S Ü D W E S T R U N D F U N K F S - I N L A N D R E P O R T MAINZ S E N D U N G:

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1 Diese Kopie wird nur zur rein persönlichen Information überlassen. Jede Form der Vervielfältigung oder Verwertung bedarf der ausdrücklichen vorherigen Genehmigung des Urhebers by the author S Ü D W E S T R U N D F U N K F S - I N L A N D R E P O R T MAINZ S E N D U N G: Kein Arzt am Flughafen: Die katastrophale Notfallversorgung an griechischen Flughäfen Autorin: Kamera: Schnitt: Swantje Hirsch Malino Schust Kirsten Thorisch Moderation Fritz Frey: Guten Abend zu REPORT MAINZ! Ja, es ist wirklich eine unglaubliche Geschichte, mit der der eben gesehene junge Mann zu REPORT MAINZ gekommen ist. Eine Geschichte, die nicht nur für ihn, sondern auch für das polnische Ehepaar zum Alptraum wurde. Zugetragen hat sich das Ganze an einem Ort, der in diesen Tagen eigentlich für Erholung und Entspannung stehen sollte: in einem Urlaubsparadies in Griechenland. Swantje Hirsch mit den Details. Bericht: Die griechischen Inseln im Sommer: schöne Urlaubsimpressionen, Traumstrände. Doch die griechische Krise kann auch zur Gefahr für Urlauber werden.

2 2 Wir treffen Alexander Reinhardt. Vor einigen Wochen ist er von der griechischen Insel Zakynthos zurückgekommen. Der Krankenpfleger hat uns kontaktiert, weil er immer noch entsetzt ist. Ohne seinen Einsatz wäre vor seinen Augen ein Mensch gestorben, eine polnische Touristin mitten auf einem griechischen Flughafen. Er zeigt uns ein Foto von der Rettung. Nur er, der Ehemann und der Reiseleiter haben sich gekümmert. O-Ton, Alexander Reinhardt, Helfer:»Diese Frau lag am Boden, bewusstlos am Boden, und keiner vom Personal kam der Frau helfen. Es war wirklich erschreckend. Ich konnte es nicht glauben, weil es ein europäischer Flughafen ist. Da erwartet man ein Minimum an erster Hilfe.«Wie ist das möglich? Das wollen wir genauer wissen und fliegen mit ihm auf die Insel. Am Flughafen Zakynthos ist Hochbetrieb. Über eine Million Passagiere kommen hier jährlich an. Die meisten in den Sommermonaten. Alexander Reinhardt zeigt uns, wo die ohnmächtige Frau lag. Sie hatte weder Puls noch Atmung. O-Ton, Alexander Reinhardt, Helfer:»Ich war hier ganz alleine auf mich gestellt und musste die Frau 40 Minuten selbstständig reanimieren, am Leben halten.«nach 40 Minuten kam endlich ein Krankenwagen. Aber 40 Minuten sind lang für die Rettung eines Menschenlebens. Wir gehen mit Alexander Reinhardt durch den Flughafen. Sehen keine Sauerstoffflasche, keinen Defibrillator. Das Erste-Hilfe-Zentrum ist abgeschlossen. Ob die polnische Touristen überlebt hat, können wir nicht herausfinden. Auch am nächsten Tag ist das Erste-Hilfe-Zentrum wieder verschlossen. Auf Nachfrage beim Flughafen-Personal wird klar: das ist hier immer so.

3 3 Frage: Gibt es hier einen Arzt oder erste Hilfe?»Nein.«Frage: Nichts? Wir wollen die Verantwortliche des Flughafens zur Rede zur stellen. Aber obwohl wir ein Interview angefragt haben, will sie nicht mit uns sprechen. 30 Fahrminuten entfernt treffen wir im Insel-Krankenhaus den Arzt Orestis Vergos und den Chefarzt Pavlos Kapsambelis. Sie erzählen, dass es aus Geldmangel immer wieder zu solchen Vorfällen kommen kann. Denn sie haben nur einen Krankenwagen für die gesamte Insel. O-Ton, Dr. Orestis Vergos, Arzt:»Wenn wir drei Notfälle haben, dann müssen die Verletzten warten. Wir müssen erst zum ersten Notfall fahren, dann zum zweiten und dann erst zum dritten. Das ist ein sehr großes Problem.«Frage: Und das gefährdet Leben? O-Ton, Dr. Orestis Vergos, Arzt:»Natürlich! Das gefährdet wirklich Leben und es wird jeden Tag schlimmer.«eine Ausnahme? Wir fliegen auf die Insel Kos. Hier kommen weit über eine Million Passagiere pro Jahr an. Der Flughafen platzt aus allen Nähten. Die Schlangen sind lang und die Luft stickig. Vor ein paar Monaten hatte ein Passagier einen epileptischen Anfall, wenige Tage später ein anderer Passagier einen Herzinfarkt. Per Durchsage wurde glücklicherweise unter den Passagieren jeweils ein Arzt gefunden.

4 4 Im Internet heißt es, dass es ein Erste-Hilfe-Zentrum gäbe. Aber die Tür zur ersten Hilfe ist verschlossen. Und das zur Hochsaison, mitten zur Hauptreisezeit. Auch hier versuchen wir mit dem Verantwortlichen zu sprechen. Antonios Kalloudis empfängt uns in seinem noblen holzgetäfelten Büro. Vorher hat er als Kameramann gearbeitet, erzählt er uns. Nun ist er der Manager eines internationalen Flughafens. Offen gibt er zu, dass der Flughafen überlastet sei mit so vielen Passagieren. Doch für Notfälle gäbe es ja einen Arzt und das erste Hilfe-Zentrum. Frage: Wir waren beim Erste-Hilfe-Zentrum und das war zu? O-Ton, Antonios Kalloudis, Flughafen-Manager Kos:»Es ist nicht besetzt, wir rufen den Arzt an, wenn es einen Notfall gibt.«frage: Also ist das Zentrum gar nicht immer besetzt? O-Ton, Antonios Kalloudis, Flughafen-Manager Kos:»Nein, nur wenn es einen Notfall gibt, rufen wir den Arzt an. Er sitzt nicht hier am Flughafen.«Tatsächlich wäre er nicht weit weg. Doch da, wo der Arzt sitzen sollte, ist die Tür zu. Er sei bei einem Notfall, ist zu lesen. Am nächsten Tag hängt der Zettel immer noch. Antonis Troumoulis bildet ehrenamtlich Erste-Hilfe-Retter aus. Er sagt, dass noch nicht einmal eine Handvoll Mitarbeiter im Flughafen Kos in Notfallmaßnahmen ausgebildet sind.»es ist nur einer im ganzen Hauptgebäude.«Frage: Denken Sie, das reicht aus?

5 5»Nein, das reicht nicht.«wir fliegen nach Athen. Dort sind wir mit dem Generalsekretär der griechischen Luftfahrtgewerkschaft, Ronis Mathiodakis, verabredet. Er versucht die Probleme herunter zu spielen. O-Ton, Ronis Mathiodakis, Generalsekretär griechische Luftfahrtgewerkschaft:»Wir finden für die Probleme immer eine Lösung. Manchmal gibt es einen Arzt unter den Passagieren oder einen Arzt unter den Besuchern.«Nach mehrfachem Nachhaken gibt er zu: Auf der Hälfte der griechischen Flughäfen gibt es keine erste Hilfe-Möglichkeiten aus Geldmangel. Frage: Was heißt bei der Hälfte? Bei 20? O-Ton, Ronis Mathiodakis, Generalsekretär griechische Luftfahrtgewerkschaft:»Ja.«Frage: 20 ohne erste Hilfe? O-Ton, Ronis Mathiodakis, Generalsekretär griechische Luftfahrtgewerkschaft:»Ja.«Deutsche Urlauber sind von unseren Recherchen entsetzt.»es gefährdet Leben. Was machen wir dann, wenn etwas nicht in Ordnung ist? Wer hilft

6 6 einem dann? Es geht doch nicht anders. Also, ich bin schockiert.wir sind hier in einem mitteleuropäischen Land, ein internationaler Flughafen, und ich denke, da kann man auch voraussetzen, dass die medizinische Notfallversorgung gewährleistet ist.«zurück in Deutschland sprechen wir mit Dr. Peter-Friedrich Petersen über die Recherchen. Er ist Chefarzt in der Notaufnahme im Klinikum Höchst und befasst sich auch mit Notfall-Medizin an Flughäfen. O-Ton, Dr. Peter-Friedrich Petersen, Chefarzt Klinikum Höchst:»Das gefährdet Menschenleben ganz akut. Wenn da jemandem was passiert, was Gesundheitliches, der kann nicht erwarten, dass er da in einer halbwegs vernünftigen Zeitspanne zu einer Behandlung kommt. Da muss man für eine vernünftige, medizinische Infrastruktur sorgen. Empörung ist da gar kein Wort. Da ist man fassungslos.«wer ist für diesen Missstand verantwortlich? Bei der EU heißt es: Die Notfallversorgung wird national geregelt. Die griechische Regierung aber reagiert überhaupt nicht auf unsere Fragen. Die Krise in Griechenland wird so auch zum Risiko für Urlauber.

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