Picasso als beobachtender Vater, die Inszenierung einer Familie und seine nachempfundene Kindheit

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1 Medien Saskia Dams Picasso als beobachtender Vater, die Inszenierung einer Familie und seine nachempfundene Kindheit Studienarbeit

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3 Picasso als beobachtender Vater, die Inszenierung einer Familie und seine nachempfundene Kindheit Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung und Forschungsbericht Exkurs: Gedanken zur Bedeutung der Kindheit in der modernen Kunst Rückblick: Picassos Kinderdarstellungen von Paulo und Maya Claude und Paloma als Auslöser für Picassos intensive Auseinandersetzung mit der Kindheit Picasso als beobachtender Vater Beschreibung von Claude und Paloma beim Zeichnen Der quietistische Ausdruck des Kindlichen Assemblagen aus Fundstücken und Spielzeug Beschreibung von Kleines seilspringendes Mädchen Picassos Adaptation einer kindlich schöpferischen Taktik Beschreibung von Frau mit Kinderwagen Picassos Interesse am Sehen des Kindes Die Inszenierung einer Familie und die Problematik der getrennten Welten Die Frage der nachempfundenen Kindheit Picassos Literaturverzeichnis... 21

4 1. Einleitung und Forschungsbericht Picassos Kunst bildet einen fast nicht zu durchschauenden Kosmos. Dennoch wurden annähernd alle Abschnitte und Aspekte seines Schaffens schnell in der Literatur besprochen. Doch der auch quantitativ äußerst repräsentative Beitrag zum Thema Kind in der Kunst wurde bis in die fünfziger Jahre verschwiegen. Bilder von Paulo oder Maya sowie von Claude und Paloma wurden nicht behandelt. Erstmals stellte Helen Kay 1966 mit Picassos Welt der Kinder 1 dieses Thema vor. Ein größeres Interesse entstand erst in den neunziger Jahren. Mit Werner Spies` 1994 erschienen Beitrag über Picasso Die Welt der Kinder 2 und dem 1995 daraus entstandenen Ausstellungskatalog Picassos Welt der Kinder 3 erschienen grundlegende Publikationen zu diesem ansonsten sehr rar behandelten Thema. Dem schloss sich 1995 auch Jonathan Fineberg an. Sein Katalog Im Auge des Kindes 4, greift neben Klee und Kandinsky auch Picasso unter der Thematik der Adaptation der Kinderzeichnung auf. Diesem literarischen Anstoß folgten weitere Ausstellungen zu übergreifenden Themen, meist mit Werner Spies als Beitraggeber. Bei vielen Schriften dieser Jahre fällt die Rezeption Françoise Gilots Leben mit Picasso 5 von 1967 auf. Ihre Beschreibungen umfassen sogar Entstehungsprozesse einiger Plastiken und vermitteln ein detailliertes Bild über die Familienverhältnisse der in dieser Arbeit berücksichtigten Zeitspanne. Bezeichnend ist, dass es gerade die Portraits der eigenen Kinder sind, die Picasso als Familiengalerie in seinem Atelier bewusst vor dem Blick Außenstehender bewahrte. Seine Kinderportraits und Kindergenres haben den Status eines privaten Familienfotoalbums. Auch die Darstellungen von Françoise und Jaqueline sowie die plastischen Werke fanden sich ausschließlich im Nachlass. 6 Diese Tatsache kann zu 1 Helen Kay: Picassos Welt der Kinder. Mit einer Einführung von Daniel- Henry Kahnweiler, München/ Zürich Werner Spies: Picasso. Die Welt der Kinder, München/ New York Werner Spies (Hg.): Picassos Welt der Kinder. Mit Beiträgen von Doris Krystof/ Sigrid Metken sowie Erinnerungen von Maya Picasso. Ausstellungskatalog anlässlich der Ausstellungen in der Kunstsammlung Nordrhein- Westfalen, Düsseldorf 9.9. bis und der Staatsgalerie Stuttgart bis , München / New York Jonathan Fineberg, Helmut Friedel/ Josef Helfenstein (Hg.): Mit dem Auge des Kindes. Kinderzeichnung und moderne Kunst, erschienen anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Lembachhaus, Kunstbau, München, vom 31. Mai bis 20. August 1995 und im Kunstmuseum Bern vom 7. September bis 26. November Françoise Gilot/ Carlton Lake: Leben mit Picasso, Stuttgart/ Hamburg Vgl. Spies, 1995, S. 14f.; Kay, 1966, S

5 einem gewissen Grad als Grund für die Nichtbehandlung des Themas in der Literatur angesehen werden. Die Gattungen, die Picasso heranzieht, sind abwechslungsreich. Die Skala reicht von der genrehaften Verwendung des Kindes über die mythologische Ausschmückung und das Einzelportrait bis hin zur Darstellung von Mutter und Kind und zum Familienbild. Doch hat sich Picasso mit dem Thema Kindheit nicht kontinuierlich abgegeben. Sein Œuvre behandelt in chronologischem Zusammenhang widersprüchliche Stimmungen wie Zärtlichkeit, Angst, Erlösungsbedürfnis oder Freude. Im Großen und Ganzen kann zwischen unpersönlichen und den hier ausschließlich berücksichtigten eigenen Kindern unterschieden werden. Im Rahmen des Familienlebens mit Françoise Gilot kommt es in Picassos Kunst zu auffälligen Entwicklungen. Picasso führt mit der Geburt Claudes und Palomas in den 40er und 50er Jahren durch die Präsentation einer scheinbar so nahen Kinderwelt etwas Fernes vor; fremde unverständliche Verhaltensweisen geraten in den Blick. Fasziniert be-obachtet er das wilde, unzivilisierte Gebaren der Kinder. Es treten aufgrund der fremdartigen Gestik neue Bewegungsmotive in sein Werk ein. So besehen könnte diese Auseinandersetzung mit dem Kind auch als Jagd nach einer unbekannten Welt der Formen betrachtet werden. Nun stellt sich die Frage, inwieweit sich Picassos Auseinandersetzung mit der Kindheit zu dieser Zeit in Form von Beobachten und Übernahme kindlicher Techniken spiegelt. Hierzu soll das Gemälde Claude und Paloma beim Zeichnen sowie die Assemblage Kleines seilspringendes Mädchen behandelt und anhand der Assemblage Frau mit Kinderwagen gezeigt werden, ob sich Picasso einen kindlichen Blick angeeignet hatte. Doch inwieweit war Picasso nun wirklich Familie und Kindheit verschrieben? Um ein Erfassen des Werks Picassos überhaupt möglich zu machen, wird sich im Folgenden zeigen, dass dies ohne die Berücksichtigung des Menschen Picasso nicht möglich ist. Aus Fotos und Erzählungen Françoise Gilots lässt sich nämlich eher eine inszenierte Familie und anhand einiger seiner Äußerungen die Sehnsucht nach einer zweiten Kindheit vermuten. 2

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