnisse einwirken, wie dies beispielsweise durch Kapitalgeber der Fall sein könnte, die an einer Sicherung und Verzinsung ihres Kapitals interessiert sind Ansätze der Risikosteuerung Für die Steuerung und Behandlung von Risiken werden im Allgemeinen analog zum zuvor beschriebenen Konflikt zwei grundsätzliche Ansätze unterschieden: der ursachenbezogene / präventive Weg der Risikovermeidung oder Risikominderung und der auswirkungsbezogene / korrektive Weg der Risikokompensation oder Risikoüberwälzung. 24 Der Bereich der Risikokompensation sollte auf minimale Risiken beschränkt sein, sodass mit Eintritt des Risikofalles auch nur geringe Kompensationsmaßnahmen ergriffen werden müssen. Bezogen auf Bauprozesse verwendet BAUCH in seinen Ausführungen eine spezifisch abgewandelte Betrachtung. Er spricht generell von Sicherungsmaßnahmen, die er ähnlich den zuvor genannten in Eliminationsmaßnahmen und Kompensationsmaßnahmen unterteilt. Einen beispielhaften Überblick gibt Tabelle C Vgl. Bauch: S. 73 Auf eine detailliertere Beschreibung dieses Teilaspektes wird in diesem Buch verzichtet, da die einschlägige Literatur diese in großer Anzahl bereit hält und dies nicht Schwerpunkt dieses Buches ist.

5 24 Teil C Phase der Angebotserstellung Tabelle C.1 Prozess-Sicherungsmaßnahmen nach ROTHKEGEL und BAUCH 25 Elimination (aktiv) Kompensation (passiv) Sicherung (direkt) Sicherheit (indirekt) Rettung (direkt) Versicherung (indirekt) produktionstechn. Sicherungsmaßnahmen wie z.b. - vorbeugende Instandhaltung - Einhausungen - Vorhaltung entsprechender Geräte produktionsorganisatorische Sicherheitsmaßnahmen wie z.b. - Leistungsreserven - Terminreserven - Systemredundanzen produktionstechn. und organisatorische Maßnahmen zur Regulierung von Störungen wie z.b. - operative Planungsänderung - Sofortmaßnahmen übergeordnete Maßnahmen zur Schaffung von Verfügungsfonds wie z.b. - Versicherungen - Kapital- und Materialreserven Die Autoren sehen einen zu bevorzugenden Weg der Risikosteuerung in der ursachenbezogenen, präventiven Vorgehensweise bzw. Elimination, ergänzt um die Möglichkeit der Versicherung. Dies wird empfohlen, da der Ansatz des korrektiven, also reagierenden Handelns zunächst/zuvor auch die Risikoakzeptanz beinhaltet. Die mit diesem Buch angesprochenen Unternehmen verfügen jedoch in der Regel nicht über größere Eigenkapitalreserven. Damit können wiederholt erforderlich werdende Kompensationsmaßnahmen unter Umständen erhebliche Gefährdungen für die Existenz dieser Unternehmen darstellen. Des Weiteren sind gerade auch kleinere Unternehmen in aller Regel als Nachunternehmer tätig, sodass sich ihnen damit oft auch der Weg der Überwälzung von Risiken nicht eröffnet. Der empfohlene Weg der ursachenbezogenen, präventiven Vorgehensweise bzw. der Elimination befriedigt darüber hinaus auch das zum Teil stärker werdende Sicherheitsbedürfnis von Kapitalgebern. Inwieweit die tendenzielle Verfolgung dieser Vorgehensweise zum Beispiel Einfluss auf eine mögliche aktive Mitgestaltung von Kreditkonditionen haben kann, wird in Teil F erläutert. 25 Vgl. Bauch: S. 64

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