Hygiene, Mikrobiologie und Ernährungslehre für Pflegeberufe

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1 Reihe, KRANKHEITSLEHRE Hygiene, ikrobiologie und Ernährungslehre für Pflegeberufe Bearbeitet von artin Beutel, Herbert Hof, Gundolf Keil, Ulrich F. Klein, Uwe Liebert, Stefan Schubert, Christian Jassoy, Andreas Schwarzkopf 1. Auflage Taschenbuch. 360 S. Paperback ISBN Format (B x L): 17 x 24 cm Weitere Fachgebiete > edizin > Human-edizin, Gesundheitswesen > Präventivmedizin, Gesundheitsförderung, edizinisches Screening Zu Inhaltsverzeichnis schnell und portofrei erhältlich bei Die Online-Fachbuchhandlung beck-shop.de ist spezialisiert auf Fachbücher, insbesondere Recht, Steuern und Wirtschaft. Im Sortiment finden Sie alle edien (Bücher, Zeitschriften, CDs, ebooks, etc.) aller Verlage. Ergänzt wird das Programm durch Services wie Neuerscheinungsdienst oder Zusammenstellungen von Büchern zu Sonderpreisen. Der Shop führt mehr als 8 illionen Produkte.

2 13 Krankenhaushygiene Hygienemanagement impflegebereich Håndehygiene Eine effektive Håndehygiene besteht aus 3 Teilen: 1. Håndereinigung bzw. Håndewåsche, 2. Håndedesinfektion, 3. Handpflege. Jeder dieser 3 Punkte ist fçr die Håndehygiene unverzichtbar und soll im Folgenden kurz vorgestellt werden. Zur Håndehygiene informiert Sie auch ein Film auf der CD. Håndereinigung bzw. Håndewåsche Die Håndereinigung dient der Entfernung von grobem Schmutz. Damit ist sowohl der sichtbare Schmutz gemeint, wie auch der, der unseren Augen nicht auffållt. Auch Hånde, die nichts anfassen, ¹verschmutzenª: Hautschuppen, Schweiûrçckstånde und Fett lagert sich auf der Hornschicht der Haut ab. Deswegen hinterlassen wir auch dann noch Fingerabdrçcke, wenn wir unsere Hånde gerade erst gewaschen haben. Zumindest aus bakteriell-mikroskopischer Sicht erzielt die Håndewåsche keinen vollståndigen Reinigungserfolg. Wir erreichen mit einer Håndewåsche eine Keimreduktion zwischen 90 und 99 %. Dies betrifft allerdings nur die Keime, die auf der Haut normalerweise eigentlich nichts zu suchen haben und die nur zufållig aufgenommen wurden. Diese Keime gehæren nicht zur normalen Hautflora, sondern stammen aus der Familie der Wasserkeime, der Darmkeime oder sogar der Eitererreger z. B. Staphylococcus aureus aus der Nase). Als residente Flora bezeichnet man die eigene Flora D der Haut, die sich weder durch Waschen noch durch Desinfektion vollståndig entfernen låsst. Als transiente Flora bezeichnet die Keime auf der Haut, die aus der Umgebung oder vom eigenen Kærper aufgenommen wurden und nicht zur eigentlichen Hautflora gehæren. Sie werden beim Waschen teilweise und bei der Desinfektion nahezu vollståndig entfernt. Eine Keimreduktion von 90±99 % ist auf den ersten Blick ein ganz beachtlicher Wert. Allerdings bietet die Håndewåsche nicht die Sicherheit, die man z. B. fçr abwehrgeschwåchte Patienten benætigt. Hierzu ein Beispiel: Wer 1 illigramm Stuhl am Finger hat das ist eine enge, die man auch schon einmal çbersehen kann), hat statistisch gesehen etwa 1 illiarde Keime am Finger. Durch die Håndewåsche werden nun 99 % dieser Keime entfernt. Damit befinden sich aber auf unserem stuhlkontaminierten Finger nach der Håndewåsche immer noch 10 illionen Keime! Nach heutigen Gesichtspunkten ist die Desinfektion der Håndewåsche vorzuziehen. Dies nicht nur wegen der hæheren Sicherheit, sondern auch wegen der Schonung der Haut. Allerdings ist gesichert, dass eine Håndewåsche die Effizienz der Håndedesinfektion erhæht. Die Entfernung von Hautschuppen, çberschçssigem Fett und Schmutz erleichtert es dem Desinfektionsmittel, optimal zu wirken. Daher gibt es folgende Zeitpunkte, bei denen eine Håndewåsche wichtig ist: bei Arbeitsantritt, nach dem Toilettengang, vor dem Essen in der Pause und nach der Pause vor der Darreichung und Zubereitung von Lebensmitteln, nach optisch sichtbaren Kontaminationen. Falls es dem Wohlbefinden dient, kænnen die Hånde natçrlich auch zwischendurch gewaschen werden, jedoch ist zu bedenken, dass dies die Haut mehr strapaziert als die alleinige Håndedesinfektion. Håndedesinfektion Da die Hånde ± auch gewaschene Hånde! ± zu 80 % fçr die Ûbertragung von Infektionen im Krankenhaus und in Pflegeeinrichtungen verantwortlich sind, ist die Bedeutung und Notwendigkeit der Håndedesinfektion enorm Abb. 13.3). Dabeiist es wichtig, die Håndedesinfektion konzentriert und grçndlich durchzufçhren, damit alle Stellen der Haut mit Desinfektionsmittel benetzt werden. Eine europåische Norm EN 1500) enthålt eine Anweisung zur ¹lçckenlosenª Håndedesinfektion. Die Håndedesinfektion beginnt mit der korrekten Entnahme aus dem Spender. Hierzu wird der Hebel des Spenders mit dem Ellenbogen bedient: die das Desinfektionsmittel auffangende Hand sollte nicht mit dem Spender in Berçhrung kommen Abb. 13.4a). Oft finden sich Angaben wie ¹zwei Hçbeª oder ¹drei illiliterª. Das entspricht etwa einer Hohlhand voll. Zunåchst werden die Hånde grob mit dem Desinfektionsmittel benetzt Abb. 13.4b). Dann kann man entsprechend der genannten europåischen Norm die folgende Reihenfolge zum Einreiben des Desinfektionsmittels wåhlen: 236 Teil II Hygiene

3 Hygienemanagement im Pflegebereich Abb Håndedesinfektion. Die Wirksamkeit der Håndedesinfektion ist hier deutlich zu sehen: links die Bakterienflora vor und rechts nach der Håndedesinfektion. 1. Handflåche auf Handflåche Abb. 13.4c), 2. rechte Handflåche çber linken Handrçcken und linke Handflåche çber rechten Handrçcken Abb. 13.4d), 3. Handflåche auf Handflåche mit verschrånkten, gespreizten Fingern Abb. 13.4e). 4. Auûenseite der Finger auf gegençberliegende Handflåche mit verschrånktem Fingern Abb. 13.4f), 5. kreisendes Reiben des rechten Daumens in der geschlossenen linken Handflåche und umgekehrt Abb. 13.4g), 6. kreisendes Reiben hin und her mit geschlossenen Fingerkuppen der rechten Hand in der linken Handflåche und umgekehrt Abb. 13.4h). Abb Håndedesinfektion. Bildbeschreibung im Text. a b c d e f g h Teil II Hygiene 237

4 13 Krankenhaushygiene... Die Reihenfolge muss nicht zwingend in allen Punkten eingehalten werden. Wichtig ist, sich ein festes Schema einzuprågen, das dann immer wieder absolviert wird. Sie kænnen sich einen Film çber die Håndedesinfektion auch auf CD anschauen. Håndedesinfektionen sind grundsåtzlich zu folgenden Zeitpunkten erforderlich: nach der Håndewåsche auf der Toilette, vor und nach Pflegemaûnahmen auch wenn Handschuhe getragen wurden), vor der Zubereitung und Darreichung von Lebensmitteln, bei vermuteten oder tatsåchlich nicht sichtbaren Kontaminationen. Sichtbare Kontaminationen werden zunåchst durch ein mit Desinfektionsmittel getrånktes Papierhandtuch entfernt. AnschlieûendwerdendieHåndegewaschen und desinfiziert. Bei sehr geringen sichtbaren Kontaminationen gençgt die vollståndige Entfernung mit einem mit Desinfektionsmittel getrånkten Papierhandtuch. Alkoholische Håndedesinfektionsmittel sind meistens mit sog. Rçckfettern ausgestattet. Diese haben die Funktion, den Fetthaushalt der Haut positiv zu ergånzen. Allerdings reichen diese Rçckfetter bei einer starken Beanspruchung der Haut durch die håufige Håndedesinfektion und Håndewåsche nicht aus. Daher ist die Handpflege eine weitere wichtige Komponente der Håndehygiene. Handpflege Nur die intakte Haut gewåhrleistet einen mæglichst guten Infektionsschutz. Regelmåûige Handpflege mit einem geeigneten Handpflegepråparat erlaubt den Epithelien die Regeneration und erhålt der Haut eine Elastizitåt, die die Verletzungsgefahr vermindert. Je gehaltvoller das Hautpflegemittel fçr die Haut ist, desto langsamer zieht es ein. Im Arbeitsalltag werden daher schnell einziehende ¹Úl-in-Wasser-Pråparateª gewåhlt. Nach Dienstschluss aber sollte ein ¹Wasser-in-Úl-Pråparatª verwendet werden, das zwar langsamer einzieht, jedoch die Regeneration der Haut deutlich besser unterstçtzt. Alle genannten Komponenten sind so wichtig, dass die Berufsgenossenschaft einen ¹Hautschutzplanª fordert. In diesem Hautschutzplan sollen die Handwaschlotion, das Håndedesinfektionsmittel und das Hautpflegemittel mit dem fçr die jeweilige Klinik relevanten Produktnamen aufgefçhrt werden. Abb Schutzhandschuhe. Unsterile Schutzhandschuhe zum Einmalgebrauch. Schutzhandschuhe Wenn bei einer Pflegetåtigkeit eine Kontamination mit Blut, Sekreten oder Exkreten zu befçrchten ist z. B. beim Entfernen einer Zahnprothese oder dem Wechseln einer Inkontinenzeinlage), sollen grundsåtzlich geeignete Schutzhandschuhe getragen werden Abb. 13.5). Auch die heute çblichen Einmalhandschuhe bieten jedoch keinen absoluten Schutz, da es bei der Herstellung zu winzigen Læchern im aterial kommen kann. Diese ¹ikroperforationenª kann man zwar mit bloûem Auge nicht sehen, fçr Keime sind sie aber groû genug, um dennoch auf die Haut zu gelangen. ikroperforationen kænnen auch durch Ringe an den Fingern oder lange bzw. scharfkantige Fingernågel entstehen. Auch Scherkråfte, wie sie bei ganz normalen Pflegetåtigkeiten entstehen, fçhren zu ikroperforationen. Schutzhandschuhe werden auûer bei Kontakt mit Sekreten, Exkreten oder Blut auch in Isolierzimmern getragen. Hier dienen sie dem Selbstschutz oder dem Schutz der anderen Patienten, um eine Weitergabe des Keimes mæglichst zu verhindern. Da die Gefahr von ikroperforationen immer gegeben ist, mçssen auch nach dem Ausziehen der Einmalhandschuhe die Hånde sorgfåltig desinfiziert werden. Kurz gefasst. Die Håndehygiene, mit ihren Komponenten Håndewåsche, Håndedesinfektion, Handpflege und das Tragen von Schutzhandschuhen, dient dem Selbstschutz und dem Schutz der Patienten. Da immer noch ein Groûteil der nosokomialen Infektionen çber die Hånde çbertragen wird, gehært eine effiziente Håndehygiene zum Grundstock jeder Pflegetåtigkeit. 238 Teil II Hygiene

5 Hygienemanagement im Pflegebereich Berufs-, Bereichs- und Schutzkleidung Durch das Tragen von Berufs- oder Arbeitskleidung im Pflegealltag soll die Privatkleidung vor Kontamination und Verschmutzung bewahrt werden. Im Pflegebereich sollte die Arbeitskleidung eine helle Farbe haben, um Kontaminationen rechtzeitig zu erkennen. Eine Wåsche bei 60 hc oder besser noch eine Kochwåsche sollte vom aterial her mæglich sein. Trockene Arbeitskleidung aus dichtem Gewebe schçtzt die darunter liegende Haut relativ gut vor Keimkontakt. Dieser Effekt schwindet allerdings, wenn die Kleidung feucht wird. Daher sollte durchgeschwitzte Kleidung, z. B. im Operationssaal, auch vor Beendigung der Arbeitszeit gewechselt werden, denn natçrlich gelangen umgekehrt die Keime des Kærpers auch leichter nach auûen. Arbeitskleidung sollte nicht zu Hause, sondern mæglichst durch die Krankenhauswåscherei gewaschen werden. So kænnen Keime aus dem Krankenhaus nicht in den eigenen håuslichen Bereich transportiert werden. Dies gilt natçrlich auch umgekehrt, ist jedoch in der Regel aus hygienischer Sicht von untergeordneter Bedeutung. Bereichskleidung In bestimmten Bereichen des Krankenhauses gibt es spezielle Arbeitskleidung, die sog. Bereichskleidung. Dadurch soll ein Keimaustausch mit anderen Arbeitsbereichen im Krankenhaus vermieden werden. Bereichskleidung trågt man z. B. in der Operationsabteilung, in einigen Einheiten der Funktionsdiagnostik und auf der Intensivstation. Bereichskleidung besteht meist aus Kassack und Hose und unterscheidet sich farblich von der anderen Arbeitskleidung, die im Krankenhaus getragen wird Abb. 13.6). Schutzkleidung Schutzkleidung muss vom Arbeitgeber gestellt werden. Sie muss immer in der Einrichtung bzw. in einer beauftragten, geeigneten Wåscherei gewaschen werden. Die Schutzkleidung hat drei wichtige Funktionen: 1. Schutz des Personals vor Patientenkeimen z. B. im Isolierzimmer), 2. Schutz der Patienten vor Keimen anderer Patienten; der Schutz erfolgt indirekt, indem eine Ûbertragung durch das Personal mæglichst verhindert wird z. B. Isolierung bei multiresistenten Erregern), Abb Arbeitskleidung. Ein Krankenpfleger in Bereichskleidung links) und ein Krankenpfleger in Schutzkleidung rechts). Die Bereichskleidung wird in bestimmten Bereichen des Krankenhauses getragen und unterscheidet sich farblich von der Ausstattung der anderen itarbeiter. Die Schutzkleidung wird nur bei bestimmten Patienten zur Vermeidung der Keimçbertragung angelegt. 3. Schutz der Patienten vor Keimen des Personals, sog. protektive Isolierung z. B. Schutzkleidung im OP). Je nach Situation und Erreger kann sich die Schutzkleidung aus unterschiedlichen Komponenten zusammensetzen: Schutzhandschuhe. Schutzhandschuhe sind obligater Bestandteil jeder Schutzkleidung. Allerdings werden sie auch zur normalen Arbeitskleidung im Pflegealltag relativ håufig getragen. Einmalschçrze aus Plastik. Die Einmalschçrze aus Plastik Abb. 13.7) stellt die einfachste Form der zusåtzlichen Schutzkleidung dar. Sie schçtzt vor Durchfeuchtung und stellt bei bestimmten Pflegemaûnahmen eine wirkungsvolle Barriere zwischen Patient und der normalen Arbeitskleidung dar. Bei bestimmten Infektionen ist die Einmalschçrze eine vællig ausreichende Schutzkleidung. Sie kann auch angelegt werden, wenn z. B. Lebensmittel zubereitet werden sollen und die Arbeitskleidung nicht gewechselt werden konnte. In Pflegeeinrichtungen wird die Einmalschçrze aus Plastik håufig beim Baden der Patienten angelegt. Teil II Hygiene 239

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