Optimierung Front-Office Systemlandschaft

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1 Optimierung Frnt-Office Systemlandschaft Iv Pelzmann / Hendryk Braun Inhalt Einleitung... 1 Begriffsdefinitin Frnt-Office-System... 2 Marktsituatin... 3 Gründe und Ursachen des Status Qu... 3 Fragestellung und Evaluierung... 4 Vr- und Nachteile einer Multisystem-Lösung... 5 Vr- und Nachteile einer System-Lösung... 7 Zusammenfassung... 8 Einleitung Im Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise fielen in den letzten Wchen und Mnaten in den Medien wieder und wieder dieselben Begriffe und Phrasen, wie wachsender Abschreibungsbedarf bei Finanzinstituten, mangelnde Transparenz bei Risikpsitinen und fehlendes Prduktverständnis bei den verantwrtlichen Persnen. Die gefrderte Knsequenz ist eine weitere Regulierung der Finanzmärkte, welche für die nötige Transparenz srgen sll und nicht zuletzt durch die Veröffentlichung der überarbeiteten MaRisk verankert wurde. Ein Teilbaustein, der für die gefrderte Transparenz srgen kann, sind die Frnt-Office- Systeme ( FO Systeme ) der einzelnen Finanzinstitute. Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Einsatzbereich der genutzten Frnt-Office- Systeme der Handelsbereiche und der Frage, welches Setup für eine verbesserte Transparenz srgen könne. Eine vllumfängliche Antwrt auf diese Frage kann im Rahmen dieses Fachbeitrags nicht beantwrtet werden, vielmehr werden Prblemstellungen aufgezeigt, die die Kmplexität auch einfachster Systemlösungen verdeutlichen.

2 Begriffsdefinitin Frnt-Office-System Zunächst sllte der Begriff FO-System definiert werden, was bereits eine grundlegende Herausfrderung darstellt, da jeder Anwender meist seinen eigenen Setup 1 der Handelsinfrastruktur als FO System definiert. In allen Fällen sind in einem FO-System alle Handelsgeschäfte, swhl börsengehandelte als auch außerbörsliche, zeitnah abzubilden. Dies kann als Gemeinsamkeit bei den Finanzinstituten festgehalten werden. Grundsätzlich sllte es für jeden Anwender eine Einzeldefinitin geben, je nachdem wie das FO System zum Einsatz kmmt. Vergleicht man den Einsatz vn Standardfrntffice-Systemen wie Calyps, Kndr+, Murex, Prime/Arena, SimCrp Dimensin der Summit bei unterschiedlichen Anwendern, kmmt man zu erheblichen Nutzungsunterschieden. Flgende grundlegende Einsatzmöglichkeiten vn FO Systemen sind denkbar: zur reinen Geschäftserfassung als reine Datenbank (nur zur Geschäftsdatenspeicherung) zur Psitinsführung zu Berechnung der Risikkennziffern zur Durchführung vn Stresstests zur Ermittlung des Prfit und Lss 2 Frnt t Back 3 der ausschließlicher Back-Office Einsatz. Selbst der Laie erkennt, dass es in der Verwendung gewaltige Unterschiede gibt. Niemand würde ein kmplexes System wie Arena/Prime, Calyps, Murex der Summit kaufen, um drt nur Geschäfte zu erfassen. Als partielle Ergänzung für einzelne Teilaspekte könnte auch Excel eingesetzt werden. 1 Hierzu können auch Applikatinen zählen, die außerhalb des eingesetzten Frnt Office Systems benutzt werden, wie z.b. ein Geschäftserfassungstl, Bewertungstl, Pricingtl etc. 2 Es wird nicht zwingend die handelsunabhängige P/L Rechnung gemeint, sndern eine Frnt Office P/L 3 Unter Frnt t Back wird der zusätzliche Einsatz des FO Systems zu Setllementzwecken verstanden 1 PLUS i GmbH vn 9

3 Marktsituatin Betrachtet man heute die bestehende Systemarchitektur in den Handelsbereichen vn Finanzinstituten, s sieht man verschiedene Ansätze im Markt, um FO-Systeme zu nutzen. Die häufigste Variante ist die Mehrsystem 4 -Lösung, die bei größeren Finanzinstituten zum Einsatz kmmt. In den vergangenen Jahren wurden allerdings auch Anstrengungen vn verschiedensten Marktteilnehmern unternmmen, die FO-Systemlandschaft zu knslidieren. Damit sll eine Reduzierung der Kmplexität in den Przessen erreicht werden, welche wiederum zu einer Kstenentlastung führt. Zusammenfassend sind die Ansätze auf zwei zentrale Fragestellungen zurückführbar: Möchte der Anwender verschiedene FO-Systeme für verschiedene Asset Klassen verwenden der setzt man nur ein FO-System ein und bildet drt alle Prdukte und Geschäftsvrfälle ab? Sll das einzusetzende System vn einem Anbieter erwrben der in-huse entwickelt bzw. maßgeblich weiterentwickelt werden? In jedem Fall sllten die Bedürfnisse der nutzenden Bereiche bei der Beantwrtung der Fragen einbezgen werden. Gründe und Ursachen des Status Qu Der Hauptgrund für die bestehenden Frnt-Office-Infrastrukturen liegt sicher darin, dass sie über die vergangenen 15 Jahre vn Ihrer Basis histrisch gewachsen sind. Diese Kmplexität, wie sie heute existent ist, war zu Beginn der Karriere vn Frnt-Office- Systemen nicht gegeben und absehbar, s dass z.b. jeder Handelsbereich eines Finanzinstitutes (wie z.b. Aktien-, Renten, Derivat- und Geldmarkthandel) sein eigenes System weiterentwickelte. Ein weiterer Aspekt ist die Abnahme des Vlumens pr Transaktin z.b. durch das Herabsetzen des Mindestbetrages bei Aktien in den 90er Jahren. Daraus flgt, dass nun eine weitaus höhere Anzahl an Geschäftsvrfällen in den Datenbanken der Finanzinstitute vrhanden ist. Parallel ist sicher auch die enrm gestiegene Leistungsfähigkeit der IT-Systeme zu nennen. 4 Verschiedene Asset Klassen werden in verschiedene Systemen 1 PLUS i GmbH vn 9

4 Auch die Glbalisierung hat hier nicht halt gemacht. Wurden vrher an den Standrten wie New Yrk, Lndn, Luxemburg der Asien recht autark agiert, werden heute ft zusammenhängende Geschäftsvrfälle vn verschiedensten Lkatinen in Ihren eigenen Systemen, mit Ihren eigenen regulatrischen Anfrderungen, abgebildet. Der letzte Aspekt, der hier genannt werden muss, sind die steigenden regulatrischen Anfrderungen seitens der Aufsichtsbehörden. Diese führten zu einer permanenten Weiterentwicklung der bestehenden Infrastruktur (zu nennen sind hierbei beispielsweise Abgeltungssteuer und MiFID). Fragestellung und Evaluierung Im vrher gehenden Abschnitt wurden wesentlichen Fragestellungen für eine FO-System Evaluierung angerissen. Welche zusätzlichen Infrmatinen werden benötigt, um eine Entscheidung zu fällen? Hier muss der Anwender ein klares Bild über flgende Themenbereiche haben: Wie ist die Organisatinsstruktur des Unternehmens aufgebaut Handelsstandrte (New Yrk, Eurpa, Asien, viele kleinere Einheiten usw.) Prduktbereiche (zentralisiert an einem Standrt der dezentral) Wie sieht der bisherige Dwn Stream und Straight Thrugh Przess aus Invlvierte Fachbereiche Ist man bereit und in der Lage, Änderungen an den nachgelagerten Przessen vrzunehmen Welche Zielsetzung sll mit dem System erreicht werden, als was sind die zwingenden Anfrderungen, die erfüllt werden müssen Ksten Autmatisierung Releasemanagement 1 PLUS i GmbH vn 9

5 Vr- und Nachteile einer Multisystem-Lösung Widmen wir uns der Multisystem-Lösung, welche heute eigentlich die gängigste Variante bei den grßen Handelshäusern ist. Welche Prbleme und Risiken kmmen auf den Anwender zu und welche Vrteile hat er aus dieser Lösung? Zunächst sll ein einfacher Geschäftsvrfall skizziert werden, an dem man einige Risiken einer Multisystem-Lösung erkennen kann. Börse Geld Aktie Aktienhandel Geld Treasury Aktiengeschäft Geldaufnahme Geldvergabe System 1 System 2 internes Geldgeschäft Es handelt sich als hierbei um: Ein externes Geschäft durch den Aktienhandel z.b. an der Eurex, abgebildet in System 1 Ein internes Geldgeschäft zwischen dem Aktienhandel und Treasury 5, abgebildet in System 1 und System 2 Hieraus darf sich per Definitin kein Prfit und Lss ergeben und auch kein Risik entstehen. Dieses Beispiel setzt vraus, dass swhl in System 1 und System 2 Geldmarktgeschäfte abgebildet werden dürfen. Der Regelfall sieht allerdings wie flgt aus: Börse Geld Aktie Aktiengeschäft Aktienhandel Schatten Geldaufnahme Geld Treasury Geldaufnahme für Aktienhandel Geldvergabe System 1 System 2 5 Auf die externe Liquiditätsbeschaffung wird der Einfachheit halber verzichtet. 1 PLUS i GmbH vn 9

6 Hier wird das Geldmarktgeschäft nur in System 2 abgebildet, da es sich um das führende System für Geldmarktprdukte handelt, wbei häufig die systemtechnische Spiegelungsfunktin genutzt wird. In System 1 wird hingegen eine sgenannte Schattenbuchung 6 vrgenmmen, damit der Aktienhändler erkennen kann, dass er auch ein Geldmarktgeschäft abgeschlssen hat und smit auch seine Psitin krrekt abgebildet ist. Diese Vrgehensweise wird gewählt, da der Aktienhandel in diesem Beispiel keinen Systemzugang (z.b. aus Ksten/Nutzen-Gründen) zu System 2 hat bzw. diese Art vn Geschäften für die nachgelagerten Systeme in nur einem FO-System abzubilden sind. Aus dieser Vrgehensweise ergeben sich flgende Vrteile und Chancen: Individuelle Anfrderungen (z.b. prduktspezifische der regulatrische) können besser mit mehreren Systemen erfüllt werden, da jedes Kmplettsystem dennch in manchen Asset Klassen schwächer ist als andere Systeme Eine Änderung des Systems (wie z.b. eine Weiterentwicklung in-huse ) hat in der Regel nicht s grße Auswirkungen auf die anderen eingesetzten Systeme Das Finanzinstitut begibt sich nicht in die Abhängigkeit vn nur einem Systemanbieter (Vendr) Systemseitige Crefunktinalitäten können ggf. häufiger verwendet werden Nachteile und Risiken: Der Anwender muss sicherstellen, dass für all seine Frntffice-Systeme die gleichen statischen und Marktdaten verwendet werden. Als Beispiele sind hier z.b. Feiertagskalender, Zinskurven, Vlatilitäten der Settlementinstruktinen zu nennen Methdische Unterschiede der Systeme müssen harmnisiert werden (z.b. Zinsberechnung am ersten der letzten Tag, Vlatilitätsmdelle, Interplatinsmethden usw.) Sllte die gleiche Asset Klasse in unterschiedlichen Systemen werden, müssen die gleichen Geschäftsdaten weiter geliefert werden Bei Geschäftserfassung an verschiedenen Standrten muss dafür gesrgt werden, dass die Prdukte unter Berücksichtigung lkaler regulatrischer Anfrderungen gleich abgebildet werden 6 Schattenbuchungen sind reine Platzhalterbuchungen und sllten in nachgelagerten Przessen keine Berücksichtigung finden bzw. klar abgegrenzt werden. 1 PLUS i GmbH vn 9

7 Eine knslidierte Psitin, inklusive Prfit und Lss und Risikparameter über alle Asset Klassen und Standrte ist schwerlich auf ad hc Anfrage in einer akzeptablen Zeit zu liefern Strukturierte Transaktinen werden unter Umständen in verschiedenen Systemen verbucht, welches zu Bewertungsprblemen führen kann und einen erheblichen Abstimmungsaufwand erfrdert Unter Umständen müssen Schattenbuchungen vrgenmmen werden, welche dann auch zu einem erheblichen Abstimmungsaufwand führen und dementsprechende Ksten verursachen. Eine hhe Wartungsbelastung, da für alle eingesetzten Systeme Experten Knw Hw, wie Business Analysten und IT Mitarbeiter, vrgehalten werden müssen. Interne Geschäfte zwischen verschiedenen Business Bereichen der Standrten können unter Umständen P/L und/der Risik ausweisen. Vr- und Nachteile einer System-Lösung Diese Lösung ist meist bei kleineren Instituten vrzufinden, allerdings gab es in den letzten Jahren auch seitens größerer Handelshäuser Bemühungen, sich auf ein System zu knslidieren. Schaut man sich wiederum den.g. Geschäftsvrfall an, s wird System 2 durch System 1 substituiert der andersherum. Dies bringt einige Vrteile mit sich: Alle relevanten Geschäftsdaten über alle Asset Klassen sind in einem System verbucht. Strukturierte Transaktinen sind in einem System abgebildet und sind einfacher zu referenzieren. Eine knslidierte Psitinsansicht über verschiedene Asset Klassen ist einfacher zu generieren Vereinfachte Möglichkeit einer untertägigen Prfit und Lss Anzeige ( Flash P&L ) 1 PLUS i GmbH vn 9

8 Einfachere Generierung vn Systemreprts inklusive Prfit und Lss Verzicht auf Schattenbuchungen Reduktin der Abstimmungsaufwände (auch durch Nutzung der Spiegelungsfunktinen) Systemseitige Eigenentwicklungen können für mehrere Prdukte genutzt werden Allerdings sllte man auch die Nachteile einer slchen Lösung nicht außer Acht lassen, die selbstverständlich auch hier existent sind: Kein im Markt existierendes angebtenes Frnt-Office-System hat über alle Asset Klassen die gleichen Stärken. Ein hher Custmize Aufwand für die Anpassung des Systems in die bestehende Infrastruktur des Finanzinstituts Auswirkungen vn systemseitigen Änderungen müssen viel intensiver auf Ihre Umsetzung geprüft werden Geringere Verarbeitungsgeschwindigkeit durch ein grßes Datenbankvlumen Detailliertes Archivierungsknzept muss erarbeitet sein Abhängigkeit vn einem Systemanbieter Zusammenfassung In den beren Abschnitten knnte leider nur ein sehr kleiner Teil thematisiert werden, da sicherlich zu jeder einzelnen Fragestellung ausführliche Fachaufsätze v werden könnten. Dennch wird hier schn deutlich, welche Prbleme in dem Bereich FO-Systeme gelöst werden müssen. Stellt man sich nun einmal die verschiedensten Prdukte wie Aktien, Anleihen, Derivate, Geldmarktgeschäfte, Devisengeschäfte, Kredite, Warentermingeschäfte und die ganzen Indexzertifikate vr, dann kann man erahnen, mit wie vielen verschiedensten Parametern ein funktinierendes System agieren muss. Was ist der richtige Weg für die Zukunft, um das Ziel der Transparenz zu erreichen. Man muss sich fragen, b es nicht sinnvller wäre nur ein Frnt-Office-System einzusetzen und die bestehende Frnt-Office-Struktur zu knslidieren. Smit müsste man schn per Definitin eine Transparenz erreichen. Einige Marktteilnehmer haben diese Frage mit JA beantwrtet und sind den Schritt gegangen ihre Systeme zu knslidieren, aber auch hier muss man sich gewaltigen Herausfrderungen stellen. 1 PLUS i GmbH vn 9

9 Wie der Name Frnt-Office-System sagt, sllte hier der Beginn der Przesskette starten. Knslidiert ein Anwender nun verschiedenste Systeme auf ein System, hat er sfrt Flgeprjekte im Haus, da die gesamte nachgelagerte Przesskette angepasst werden muss, was wiederum Zeit benötigt und Ksten verursacht. Selbstverständlich gibt es dann nach erflgter Anpassung erhebliches Ptential zum Sparen. Diese Anpassung Frnt t Back muss vn allen Verantwrtlichen getragen werden. Der Anfrderungskatalg an ein System muss im Vrfeld genauestens definiert sein, damit die Entscheidung für der gegen ein System genauestens nachvllziehbar ist und die eignen systemseitigen Schwächen aufgezeigt werden. Selbst Vllsysteme wie Calyps, Kndr+, Murex, Prime/Arena, SimCrp Dimensin der Summit gehrchen Ihrer eignen Philsphie und müssen ggf. für den Anwender angepasst werden. Selbst nach einer erflgten Knslidierung auf ein System der nach einer Systemharmnisierung mit mehreren Systemen sllte nicht der Fehler begangen werden zu denken, dass nun der Datenraum für die Bestandsgeschäfte sauber wäre. Dies wäre nur der Fall, wenn jedes einzelne Geschäft bei einer Migratin angeschaut werden würde, was de fact abslut nicht möglich ist. Eine Verbesserung tritt auf jeden Fall für Neugeschäfte ein. Selbstverständlich kann eine Regulierung der Finanzmärkte diskutiert werden und sicherlich kann man über Mtivatin vn Handelsentscheidungen diskutieren, allerdings verbessert sich durch diese Diskussin nicht die bestehende Infrastruktur der FO Systeme in den Handelsbereichen. Dies ist ein Przess, der vn den Marktteilnehmern ausgehen muss. 1 PLUS i unterstützt Sie im Diskussinsprzess bei den.g. Fragestellungen. Swhl bei der Eruierung der für Sie ptimalen Systemarchitektur als auch entsprechenden Migratinsprjekten helfen wir Ihnen gern. 1 PLUS i GmbH vn 9

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