CLANNING UNTERNEHMENSNACHFOLGE EINMAL ANDERS

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1 Strategie & Prozess CLANNING UNTERNEHMENSNACHFOLGE EINMAL ANDERS Tobias Augsten und Vera Knauer, Weissman Suisse AG Familienunternehmen sind ein wichtiger Motor der Schweizer Wirtschaft. Sie erwirtschaften 65 Prozent des Bruttosozialproduktes. Jedem vierten dieser Unternehmen steht innerhalb der nächsten fünf Jahre die Nachfolge bevor. Der Wandel der gesellschaftlichen Struktur und der hierdurch bedingte Zerfall der klassischen Familienstruktur erschweren die Regelung der Nachfolge innerhalb der Familie erheblich. Eine 2009 veröffentlichte Studie der Universität St. Gallen zeigt, dass nur knapp 40 Prozent der Unternehmer eine Weiterführung innerhalb der Familie anstreben, vor zwei Jahren waren es noch 60 Prozent. GESCHICHTE DES CLANS Als Alternative zu den bisherigen Modellen zur Nachfolgeregelung lohnt es sich, in der Geschichte zurückzublicken und sich ein Beispiel an anderen Kulturen zu nehmen. Dabei stösst man auf Formen des Zusammenlebens, bei denen die Mitglieder eine starke emotionale Bindung zueinander aufgebaut haben und sich gegenseitig bedingungslos unterstützen, ohne zwingend verwandt zu sein. Solche Gruppen werden als Clan definiert. Wird das Modell auf ein Unternehmen übertragen, spricht man von «Clanning». Der Begriff «Clan» entstand zu Zeiten der schottischen Familienclans, obwohl die Bedeutung des Begriffs anthropologisch auf die Anfänge des Zusammenlebens zurückgeht. Ein Clan ist eine Lebensgemeinschaft über mehrere Generationen. Für die einzelnen Mitglieder gelten die gleichen Werte und Ziele; es handelt sich also um eine «Familie im Geiste». Um das Erreichen von Zielen zu beschleunigen und das Überleben der Gemeinschaft zu sichern, herrscht meist eine klare Arbeitsund Rollenverteilung. Deshalb sind die meisten Clans hierarchisch strukturiert. CLAN IM UNTERNEHMEN Achtet man gerade in Krisenzeiten darauf, welche Mitarbeiter eines Unternehmens die tragenden Säulen und inwieweit sie miteinander verbunden sind, lässt sich die Clanstruktur von aussen klar erkennen. Die Rolle des Clanführers übernimmt meist der Unternehmer. Oft sind langjährige Mitarbeiter die Kernmannschaft, auf die der Unternehmer sich verlässt. Kommt hierzu eine enge emotionale Bindung, 57

2 Strategie & Prozess 58 entsteht eine «Lebensgemeinschaft», deren Eigenschaften denen des Familienclans in anderen Kulturen stark ähneln. Bei der Betrachtung des Unternehmens aus dem Blickwinkel des Clannings lassen sich häufig Rituale erkennen. Meist betrachten Mitarbeiter diese als selbstverständlich oder nehmen sie oft sogar nur unbewusst wahr. Rituale wie z.b. das informelle Abendessen, die Sommerwanderung im kleinen Kreis oder das allfreitägliche Feierabendbier, fördern den Clan. CLAN UND NACHFOLGE Ziel einer Nachfolge nach dem Modell des Clannings ist die Erhaltung der Firma in den Händen der Familie, ob blutsverwandt oder verwandt im Geiste. Erfolgt die Nachfolge innerhalb der blutsverwandten Familie, hängt das erfolgreiche Gelingen stark davon ab, dass der Nachfolger sein Augenmerk auch auf Themen lenkt, die nicht mit der formellen Geschäftsführung übereinstimmen oder in Abläufen niedergeschrieben sind. Dies sind z. B. die realen Beziehungen hinter dem Organigramm. Wer ist im Clan und somit im engsten Vertrautenkreis der Eltern? Der Nachfolger muss nicht zwangsläufig den Clan des Vaters oder der Mutter übernehmen, er sollte sich jedoch dessen Existenz bewusst sein. Es muss vermieden werden, dass der «Senior» durch seine Position als Clanführer das Unternehmen nach der Übergabe informell weiterführt. Oft ist es hilfreich, wenn der Vater bzw. die Mutter den Nachfolger in den Clan einführt und somit Akzeptanz schafft. Doch wem übergibt man sein Lebenswerk, wenn es keinen Nachfolger in der blutsverwandten Familie gibt? In einem Familienunternehmen zählen Tradition und Werte. Die Unternehmenskultur basiert auf Vertrauen und persönlichen Beziehungen. Die Mitglieder des Clans identifizieren sich oft am besten mit diesen Werten und haben sie im Idealfall verinnerlicht. Deshalb ist es oft ein guter und geeigneter Weg, ein Clanmitglied mit der Nachfolge zu betrauen, um sicherzustellen, dass das Unternehmen im gleichen Sinn fortgeführt wird. Das Modell des Clannings ist an der menschlichen Natur ausgerichtet und baut auf die reale Situation im Unternehmen auf. AUF EINEN BLICK Die Kernmannschaft des Firmenclans bilden langjährige Mitarbeiter, auf die sich der Unternehmer als Clanführer verlässt. Die Eigenschaften solcher «Lebensgemeinschaften» ähneln stark denen des Familienclans in anderen Kulturen. Beim Clanning-Modell geht es um die Erhaltung der Firma in den Händen der Familie, ob blutsverwandt oder verwandt im Geiste. Die Unternehmenskultur basiert auf Vertrauen und persönlichen Beziehungen. Die Mitglieder des Clans identifizieren sich oft am besten mit diesen Werten und haben sie im Idealfall verinnerlicht.

3 AUTORENVERZEICHNIS PETER ABPLANALP, Prof. Dr. Seit 2006 Dozent für Strategisches Management und Wettbewerb des Institute for Competitiveness and Communication ICC der Fachhochschule Nordwestschweiz. Forschungsschwerpunkte: Strategisches Management und Cluster-Entwicklung. Co-Autor von Standardwerken zu Strategischem Management, spezifisch auch für KMU. Regelmässige Dozenten- und Beratungstätigkeit in China, Nordkorea und Vietnam seit S. 18 TOBIAS AUGSTEN Seit 2007 Geschäftsführer und Verwaltungsrat der Weissman Suisse AG und seit 2001 geschäftsführender Gesellschafter der Weissman & Cie. GmbH & Co. KG mit Fokus auf Strategieentwicklung und-umsetzung. Studien zum Diplomkaufmann an der Universität Bayreuth und zum Immobilienökonom an der ebs Östrich/Winkel Einstieg ins eigene Familienunternehmen in der Bau- und Immobilienwirtschaft. S. 57 MARTIN A. BOPP, Dr. Leiter Bereich Start-up-Förderung und Unternehmertum bei der nationalen Förderagentur für Innovation KTI seit Ende Zuvor fünfeinhalb Jahre bei Zeptosens, einem Unternehmen für bioanalytische Technologien, zuletzt als Director Production & System Development. Diplom in Experimentalphysik der ETH Zürich und Promotion an der Universität Basel. Forschungsarbeit an der University of Pennsylvania in Philadelphia. S. 63 BEAT BRECHBÜHL, Dr. iur. Partner Kellerhals Anwälte (Gesellschaftsrecht und M & A inkl. Private Equity-Finanzierungen und Nachfolgelösungen, Handels- und Vertragsrecht, Konzern- und Kapitalmarktrecht). Lehrauftrag für Entrepreneurship an der Universität Bern, Verwaltungsrat mehrerer KMU, Mitglied Zulassungsstelle BX Berne Exchange. Studien der Rechte und Rechtsanwaltsexamen in Bern, LL.M. an der Universität Chicago. S

4 THOMAS BURKARD Seit 2009 Geschäftsführender Partner der TCO Transition Company AG, Zug, Eintritt in die Firma Beratungsschwerpunkte: M & A-Transaktionen, Corporate Finance, Strategie und Organisation. Beratend aktiv bei Nachfolgeplanungen (Partnerunternehmen von protinus.ch). Zuvor M & A- Analyst bei Credit Suisse First Boston. Wirtschaftsstudium (Master in Finance) an der Universität Zürich. S. 45 DOMINIK C. ERNY, Prof. Dr. oec. publ. Seit April 2004 Dozent und Studienleiter am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern Wirtschaft. Lehrt überdies an den Universitäten St. Gallen und Luzern. Nach BWL-Studium an der Universität Zürich Assistent und Studienberater ebendort. Nach Promotion Managing Partner in KMU, später leitende Funktion in einer Privatbank der Credit Suisse. Mitglied und Präsident verschiedener Verwaltungsräte. S. 87 CLEMENS GRÖTSCH Direktor und Leiter Vorsorge und Steuern, NEUE AARGAUER BANK AG (NAB), seit August Zuvor 18 Jahre in verschiedenen Funktionen bei Credit Suisse. Studium der Betriebswirtschaft an der Universität Mannheim, Abschluss als Diplom-Kaufmann. Management-Weiterbildung an Universität Zürich. S. 113 FRANK HALTER, Dr. rer. pol. Geschäftsleitungsmitglied und Leiter des Bereichs Weiterbildung des KMU- HSG sowie Mitgründer und Geschäftsleitungsmitglied des Center for Family Business der Universität St. Gallen (CFB-HSG). Nach Abschluss des Betriebswirtschaftsstudiums 2001 wissenschaftlicher Assistent von Prof. Dr. Urs Fueglistaller am KMU-HSG Abschluss des Promotionsstudiums an der European Business School, Östrich-Winkel. S. 14 ROLAND HOFMANN Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Banking und Finance der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW in Winterthur. Betriebsökonom HWV und Certified Financial Planner. S

5 URS HUBER Partner von The Corporate Finance Group, einem auf M & A spezialisierten Unternehmen. Seit zehn Jahren im Bereich Mergers & Acquisitions sowie seit 17 Jahren als Investor und Verwaltungsrat von Start-up-Unternehmen tätig. Früher Vice President Structured Finance bei Credit Suisse. Studium der Wirtschafsinformatik an der Universität Zürich und MBA der University of California, Berkeley. S. 91 BRUNO HÜSSER Geschäftsleitender Partner von Hüsser Gmür + Partner AG Treuhand- und Revisionsgesellschaft, Dättwil. Langjährige Erfahrung in der Begleitung von von KMU und ihren Unternehmern, insbesondere Unternehmensnachfolge und Wirtschaftsprüfung. Verwaltungsratsmitglied verschiedener Firmen. Früher Wirtschaftsprüfer im KMU-Bereich bei Price Waterhouse (Revisuisse). Abschluss als Betriebsökonom FH und Dipl. Wirtschaftsprüfer. S. 49 DANIEL ISLER CEO der 1998 von ihm gegründeten Fargate AG, Zürich, grösste private Exportförderin der Schweiz mit globalem Exportagenten-Netzwerk. Mitgründer des «Pool of Experts» (Internationalisierungsexperten). Gastdozent für internationales Marketing an mehreren Schweizer Hochschulen. Abschluss als dipl. Elektroingenieur FH, Nachdiplomstudien in Betriebswirtschaft STV, Unternehmertum HWV und Organisationspsychologie IAP (Vordiplom). S. 71 INGRID KISSLING-NÄF, Dr. Seit Ende 2007 Leiterin der nationalen Förderagentur für Innovation KTI. Zuvor Generalsekretärin der Akademie Naturwissenschaften Schweiz scnat und Assistenzprofessorin für Ressourcenökonomie an der ETH Zürich. Studium der Theologie, Ökonomie und Politikwissenschaften in Fribourg und Paris. Master in Öffentlicher Verwaltung am Idheap in Lausanne. Promotion in Volkswirtschaft an der HSG St. Gallen. S. 63 VERA KNAUER Seit 2007 Geschäftsführerin und Mitinhaberin der Weissman Suisse AG. Spezialistin für strategische Unternehmensentwicklung von Familienunternehmen mit Fokus Internationalisierung. Zuvor Projektleiterin der Weissman & Cie. GmbH & Co. KG und Mitarbeiterin im eigenen Familienunternehmen in der Verpackungsindustrie. BBA-Studium in International Business an der Schiller International University in Madrid und Heidelberg. S

6 HANS R. KNOBEL, Dr. Unternehmerberater und Buchautor. Inhaber von Dr. Knobel Management Consulting in Uster. Fokus: Strategien für Eigner und Unternehmen, Unternehmensnachfolgen, Beurteilen von Führungskräften. Initiant und Mitherausgeber von «Erfolgreiche Nachfolgeplanung in Familienunternehmen (2007), «Frauen der Schlüssel für die wirtschaftliche Zukunft» (2008) und «Führen durch Vorbild Persönlichkeiten im Gespräch» (2009). S. 59 DANIEL KUSIO Geschäftsführer BVgroup seit Ende 2001 und Mitglied im Verwaltungsrat von Beteiligungen der BVgroup. Zuvor Chief Information Officer eines führenden Industriebetriebs und Country Manager einer international tätigen Telekomgesellschaft in Malaysia. Studium der Betriebswirtschaft und Informatik an der Universität Bern. S. 105 PHILIPP LÜTOLF, Dr. rer. pol. Dozent und Projektleiter am am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern Wirtschaft. Beschäftigt sich mit Fragen der Unternehmensfinanzierung. Aktuell Arbeit an einer Studie über den ausserbörslichen Aktienhandel in der Schweiz in Kooperation mit Berner Kantonalbank und Swiss Equity magazin. Seit 2006 zusätzlich Redaktor Swiss Equity magazin. S. 103 DOMINIK MAYR, Dr. oec. HSG Senior Manager M & A Transaction Services bei Deloitte AG in Zürich seit Zuvor Manager Transaction Services bei PricewaterhouseCoopers in Zürich. Abschluss als Naturwissenschaftler der ETH Zürich, CEMS Master und CFA. S. 79 MAX NÄGELI, Dr. iur. Wirtschaftsjurist mit eigener Kanzlei seit Spezialgebiete: Gesellschaftsrecht, Unternehmensumstrukturierungen und -übertragungen, erb- und steuerrechtliche Regelungen. Seit 2005 zusätzlich Geschäftsführer von kmunext, die er zusammen mit Otto Ineichen initiiert hat. Studium der Rechtswissenschaften und Promotion an der Universität Zürich. S

7 CUNO PÜMPIN, Prof. em. Universität St. Gallen, Dr. oec. Unternehmer, Verwaltungsrat und Investor. Kaufmännische Lehre. Manager in der Unternehmenspraxis. Publikation von 12 Büchern, v.a. zum Thema strategisches Management mit Übersetzungen in zehn Sprachen. Berater von Unternehmen und Regierungen. Dozent an internationalen Kongressen. Partner und Präsident des Verwaltungsrates der Invision Holding AG. S. 99 SAMUEL SCHOCH Seit 2009 Projektleiter bei der TCO Transition Company AG in Zug, Eintritt in die Firma Beratungsschwerpunkte: M & A-Transaktionen, Corporate Finance, Strategie und Organisation. Insbesondere beratend aktiv bei Nachfolgeplanungen (Partnerunternehmen von protinus.ch). Früher Project Manager bei Credit Suisse Financial Services. Wirtschaftsstudium an der Universität Bern. S. 45 ANITA SIGG Dozentin am Institut für Banking und Finance der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW in Winterthur.. Nach Abschluss ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich mehrere Jahre in verschiedenen Führungsfunktionen bei der Zürcher Kantonalbank tätig. S. 53 BEAT UNTERNÄHRER Partner von The Corporate Finance Group, spezialisiert auf M & A, und Mitinhaber von Milestone Capital AG, die Beteiligungen von Privatinvestoren managt. Seit 17 Jahren im Bereich Mergers & Acquisitions Verwaltungsrat von mittelständischen Unternehmen tätig. Früher Partner von Ernst & Young. Abschluss als Dipl. Ing. der ETH und MBA der University of California, Berkeley. S. 91 CHRISTIAN WUNDERLIN, Prof. Dr. Dozent und Projektleiter am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern Wirtschaft. 20 Jahre Erfahrung mit Sanierungsmassnahmen in der IT-Industrie. Verwaltungsrat diverser KMU. Eidg. dipl. Buchhalter/Controller, eidg. dipl. Wirtschaftsinformatiker, MBA der University Rochester NY und Dr. BA an der University of Bradford UK. Derzeit Weiterbildung zum Dr. rer. pol. in Wirtschaftsinformatik an Universität Bern. S

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