Titel der Diplomarbeit: Wissenstransfer nach längerem Einsatz in der Entwicklungszusammenarbeit am Fallbeispiel HORIZONT3000

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1 FHWien Studiengang Wissensmanagement der WKW Titel der Diplomarbeit: Wissenstransfer nach längerem Einsatz in der Entwicklungszusammenarbeit am Fallbeispiel HORIZONT3000 Verfasst von: Friedl Newald Betreut von: Dr. Mag. Andrea Schüller Ich versichere: dass ich die Diplomarbeit selbständig verfasst, andere als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel nicht benutzt und mich auch sonst keiner unerlaubten Hilfe bedient habe. dass ich dieses Diplomarbeitsthema bisher weder im In- noch im Ausland in irgendeiner Form als Prüfungsarbeit vorgelegt habe. Datum Unterschrift

2 2 Inhalt 1 Einleitung Zielsetzung der Arbeit Aufbau der Arbeit Entwicklungszusammenarbeit Hierarchie der Entwicklungszusammenarbeit Geschichtlicher Abriss der EZA Globalisierung Das Milleniumsprojekt : Ziele, Kennzahlen Die Rolle der EU Arten der Hilfeleistungen der EZA Öffentliche und private Entwicklungshilfe Projekt- und Programmhilfe Bilaterale und multilaterale Entwicklungshilfe Finanzielle und technische Zusammenarbeit Gebundene und ungebundene Entwicklungshilfe EZA in Österreich Strukturen Private EZA in Österreich Ziele Finanzierung von Programmen und Projekten Budgethilfen/Programmhilfen Die Rolle der NPOs in der EZA Begriffsdefinition NPO NPOs in der EZA Herausforderungen HORIZONT Geschichtlicher Abriss HORIZONT Organisationsstruktur nach innen Stakeholder Geschichte und Leitbild Struktur im Inland Ausbildungssystem Wissensfluß derzeit... 48

3 3 3.3 Organisationsstruktur nach aussen Schwerpunktländer und/versus Finanzierungsprojekte Organisationsstruktur im Einsatzland (Vorortstrukturen) Berichtswesen Zusammenfassung Organisationsstruktur NPO und Wissensmanagement Grundbegriffe Wissen Zahlen, Daten, Fakten Implizites versus explizites Wissen Wissensumwandlung Lernende Organisation Bausteine des Wissensmanagements Wandelnder Wissensbedarf Lernen und Vergessen Vierfelder-Typologie nach Meyer/Mühlbacher Organisationale Barrieren im Wissenstransfer Methodik Die Fokusgruppe als Methode Beschreibung der Stichprobe Ablauf und Vorgangsweise Datenanalyse und Auswertung Ergebnisse Ergebnisse aus Runde Kategorie Wertschöpfung Kategorie Verlorenes Wissen Kategorie Kommunikation von Wissen innerhalb der Organisation Kategorie Networking Ergebnisse und Empfehlungen aus übergreifenden Themen Besonderheiten, Diskussion Lösungsansätze Beantwortung der Forschungsfragen Ausblick Literaturverzeichnis Anhang

4 4 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Sektorale Aufteilung der Leistungen der Weltbank im Geschäftsjahr Abbildung 2: Real Aid und andere Arten der ODA-Leistungen Abbildung 3: Die Instrumente der OEZA Abbildung 4: Position Österreichs in der EZA im internationalen Vergleich Abbildung 5: Arten von Programmhilfe Abbildung 6: Organisationsstruktur HORIZONT Abbildung 7: Organisationsstruktur im Detail Abbildung 8: Der Weg zur Projektmitarbeit bei HORIZONT Abbildung 9: Die HORIZONT3000 Partnerländer Abbildung 10: Die Wissenstreppe nach North Abbildung 11: Merkmale der Grundbegriffe Abbildung 12: Zwei Typen von Wissen Abbildung 13: Wissensinhalte aus den vier Formen der Wissensumwandlung Abbildung 14: Komponenten einer organisationalen Wissensbasis Abbildung 15: Die Bausteine des Wissensmanagements Abbildung 16: Wissensbarrieren Abbildung 17: Der Prozess der Wissensentwiclung Abbildung 18: Das Rad der Wissenslogistik Abbildung 19: Knowledge Flows Abbildung 20: Typen von (nicht)lernenden NPOs Abbildung 21: Dimensionen des Wissensmanagement Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Historischer Überblick der Entstehungsgeschichte der EZA Tabelle 2: Länder der DAC-Liste nach Grad der Armut Tabelle 3: Die Struktur der privaten EZA in Österreich Tabelle 4: Wandelnder Wissensbedarf... 73

5 5 1 Einleitung HORIZONT3000 ist eine private österreichische Organisation, die im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit Projekte durchführt und sich auf den Einsatz von Personal spezialisiert hat. HORIZONT3000 sieht sich als Erstentsendeorganisation, d.h. es wurden bisher Leute ausgewählt, die noch keine Einsatzerfahrung haben. Diese werden in einem dreimonatigen Vorbereitungslehrgang auf ihren Einsatz in einem der Schwerpunktländer vorbereitet. Es ist nicht vorgesehen (aber möglich), dass Leute öfters für die Organisation ausreisen. Wenn ja, wird der Ausbildungsvorgang auf das Erlernen der offiziellen Landessprache reduziert (zum Beispiel Portugiesisch im Fall von Mosambik), beziehungsweise entfällt. Nach dem Einsatz sind die RückkehrerInnen noch ein Monat bei HORIZONT3000 angestellt, um sich wieder eingliedern zu können und um Zeit zu haben, sich Arbeit in Österreich zu suchen. In dieser Zeit kommt es zwar zu einem Abschlussgespräch mit der Länderbeauftragten, eine dezidierte, direkte Weitergabe des erworbenen Wissens an Neuausreisende oder NachfolgerInnen im Projekt findet jedoch nicht statt. Die Weitergabe des erworbenen Wissens beschränkt sich auf das seit 1996 standardisierte Berichtswesen. 1.1 Zielsetzung der Arbeit Bisher hatte der Österreichische Entwicklungsdienst ÖED, durch Fusion HORIZONT3000, eine monopolähnliche Stellung in Österreich, was sich u.a. durch die Gründung der ADA ändern wird. HORIZONT3000 muss sich neu definieren. Folgende Fragen gilt es in dieser Phase zu beantworten: Soll/kann die Organisation sich als ExpertInnennorganisation profilieren oder sich weiterhin um Ersteinsätze kümmern? Abgesehen von der finanziellen Bedeutung dieser Frage, bedeutet es, den Fokus auf das bisher vorhandene und auch das zukünftige Wissensmanagement zu legen. Was für Schritte müssen gesetzt werden, um HORIZONT3000 im internatonalen Konkurrenzkampf um Entwicklungshilfegelder und Projekte konkurrenzfähig zu erhalten? Angesichts der zukünftigen Politik der ADA, Gelder direkt an Partnerorganisationen vor Ort zu geben, welche Rolle kann HORIZONT3000 in so einer Situation einnehmen?

6 6 Welches Expertenwissen kann HORIZONT3000 hier einbringen? Wie kann sich HORIZONT3000 profilieren, worauf sollte es sich dabei spezialisieren? Wie kann Wissensmanagement zur Entscheidungsfindung beitragen? Welche Ansätze gibt es bereits? Wohin sollte die Entwicklung führen? 1.2 Aufbau der Arbeit Im ersten Teil sollen Klarheit in die Begriffswelt der Entwicklungszusammenarbeit gebracht und einige der wesentlichsten Veränderungen der letzten Zeit gezeigt werden. Dabei werden unterschiedliche Auffassungen von Entwicklungszusammenarbeit aufgezeigt, die die Haltung zur technischen Hilfe und somit zum Personaleinsatz allgemein beeinflussen. Weiters wird die Position und Haltung Österreichs zur Entwicklungszusammenarbeit beschrieben. Im zweiten Teil wird HORIZONT3000 als Nichtregierungs- und Nonprofit- Organisation in ihrem Selbstverständnis dargestellt. Der dritte Teil beschreibt die theoretischen Voraussetzungen zum Wissenstransfer in Organisationen allgemein und in Nonprofit-Organisationen im Besonderen. Im vierten Teil wird die Empirie und deren Ergebnisse vorgestellt. Es soll untersucht werden, ob und wenn ja, in welcher Weise Wissen aus den Schwerpunktländern der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit über die EinsatzrückkehrerInnen in die Entsendeorganisation HORIZONT3000 zurückfließt und weiterverwendet wird. Kann die Entsendeorganisation aus dem spezifischen Wissen der RückkehrerInnen Mehrwert gewinnen? Diese Frage soll einmal aus der Sicht der Entsendeorganisation selbst und einmal aus Sicht der RückkehrerInnen aus den Einsatzländern näher betrachtet und die Ergebnisse verglichen werden. Es werden zwei Fokusgruppeninterviews mit je sechs Personen durchgeführt, einmal mit der Organisation nahe stehenden Leuten, die auch selbst Einsatzerfahrung mitbringen und einmal mit RückkehrerInnen, deren Einsatz nicht länger als 10 Jahre

7 7 zurückliegt und die seither wieder ins normale Berufsleben eingestiegen, also nicht mehr eng mit der Organisation verbunden sind. Weiters fließen Aussagen und Erkenntnisse aus zwei Einzelinterviews mit Experten direkt aus der Organisation in die Arbeit mit ein. Nicht Gegenstand dieser Arbeit soll sein, inwiefern Wissen und Erfahrungen der RückkehrerInnen in die Welt hinausgetragen, also in ihrem jetzigen Lebensumfeld weitergegeben und weiterverarbeitet werden. Wiewohl diese Form der informellen Wissensverteilung keinesfalls außer Acht gelassen werden darf, beschränkt sich der Inhalt dieser Forschung auf Rückkoppelung des Wissens in die Entsendeorganisation und dessen Auswirkungen innerhalb derselben auf die Wissensbasis der Organisation selbst, beziehungsweise auf die Wissensvermittlung an Neuausreisende. Im fünften und letzten Teil der Arbeit werden die Ergebnisse aus der Forschung nochmals zusammengefasst und interpretiert.

8 8 2 Entwicklungszusammenarbeit Dieses Kapitel stellt die wichtigsten internationalen Zusammenhänge und die sich verändernden globalen Rahmenbedingungen dar, die dazu beitragen, dass langjährige Akteure in der EZA ihre traditionellen Wertvorstellungen neu überdenken und alte Denkmuster über Bord werfen müssen. Die internationale Entwicklungspolitik reagiert vielfach auf globale politische Ereignisse und wirtschaftliche Veränderungen um jenen Einflussfaktoren entgegenzuwirken, die die Entwicklungschancen in den ärmsten Ländern behindern. Durch die Veranstaltung von internationalen Konferenzen werden auf multilateraler Ebene wichtige Themen auf die Tagesordnung der internationalen Diskussion gebracht. 1 Die Entwicklungszusammenarbeit (EZA) soll Veränderungen und Strukturverbesserungen für die Bevölkerung ärmerer Länder mit schwacher Industrialisierung und Infrastruktur schaffen. Ziel ist eine globale Annäherung von Lebensbedingungen, Infrastruktur, medizinischer Versorgung und Möglichkeit zu Ausbildung und Arbeit. Nach dem Plan der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) soll bis zum Jahr 2015 der Anteil der in Armut lebenden Bevölkerung in Entwicklungsländern auf die Hälfte reduziert werden. Um dies zu erreichen, müssen die industrialisierten Nationen der Welt gemeinsam in multilaterale Programme und Projekte zur Armutsbekämpfung investieren. Als Zielgröße für die öffentliche Entwicklungsunterstützung haben die Vereinten Nationen einen Anteil von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes festgelegt, diese Zahl wurde bis jetzt jedoch nur in den seltensten Fällen erreicht. 2 1 URL: [Stand ]. 2 URL: [ ].

9 9 1,2 Milliarden Menschen, also ca. 20 Prozent der Weltbevölkerung, leben in absoluter Armut. Weitere 2,8 Milliarden haben weniger als zwei US-Dollar pro Tag zur Verfügung Hierarchie der Entwicklungszusammenarbeit Eine der mächtigsten und einflussreichsten Organisationen weltweit ist wohl die Weltbankgruppe, nach dem Gründungsort in den USA auch Bretton-Woods Gruppe genannt. Die Hauptaufgabe der Weltbank ist es, Wirtschaftswachstum und ökonomische Entwicklung zu fördern. Im Gegensatz zum Internationalen Währungsfond (IWF), der durch Vergabe kurzfristiger Kredite Zahlungsbilanzschwierigkeiten verhindern soll, gewährt die Weltbank langfristige Kredite mit Laufzeiten von 15 bis 20 Jahren mit relativ niedrigen Zinssätzen. Diese Kredite sind zumeist gebunden an Projekte und werden sowohl an Regierungen als auch an die Privatwirtschaft vergeben. 4 Bei der Weltbank sind ca Mitarbeiter beschäftigt, davon im Hauptsitz Washington D.C., in den Landesbüros vor Ort. Zur Weltbankgruppe gehören fünf Institutionen, die jeweils eine eigene Rechtspersönlichkeit besitzen, sich aber im Eigentum der Mitgliedstaaten befinden: IBRD: Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (International Bank for Reconstruction and Development), oder auch World Bank, hat heute 184 Mitglieder IDA: Internationale Entwicklungsorganisation (International Development Association), gegründet 1960 als Tochterorganisation der Weltbankgruppe, heute 195 Mitglieder, vergibt zinslose Kredite an die ärmsten Länder mit einer Laufzeit von bis zu 40 Jahren, die ersten zehn Jahre verlaufen tilgungsfrei IFC: International Finance Corporation, gegründet 1956, heute 178 Mitglieder, fördert Auslandsinvestitionen im Privatsektor der Entwicklungsländer 3 Vgl. Unmüßig, Barbara, 2006, S Vgl. Bewernitz, 2002, S.36f.

10 10 MIGA: Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur (Multilateral Investment Guarantee Agency), Gründungsjahr ist 1988, hat 165 Mitglieder, versichert ausländische Privatinvestitionen gegen politische und nichtkommerzielle Risiken ICSID: Internationales Zentrum für die Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (International Centre for Settlement of Investment Disputes), gegründet im Jahr 1966, hat heute 140 Mitglieder, Unterstützung zur Beilegung von Streitigkeiten zwischen ausländischen Investoren und deren Gastländern 5 Mitglieder sind Staaten, die zugleich dem IWF angehören. Die Kredite der IDA sind an Strukturanpassungsprogramme gebunden, deren Auswirkungen auf das soziale Gefüge des Empfängerlandes nicht unumstritten sind. Anders als in der Generalversammlung der UN ( one country one vote ) richtet sich das Stimmrecht nach dem wirtschaftlichen Gewicht, also nach der Höhe der Kapitalanteile. 6 Im Geschäftsjahr 2005 vergab die Weltbank Kredite für 278 Projekte und Zuschüsse in Höhe von USD 22,3 Mrd. Abbildung 1 zeigt die Aufteilung der vergebenen Kredite nach Themengebieten. 5 URL: [Stand ]. 6 Vgl. Deutscher, Eckhard, 2006, S.216.

11 11 Abbildung 1: Sektorale Aufteilung der Leistungen der Weltbank im Geschäftsjahr Die Weltbank ist nicht nur eine Kreditinstitution sondern wirkt auch meinungsbildend für eine westlich-industriell orientierte Entwicklungspolitik. Des Weiteren gehören Studien zu Entwicklungsaspekten, Statistiken und Analysen der Wirtschaftsentwicklung zu ihren Tätigkeiten, welche als Teile des Weltentwicklungsberichtes einmal im Jahr veröffentlicht werden. Die entwicklungspolitische Steuerung der Weltbank geht in Richtung der Wachstumspolitik, der Stärkung des Außenhandels und des raschen Übergangs zu marktwirtschaftlich orientierten Wirtschaftssystemen. 8 Zur Messung von Armut wurden von der Weltbank lange Zeit ausschließlich das Einkommen und der Konsum herangezogen. Durch die Festlegung des Armutsindikators von einem USD pro Tag distanzieren sich die Regierungen von 7 URL.: [Stand ]. 8 URL: [Stand ].

12 12 einer umfassenderen Definition von Armut, wie zum Beispiel der von Martens als Entbehrung grundsätzlicher Lebenschancen und nicht nur als geringes Einkommen. 9 Dementsprechend einfach sind auch die propagierten Lösungsvorschläge. In der Annahme, die Entwicklungsländer seien deshalb so arm, weil ihre Regierungen die falsche Wirtschaftspolitik betrieben und über zu wenig Startkapital verfügten um dauerhaftes Wirtschaftswachstum aus eigener Kraft zu schaffen, bietet sich die Lösung durch staatliche Investitionsprogramme an um die Wirtschaft anzukurbeln, in der Hoffnung dass die gesamte Bevölkerung davon profitieren werde. 10 Armut entsteht jedoch nicht nur durch Mangel an Geld, sondern auch durch ein Defizit an Rechtsansprüchen und Macht. Politische Partizipation, Eigentumstitel, Ausbildung, Rechtssicherheit sind wesentlich im sozialen Gefüge und dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Seit Jahrzehnten wird massive Kritik an den negativen sozialen und ökologischen Auswirkungen von Einzelprojekten, wie Bauten von Großstaudämmen oder Strukturanpassungsprogrammen, der IWF und der Weltbank geübt Geschichtlicher Abriss der EZA Im Rahmen der Neugestaltung der Weltordnung nach dem zweiten Weltkrieg gewannen die Vereinigten Staaten eine Vormachtstellung, die durch Gründung internationaler Organisationen wie UNO, IWF und Weltbankgruppe weiterhin Bestätigung fand wurde die OEEC (Organisation for European Economic Cooperation), die Vorläuferin der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development), gegründet, zum Zwecke der Kooperation mit der amerikanischen Regierung bezüglich der Durchführung des Marshall-Plans wurde Präsident Trumans Act for International Development vom amerikanischen Kongress genehmigt, der vorschlug, vom Kommunismus bedrohte Länder ins US-Foreign Aid Programm einzubinden und so deren Zugehörigkeit zum Westen zu sichern. 12 Für die früheren europäischen Kolonialmächte ging es auch um die 9 Martens, 2006, S Vgl. ebenda. 11 Vgl. Unmüßig, 2006, S.186f. 12 Vgl. Fialho-Gomes, 2006, S.13f.

13 13 Aufrechterhaltung ihrer Einflusssphäre. Im Gründungsabkommen der OECD (Paris, 14. Dezember 1960) wird Folgendes festgehalten: ( )recognising the increasing interdependence of their economies; ( )recognising that the further expansion of world trade is one of the most important factors favouring the economic development of countries ( ) 13 Noch davor wird die DAG (Development Assistance Group) formiert, deren Mitgliedstaaten Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada, Portugal, USA und das Vereinigte Königreich sind Die Commission of European Economic Community ist ebenfalls Mitglied. Japan wird zum Beitritt eingeladen und die Niederlande kommen noch im gleichen Jahr hinzu. 14 Heute hat die OECD 30 Mitgliedsstaaten 15, ihre Beschlüsse sind völkerrechtlich bindend, die DAC ist eine führende Institution der EZA und spielt als politisches Gremium eine entscheidende Rolle. Als Gruppe von Gebern erarbeiten die heute 22 Mitgliedsstaaten die entwicklungspolitischen Leitprinzipien und regeln deren praktische Umsetzung. Einzelne Geberländer können daher einfach die DAC- Richtlinien befolgen, ohne sich in Eigenverantwortung die Köpfe über Gestaltungskriterien der Hilfsbeziehungen zerbrechen zu müssen. 16 Die Rolle der Vereinten Nationen (United Nations, UN) wird in diesem Gefüge als eine vorwiegend humanitäre wahrgenommen. Die Öffentlichkeit nimmt in erster Linie die Ernährungs- Flüchtlings- und medizinischen Programme der UNDP (United Nations Development Programme) wahr, das 2005 ein Jahresbudget von 4,5 Mrd. USD ausgegeben hat und weltweit 135 Büros in 166 Ländern betreibt. 17 Wichtige UNO Agenturen im Kontext der EZA sind beispielsweise die 13 Convention on the Organisation for Economic Co-operation and Development, URL: [Stand ]. 14 Vgl. Führer, Helmut: The History of ODA, erhältlich als Pdf-Dokument online im WWW unter URL: [Stand ]. 15 Gründungsstaaten der OECD sind Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich Griechenland, Irland, Island, Italien, Japan, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien, Türkei, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten. 16 Vgl. Gomes, 2006, S Vgl. URL: [Stand ].

14 14 Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Internationale Fond für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), der Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen (UNIFEM). Es ist jedoch beachtenswert, dass IWF und Weltbank zwar in ihren Entscheidungen weitgehend autonom, nichtsdestotrotz Organisationen der UN sind, deren rein humanitärer Anspruch somit in Frage gestellt werden kann. 18 Die folgende Tabelle bietet zusammenfassend einen geschichtlichen Überblick zum Wandel der EZA seit dem zweiten Weltkrieg: Tabelle 1: Historischer Überblick der Entstehungsgeschichte der EZA Globalisierung Der entwicklungspolitische Diskurs auf globaler Ebene hat schon einige Wandlungen hinter sich: In den 70er Jahren dominierten noch die Forderungen der Entwicklungsländer nach globaler Umverteilung. Die westlichen Industrieländer reagierten 1980 in Form neoliberaler Strukturanpassungspolitik, in den 90er Jahren 18 Vgl. Bewernitz, 2002, S.47f. 19 Hjertholm/White, online im WWW unter URL: S.8f, [Stand ].

15 15 wurde der ganzheitliche Ansatz betont, Konzepte zur nachhaltigen Entwicklung wurden erarbeitet, gemeinsame Verantwortung für die Ökosysteme der Erde festgeschrieben betonte die Wiener Menschenrechtskonferenz das Recht auf Entwicklung, 1995 unterstrich die Pekinger Weltfrauenkonferenz sogar die Ziele der Nichtdiskriminierung und Gleichstellung der Geschlechter als Menschenrechte. 20 Parallel zu den eher wohlfahrtsorientierten Ansätzen der UN-Konferenzen gewannen jedoch die Entwicklungsansätze, die von Weltbank und Internationalem Währungsfonds vertreten werden, in den letzten Jahren an Bedeutung Das Milleniumsprojekt : Ziele, Kennzahlen Seit Mitte der 1990er Jahre bemüht sich die OECD, die konkurrierenden Ansätze der großen Institutionen zusammenzubringen. Armut und Armutsbekämpfung stand dabei im Mittelpunkt. Als Grundlage dienten die vom Entwicklungsausschuss der OECD (Development Assistance Committee, DAC) formulierten DAC-Ziele, die 1996 im Strategiepapier Shaping the 21st Century formuliert wurden. Im Juli 2000 wurde eine Broschüre veröffentlicht, die sieben Ziele als gemeinsame Prioritäten von UN, OECD, IWF und Weltbank definierten. Drei Monate später wurden diese von den Vereinten Nationen in die Milleniumserklärung übernommen. 21 Auf Grund heftiger Proteste der Dritte Welt Staaten wurde vom UNO Generalsekretär noch ein achtes Ziel hinzugefügt, in dem leider unpräzise auf die Situation der ärmsten Länder unter dem Titel Globale Entwicklungspartnerschaft eingegangen wird. 189 Staaten unterzeichneten. Es gelang somit erstmals, einen entwicklungspolitischen Konsens zu finden. Zusammengefasst geht es um folgende Ziele: MDG1: den Anteil der Weltbevölkerung, der unter extremer Armut und Hunger leidet, halbieren MDG2: allen Kindern eine Grundschulausbildung ermöglichen MDG3: die Gleichstellung der Geschlechter fördern und die Rechte der Frauen stärken 20 Vgl. Martens, 2006, S.35ff. 21 Vgl. ebenda.

16 16 MDG4: die Kindersterblichkeit verringern MDG5: die Gesundheit der Mütter verbessern MDG6: HIV/AIDS, Malaria und andere übertragbare Krankheiten bekämpfen MDG7: die ökologische Nachhaltigkeit sichern MDG8: eine weltweite Entwicklungspartnerschaft aufbauen 22 Insgesamt sind es 18 Zielvorgaben und 48 Indikatoren. Weltweit sinkt die Zahl der Armen bei gleichzeitigem Anstieg der Bevölkerungszahlen bereits. Jedoch betrifft dieser Erfolg Süd- und Ostasien inklusive China. In Afrika südlich der Sahara, Lateinamerika, Zentralasien oder Osteuropa nimmt die absolute Armut zu und nicht ab. Selbst bei Erreichung des MDG1, also bei erfolgter Armutshalbierung, würden im Jahr 2015 immer noch hundert Millionen Menschen in extremer Armut leben. Viele der quantitativen Ziele gingen in früheren UN Beschlüssen weiter und hätten eher erreicht werden sollen. Bei dem aktuellen Zeitziel 2015 handelt es sich um eine weitere Vertagung. Martens beschreibt die Zielschwäche der Milleniumsvorgaben anhand des Wassersektors wie folgt: Bereits 1981 hatten die Vereinten Nationen das Ziel aufgestellt, bis zum Jahr 1990 eine universelle Versorgung mit Trinkwasser und Abwasserbeseitigung zu erreichen verlangte der Weltkindergipfel eine universelle Versorgung bis 1995 und die Agenda21 sah zwei Jahre später vor, dass bis zum Jahr 2000 alle Einwohner(innen) von Städten Zugang zu Trinkwasser und 75 Prozent von ihnen Zugang zu Abwasserentsorgung erhalten sollten. Die Zielvorgabe des siebten MDG sieht nun nur noch vor, bis 2015 den Anteil der Menschen um die Hälfte zu senken, die keinen nachhaltigen Zugang zu einwandfreiem Trinkwasser und grundlegenden sanitären Einrichtungen haben (Zielvorgabe 10) Vollständige Auflistung unter 10.2 im Anhang. 23 Martens, 2006, S.41f.

17 Die Rolle der EU Das wichtigste Vorhaben der Entwicklungspolitik der Europäischen Union ist die Minderung und letztendlich die Beseitigung der Armut. 24 Die Entwicklungspolitik steht im Zentrum des außenpolitischen Handelns der EU und trägt zur Verwirklichung ihrer Ziele in den Bereichen Soziales, Umwelt und Sicherheit bei kam es nach langen Umstrukturierungsmaßnahmen zur Neugründung der EuropeAid, deren Aufgabe die Koordinierung von politischen Konzeptionen und Programmen ist. Die Wechselseitigkeit zwischen nationaler und EU-Ebene ist von zentraler Bedeutung für die nationalen Durchführungsorganisationen. Die EU selbst besitzt zur Durchführung keine eigenen Strukturen sondern vergibt Programme und Projekte über internationale Ausschreibungen und erhöht damit den Wettbewerbsdruck unter den Bewerbern, die sich als Wissensträger darstellen müssen. 25 In den Entwicklungsländern selbst übernimmt die EU die Aufgabe, entwicklungspolitische Rahmenbedingungen zu steuern. Auf internationalen Konferenzen spricht sie für die einzelnen Mitgliedsländer, die sich mit Positionspapieren einbringen und die jeweilige Präsidentschaft beraten können. Entlang dieser Schnittstelle werden global angelegte Strategien der Weltbank wie Sektorenprogramme (SWAps: Sector Wide Approaches) oder Armutsbekämpfungsprogramme (Poverty Rduction Strategies) von EuropeAid übernommen und in die nationale Politik eingebracht. Die enge Koppelung zwischen Paradigmen der EU und der Weltbank wirft folglich die Frage auf, an welcher Stelle das Potential für neue Paradigmen besteht. Die Adaption der Weltbankpolitik von Seiten der EU entspricht eher einer Fortführung bestehender Entwicklungskonzeptionen. 26 Wegen ihren Doppelstrukturen wurde die EU bereits mehrfach kritisiert: Neben der Generaldirektion Entwicklung und dem Amt für Zusammenarbeit EuropeAid sind 24 Vgl. SCADPlus: Die Entwicklungspolitik der Europäischen Union: Der europäische Konsens, online im WWW unter URL: [Stand ]. 25 Vgl. Kaiser/Evers, 2003, S Ebenda, S. 100.

18 18 auch die Generaldirektion Handel und die Generaldirektion Außenbeziehungen mit Agenden der Entwicklungszusammenarbeit betraut. Die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten bringen gemeinsam mehr als die Hälfte der öffentlichen Hilfe (Official Development Assistance, ODA) weltweit in die EZA ein Arten der Hilfeleistungen der EZA Hier soll auf die verschiedenen Möglichkeiten der Hilfeleistungen der EZA eingegangen werden, um den Stellenwert der Personaleinsätze im Zusammenhang sehen zu können Öffentliche und private Entwicklungshilfe Die öffentliche Entwicklungshilfe ODA meint Leistungen der DAC Mitgliedsländer für die Entwicklungsförderung, die ein Zuschusselement von mindestens 25% vorweisen können. Es zählen dabei nur die Leistungen an Länder der DAC-Liste, welche vier Kategorien inkludiert. Bei der Gruppe der Least Developed Countries, LDCs (derzeit 50 Länder) handelt es sich um die ärmsten Länder der Welt. Dieser Status berechtigt zu Vorzugsbedingungen im Rahmen der Welthandelsorganisation und bei der Vergabe von Entwicklungshilfegeldern. Es handelt sich vorwiegend um afrikanische Staaten südlich der Sahara. 28 Tabelle 2 zeigt eine Aufstellung aller Länder mit Klassifizierung nach per capita GNI (Gross National Income) in USD. Von den Vereinten Nationen ist ein Richtwert für öffentliche Entwicklungshilfe von 0,7% des jährlichen Bruttonationaleinkommens empfohlen waren die DAC- Industrieländer mit 0,33% noch weit davon entfernt Milliarden USD pro Jahr wären nötig, um die Milleniumsziele zu erreichen. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass man mit zwei Milliarden USD pro Jahr, garantiert auf zehn Jahre, allen Kindern der Region südlich der Sahara eine Grundausbildung ermöglichen könnte. 30 Für militärische Aufrüstung und 27 Vgl. Klein, 2007, S Vgl. URL: [Stand ]. 29 Norwegen, Schweden, Niederlande, Dänemark und Luxemburg bilden die Ausnahme. 30 Vgl. Landau, 2003, S. 11.

19 19 Kriegsführung hingegen wurden 2005 weltweit über 1000 Mrd. USD ausgegeben, davon 48% von den USA. 31 Einen überraschend hohen Anteil an privater Entwicklungshilfe nehmen die Rücküberweisungen ausländischer Arbeitskräfte in westlichen Ländern ein. Diese Gelder bilden eine wichtige Finanzierungsquelle für Entwicklungsländer. 32 Die folgende Tabelle zeig die DAC-Liste mit ihrer Aufteilung der ärmsten Länder in Kategorien der Armut: 31 Vgl. URL [Stand ]. 32 Vgl. URL: [Stand ].

20 20 Tabelle 2: Länder der DAC-Liste nach Grad der Armut Vgl. OECD Publications, online abrufbar im pdf-format im WWW unter URL: [Stand ].

21 Projekt- und Programmhilfe Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit werden Programme zu bestimmten Themen definiert und über einen vereinbarten Zeitraum hinweg finanziert. Diese sektorale Gliederung ist wichtig, da sich Institutionen je nach Kernkompetenzen auf unterschiedliche Sektoren spezialisieren können. Wasser- und Siedlungshygiene ist zum Beispiel ein Gebiet, für das Österreich sich stark engagiert. 34 Ein Instrument der Programmunterstützung ist die Budgethilfe, General Budget Support für das Gesamtbudget oder für einen eigenen Sektor, zum Beispiel das Gesundheitsbudget eines Landes. Das Ziel ist Hilfe zur Selbsthilfe, wodurch die Eigenverantwortlichkeit der Länder gefördert werden soll, folglich natürlich die Kontrolle über die Verwendung der Gelder sinkt. Häufige Barrieren hier sind mangelnde Rechnungslegungsstandards in den Ländern und mögliche Veruntreuung der Gelder. 35 Der Entwicklungshilfeausschuss der OECD verteilt die ODA folgendermaßen: Soziale und administrative Infrastruktur: Bildung, Gesundheit, Wasserversorgung und Hygiene, Regierungsverwaltung und Zivilgesellschaft, u.a. Wirtschaftliche Infrastruktur mit Transport und Kommunikation, Energie u.a. Produktion: Landwirtschaft, Industrie, Bau Multisektorelle Unterstützung Programmunterstützung (Budgethilfe) Leistungen im Zusammenhang mit Auslandsschulden (zum Beispiel Entschuldung von nicht-oda-spezifischen Schulden) Notfallhilfe Administrative Ausgaben 34 Vgl. OEZA Jahresbericht, Thematische Schwerpunkte, erhältlich als pdf-dokument im WWW unter URL: [Stand ]. 35 Vgl. Schmidt, 2005, S. 16.

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