Wilhelminenschule Preetz, den Grund- und Regionalschule Hufenweg 5 Telefon Fax

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1 Wilhelminenschule Preetz, den Grund- und Regionalschule Hufenweg 5 Telefon Fax Konzept der FLEX-Klasse 1. Begründung der Maßnahme Mehr als Schüler/innen, also mehr als 9% eines Altersjahrgangs, verlassen die Schulen in der Bundesrepublik jährlich ohne Abschluss von ihnen kommen aus Sonderschulen. Weniger als die Hälfte der Gesamtgruppe holt den Abschluss außerschulisch nach. Das Arbeitslosigkeitsrisiko für junge Leute ohne Abschluss ist im Vergleich zu Hochschulabsolvent/innen mehr als sieben Mal höher. Soziale Integration und Teilhabe durch Erwerbsarbeit sind durch Misslingen der Schülerlaufbahn hoch gefährdet. (Dr. Karlheinz Thimm, Lehrer und Erziehungswissenschaftler, Landeskooperationsstelle Schule Jugendhilfe, Rudolf-Breitscheid-Straße Potsdam). Im Kreis Plön, so ergab ein Austausch zwischen den Schulleitungen, sind es derzeit knapp 10% der Jahrgänge der Hauptschulen, die ohne Abschluss die Schule verlassen. Sie haben häufig nur den Abschluss der Klassenstufen 6 und 7. Diese Zahlen entsprechen auch den Zahlen der Wilhelminenschule. Abgänger ohne Hauptschulabschluss: Jahr Schüler Voraussichtlich Nach der Schule kommen diese Schüler/innen teilweise im Niederschwelligen Angebot der Berufsschule unter, andere im Jugendaufbauwerk oder in anderen fördernden Einrichtungen. Voraussetzungen für den Eintritt in diese fördernden Einrichtungen ist das Ende der Vollzeitschulpflicht.

2 Eine Schülerin/ein Schüler muss also mindestens 9 Jahre zur Schule gegangen sein, um in einer anderen Betreuungsform unterzukommen. Die Folgen für die betroffenen Schüler/innen sind/waren: - mehrere Male eine Klasse wiederholt, - negatives Selbstbild, - wenig ausgeprägte Lernmotivation und - die überwiegende Zahl der Betroffenen hat sich zumindest innerlich von Schule verabschiedet. Wenn Schüler/innen sich aus der Schule verabschiedet haben, müssen sie in einem aufwändigen Prozess wieder an Bildung herangeführt werden. Die Motivation für eine weitere Schulkarriere in den fördernden externen Angeboten gestaltet sich insgesamt als schwierig. Daher erscheint es ratsam, möglichst früh auf das Phänomen Schulversagen zu reagieren und bei lernschwächeren Schülern/innen die Perspektive auf das Erreichen eins Schulabschlusses möglichst lange offen zu halten. Zielgruppe einer FLEX-Klasse: Schülerinnen und Schüler - mit und ohne pädagogischen Förderbedarf - bei denen ein Schulversagen droht - der 7. und 8. Klassenstufe Pädagogische Ziele sind: - Vermeidung des Schulabbruches - Erreichung des Hauptschulabschlusses - Erlangung eines Ausbildungsplatzes Umsetzung: - der Lernstoff der Schuljahre 8 und 9 wird auf 3 Schuljahre gestreckt - Veränderung der schulischen Struktur für diese Klasse

3 - Einsatz von internen und externen Fachkräften - Klassenstärke maximal 15 Schülerinnen und Schüler - Praktika und berufsvorbereitende Maßnahmen als gemeinsame Lerngruppe und als Einzelpraktikum - 20 Lehrerstunden für Unterricht plus Teamteaching in den Fächern Deutsch und Mathematik - 16 Stunden, die durch eine pädagogische Fachkraft übernommen werden 2. Didaktische und methodische Überlegungen Ziel muss es sein, die Schüler/innen schon früher, d.h. am Beginn der 7. Klasse in der Schule zusammenzuführen, um dann in einem 2 bzw. 3-jährigen Kursus sie entweder in Richtung AVJ oder Hauptschulbschlussprüfung vorzubereiten. Es sollte vorrangiges Ziel sein, dass sie den Hauptschulabschluss an der Wilhelminenschule erwerben! Folgende Komponenten bei Schulversagern sind immer wieder signifikant: - Soziale und emotionale Defizite führen zu schulischen Defiziten - Sprachlosigkeit im familiären Umgang führt zum Verlust der Schlüsselqualifikation Umgang mit Sprache. Obgleich Schule versucht, diese Defizite zu beseitigen, gelingt es bei der beschriebenen Gruppe nicht hinlänglich. Ein Konzept zur veränderten Bildung muss also an dieser Stelle bei dieser Klientel zu einem besonderen und anders gestalteten Schwerpunkt der Arbeit führen. 3. Konzeptionelle Umsetzung Aufbau: - Gruppengröße maximal 15 Personen pro Klasse - Veränderter Klassenraum - Unterrichtsschwerpunkt stärkere Handlungsorientierung - Veränderter Fächerkanon - Veränderung in den Aufgaben der Klassenleitung

4 - Schwerpunkt Erziehung: Erlangung sozialer Kompetenzen - Schwerpunkt: Bildung: Erarbeitung von Grundfertigkeiten im Bereich Lesen, Schreiben, Rechnen, Umgang mit Sprache zur Erreichung des Hauptschulabschlusses Veränderung des Klassenraumes: - Arbeitsmaterialien (Bücher, Lexika, Computer, Stifte, Zeichengeräte etc.) stehen zur Verfügung - Arbeitsplätze sind variabel - Reinigungsmaterialien zur Pflege des Raums - Gestaltungsmöglichkeiten der Wände Maßnahmen gegen soziale Defizite: - Klassenfahrt mit Schwerpunkt Sozialkompetenzen und Gruppenarbeit - Einbindung interner und externer Helfer - Selbstverantwortung für den Klassenraum - Projektarbeiten mit Gruppencharakter - Praktika im pflegerischen Bereich - Zusammenführung von alt und jung - Übungen zur Stärkung der Teamfähigkeit - Arbeit für die Schule, für die Schulgemeinschaft - Tägliche Besprechung. Was liegt an? Maßnahmen gegen emotionale Defizite: - musische Ausbildung (Kunst, Musik, Handwerk) - Meditation Maßnahmen gegen schulische Defizite: - Lesestunden - Erarbeitung von Texten - Schreibstunden - Lernen lernen - Rechenstunde - Handwerkstunde

5 4. Aktueller Stand der FLEX-Klasse Die FLEX-Phase der Wilhelminenschule Preetz ist sowohl für die Eltern-Schüler-Seite als auch für die Wilhelminenschule eine freiwillige Maßnahme. Bedingung für die Aufnahme in der FLEX-Phase ist, dass sich Eltern und Schüler bereit erklären, sich einzubringen. Die Schüler müssen am Unterricht und an den pädagogischen Einheiten teilnehmen und sie mitgestalten. Eine enge Zusammenarbeit und regelmäßiger Austausch mit den Eltern wird angestrebt. Die FLEX-Phase sollte höchstens mit 15 Schülern besetzt werden, wobei darauf zu achten ist, welche Besonderheiten die einzelnen Schüler mitbringen. Sie sollte zunächst nur die Klassenstufe 8 umfassen und wird mit 20 (30) Lehrerstunden ausgewiesen. Neben der regelmäßigen Verteilung der Fächer Deutsch, Mathe und je nach Lernausgangslage Englisch unter der Woche werden die Fächer Geschichte, Erdkunde (nachfolgend Weltkunde genannt), Biologie und Physik/Chemie (nachfolgend Nawi genannt) unter anderem als Block- und Projektunterricht durchgeführt. Als ein möglicher Schwerpunkt wird dabei die Präsentation der Arbeitsergebnisse angestrebt. Außerdem sollen die Schüler sich selbst mehr wahrnehmen und ihre Leistung einschätzen lernen. Durch den Unterricht von Technik soll dem praktischen Tun noch mehr Raum gegeben werden. Ein fester Bestandteil der Schüler der FLEX-Phase ist die Teilnahme an einem Praktikumstag in der Woche. An diesem Tag sollen die Schüler durch regelmäßiges praktisches Mitarbeiten in den Betrieben und Einrichtungen den Arbeitsalltag kennen lernen. Somit ist über die drei Jahre eine Heranführung an die Arbeitswelt gegeben und die Schüler haben bereits eine Übersicht über einzelne Berufe gewinnen können. Die Wahl der Betriebe ist freigestellt und kann auch im Verlauf des Schuljahres in Absprache mit der Schule und des JAWs verändert werden. Die Betreuung des Praktikumstages und die berufliche Orientierung wird zu großen Teilen an das JAW übergeben, wobei eine enge Zusammenarbeit, Informationsaustausch über die Schüler und Absprachen wichtig sind. Es wird angestrebt durch Doppelbesetzungen, durch Sportunterricht von Teilen der Klasse mit anderen Klassen, durch parallele Einheiten des JAWs oder extra Praktikumswochen, die Größe der Lerngruppe zu verkleinern, um die gezielte Förderung zu erhöhen. Dabei sind ein enger Austausch und eine enge und flexible Zusammenarbeit zwischen Schulleitung, Kollegen und dem JAW nötig. Zu Beginn der FLEX-Phase werden den Schülern Ordnungsfächer, Schreibmaterial und ein Ordner mit Registerblättern gestellt. Damit wird ihnen ein eigener Ablageplatz zugewiesen, so dass sie zunächst das Zu-

6 Praktikum/ Technik sammenhalten des Unterrichtsmaterials und Ordnung lernen. Außer zur Bearbeiten der Hausaufgaben verbleiben diese Materialien in der Schule. Die fachlichen Aspekte nehmen zunächst eine untergeordnete Rolle ein, da das Kennenlernen und das Zusammenführen der Schüler miteinander und das Leben des Schulalltags mit den Regeln und Aufgaben im Vordergrund steht. Hierzu dienen gemeinsamen Unternehmungen wie auch Übungen für die Sozial- und Selbstkompetenz. Nur so kann langfristig das fachliche Lernen in den Vordergrund gerückt werden. Beispiel für die Stundenverteilung nach der ersten Erprobungsphase: 8/9 FLEX MON- DIENSTAG MITTWOCH DONNERSTAG FREITAG TAG h Mathe Mathe Deutsch Englisch h Deutsch Deutsch Mathe Mathe h Englisch Englisch Englisch Deutsch h Naturwis- Weltkunde Naturwis- Weltkun- senschaft senschaft de h Methodik Methodik Sport Sport h 5. Evaluation und Perspektive der FLEX-Klasse zu Beginn des 2. Halbjahres 2007/08 Hauptschulen der Region haben in den zurückliegenden Monaten immer wieder versucht, ihre Schüler in der FLEX-Klasse der Wilhelminenschule unterzubringen. Die problematische Lernausgangslage dieser Schüler führte stets zu deutlichen Schwierigkeiten im Unterrichtsalltag. Die Lern- und Arbeitatmosphäre wurde nachhaltig gestört, sodass die Erweiterung verschiedener Kompetenzen kaum und auch gar nicht möglich war. Die Integration ortsfremder Schüler in laufende Lernprozesse stellt erhöhte Ansprüche an die Lehrkräfte, die ohne zusätzliches sozialpädagogisches Fachpersonal nicht zu leisten ist. Die zentralen Ziele der FLEX-Maßnahme, vor allem die kontinuierliche Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss, sind bei dieser Ausgangslage nicht erreichbar. Nicht Kinder mit einer bereits gescheiterten Schullaufbahn, sondern

7 Jugendliche, bei denen ein Schulversagen beim Verbleib im regulären Klassenverband und bei andauernder Überforderung ihrer Lern- und Selbstkompetenz zu erwarten ist, sollen ab 1. August 2008 in einer neuen FLEX-Klasse unter Beibehaltung und gegebenenfalls Erweiterung der bisherigen Zielsetzung beschult werden. Für die Zusammensetzung der Lerngruppe soll angeknüpft werden an die Erfahrungen mit den bisherigen Re-Integrationsklassen. Hierzu soll die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Preetzer Förderzentrum fortgesetzt werden. Im Team sollen Sonderschulpädagogen und Hauptschullehrkräfte zumindest in den Hauptfächern Deutsch, Englisch und Mathematik unterrichten. Die Lerngruppe soll möglichst zu gleichen Teilen aus Re-Integrationskindern und lernschwachen Hauptschülern bestehen, bei denen zu erwarten ist, dass sie den Hauptschulabschluss nicht in der regulären Schulbesuchszeit und nur mit zusätzlicher Unterstützung schaffen werden. Sozialpädagogische Aspekte bilden neben fachlichen und berufsvorbereitenden Aspekten einen weiteren Schwerpunkt in der schulpädagogischen Arbeit der FLEX-Klasse ein. Das Kennenlernen und die Zusammenführung der Schüler/innen sowie das gemeinsame Erleben des Schulalltags mit verbindlichen Regeln und Aufgaben stehen im Zentrum der Prävention. Gemeinsame Unternehmungen wie auch Übungen zur Steigerung der Sozial- und Selbstkompetenz ergänzen die Arbeit in den Sachfächern.

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