B U S I N E S S A C T I V I T Y M O N I T O R I N G

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1 B U S I N E S S A C T I V I T Y M O N I T O R I N G ein OpenSource-basiertes Framework françois marbot fh bwi-a06

2 françois marbot B U S I N E S S A C T I V I T Y M O N I T O R I N G ein OpenSource-basiertes Framework

3 B U S I N E S S A C T I V I T Y M O N I T O R I N G ein OpenSource-basiertes Framework einzel bachelor-thesis Zürcher Fachhochschule HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich eingereicht bei: Prof. Dr. Walter Kuhn vorgelegt von: François Marbot Alt-Ferrachstrasse 37 B 8630 Rüti ZH Studiengruppe: FH BWI-A06 Zürich, Februar 2010

4 François Marbot: Business Activity Monitoring, ein OpenSource-basiertes Framework, HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich, Februar 2010 eingereicht bei: Prof. Dr. Walter Kuhn ort: Zürich

5 M A N A G E M E N T S U M M A RY Business Activity Monitoring (BAM) wird benutzt, um kritische operative Geschäftskennzahlen in Echtzeit zu überwachen, und dadurch die Geschwindigkeit und Effizienz der Geschäftsprozesse zu erhöhen. BAM ermöglicht die automatische Auslösung von korrektiven Massnahmen, falls ungewöhnliche Situationen oder Fehler im operativen Tagesgeschäft erkannt werden. Ein BAM-System umfasst die folgenden Bereiche: integration Die Fähigkeit, sich nahtlos in die Systemumgebung eines Unternehmens zu integrieren erlaubt dem BAM-System eine umfassende Abdeckung und Überwachung der Geschäftsprozesse. analysis Um drohende, unerwünschte Situationen frühzeitig zu erkennen, muss das BAM-System in der Lage sein, laufend komplexe Analysen der Datenzustände von überwachten Systemen zu tätigen. actions Die Auslösung von automatisierten korrektiven Massnahmen führt zu kurzen Reaktionszeiten bei Problemen und somit zu reduzierten Kosten und Risiken. presentation Eine überschaubare, einfache Darstellung von Kennzahlen, Key Performance Indicators (KPIs) und Metriken erlaubt es dem Management, stets den aktuellen Zustand der operativen Tätigkeit des Unternehmens einzusehen. In dieser Arbeit wurde ein ausschliesslich auf OpenSource basiertes Framework für ein BAM-System entworfen, implementiert und erfolgreich umgesetzt. Die Architektur richtet sich dabei auf bewährte Design Patterns, Best Practices und aktuelle Java-Technologien. Die technische Umsetzung stellte keine besonderen Herausforderungen, da für alle Problemstellungen ein entsprechendes Design Pattern oder eine entsprechende Technologie gefunden werden konnte. Die grösste Schwierigkeit war, sämtliche Technologien in einer Plattform nahtlos zu verbinden. Als wesentliche Erkenntnis dieser Arbeit wurde festgestellt, dass bei der Umsetzung einer BAM-Lösung die betriebliche Seite erfolgsrelevanter als die technische Seite ist. Eine umfassende, präzise Abdeckung der Geschäftsprozesse, aussagekräftige Messgrössen und die konsequente Auswertung dieser Informationen sind zentraler für die nachhaltige Verbesserung der geschäftlichen Effizienz als die technische Umsetzung der BAM-Lösung. Ein auf OpenSource basiertes BAM-Framework, welches frei programmierbar statt nur konfigurierbar ist, bietet die nötige Flexibilität um diesen Anforderungen gerecht zu werden. v

6 I N H A LT S V E R Z E I C H N I S i analyse & anforderungen 1 1 business activity monitoring Was bedeutet BAM? Ziele diese Arbeit ausgangslage Analyse heutiger Systeme SAP BAM Software AG BAM Oracle BAM Fazit zur Analyse Integration Analysis Actions Presentation anforderungen Business-Anforderungen Orientierung an Geschäftsprozessen Flexibilität Kosten Funktionale Anforderungen Integration Analysis Actions Presentation Technische Anforderungen und Design-Constraints Abgrenzungen ii architektur 16 4 architektur übersicht 17 5 laufzeitumgebung und integration Lightweight Container Inversion of Control and Dependency Injection Aspektorientierte Programmierung Spring-Framework datenschicht (data layer) Datenbank Object Relational Mapping-Framework Java Persistence (JPA) API Java Persistence Query Language (JPQL) logikschicht (logic layer) Business Objects Business Object Entity Relationship Model (ERM) Business Object Data Access Objects (DAO) Connectors WebServices Java Message Service (JMS) Queue Java Message Service (JMS) Topic Listeners Alert Rules vi

7 7.3.1 Scheduled Rules Aspect Rules Actions Mail WebService-Caller presentation layer Umsetzung der Analyse-Anforderungen Screen Components Tabellen und Listen Diagramme Navigationselemente Technologien tools Integrierte Entwicklungsumgebung (IDE) Versionierung des Quellcodes Automatische Builds und Dependency Management Automatisierte Tests JUnit EasyMock DBUnit iii implementierung übersicht zur implementierung Szenario zur Beispielimplementierung Aufbau der Applikation business objects Business Objects Entity Relationship Model Business Objects Data Access Objects (DAO) DAO-Interfaces *DAOImpl und AbstractDAOImpl Spring JpaTemplate Transaktionsmanagement Daten-Layer Konfiguration der Datenbank connectors WebServices JMS-Queue JMS-Topic Listeners alert rules Übersicht Alert Rules Alert Group Scheduler Scheduled Rules Rules DAO Aspect Rules Executions Auslösung von Actions Persistierung der Auslösungen actions Sender WebService Consumer vii

8 iv anwendung & schlussfolgerungen anwendung des frameworks Installation des Systems Einstellungen Starten der Umgebung Kompilation und Unit-Tests Customizing Aufsetzen Entwicklungsumgebung Modellieren des ERM Definition der DAO-Methoden Connectors zu Umsysteme Einstellung von Scheduled Alert Rules Einstellung von Aspect Alert Rules Einstellung von Actions In Betrieb nehmen und Testen Daten Importieren Auslösen von Alert Rules Auslösen von Actions fazit Erkenntnisse Technische Erkenntnisse Betriebliche Erkenntnisse Weiteres Vorgehen v anhang 90 literaturverzeichnis 91 abbildungsverzeichnis 95 tabellenverzeichnis 95 listings 95 acronyms 96 eclipse plugins 98 java 98 mysql datenbank 99 apache activemq 99 apache maven 100 statistiken 100 viii

9 A N M E R K U N G E N Z U M I N H A LT Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für Frauen und Männer. Die meisten Abbildungen sind entweder aus eigener Aufbereitung oder aus dem Quellcode dieser Arbeit generiert worden. Sämtliche Listings sind selbst entworfen oder aus dem Quellcode extrahiert worden. Aus diesen Gründen wird generell auf Quellenangaben bei Abbildungen und Listings verzichtet. Bei Abbildungen, die nicht vollständig aus eigener Aufbereitung entstanden sind, wird die entsprechende Quelle angegeben. Bei technischen Fachausdrücken wird wenn angebracht oder notwendig die englische Form verwendet. Dadurch wird die Eindeutigkeit der Bezeichnungen sichergestellt, da die meisten Fachausdrücke in der Software-Entwicklung nur auf Englisch und ohne offizielle deutsche Übersetzungen gebraucht werden. Das Lesen dieser Arbeit setzt Grundkenntnisse in den Bereichen IT-Architekturen, Software-Entwicklung und Datenbank-Modellierung voraus. Insbesondere sind Kenntnisse der Programmiersprache Java (Version 1.5 oder höher) notwendig. E H R E N W Ö RT L I C H E E R K L Ä R U N G Ich bestätige hiermit, dass die vorliegende Bachelor-Thesis selbständig durch den Verfasser und ohne Benützung anderer als der angegebenen Quellen und Hilfsmittel angefertigt wurde, die benutzten Quellen wörtlich oder inhaltlich als solche kenntlich gemacht wurden; und diese Arbeit in gleicher oder ähnlicher Form noch keiner Prüfungskommission vorgelegt wurde. Zürich, 25. Februar 2010 François Marbot ix

10 We have seen that computer programming is an art, because it applies accumulated knowledge to the world, because it requires skill and ingenuity, and especially because it produces objects of beauty. Donald E. Knuth Professor für Informatik an der Stanford University V O RW O RT In den letzten Monaten hat mich das Schreiben dieser Arbeit fachlich ebenso wie persönlich weitergebracht. Das Interesse bei den Recherchen, die Kreativität beim Lösungsentwurf und die Ausdauer bei der Umsetzung haben mir bestätigt, den richtigen Beruf gewählt zu haben. Ich wünsche Ihnen eine interessante und aufschlussreiche Lektüre. Zeit ist Geld wird oft gesagt, und dies trifft besonders im geschäftlichen Umfeld zu. Diese Bachelor-Thesis befasst sich mit der knappen Ressource Zeit, genauer genommen mit der Reaktionszeit, die nie klein genug sein kann. Geschäftliche Prozesse in allen Variationen und Branchen werden stets optimiert. Diese Prozesse sollen schlanker, flexibler, schneller und günstiger werden. Was geschieht aber, falls bei der operativen Ausführung Probleme auftreten? Werden diese Probleme rechtzeitig erkannt, können passende Korrekturmassnahmen unverzüglich getroffen werden? Können diese sogar automatisiert werden? Für Unternehmen ist es zunehmend wichtig, zeitkritische Geschäftsprozesse, KPIs und die Einhaltung von Service-Level-Agreement (SLA)s in Echtzeit überwachen zu können, um bei plötzlichen, unvorhersehbaren Abweichungen und Problemen unverzüglich reagieren zu können. Je früher solche Abweichungen im operativen Tagesgeschäft erkannt werden, desto früher können entsprechende korrektive Massnahmen eingeleitet werden, was unnötige Kosten vermeidet. Sofortige Information und unverzügliche Reaktion wird verlangt. Heute existieren auf dem Markt verschiedene kommerzielle Business Activity Monitoring (BAM)-Lösungen, wie z.b. Oracle BAM, SAP BAM oder Software AG BAM. Diese Lösungen befassen sich alle mit der Darstellung der operativen Prozessabwicklung in Echtzeit, und bieten die Möglichkeit an, automatisiert Massnahmen auszulösen im Falle von Abweichungen. Die meisten dieser Lösungen zielen auf den Einsatz in der eigenen Middleware, oder im eigenen ERP System, und sind mit entsprechendem Customizingaufwand bei der Umsetzung verbunden. Es gibt aber derzeit kein frei verfügbares, auf offenen Standards basierendes Framework, welches als Grundbaustein für die Implementierung einer eigenen, einfachen BAM-Lösung verwendet werden könnte. Diese Arbeit befasst sich mit dieser Problematik und zeigt auf, wie ein solches BAM-Framework, basierend auf freier Software und OpenSource, aussehen könnte. Der Hauptfokus liegt auf der Wahl der einzusetzenden Technologien, welche allesamt auf der Programmiersprache Java basieren und auf offenen Standards aufbauen. Ziel dieser Arbeit ist es, die applikatorischen Grundbausteine und die Grundarchitektur aufzuzeigen, um eine weitere, unternehmensspezifische Implementierung zu ermöglichen. x

11 G L O S S A R aspects Aspects, auch Concerns, werden in der aspektorientierten Programmierung verwendet, um unterstützende Funktionalität einer Applikation von der eigentlichen Geschäftslogik abzukapseln. design pattern Ein Design Pattern, auch Entwurfsmuster genannt, ist eine wiederverwendbare Vorlage zur Lösung immer wiederkehrenden Problemstellungen. entity relationship model Das Entity Relationship Model (ERM) dient dazu, einen Ausschnitt der realen Welt zu beschreiben. Entitäten abstrahieren dabei reale Objekte, deren Beziehungen meist in einer Grafik beschrieben werden. flexibilität Unter Flexibilität wird die Fähigkeit zur mühelosen Anpassung verstanden. Im Rahmen dieser Arbeit ist unter Flexibilität die Fähigkeit gemeint, einerseits Geschäftsanforderungen in kurzer Zeit mit geringem Aufwand umzusetzen, und anderseits die Anpassungsfähigkeit einer Software an die eigenen Vorstellungen. framework Ein Framework ist ein Programmiergerüst und stellt den Rahmen dar, innerhalb dessen der Software-Entwickler eine Anwendung erstellt. Es ist somit noch keine fertige Anwendung, sondern gibt die Architektur der Applikation vor. implementierung Eine Implementierung ist eine konkrete Umsetzung von Architektur- oder Strukturvorgaben. In Java wird auch die Umsetzung eines Java-Interfaces in eine Java-Klasse als Implementierung bezeichnet. persistierung Die Persistierung bezeichnet den Vorgang, Daten (oder Objekte) in nichtflüchtigen Speichermedien wie Dateisystemen oder Datenbanken zu speichern. xi

12 Teil I A N A LY S E & A N F O R D E R U N G E N

13 B U S I N E S S A C T I V I T Y M O N I T O R I N G was bedeutet bam? Business Activity Monitoring (BAM) wird als Vorgehen beschrieben, um kritische operative Geschäftskennzahlen in Echtzeit zu überwachen, was die Geschwindigkeit und Effizienz der Geschäftsprozesse erhöhen soll. Anders als bei konventioneller Echtzeitüberwachung werden bei BAM verschiedene Systeme, zum Teil auch unternehmensübergreifend, überwacht und in einer Gesamtansicht aggregiert zusammengefasst. 1 Der Zweck von BAM ist es, unnötige Verzögerungen, Engpässe und das ineffiziente Verbrauchen von Ressourcen frühzeitig aufzuspüren. Dies wird erreicht durch das Bereitstellen von Finanz- und Performanceinformationen in Echtzeit. Der Zugriff auf KPI Informationen in Echtzeit kann für Manager wie Mitarbeiter bei der Verbesserung der Geschäftseffizienz eine entscheidende Rolle spielen. BAM kann die Reaktionszeiten von Unternehmen dank der Einsicht in die Geschäftsprozesse massiv verbessern. Der Einsatz von BAM durch die gesamte Hierarchie einer Organisation ist sinnvoll: sowohl im operativen Tagesgeschäft durch einzelne Mitarbeiter, als auch auf einer höheren Abstraktionsstufe durch das Management können die gewonnenen Informationen benützt werden, um möglichst schnell und effizient zu reagieren. Diese Reaktionen sollten wenn immer möglich automatisiert werden, so dass die Einleitung von kurzfristigen Verbesserungsmassnahmen möglichst wenig Aufwand bedeutet und keine manuellen Eingriffe benötigt. Der Einsatz von BAM zur Prozessoptimierung und Kostenreduzierung lässt sich mit einer Vielzahl unterschiedlicher Geschäftsszenarien und Branchen vereinbaren. Hier einige Beispiele: Die heutige Automobilindustrie ist derart auf Kanban und Just-in-Time getrimmt, dass schon geringste Abweichungen in den Zulieferprozessen genügen, um ganze Produktionsketten lahmzulegen. BAM ermöglicht es, unternehmensübergreifend Probleme bei einem Lieferanten frühzeitig zu erkennen, so dass die Einleitung von Korrekturmassnahmen direkt beim Lieferanten erfolgen kann und die Störung keinen Einfluss auf den reibungslosen Ablauf der Produktion nach sich zieht. Im Bankenumfeld werden täglich immense Summen im Rahmen des Interbankengeschäfts zwischen Banken transferiert, oder an die Nationalbank auf Giro-Konti überwiesen. Jede Bank hat grundsätzlich Interesse daran, möglichst wenig Geld unnötig - d.h. unverzinst - auf ihren internen Kontis liegen zu lassen. Jede Bank muss jedoch auch sicherstellen, dass stets genügend Liquidität zur Abdeckung des täglichen Geschäfts zur Verfügung steht. Dieser Prozess der täglichen Liquiditätsbedarfsplanung bedient sich einer Vielzahl von Informationen aus unterschiedlichen Quellen und muss möglichst kurzfristig und zuverlässig stattfinden, so dass stets der optimale Geldbetrag ausgeliehen oder aufgenommen werden kann. Eine Verzögerung in diesem Prozess kann gravierende Zinskosten nach sich ziehen, da die Banken untereinander täglich eine bestimmte Uhrzeit für die Bekanntgabe ihrer Liquiditätsbedürfnisse einhalten müssen. 1 vgl. McCoy, 2002, Seite 2 2

14 1.2 ziele diese arbeit 3 Eine BAM-Lösung kann dazu beitragen, die Verfügbarkeit der unterschiedlichen Informationsquellen zu überwachen, um Verzögerungen frühzeitig entgegenzuwirken. IT-Dienstleister sind oft an Service-Level-Agreements (SLAs) gebunden, welche genau vorgeben, wie ihre Dienstleistungen gegenüber ihren Auftraggebern und Kunden auszusehen haben. Die Qualität der Dienstleistungen ist dabei klar messbar festgelegt, und oft mit Konventionalstrafen bei Nichteinhaltung verbunden. Typische Messgrössen sind dabei die Verfügbarkeit der IT-Infrastruktur, die Erreichbarkeit des Call-Centers oder die Reaktionszeit bei Eskalationen. BAM kann dazu beitragen, die vorgeschriebenen Messgrössen zu überwachen, um bei einer allfälligen Überschreitung der definierten Toleranzgrenze eine Warnung zu generieren. Was alle Beispiele gemeinsam haben, ist die Kurzfristigkeit der benötigten Informationen. Im Gegensatz zu einem Management Information System (MIS) werden nicht Daten einer bestimmten Zeitperiode nachträglich aggregiert und ausgewertet, sondern es werden aktuelle Informationen aus unterschiedlichen Systemen möglichst unverzüglich und laufend interpretiert. Das Sammeln von Daten zur Archivierung ist keine Aufgabe eines BAM-Systems. 1.2 ziele diese arbeit Heute existieren einige kommerzielle BAM-Lösungen, wie z.b. Oracle BAM, SAP BAM oder Software AG BAM. Diese Systeme sind allesamt kostenpflichtig und an die herstellereigene Middleware gekoppelt. Sie bauen meist auf die proprietären Technologien der jeweiligen Herstellerfirmen auf, und gewähren keine Einsicht in den Quellcode. Diese Arbeit soll exemplarisch aufzeigen, wie ein solches BAM-Framework, basierend auf offenen Technologien, aufgebaut werden könnte. Ziel ist es jedoch nicht, eine vollständige Lösung oder ein fertiges Produkt zu kreieren, sondern nur, ein Framework bereitzustellen, dass von Software Entwicklern als Grundlage für eine eigene, den Bedürfnissen des eigenen Unternehmens angepasste BAM- Lösung verwendet werden kann. Als Hauptprogrammiersprache wurde Java gewählt, da die Bedeutung von Java im Unternehmensumfeld unbestritten ist, und es durch unterschiedliche Frameworks sehr gut unterstützt wird. Sämtliche in dieser Arbeit verwendeten Technologien sind OpenSource und unter einer entsprechenden Lizenz frei verfügbar.

15 A U S G A N G S L A G E 2 Das in dieser Arbeit erarbeitete Framework soll sich am Leistungsumfang und an der Funktionsweise heutiger BAM-Lösungen orientieren. Dieses Kapitel beinhaltet eine Analyse der Leistungen der heutigen kommerziellen BAM-Lösungen, aus denen Anforderungen an das offene Framework abgeleitet werden können. 2.1 analyse heutiger systeme Die Analyse wird auf die drei wichtigsten BAM Anbieter beschränkt, da diese zusammen alle Funktionen einer typischen BAM-Lösung abdecken sollten SAP BAM Die deutsche Firma SAP AG 2 ist die grösste europäische und weltweit viertgrösste Softwareherstellerin. Die SAP AG ist Marktführerin im Enterprise Resource Planning (ERP) und bietet als Teil ihrer Middleware-Plattform SAP Netweaver 3 im Bereich Business Process Management (BPM) eine eigene BAM-Lösung an. Basierend auf dem White Paper von SAP ist die Lösung in folgende Funktionalitäten aufgeteilt: 4 process integration Das BAM-System muss sich nahtlos in der Systemlandschaft bzw. den Geschäftsprozessen, integrieren lassen. Der Funktionsumfang der Process Integration umfasst alle Wege, wie Daten und Informationen zwischen dem BAM-System und den zu überwachenden Systemen ausgetauscht werden können. rules and event handling Diese zentrale Funktionalität beinhaltet die eigentliche Intelligenz der BAM- Applikation. Die Informationen, die über die erwähnte Prozessintegration in die BAM-Applikation fliessen, werden laufend analysiert und ausgewertet. Wichtig ist dabei, dass einerseits die Auswertung der Informationen in ihrem Prozesskontext stattfindet, und andererseits auf historischen Daten basiert, um Anomalien ausfindig zu machen. Auch den Zusammenhang zwischen den Ereignissen muss analysiert werden - ein einzelnes Vorkommnis mag nicht wichtig sein, kann aber im Zusammenhang mit weiteren Ereignissen ein gravierendes Ausmass erreichen. alerting and visualisation Die letzte Stufe der Funktionalität umfasst die gesamten Benutzerinteraktionen. Die Informationen müssen für den Benutzer ebenso verständlich dargestellt werden wie allfällige Alerts und mögliche Massnahmen zur Auflösung. Für die Akzeptanz der BAM-Lösung ist es wichtig, eine intuitive, ansprechende und simple Benutzeroberfläche bereitzustellen, mit der 2 siehe SAP Homepage 3 SAP Netweaver ist eine Plattform zur Integration von Geschäftsapplikationen. Sie basiert auf den SAP NetWeaver Applikationsserver. 4 vgl. SAP, 2006, Seiten 6 und 7 4

16 2.1 analyse heutiger systeme 5 von den Benutzern gerne gearbeitet wird. Auch gefühlte Performance, Genauigkeit der angezeigten Daten und Funktionalität der Alert-Auflösung spielen eine wesentliche Rolle. Die Abbildung 1 5 zeigt eine high-level Sicht der Architektur der SAP BAM Lösung. Gut ersichtlich sind die drei Stufen der Funktionalität: die Event Infrastructure steht für die Prozessintegration und Anbindung an Fremdsysteme, die beiden Module Business Process Management und Business Intelligence beinhalten die Auswertungslogik von Rules und Events, und schliesslich stellt das Dashboard, Event Resolution die Schnittstelle zur Visualisierung der Daten gegenüber dem Benutzer dar. Abbildung 1: Architektur Überblick SAP BAM Lösung Als weitere Funktionalität werden auch allgemeine Aspekte angesprochen, wie Sicherheit, Skalierbarkeit, Performance und Interoperabilität Software AG BAM Die deutsche Firma Software AG 6 ist die weltweit grösste unabhängige Anbieterin von Softwarelösungen zur Steuerung von Geschäftsinfrastruktur. Das Produktportfolio umfasst Lösungen zur Bereitstellung einer Service-oriented Architecture (SOA), Software-Entwicklungen und -Modernisierungen, High- Performance Data Management sowie die Verbesserung von Geschäftsprozessen. Grundsätzlich versteht die Software AG Business Activity Monitoring ebenfalls als System zur Überwachung der operativen Tätigkeit. Der Autor des White Papers dieser Firma unterscheidet dabei jedoch zwischen basic und secondgeneration Strategien. Als basic Strategie wird das Benützen von BAM zur Überwachung der klassischen BAM-Attribute verstanden: 7 5 SAP, 2006, Seite 10 6 siehe Software AG Homepage 7 vgl. Crump, June 2006, Seiten 4 bis 7

17 2.1 analyse heutiger systeme 6 volumes Unter Volumes wird die Überwachung von geschäftlichen Kennzahlen verstanden, wie Anzahl Transaktionen, Kosten, Marge oder Umsatz. Die meisten Unternehmen benützen BAM einzig um diese einfachen Kennzahlen zu messen. Diese Informationen werden dabei meist in einem RealTime Dashboard der Geschäftsleitung zur Verfügung gestellt. Diese einfache, klassische Datenerhebung kann als grundlegende Funktionalität jedes BAM-Systems angesehen werden. velocities Die zweite basic Funktionalität umfasst die Geschwindigkeit und zeitliche Messung: z.b. Durchlaufzeit der einzelnen Prozessinstanzen, Wartezeiten oder Zeitdauer der einzelnen Prozessschritte. Die zeitlichen Messungen werden dabei mit den zuvor erwähnten Volumenmessungen kombiniert, und ergeben zusammen einen guten Einblick in die aktuellen Geschäftsaktivitäten, da unter Berücksichtigung der beiden Faktoren Volumen und Zeit alle benötigten Informationen vorhanden sind um die Performance effektiv messen zu können. Der Management Information System (MIS) Aspekt dieser Informationen wird oft als erstes Verkaufsargument von BAM gesehen. errors Obwohl die ersten beiden Attribute Volumen und Zeit ausreichend sind, um einen guten Einblick in den Gesundheitszustand der operationellen Tätigkeiten zu gewähren, sind auch die besten Systeme nicht frei von Fehlern. Die dritte Dimension der klassischen BAM-Messungen meldet Systemfehler, seien sie durch Software-, Hardware- oder sogar menschliche Fehler verursacht worden. Ziel ist eine möglichst unverzügliche Behebung derselben. special conditions Die letzte Messgrösse sind Special Conditions, d.h. vom Benutzer definierte, individuelle Regeln. Wie bei allen anderen Messungen wird BAM diese Regeln permanent prüfen und den Benutzer mit entsprechenden Informationen laufend versorgen. Speziell an diesen Regeln ist, dass sie nicht allgemeingültig definiert, sondern dass sie nur auserwählte Geschäftsinstanzen berücksichtigen: z.b. nur Transaktionen mit einem gewissen Volumen, oder Bestellungen mit unklaren Lieferadressen. Die Verwendung von Special Conditions ermöglicht es, menschliche Intelligenz in die Prozessüberwachung zu integrieren, statt sich auf die allgemeingültigen Kennzahlen beschränken zu müssen. Die obengenannten Punkte können als Basis-Funktionalität jeder BAM-Applikation angesehen werden. Die second-generation Strategien bauen auf die Basis- Funktionalität auf und ermöglichen eine weitere Steigerung der Effizienz einer BAM-Lösung. Diese Strategien unterteilen sich in die folgenden drei Hauptthemen: 8 business assurance and visibility Dieser Aspekt ist eine Erweiterung der ersten beiden Basis-Funktionalitäten, Volumes und Velocities. Im Unterschied zu der einfachen, punktuellen Überwachung von IT-Ressourcen wie Applikationen, Datenbanken und Files misst die Business Assurance and Visibility -Strategie den 8 vgl. Crump, June 2006, Seiten 7 bis 9

18 2.1 analyse heutiger systeme 7 gesamten Geschäftsprozess, basierend auf historischen Daten. Die punktuelle Überwachung von Kennzahlen liefert zwar einen guten Eindruck der momentanen Situation, reicht aber oft nicht aus um die wahre Ursache von Problemen zu eruieren. Es kann durchaus sein, dass bezüglich Kennzahlen und Verfügbarkeit der Systeme alles in Ordnung ist, die Prozesse sich aber qualitativ trotzdem verschlechtern, ohne dass die klassische BAM-Applikation die abnormale Situation bemerkt. Die Business Assurance and Visibility -Strategie sieht die Überwachung des gesamten Geschäftsprozesses im End-To-End Verfahren vor, und vergleicht die aktuellen Daten mit historisierten Daten aus früheren Prozessinstanzen. Die Überwachung wird eine Abstraktionsstufe erhoben und ermöglicht den Einsatz von intelligenten Regeln basierend auf KPIs, die dank dem Einsatz von laufend aktualisierten historischen Daten stets aktuell sind. Diese Gesamtsicht ermöglicht die Verbesserung von Geschäftsprozessen in ihrer Gesamtheit, da nun Prozessverbesserungen messbar gemacht werden können. Die BAM-Applikation ermöglicht einen vorher-nachher Vergleich und zeigt auf, welche Massnahmen zur Verbesserung der Prozesse tatsächlich eine positive Wirkung gezeigt haben. control services Die Control Services ermöglichen, externe Zusatzinformationen in die Überwachung aufzunehmen, wie interne Richtlinien, SLA-Kenngrössen oder Metriken. Die klassische BAM-Überwachung fokussiert vor allem auf die interne Überwachung der Prozesse. Die Control Services ermöglichen eine noch feinere Definition von Regeln, um gewisse Situationen im operativen Geschäft zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren. complex pattern recognition Die klassische Überwachung bezieht sich meist auf einzelnen Geschäftstransaktionen, Kennzahlen oder KPIs. Bei der Complex Pattern Recognition wird die Kombination einzelner Muster analysiert, um eine verbesserte Nachvollziehbarkeit der Problemursache zu erreichen. So kann es z.b. sein, dass die Verkaufsprozesse langsamer werden, gleichzeitig aber der Umsatz stark zunimmt und die CallCenter-Anrufe explodieren. Eine solche Konstellation könnte auf ein Problem bei der Verkaufspreisbestimmung der Produkte hindeuten. Die Complex Pattern Definition versucht, die gesamten vorhandenen Informationen permanent zu analysieren, um bevorstehende Problemsituationen frühzeitig zu erkennen Oracle BAM Die amerikanische Firma Oracle Corporation 9 ist der weltweit drittgrösste Software Hersteller. Oracle ist dank seiner sehr erfolgreichen Datenbank gross geworden und hat in den letzten Jahren durch diverse Akquisitionen auch im Middleware Bereich Fuss gefasst. Die BAM Lösung von Oracle ist Bestandteil ihrer Produktlinie Oracle Fusion Middleware 10. Bezüglich Funktionalität unterscheidet sich das Oracle BAM nicht wesentlich von seiner Konkurrenz: zum Funktionsumfang gehört die Überwachung von KPIs in Echtzeit, die Darstellung auf Dashboards und die Auslösung von Alerts. 9 siehe Oracle Corp. Homepage 10 Die Oracle Fusion Middleware ist ein Verbund aus verschiedenen Applikationen und Middlewareprodukten, die Oracle in seiner Best of Breed -Strategie erworben hat. Siehe Oracle Fusion Middleware Homepage

19 2.2 fazit zur analyse 8 Im White Paper wird die Fokussierung auf die Überwachung von Geschäftsprozessen in den Vordergrund gestellt. 11. Der Fokus auf die Geschäftsprozesse ermöglicht es, die Ursache eines Problems auf einfache Weise festzustellen. Es kann sein, dass Hunderte von Alerts aus verschiedenen Systemen ausgelöst werden, die aber alle nur eine einzige Ursache haben. Der BAM-Benutzer kann dank dem Fokus auf die Geschäftsprozesse die Ursache im Prozess statt in den Systemen feststellen. Das Oracle BAM wirbt vor allem für seine nahtlose Integration in die bestehende Oracle Fusion Middleware. Die verwendeten Technologien und die Architektur seien völlig neu konzipiert und einmalig in der Industrie. 12 Die Architektur umfasst im wesentlichen die folgende Komponenten: 13 enterprise link Der Enterprise Link bietet die Möglichkeit, Daten aus unterschiedlichsten Quellen ins Oracle BAM zu integrieren. Erwähnenswert ist auch die Möglichkeit, mit Datenbank-Abfragen auf historische Daten zuzugreifen. Dies kann benützt werden, um aktuelle und historische Daten zu vergleichen, und mögliche Abweichungen besser einzuschränken. active data cache Der Active Data Cache ist die zentrale Datenablage des Systems. Die gesamte Datenhaltung geschieht im Arbeitsspeicher, was eine höhere Performance ermöglicht als die klassische Datenhaltung in Datenbanken. Der Active Data Cache bietet auch ein Application Programming Interface (API), welches das Entwickeln von individuellen Applikationen ermöglicht. event engine Die Event Engine sorgt für die laufende Prüfung der Datenzustände des Active Data Caches und für das Ausführen von automatisierten Aktionen. Es sind davon verschiedene möglich, wie das Versenden von Reports per oder das Aufrufen von WebServices. report engine Aufgabe der Report Engine ist es, Daten und KPIs im Browser verständlich darzustellen. Es werden unterschiedliche Darstellungsformen angeboten, von Tabellen über Diagramme bis zu Messuhren. Erwähnenswert ist, dass der Browser sich selbst aktualisieren kann, ohne dass der Benutzer die Anzeige manuell erneuern muss. active data architecture Die Active Data Architecture beschreibt den gesamten Prozess der Datenlieferung ins Oracle BAM: eine Geschäftsanwendung ändert ihre Daten und schickt eine Meldung dem BAM Enterprise Link, die Daten werden im Active Cache aktualisiert und gespeichert, die Event Engine prüft, ob eine Regel die Auslösung einer Aktion erfordert, und schliesslich wird von der Report Engine die Anzeige der Daten im Browser erneuert. 2.2 fazit zur analyse In einem Punkt sind sich alle Lösungen gleich: die Erkenntnisse aus der BAM- Applikation sind nur so gut, wie die Geschäftsprozesse durch die Überwachung sinnvoll abgedeckt werden können. So ist z.b. eine punktuelle Überwachung der 11 vgl. Srivastava, June 2009, Seiten 4 und 5 12 vgl. Srivastava, June 2009, Seite 7 13 vgl. Srivastava, June 2009, Seiten 9 bis 11

20 2.2 fazit zur analyse 9 Verfügbarkeit eines Servers, oder die Höhe des Umsatzes an einem bestimmten Tag viel weniger aussagekräftig als eine Einsicht in einen bestimmten operativen Geschäftsprozess. Wichtig ist auch, dass historische Daten einbezogen werden können, so dass Erfahrungswerte aus der Vergangenheit zur Beurteilung der Situation berücksichtigt werden können. BAM ist nicht ein simples Tool, welches einfach installiert werden kann und sofort brauchbare Informationen liefert. Für einen wahren Mehrwert muss BAM mit Fokus auf die Verbesserung der Geschäftsprozesse eingestellt werden: der Kern der Applikation, die Analyse-Funktionalität, muss sorgfältig durchdacht sein, um aus den vielen Informationen einen Nutzen ziehen zu können. Die Prozesse der Unternehmen sind jedoch meistens unterschiedlich, denn jedes Unternehmen versucht, durch die Verbesserung seiner Prozesse einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen: Dies bedeutet für BAM, dass die Analysemöglichkeiten möglichst flexibel sein müssen, um sich möglichst gut den jeweiligen Geschäftsprozessen anpassen zu können. Es bedeutet auch, dass die Einführung einer BAM-Lösung nicht nur eine Aufgabe für die IT-Abteilung, sondern vor allem auch für die Business-Spezialisten ist. Die Analyse der Lösungen der drei Hauptanbieter von BAM lässt erkennen, dass die Systeme alle ähnlich aufgebaut sind und eine ähnliche Funktionalität bieten. Grundsätzlich lässt sich die Funktionalität der einzelnen Applikationen in die vier Kernbereiche Integration, Analysis, Actions und Presentation aufteilen. Diese vier Bereiche werden auf ähnliche Weise von den unterschiedlichen Systemen unterstützt Integration Die Integration-Funktionalität umfasst alle Bausteine zur Sammlung von Daten und Informationen, sowie alles, was mit der Verknüpfung der BAM-Applikation in der Systemarchitektur des Unternehmens zu tun hat. Einerseits muss das BAM-System in der Lage sein, die gewünschten Informationen und Daten in Echtzeit aus den zu überwachenden Umsysteme zu beziehen, anderseits muss es fähig sein, bei der Auslösung von automatisierten Aktionen Anweisungen an die entsprechende Systeme zu übermitteln. Diese Eingriffe sollen dabei nicht-invasiv sein und möglichst geringe Auswirkungen auf die Umsysteme haben. Vereinfacht gesagt umfasst Integration somit die Input- und Output- Funktionalität des BAM-Systems Analysis Bei der Analysis werden die durch Integration gebundenen Informationen und Daten analysiert und gegenüber vordefinierten Regeln abgeglichen. Dieser Prozess ist nie zu Ende, da permanent Daten in das BAM-System fliessen, die analysiert werden müssen. Die definierten Regeln können dabei beliebig komplex sein, von der einfachen Prüfung des Maximalwertes einer Kennzahl bis zu selbst-lernenden Complex Pattern Recognition -Abfragen, basierend auf historischen Daten. Die Analysis beinhaltet den eigentlichen Kern, die Intelligenz einer BAM-Applikation Actions Die Actions umfassen alle Arten von automatisierten Aktionen, welche aus der Analysis von vordefinierten Regeln ausgelöst werden können. Denkbar sind

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