Die Wegwerfgesellschaft produziert den Wegwerfmenschen in unterschiedlichen Rollen, je nach Bedarf. Der Preis ist immer derselbe: Zufriedenheit und in weiterer Folge Gesundheit. MOBBING alles nur Spass, oder? Prolog Millionen Arbeitnehmer leiden unter gezielten Schikanen von Kollegen und Chefs. Sonntägliche Magenschmerzen belasten, nur weil der nächste Tag wieder ins Büro führt. Wenn Mobbing bewusst als Mittel eingesetzt oder stillschweigend hingenommen wird z.b. zum Personalabbau wird übersehen, dass damit das Betriebsklima zerstört wird, so dass Einsparungen in keinem Verhältnis zum Motivations- und Kreativitätsverlust stehen. Der Begriff Mobbing: Das Substantiv "Mob" kommt aus dem Englischen und bedeutet "der Pöbel die Horde, das Gesindel". Das Verb "to mob", ebenfalls aus dem Englischen, wird mit "über jemanden herfallen, anpöbeln, sich auf jemanden stürzen" übersetzt. Da "Mobbing" zu einem gängigen Schlagwort geworden ist, wird es oftmals auch dann genutzt, wenn es nicht passt. So wird gerne jede kleine Streitigkeit oder Gemeinheit gleich als Mobbing bezeichnet, was es einem echten Mobbing(?)Opfer oft erschwert, seine Situation richtig einzuordnen. (Bossing ist Mobbing von oben nach unten.) "Mobbing" heißt: Negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die immer wieder (oft) und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer ausdrücklich kennzeichnen.
Ein schlechtes Betriebsklima allein oder Klatsch und Tratsch fallen nicht sofort unter den Begriff Mobbing. Eine Unverschämtheit, einmal gesagt, ist und bleibt eine Unverschämtheit. Wiederholt sie sich aber täglich über mehrere Wochen, dann wird von Mobbing gesprochen. Mobbing kann unter Kolleginnen und Kollegen stattfinden, geht teilweise von Vorgesetzten gegen MitarbeiterInnen, teilweise gemeinsam mit anderen Mitarbeitern, oder aber auch von ganzen Abteilungen gegen einzelne Kolleginnen und Kollegen oder in Einzelfällen gegen Vorgesetzte aus. Speziell dann, wenn eine sachliche Unterredung über Probleme nicht mehr möglich ist. Konflikte werden schlecht oder gar nicht bewältigt. Schlechte Arbeitsorganisation oder Verunsicherung der Beschäftigten auf Grund ständiger Umstrukturierungen begünstigen Konfliktsituationen. Was mit einfachen Streitereien oder mit Unverschämtheiten gegen die Bestroffenen beginnt, wird zunehmend systematischer. Es kommt zum gezielten Einsatz von typischen Mobbinghandlungen wie z.b. Kommunikationsverweigerung, Isolation, Beleidigungen etc.. Aus einer Auseinandersetzung mit anfänglich oft wenigen Beteiligten entsteht eine Situation, in der die ganze Abteilung, später sogar die direkten Vorgesetzten in der Person des/der Betroffenen einen Störenfried oder Querulanten sehen. Wie kann man Mobbing frühzeitig erkennen? Es dauert eine Weile bis man erkennt, was gespielt wird. Und obwohl es schon nach relativ kurzer Zeit Anzeichen gibt, dass Intrigen ablaufen, will man es erst einmal nicht wahrhaben und lässt kostbare Zeit verstreichen. Doch wer bereits in der Anfangphase gegensteuert kann sich einiges ersparen. Deutliche Alarmsignale, die zeigen, dass Intrigen sich ankündigen und Mobbing im Busch sind:
Frontenbildung War es früher ein harmonisches Team, so bilden sich jetzt Cliquen und Seilschaften. Die Fronten verhärten sich, wenn ein Chef die Parole ausgibt: "Wer nicht für mich ist, ist gegen mich!" Kontrolle Es erscheint nötig, Gesprächsprotokolle anzulegen. Vertrauen gibt es nicht mehr. Diskussion ohne Ende Bei fachlichen Auseinandersetzungen wird nicht mehr sachlich diskutiert, sondern verbiestert debattiert. Informationsstopp Das Opfer erfährt nichts mehr, wichtige Informationen werden ihm vorenthalten. Keine Kommunikation Plötzlich werden Türen geschlossen und offene Gespräche vermieden. Die Gruppe hat keinen Teamgeist mehr. Unkollegialität Jetzt läuft nichts mehr. Keiner springt mehr für den anderen ein. Gibt es das typische Mobbing-Opfer? Mobbing kann jeden treffen und schaden, solange alle mitmachen und keiner etwas dagegen unternimmt. Es hat nichts mit der Persönlichkeit oder dem Rang des Opfers zu tun. Vielleicht fängt es mit einem kleinen Streit unter Kollegen an, dem immer wieder Sticheleien folgen, hin und wieder mal ein böses Wort und schließlich eine Bemerkung dem Chef gegenüber. Schon wird das Opfer an den Rand gedrängt, gehört nicht mehr dazu. Das typische Mobbing-Opfer gibt es nicht. Es kann tatsächlich jeden treffen, Frauen wie Männer. Mobbing hat selten einen sachlich nachvollziehbaren Grund in der Person. Allerdings sind Menschen gefährdeter, wenn sie sich auf irgendeine
Weise von anderen Kollegen unterscheiden. Aber auch Menschen mit starkem Selbstbewusstsein und sogar Sympathieträger kommen als Opfer in Frage. Als Gemobbter kann bezeichnet werden, - wer in einer Mobbing-Situation in psychischen Stress gerät, psychosomatische Erkrankungen bekommt, depressiv wird, wer einerseits von seiner Schuldlosigkeit überzeugt ist und andererseits aber glaubt, dass er alles falsch macht, - wer sich sehr unsicher zeigt, unentschlossen und hilflos wirkt, - wer seine eigenen Rolle passiv sieht ("mich fragt ja keiner"), - wer sich für die Situation nicht verantwortlich fühlt und sich stattdessen mit Selbstvorwürfen quält. Warum werden bevorzugt Angehörige von Minderheiten und Randgruppen an ihren Arbeitsplätzen gemobbt. Nun, schon seit jeher ist für uns die Zugehörigkeit zur einer Gruppe und deren Zusammenhalt für unser Selbstwertgefühl sehr wichtig. Deswegen achtet jede Gruppe darauf, abweichende Meinungen und Haltungen nur in enggefassten Grenzen zuzulassen. Wer "anders" ist, wird über kurz oder lang herausgeekelt. Fühlt sich die Gruppe von innen oder außen bedroht? wächst die Angst an, etwa davon den Job zu verlieren? Die Folge: Die Gruppe verhält sich zunehmend extremer und rücksichtsloser gegen andere. Wie kann man sich gegen Mobbing schützen? Der Einzelne kann sich vor Mobbing nicht besonders schützen. Präventiv können eigentlich nur Führungskräfte dahingehend geschult werden, dass sie persönliche Konflikte zwischen Mitarbeitern ernst nehmen. Wenn sich Mitarbeiter gegenseitig mobben, ist der Vorgesetzte gefordert einzugreifen. Zum Glück gibt es auch einige mutige und konsequente Chefs, die das üble Spiel gleich anfangs erkennen und es unterbinden. Doch die Mehrheit der
Führungskräfte sieht schweigend zu, hält sich raus oder will es einfach gar nicht mitbekommen. Durch ihre fehlende soziale Kompetenz entwickelt sich so ein Mobbing-Prozess, der immer größere Kreise zieht. Empfehlungen für Führungskräfte Suchen Sie das Gespräch mit dem Mitarbeiter und warten Sie damit nicht, bis es Anlass zur Kritik gibt. Seien Sie in Ihrer Abteilung präsent und zeigen Sie sich zugänglich! Schützen Sie Ihren Mitarbeiter auch bei Kritik! Maßregeln Sie ihn nie vor anderen und sagen Sie ihm klar und ohne moralische Einschätzungen, wie er sich in Zukunft verhalten soll. Sehen Sie Konflikte als Chance! Versuchen Sie niemals, sie zu unterdrücken, einfach zu übersehen oder schwelen zu lassen, sondern suchen Sie nach einer Lösung. Holen Sie notfalls Dritte dazu! Schaffen Sie Klarheit über Ziele und Erwartungen! Legen Sie ein konsequentes und verantwortungsvolles Vorgesetztenverhalten an den Tag, damit lässt sich Mobbing in vielen Fällen verhindern. (Quelle: Im wesentlichen das Buch "Mobbing Konflikte am Arbeitsplatz erkennen, offen legen und lösen" von Trude Ausfelder, Heyne, München, Ausgabe 1995 und aktualisierte Neuauflage 2001)