Der Einsatz integrierter Unternehmenssoftware an kaufmännischen Schulen Stand der Implementierung

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1 Der Einsatz integrierter Unternehmenssoftware an kaufmännischen Schulen Stand der Implementierung Diplomarbeit vorgelegt an der Universität Mannheim Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik Prof. Dr. Hermann G. Ebner von Yvonne Winter Januar 2008

2 A. Abstract Der Einsatz einer integrierten Unternehmenssoftware ist in den Lehrplänen der kaufmännischen Teil- und Vollzeitschulausbildung Baden-Württembergs vorgeschrieben. Auf den ersten Blick wird hier genau das methodisch umgesetzt, was die Kultusministeriumskonferenz [KMK] seit 1996 mit der Auflösung der Fächersystematik und der Einführung der Lernfelder in der (dualen) beruflichen Ausbildung erreichen möchte. Wenngleich viele Ausbildungsbetriebe den Prozessgedanken noch nicht vollständig implementiert haben (vgl. Bremer, Kleiner & Stahl, 2004, S ), und somit die Auszubildenden nach wie vor funktional ausgerichtete Abteilungen der Reihe nach durchlaufen, steht doch fest, dass in Zukunft von einer qualifizierten kaufmännischer Tätigkeit verlangt wird, über genau diese (Abteilungs-)Grenzen hinauszublicken. Die Wirtschaft vollzieht in diesem Zusammenhang einen ganz ähnlichen Entwicklungsprozess wie die kaufmännischen Bildungseinrichtungen. Beide müssen den Herausforderungen sich einer rasant verändernden Umwelt stellen, um konkurrenzfähig zu bleiben: Unternehmen in Bezug auf den Absatz ihrer Produkte, berufliche Schulen in Bezug auf die bestmögliche Ausbildung ihrer Schüler und Schülerinnen. 1 So sehen Scholz und Böhme (2007) den Wandel in der kaufmännischen Angestelltenarbeit, im Hinblick auf den verstärkten Einsatz von integrierter Unternehmenssoftware in Unternehmen, wie folgt: Einerseits werden Arbeitsplätze entstehen, deren Anforderungscharakter auch ohne eine qualifizierte kaufmännische Ausbildung zu bewältigen ist, da hier das Bedienen einfacher EDV-Masken im Vordergrund steht. Andererseits werden verstärkt Arbeitskräfte nachgefragt werden, die sich für anspruchsvolle komplexe Aufgaben qualifizieren, insbesondere im Bereich des Controlling und Prozessmanagements (S. 62, S. 66). Das führt zu folgender Frage: Ist eine integrierte Unternehmenssoftware nicht nur ein Lernobjekt, sondern auch ein geeignetes Lernmittel, um die Schüler bestmöglich auf die neuen Anforderungen und Veränderungen im Beruf vorzubereiten? 1 Aus Gründen der Lesbarkeit wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit stets die männliche Form verwendet. Weibliche Leser sind in dieser Form eingeschlossen. Diese Vorgehensweise dient ausschließlich der Vereinfachung.

3 Fest steht, dass eine integrierte Unternehmenssoftware 1. die realste Simulation darstellt, da sie für Unternehmen konzipiert und von diesen verwendet wird (Pfänder, 2000, S. 73; Schneider & Watson, 1999, S. 10) 2. aufgrund der ganzheitlichen Betrachtung aller unternehmensrelevanten Abläufe und Prozesse die Themenbereiche des Lernfeldkonzepts voll und ganz abdeckt (Pfänder, 2000, S ; Siemon, 2006, S. 6) 3. den Schülern einen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt verschaffen kann, sofern sie nach ihrer Ausbildung fundierte Kenntnisse über diese Software erlangt haben (z.b. Corbitt & Mensaching, 2000, S ) Allerdings ist fraglich, ob unter Berücksichtigung der gegebenen Rahmenbedingungen der ERP-Unterricht bereits so in den Schulen implementiert ist, dass er sein Potential entfalten kann und damit die Ressourcen, die er in Anspruch nimmt, rechtfertigt. Denn wenn limitierende Faktoren, wie beispielsweise die zur Verfügung stehende Zeit, sowie die Qualifikation und Motivation des Lehrpersonals nicht berücksichtigt werden, besteht die Gefahr, dass die sinnvolle Implementierung eines ERP-Systems an beruflichen Schulen nicht möglich ist. Wenn der ERP-Unterricht materielle und personelle Ressourcen benötigt, die die kaufmännischen beruflichen Schulen heute noch nicht in der Lage sind bereitzustellen, ist es fraglich, ob eine Integration sinnvoll ist. Eine große Herausforderung hat sich beispielsweise bisher im Zusammenführen von Geschäftsprozessen einerseits und fachlicher Systematik andererseits, sowohl in Bezug auf das Lernfeldkonzept als auch für den ERP-Unterricht, herausgestellt (Tramm, 2004, S ). Mithin besteht an dieser Stelle die Gefahr, dass das Tastendrücken zusammenhangslos zu den Geschäftsprozessen abläuft. Somit würde sich im Arbeiten mit einer ERP-Software im Unterricht eher die Routinearbeit eines Sachbearbeiter abzeichnen (z.b. Budde, 2003, S. 161; Rubarth, 2004, S. 2; Fedorowicz, Gelinas, Usoff & Hachey, 2004, S. 237). In diesem Fall hätte die ERP-Software ihr Ziel als Lernmittel verfehlt (Pfänder, 2000, S. 69). Die Schüler werden dann vermutlich auch keinen Vorteil am Arbeitsmarkt haben, da ein automatisiertes Bedienen des Programms noch keinen Wissensvorsprung ausmacht. Das Potential der Unternehmenssoftware liegt vielmehr in der Möglichkeit berufliche Handlungskompetenz zu

4 erwerben. Diese erstreckt sich nach Fischer (2006) und Pfänder (2000) nicht nur auf systemabhängige, sondern auch auf systemunabhängige Lerninhalte. Empirische Studien an Universitäten, die die Effektivität des Einsatzes einer integrierten Unternehmenssoftware messen, basieren zumeist auf der Selbsteinschätzung von Studenten (Pfänder, 2000, S. 11, 14, 35; Seethamraju, 2006, S ). Eine analoge Vorgehensweise zur Bestimmung des Wissenszuwachses zwischen zwei Erhebungszeitpunkten im ERP- Unterricht an kaufmännischen Schulen wurde hier verworfen, da das Konstrukt Prozesswissen nur schwer in einem Fragebogen für Schüler zu operationalisieren ist. Zudem wäre diese Untersuchung mit vielen Störvariabeln verbunden gewesen, wie beispielsweise dem Einfluss der Lehrperson, dem Problem homogener Klassen sowie der Zurückführung des Wissenszuwaches auf den ERP-Unterricht. Da bisher keine Erhebungsinstrumente für die Untersuchung dieses Themenkomplexes an beruflichen Schulen vorhanden sind, ist das Ziel dieser Studie zu untersuchen, inwieweit das Potential einer integrierten Unternehmenssoftware im Unterricht ausgeschöpft wird. Genauer gesagt gilt es herauszufinden, ob die ERP-Software eher als Lernobjekt oder als Lernmittel im kaufmännischen Unterricht eingesetzt wird.

5 B. Inhaltsverzeichnis ABBILDUNGSVERZEICHNIS TABELLENVERZEICHNIS ANHANGSVERZEICHNIS ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 1.1 PROBLEMSTELLUNG 1.2 VORGEHENSWEISE 2. THEORETISCHER TEIL 2.1 BERUFLICHE SCHULEN UND UNTERNEHMEN IM WANDEL: PROZESSORIENTIERUNG UND ERP-INTEGRATION Unternehmen Prozessorientierung Prozessorientierung Neue Informations- und Kommunikationstechnologien Neue Informations- und Kommunikationstechnologien ERP-Integration ERP-Integration Neue Anforderungen an die Mitarbeiter Berufliche Schulen Lernfeldkonzept Die Umstrukturierung des Curriculums in der Berufsschule Die Auswirkungen der Umstrukturierung ERP-Integration Berufliche Schulen Unternehmen 2.2 UNTERRICHT IM SPANNUNGSFELD VON FACHLICHER SYSTEMATIK UND PROZESSORIENTIERUNG Das Lernfeldkonzept: Verdeutlichung des Konflikts zwischen Prozessorientierung und fachlicher Systematik Das Potential der ERP-Software im kaufmännischen Unterricht Die Ausschöpfung des Potentials der ERP-Software im Unterricht 2.3 RESTRIKTIONEN UND RAHMENBEDINGUNGEN Die Komplexität der ERP-Software Zeitliche Knappheit Qualifikation und Motivation des Lehrpersonals Zusammenarbeit mit dem dualen Partner Der heimliche Lehrplan Die Abschlussprüfung der Industrie- und Handelskammer Grundlegende Problematik Aktuelle Prüfungsaufgaben und länderspezifische Besonderheit

6 3. METHODISCHER TEIL 3.1 SCHÜLER- /INNENBEFRAGUNG Vorüberlegungen zur Studie Problemstellung der Studie Die Komplexität der Software und der Zeitfaktor im Unterricht Weitere beeinflussende Faktoren im Unterricht Erhebungsinstrument und statistisches Verfahren Unterrichtsbezogene Fragen Die Zeitknappheit im Unterricht Die Komplexität der Lerninhalte mit der ERP-Software Weitere beeinflussende Faktoren 4. UNTERSUCHUNGSDURCHFÜHRUNG UND ERGEBNISSE 4.1 UNTERSUCHUNGSDURCHFÜHRUNG 4.2 SOZIODEMOGRAPHISCHE UND PERSONENRELEVANTE MERKMALE 4.3 DIE DIMENSIONEN ZEIT UND KOMPLEXITÄT 4.4 ZEIT UND KOMPLEXITÄT : UNTERSCHIEDE NACH GRUPPEN Statistisches Verfahren Unterschiede nach Altersgruppen Unterschiede nach Geschlecht Unterschiede nach bisherigem Abschluss Unterschiede nach Schulart Unterschiede nach ERP-Softwareeinsatz 4.5 WEITERE BEEINFLUSSENDE FAKTOREN Einsatz und Arbeiten mit einer ERP-Software im Ausbildungsbetrieb Motivationale Faktoren und der Einsatz von ERP-Software Zeit- und Ortsungebundenheit der Software Abschlussprüfung und Zukunft 5. DISKUSSION 5.1 GEGENSTAND DER UNTERSUCHUNG 5.2 DIE BEDEUTUNG DES STATISTISCH SIGNIFIKANTEN ZUSAMMENHANGS FÜR DEN UNTERRICHT 5.3 DIE BEDEUTUNG STATISTISCH SIGNIFIKANTER UNTERSCHIEDE FÜR DEN UNTERRICHT 6. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK LITERATURVERZEICHNIS ANHANG

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