Stichworte zur Quantentheorie

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Stichworte zur Quantentheorie Franz Embacher 1 und Beatrix Hiesmayr Unterlagen zum Workshop Quantenkryptographie und Quantencomputer im Rahmen der 58. Fortbildungswoche Physik/Chemie Institut für Theoretische Physik der Universität Wien, 5.. 004 1 Qubits Ein Qubit ist ein Quantensystem, dessen Zustandsvektoren sich als Linearkombinationen (Überlagerungen) zweier fix gewählter Zustandsvektoren 0 und 1 darstellen lassen: ( ) a ψ = a 0 + b 1 C wobei a + b = 1. (1.1) b Jeder solche Zustandsvektor beschreibt einen physikalisch realisierbaren Zustand. Die Zustandsvektoren 0 und 1 (sie bilden die Standardbasis ) werden manchmal auch in der Form und oder H und V geschrieben. Für viele Zwecke der Quanteninformation können die Koeffizienten a und b als reell angenommen werden. Die Zustandsvektoren des Systems können dann als (Einheits-)Vektoren in der Zeichenebene dargestellt werden: 1 ψ b 0 a Die Zahlen a und b sind die (orientierten) Projektionen von ψ auf die Vektoren der Standardbasis. Gemeinsam bilden sie die Wellenfunktion des Systems: Was aus dem quantenmechanischen Formalismus für den Ort eines Teilchens als Funktion x ψ( x) (mit x R 3 ) bekannt ist, reduziert sich hier auf eine Funktion j ψ j (mit j {0, 1}), spielt aber in der Theorie dieselbe Rolle. 1 fe@ap.univie.ac.at hiesmayr@ap.univie.ac.at 1

Messung Jede (orthonormale) Basis von Zustandsvektoren entspricht einer physikalischen Mess-Anordnung. Eine Messung des Zustands (1.1) in der Standardbasis ergibt eines der zwei möglichen Resultate (0 oder 1) mit Wahrscheinlichkeiten w(0) = a w(1) = b. (.1) Konkrete für die Quanteninformation relevante Systeme sind: Physikalisches System Basisvektoren beschreiben... abstrakt 0, 1 Messung in der Standardbasis Elektronenspin, Messung der z-komponente des Spins ( up oder down ) Ploarisationsfreiheitsgrad H, V Wirkung eines Polarisationsfilters eines Photons in horizontaler (vertikaler) Stellung Gebundenes System E 0, E 1 Messung der Energie (Grund- oder (z.b. Atom) erster angeregter Zustand) Katze lebend, tot Beobachten der Katze Ist ein Qubit-System im Zustand (1.1) und wird eine Messung in einer anderen Basis durchgeführt, so können die Wahrscheinlichkeiten für die möglichen Messresultate leicht berechnet werden. Wir betrachten als (wichtiges) Beispiel die aus den beiden Zustandsvektoren 45 = 1 ( 0 + 1 ) 45 = 1 ( 0 1 ) (.) bestehende Basis. (Physikalisch beschreibt sie im Fall des Photons um 45 verdrehte Polarisationsfilter, im Fall des Elektrons die Messung der x-komponente des Spins). Geometrisch kann sie in der Zeichenebene so visualisiert werden: 1 45 0 45

Für die Berechnung der Wahrscheinlichkeiten muss der Zustandsvektor (1.1) zunächst in die neue Basis entwickelt werden: ψ = a 45 + b 45 = a + b 0 + a b 1, (.3) woraus durch Koeffizientenvergleich mit (1.1) a = a + b b = a b (.4) folgt. Analog zu (.1) ergeben sich die Wahrscheinlichkeiten für die Messresultate (hier ±45 ) als Quadrate (der Absolutbeträge) der Koeffizienten (hier a und b ): w(45 ) = a = 1 a + b w( 45 ) = b = 1 a b. (.5) Auf dieselbe Weise können Vorhersagen für Messungen in beliebigen anderen (orthonormalen) Basen berechnet werden. 3 -Qubit-System Ein -Qubits-System ist ein Quantensystem, das aus zwei Qubits (z.b. den Polarisationsfreiheitsgraden eines Photonenpaars) besteht. Es ist nützlich, sich zwei Beobachter (Alice und Bob) vorzustellen, denen jeweils nur ein Qubit experimentell zugänglich ist. Alice Photon Photon Bob Ist Alices Teilsystem im Zustand 0 und Bobs Teilsystem im Zustand 1, so schreiben wir den Zustandsvektor des Gesamtsystems als 0 1. Das Gesamtsystem besitzt die vier Zustandsvektoren 0 0, 0 1, 1 0 und 1 1 als Basis. Daher stellen auch Linearkombinationen wie Ψ = 1 ( 0 1 1 0 ) (3.1) 3

physikalisch realisierbare Zustände dar. Wenn das System in diesem (dem berühmten EPR-)Zustand ist und Alice und Bob jeweils eine Messung in ihrer Standardbasis durchführen, so können die Wahrscheinlichkeiten für die möglichen Messresultate als Quadrate der (Absolutbeträge) der Koeffizienten in (3.1) abgelesen werden: w(alice: 0, Bob: 0) = 0 (3.) w(alice: 0, Bob: 1) = 1 (3.3) w(alice: 1, Bob: 0) = 1 (3.4) w(alice: 1, Bob: 1) = 0. (3.5) (Das EPR-Paradoxon ergibt sich, wenn Alice und Bob die Basen, die ihre Messungen definieren, frei wählen können). 4 Zeitentwicklung In der Quanteninformation wird oft nur für kurze Zeit eine Wechselwirkung eingeschaltet, um eine ganz bestimmte Änderung des Zustandsvektors zu erreichen. Es liegt dann keine kontinuierliche Zeitentwicklung vor, sondern eine diskrete: ψ vorher wird in ψ nachher übergeführt. Zwei wichtige Beispiele solcher Transformationen für Qubits sind: Die NOT-Transformation führt 0 in 1 und 1 in 0 über: NOT 0 = 1 NOT 1 = 0. (4.1) Im Fall des Photons kann sie als Wirkung einer Vorrichtung zur Drehung der Polarisationsebene um 90 (die nicht mit einer Messung verbunden ist) interpretiert werden. Transformationen, die Wechselwirkungen beschreiben, sind linear und unitär. Linearität bedeutet, dass die Transformation einer Überlagerung von Zustandsvektoren gleich der Überlagerung der Transformierten dieser Zustandsvektoren ist. Im Fall der NOT-Transformation bedeutet das NOT(a 0 + b 1 ) = b 0 + a 1 (4.) für alle a, b. Unitarität verlangt, dass Einheitsvektoren immer in Einheitsvektoren übergeführt werden. Physikalisch kann sie als Erhaltung der Wahrscheinlichkeit interpretiert werden. 4

Die Hadamard-Transformation ist durch H 0 = 1 ( 0 + 1 ) H 1 = 1 ( 0 1 ) (4.3) definiert. Im Fall des Photons kann sie als Wirkung einer Vorrichtung zur Drehung der Polarisationsebene um 45 (die nicht mit einer Messung verbunden ist) interpretiert werden. Für die Zeitentwicklung eines Qubits kann eine bequeme graphische Visualisierungsmethode verwendet werden. Ein Qubit wird durch eine horizontale Linie dargestellt, wobei die Zeit von links nach rechts verläuft: Soll angedeutet werden, dass sich das System in einem bestimmten Zustand befindet, wird die Linie entsprechend beschriftet, beispielsweise so: 0 Eine Transformation wird als beschriftetes Kästchen dargestellt, hier zum Beispiel das NOT: NOT Damit lassen sich Folgen von hintereinander ausgeführten Transformationen übersichtlich darstellen. Beispiel: 0 1 1 ( 0 1 ) NOT H M Mit M ist hier eine abschließende Messung (in der Standardbasis) bezeichnet. (Was wird sie mit welcher Wahrscheinlichkeit ergeben?) Werden Systeme betrachtet, die aus mehreren Qubits bestehen (wie beim Quantencomputer), so lassen sich auf diese Weise Schaltpläne darstellen. 5

Links und Literatur zu diesem Workshop finden Sie am Web unter http://www.ap.univie.ac.at/users/fe/quantentheorie/fortbildungswoche004/ 6