Einordnung der Instrumente mit Blick auf Akteure und Sanierungshemmnisse

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1 WWF, Workshop Sanierungsrate hochschrauben aber wie? Einordnung der Instrumente mit Blick auf Akteure und Sanierungshemmnisse Walter Ott, econcept AG, Zürich

2 Anforderungen an Instrumente zu Energie- und Klimaeffizienz Forderung an Instrumente: Effektiv, effizient, geringe unerwünschte Nebenwirkungen, möglichst einfach/praktikabel, flexibel, durchsetzbar, gerecht Effektiv und effizient : Marktwirtschaftliche Instrumente, die Preismechanismus nutzen, falls Preismechanismus wirken kann: Energie-/CO 2 -Abgaben: Wirken dynamisch, global auf alle Verbraucher, treiben Effizienzinnovation Im Gebäudebereich wegen Nutzer-/Eigentümerdilemma aber nur bedingt geeignet Wenn marktwirtschaftliche Instrumente nicht oder zu wenig wirksam: Ordnungsrechtliche Instrumente (ev. kombiniert mit flankierenden Abgaben als Element der Grundsteuerung): Im Gebäudebereich sind Effizienzvorschriften wirksamer als Abgaben (ev. Kombination) Bestehende Bauten: Effizienzvorschriften wirken ohne Sanierungspflicht nur teilweise Effektive energ. Gebäude-Vorschriften müssen anspruchsvoll sein & periodisch angepasst werden Förderbeiträge, wenn die übrigen Instrumente nicht wirken oder nicht durchsetzbar sind Wenn schon, dann wenigstens leistungsorientiert (keine Belohnung für Einhaltung Vorschriften) Grosse politökonomische Risiken, in der Regel grosse Mitnahmeeffekte, wenig effizient, hohe Opportunitätskosten,Aufbau Förderstrukturen und Subventionsmentalität mit Beharrungsvermögen 2 / WWF Workshop / Sanierungsrate hochschrauben / 17. Januar 2013

3 Marktwirtschaftliche Ansätze zur Steigerung Sanierungsrate Energie- und/oder CO 2 -Abgaben, Zertifikatslösungen Abgaben und Zertifikate wirken nur bei Selbstnutzenden direkt, bei vermieteten Objekten reduzierter Effekt Bessere Wirkung falls Mietverträge auf Bruttomiete statt Nettomiete + NK basieren müssen; erfordert aber Anpassung von Mietrecht und OR (?), Kostenmiete wird abhängig von (schwankenden) Energiepreisen Auswirkungen auf Sanierungsrate ist geringer als auf die Effizienzsteigerung und den Einsatz Erneuerbarer bei Sanierungen Wenn die Abgaben nicht sehr hoch sind, ist der Einfluss auf den wirtschaftlich optimalen Sanierungszeitpunkt gering Marktwirtschaftliche Instrumente sind effizient aber nur bedingt effektiv (bezüglich Energie-/THG-Einsparungen), Akzeptanz marktwirtschaftlicher Lösungen ist schwer zu erreichen (ausser bei Gewährung vieler Ausnahmen; Akzeptanz bei sehr wirksamen Instrumenten ist aber generell schwierig) 3 / WWF Workshop / Sanierungsrate hochschrauben / 17. Januar 2013

4 Ordnungsrechtliche Ansätze zur Steigerung Sanierungsrate Einführung einer energetischen Sanierungspflicht, beispielsweise (Mehrjährige ) Frist zur Vornahme energetischer Sanierung auf Niveau gesetzliche Vorschriften für bestehende Bauten, wenn spezif. Verbrauchsgrenze [MJ/m 2 ] überschritten Energetische Sanierungspflicht falls (zeitlich degressive) Obergrenze für Energie- Nebenkosten pro m 2 überschritten ist Verbesserung Akzeptanz mit flankierendem Förderprogramm und ev. Energieabgaben Effizienzvorschriften und Vorschriften zur Nutzung erneuerbarer Energien Verzögern energetische Sanierungen, falls nicht mit Sanierungspflicht verbunden Führen zu schrittweisen kleineren Erneuerungen ohne energetischen Nachweis Können aber in Verbindung mit Sanierungspflicht sowohl energetische Sanierungsrate als auch Energie- und THG-Reduktionen erhöhen. Eigenschaften: Effektiv und effizient (falls nicht zu wenig anspruchsvoll oder viel zu anspruchsvoll) Problematische Akzeptanz Reduzieren günstigen Wohnraum in energetisch schlechten Bauten schneller Risiko zu geringer Anforderungen aus Akzeptanzgründen und verzögerter Anpassung an veränderte Umfeldbedingungen (Technologie-, Kosten- und Preisentwicklungen) 4 / WWF Workshop / Sanierungsrate hochschrauben / 17. Januar 2013

5 Beiträge/Subventionen zur Steigerung Sanierungsrate Beiträge/Subventionen/Steuerabzüge heute: Primär Anreiz für energetische Verbesserungen bei Sanierungen, kann dadurch energetische Massnahmen bei Sanierungen auslösen/verbessern höhere Rate energetischer Massnahmen bei Sanierungen höherer energetischer Standard bei Sanierungen aber Rate von Gebäudesanierungen kaum beeinflusst Wirksamkeit Beiträge/Subventionen/Steuerabzüge Förderung zu wenig leistungsorientiert, zu geringe Anforderungen an Beiträge, zu wenig harmonisiert (teilweise Doppelförderung) Zum Teil hohe Mitnahmewirkungen wenig effizient und zu wenig effektiv Risiko der Etablierung von Erwartungshaltungen (Subventionsmentalität) Steuerabzüge zugunsten von leistungsorientierten Beiträgen abschaffen, hohe Opportunitätskosten 5 / WWF Workshop / Sanierungsrate hochschrauben / 17. Januar 2013

6 Steuerrecht, Steuerabzüge Aktuelle Steuerabzüge sind wenig effektiv, ineffizient, ungerecht Abzüge sind nicht leistungsorientiert, belohnen schon Einhalten gesetzlicher Vorschriften Können v.a. bei professionell planender Eigentümerschaft Auslösewirkung haben und Massnahmeneffizienz steigern, da je nach Situation sehr hohe resultierende Beiträge Intransparent, Gefahr kostspieliger Doppelförderung und der Mittelverschwendung, ungerecht (Beitrag von steuerbarem Einkommen abhängig, werden i.d.r. nicht an Mietende weitergegeben, da intransparent) Fördern kleinere schrittweise Erneuerungen, um die Steuern zu optimieren Trotz hoher Akzeptanz (infolge Koalition Steuervermeidende) und «kreativer» Vorschläge für ihren weiteren Ausbau sollten sie abgebaut werden (vgl. Position EFD) Wenn Abzüge aber weiterhin gewährt werden: Wenigstens nur für Massnahmen gemäss vorgegebenem Katalog, welche anspruchsvolle Mindeststandards übertreffen, abzugsfähig machen Es besteht ein Trade-off zwischen erwünschter «Förderung umfassendere Sanierungen» zu «noch grösseren Beiträgen bei Erlaubnis Anrechnung Abzüge über mehrere Jahre» 6 / WWF Workshop / Sanierungsrate hochschrauben / 17. Januar 2013

7 Information/Beratung/Weiterbildung zur Steigerung Sanierungsrate Eigentümerschafts-/Bauherrschaftskompetenz ist zentral für Überwindung Sanierungshemmnisse Voraussetzung: Strategieentwicklung und langfristige Planung Objektbewirtschaftung, -erneuerung und Erneuerungsprozesse für jedes Objekt Nutzung Beratungsmöglichkeiten und Beizug professioneller Projektplaner und kompetenter (fortschrittlicher) Unternehmungen bei Sanierungsvorhaben Keine Förderung im Bereich der Gebäudesanierung ohne Sanierungskonzept, Variantenprüfung und Energieberatung/-coaching: Vgl. GEAK Plus, Energiecoaching Stadt Zürich, Beiträge an Energieberatung im Beitragsprogramm der Stiftung Klimarappen, etc. Beiträge an Beratung und Coaching sowie Aus- und Weiterbildung von Beratenden und Coaches sind für Sanierungen effektiv und effizient fördern Effizienzsteigerung und Einsatz Erneuerbare bei Sanierung können auslösend wirken (durch Risikominderung und Vertrauensvermittlung) höhere energetische Sanierungsrate 7 / WWF Workshop / Sanierungsrate hochschrauben / 17. Januar 2013

8 Schlussbemerkungen (1) Massnahmendiskussion wird durch Interessen-/Akzeptanzzwänge geprägt sein Trotzdem Überblick behalten, rationale Konzepte zur Zielerreichung anstreben Aus Sicht Energie-/Klimaziele interessieren die energetischen Sanierungen Kosteneffiziente energetische Sanierungen erfolgen bei ohnehin erforderlichen Sanierungen zerstören aus Kosteneffizienzgründen möglichst wenige noch länger funktionsfähige Bauelemente Visieren anspruchsvolle in Zukunft erforderliche Standards an und bilden kostenoptimale Pakete von Sanierungsmassnahmen Beschleunigung heisst dann primär Jedes energetisch relevante Bauteil wird bei dessen Sanierung energetisch massiv verbessert Massnahmen werden vorgezogen, wenn sich das unter Berücksichtigung der Risiken lohnt Massnahmenpakete umfassen alle Massnahmen, die sich unter Berücksichtigung ihrer Lebensdauer, allfälliger Paketvorteile und der Risiken lohnen (Trade-off sofort Investieren vs. Warten) 8 / WWF Workshop / Sanierungsrate hochschrauben / 17. Januar 2013

9 Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

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