Globale Geldordnungen und Entwicklungsprozesse in Zentrum und Peripherie Die aktuelle (Finanz-)Krise in theoretischhistorischer

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1 Globale Geldordnungen und Entwicklungsprozesse in Zentrum und Peripherie Die aktuelle (Finanz-)Krise in theoretischhistorischer Perspektive Johannes Jäger Ringvorlesung: Kapitalistische Entwicklung in Nord und Süd,

2 Die aktuelle Finanzkrise in theoretischhistorischer Perspektive Warum entstand die Finanzkrise? Was sind mögliche Konsequenzen? Welche Perspektiven gibt es für progressive Strategien in Nord und Süd? Wie ist der Finanzgipfel der G20 zu beurteilen? Was tun? 2

3 Überblick 1. Bedeutung des Geldes Theoretische Perspektiven 2. Historische Geldordnungen und Entwicklungsperspektiven 1. Der Goldstandard 2. Das Bretton Woods System 3. Das Dollar Wall Street Regime 3. Die aktuelle Finanzkrise und ihre Ausbreitung 4. Erklärungsmuster und Antworten auf die Krise 5. Schlussfolgerung: Perspektiven für progressive Politik in Nord und Süd 3

4 1. Die Bedeutung des Geldes und des Finanzsystems Geld allgemeines Äquivalent wird durch Zentralbank und Bankensektor geschaffen Finanzmärkte transferieren Geld von SparerInnen zu GeldnehmerInnen Banken die zentralen Akteurinnen, Finanzierung über Börse/Anleihen für Unternehmen weitgehend irrelevant Finanzmärkte sind auch ein Ort, wo viel Geld spekulativ gewonnen (verloren) werden kann: Casino Kapitalismus 4

5 Theoretische Perspektiven Neoklassische/neo-liberale Perspektive Geld ist ein Schleier Keynesianische Perspektive Geld/Finanzsystem wirkt auf reale Ökonomie Polit-ökonomische Perspektive Flaschenhals im Kapitalismus: G-W-G Regulation von Geld als umkämpfter Prozess Akkumulation, Verteilung und Geld eng verknüpft Internationale Ebene Liberale Hegemonic Stability Theory (Stabilisierungsfunktion des Weltgelds) Neo-Gramscianische Theorie (Ausdruck von Hegemonie einer Klasse eines Staates) 5

6 2. Globale Geldordnungen und Entwicklungsperspektiven (1) Geld nur beschränkt national regulierbar Goldstandard ( ) geringe Autonomie Bretton Woods System ( ) Kapitalverkehrskontrollen und politische Wechselkurse ermöglichen hohe nationale Autonomie (z.b. Entwicklungsstaat) hohe Stabilität des Finanzsektors 6

7 Historischer Anteil von Ländern mit Bankenkrisen (gewichtet nach BIP) 7

8 Globale Geldordnungen und Entwicklungsperspektiven (2) Dollar Wall Street Regime DWSR ([1973] bzw ?) Freier Kapitalverkehr, international nonmonetary system erlauben historisch einmalige Spielräume für USA starke Umverteilung noch oben: im Inland und auf internationaler Ebene (hoher Kapitalfluss von der Peripherie ins Zentrum) führen aber gleichzeitig zu einer radikalen Reduktion der Autonomie und zu Krisen in der Peripherie Verstärkt abhängige Entwicklung: Schuldenkrisen als Hebel für Liberalisierung, Kapitalabfluss: z.b. Afrika : 4% des BIP) 8

9 3. Die aktuelle Finanzkrise und ihre Ausbreitung Ausgangspunkt USA (West-)Europa Ansteckung direkt über Finanzsektor (heiße Kartoffel wird zu toxic assets AAA wird zu junk) Bankenprobleme Ansteckung über realwirtschaftliche Verflechtung Exporte in die USA gehen zurück, Weltmarktpreise für Rohstoffe fallen Ähnliche Entwicklungsmodelle wie in den USA (Immobilienblasen) platzen (strukturelle Krise) Wirtschaftswachstum schwächt sich ab/rezession Globale Peripherie Verteuerung der Verschuldung, höhere Kapitalabflüsse Rückgang der Exporte/Rohstoffpreise Abschwächung des Wachstums Instabilere Entwicklungsmodelle mit hohen Leistungsbilanzdefiziten kommen in die Krise (Litauen, Ungarn, ) Finanzielle Instabilität steigt neue Bankenzusammenbrüche werden folgen Wirtschaftskrisen 9

10 4. Erklärungsmuster und Antworten auf die Krise Neoklassische Erklärungen Antwort jetzt nur keine vorschnellen Regulierungen Keynesianische Erklärungen: unzureichende Regulierungen Spekulationsblase) Platzen der Spekulationsblase führt zum Ausfall der Kreditexpansion als Motor Rezession Antwort Bankenrettung und Konjunkturpakete, Bretton Woods II (technische Frage) Politökonomische Erklärungen: Finanzialisierung (ungleiche Verteilungsstruktur, hohe Verschuldung, DWSR), Einflussreiche Gruppen/USA haben Interesse an Finanzialisierung Finanzsektor 2007: 40% Gewinnanteil am gesamten Unternehmenssektor (5% der Beschäftigten) Antwort: Krise sollen VerursacherInnen zahlen Wirtschaftsmodell/Verteilung substanziell ändern (politische Frage auf nationaler/internationaler Ebene) 10

11 5. Schlussfolgerung: Perspektiven für progressive Politik in Nord und Süd Delegitimation des liberalen Finanzsektors Ende des Neoliberalismus? /des DWSR? Bislang nur kosmetische, keine strukturellen Veränderungen Generell/Länderspezifisch Keine grundlegende d.h. die ungleichen Verteilung reduzierende Veränderung der Ökonomie (als Basis für finanzialiserte Modelle bleibt) (noch) keine ausreichend starken sozialen Kräfte im Norden, die ein Abwälzen der Krise nach unten sowie substanzielle Veränderungen durchsetzen können Globale Ebene Keine substanzielle Schwächung der USA und damit des DWSR Süden wird selbstbewusster und tritt z.t. (Brasilien, China) stärker gegenüber dem Norden auf Substanziell Neue Internationale Geldordnung (und Wirtschaftsordnung) noch nicht absehbar (siehe z.b. G20 Finanzgipfel) Aber: Bislang erst Beginn der Krise 11

12 Quellen Imhof/Jäger: Globale Geldordnungen und Entwicklungsprozesse in Zentrum und Peripherie. In: Becker et al.: Kapitalistische Entwicklung in Nord und Süd Journal für Entwicklungspolitik 1/2009: Assessing the Transformation of Global Finance 12

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