Extraktion/Komplexbildung

Ähnliche Dokumente
Seminar: Photometrie

Komplexchemie und Molekülgeometrie. Aufbau und Nomenklatur von Komplexverbindungen

KOMPLEXCHEMIE UND TRENNVERFAHREN

Struktur von Komplexverbindungen

Komplexbildung. CoCl 3 5 NH 3. CoCl 3 6 NH 3. CoCl 3 4 NH 3 Alfred Werner The Nobel Prize in Chemistry 1913

Übung zum chemischen Praktikum für Studierende mit Chemie als Nebenfach Übung Nr. 3, /

2. Teilen Sie die folgenden organischen Substanzen ein. Sind sie hydrophil, lipophil oder amphiphil?

Im Sauren liegen H + -Ionen vor, das heißt: Säuregruppe COOH ist protoniert Amingruppe NH 2 ist zu NH 3. protoniert Molekül Nr. 6

Komplexe SPF BCH am Inhaltsverzeichnis Ihr könnt die Formeln von Komplexsalzen korrekt aufschreiben... 2

Versuchsprotokoll: Aminosäure- und Proteinbestimmung

Quantitative Bestimmung von anorganischen Arznei-, Hilfs- und Schadstoffen

Elektronenspektrum von [Ti(H 2 O) 6 ] 3+

Welcher Indikator ist für die Titration von Essigsäure (pks =4.76) mit Natronlauge am besten geeignet?

Farbe der anorganischen Pigmente

A) Bei zweiprotonigen Säuren wird zur vollständigen Neutralisation exakt ein

Al OH Al(OH) 3

7.4 Fällungs- und Komplexbildungsreaktionen

4. Methoden zur Reinigung der organischen Verbindungen Elementaranalyse. Empirische und Summenformel.

9. CHEMIE DER KOMPLEXE

Chemisches Praktikum für Biologen

Komplexometrie. Bleiben auch in Lösung als Komplexverbindung erhalten NH 3 + BF 3 [H 3 NBF 3 ] H 3 N BF 3. Fe CN - [Fe(CN) 6 ] 3-

Grundwissen Chemie 9. Jahrgangsstufe G8

Hinweise zur Zusatzaufgabe Permanentes magnetisches Moment

Auf der rechten Seite sind Beispiele für kovalente Bindungen.

Chemie für. Mediziner und Medizinische Biologen


Aufgabe 1.1 Welche der folgenden Aussagen in Bezug auf nachfolgende Reaktionsgleichung ist falsch? HCl + NH3 NH4 + + Cl -

Kurstag 6. Komplexverbindungen und Kolorimetrie

Übungsaufgabe 1. Photometrische Bestimmung von Chrom als Chromat Chemikalien: H 2 O 2, Natronlauge, Chrom-(III)-salz

Versuchsanleitungen zum Praktikum Physikalische Chemie für Anfänger 1. Lambert Beer sches Gesetz - Zerfall des Manganoxalations

Protokoll zum Versuch 50: Photometrie vom Thema: Photometrische Fe 2+ -Konzentrationsbestimmung mit Phenanthrolin

Matthias Hinrichs Praktikum Anorganische Chemie II. Übergangsmetallkomplexe: [Co(en) 3 ]Br 3 *3H 2 O

Wechselwirkung zwischen Licht und chemischen Verbindungen

Grundwissen 9.Klasse NTG 1 Grundwissen 9.Klasse NTG 1. Bsp.: Grundwissen 9.Klasse NTG 2 Grundwissen 9.Klasse NTG 2

Seminar zum Praktikum

Chemisches Praktikum für Biologen

Beispielaufgaben IChO 2. Runde 2019 Koordinationschemie

K1: Lambert-Beer`sches Gesetz

Anorganische-Chemie. Dr. Stefan Wuttke Butenandstr. 11, Haus E, E

Studienbegleitende Prüfung Modul 12 Anorganisch-Chemisches Grundpraktikum SS Niederschlag von CuS Niederschlag von PbS

Einführung. Galvanische Zelle. Korrosion + - Univ.-Prof. Dr. Max J. Setzer Vorlesung - Korrosion Seite 1

Thema: Komplexverbindungen, die koordinative Bindung. Koordinationszahl, 18-Elektronen-Schale, ein- mehrzähnige Liganden, EDTA,

Versuch 1.6/1: Benutzung des Wasserabscheiders zur Synthese von 2 (m Nitrophenyl) 1,3 dioxalan

Komplexbildung Beispiel wässrige Lösungen von Aluminium(III) Hydrate

Chemisches Praktikum für Biologen

Versuch: Reaktionskinetik

BITTE AUSFÜLLEN BITTE HALTEN SIE IHREN STUDENTAUSWEIS BEREIT. Matr.-Nr. Name: Vorname: Unterschrift:

Reduktion und Oxidation. Oxidationszahlen (OZ)

Wie Heavy Metal ist der Boden?

4 LÖSLICHKEITSPRODUKT

2. Klausur zum Chemischen Grundpraktikum im WS 2015/16 vom 21. März 2016

Chemisches Praktikum für TUM-BWL Praxisseminar II Grundoperationen und Reinigungstechniken

Physikalische Chemie: Kinetik

Chemische Bindung. Chemische Bindung

Quantitativer, selektiver, eindeutiger, stöchiometrisch einheitlicher und rascher Reaktionsverlauf.

Spektroskopie-Seminar SS UV-Vis-Spektroskopie. UV-Vis-Spektroskopie

Didaktische FWU-DVD. Komplexverbindungen. Chemie. Klasse Trailer ansehen

Komplexchemie des Nickels Ligandenaustauschreaktionen

Zweistrahlphotometer, Mikropipetten (1 ml), Vortexer, Eppis mit Deckel (2 ml), Analysewaage, Glasküvetten mit Deckel,

AnC I Protokoll: 7.1 Synthese und Charakterisierung von Tetraamminkupfer(II)-sulfat! SS Analytische Chemie I.

Vorlesung Anorganische Chemie II im SS 2007 (Teil 2) Hans-Jörg Deiseroth Anorganische Chemie Fb 8 Universität Siegen

Analytische Chemie (für Biol. / Pharm. Wiss.)

TU Ilmenau Chemisches Praktikum Versuch Photometrische Bestimmung der Fachgebiet Chemie. Komplexzusammensetzung

Extraktion. Extraktion: Unter Extrahieren versteht man das Herauslösen eines oder mehrerer Stoffe aus einem festen Gemisch oder einer Lösung.

Thomas Wenzel (Autor) Untersuchung von Phasengleichgewichten bei der Reaktivextraktion von Schwermetallionen mit Di(2- ethylhexyl)phosphorsäure

Studienbegleitende Prüfung Anorganisch-Chemisches Grundpraktikum WS 2005/

Technische Universität Chemnitz Chemisches Grundpraktikum

4. Isomerie von Komplexverbindungen

Proteinbestimmung. Diese Lerneinheit befasst sich mit der Beschreibung von verschiedenen Methoden der Proteinbestimmung mit den folgenden Lehrzielen:

K2: Acetonjodierung. Theoretische Grundlagen. Absorptionsspektroskopie. Physikalische Chemie für Pharmazeuten

Übergangsmetalle und Komplexe

Anorganische-Chemie. Dr. Stefan Wuttke Butenandstr. 11, Haus E, E

21-1. K=f c I=I0 e f c d

Studienbegleitende Prüfung Anorganisch-Chemisches Grundpraktikum WS 2004/

Komplexometrie. = Elektronenpaar- Akzeptor = Elektronenpaar- Donator. Koordinationsverbindung. stöchiometrischer Komplex. praktisch undissoziiert

Sauerstofftransport im Blut. von Ralph Althoff Christoph Mittmann

Praktikumsrelevante Themen

n = V Lsg m n l mol Grundwissen 9. Klasse Chemie (NTG) Analytische Chemie Stoffmenge n Molare Masse M Molares Volumen V M Stoffmengenkonzentration c

Elektromagnetische Strahlung

Ionisierungsenergie und Elektronenaffinität. Bindigkeit Valenzstrichformel Molekülgeometrie

Übungen zur VL Chemie für Biologen und Humanbiologen Was wird gebildet, wenn Natrium oxidiert wird und Chlor reduziert wird?

Was ist Elektrochemie? Elektrochemie. Elektrochemie ist die Lehre von der Beziehung

Übersicht. Wasserstoff-Verbindungen

Mehrprotonige Säuren -H + H 3 PO 4 H 2 PO 2-4 PO 3-4 +H + -H+ +H + Stefan Wuttke # 1

Versuch Fotochemie. Mikroreaktionstechnisches Praktikum Physikalische Chemie/Mikroreaktionstechnik

KORROSION UND KORROSIONSSCHUTZ VON METALLEN

Von Nadine Ufermann und Marcus Oldekamp

Konzentrationsbestimmung mit Lösungen

Übung 9. Allgemeine Chemie I Herbstsemester Vergleichen Sie die Abbildung 30.1 (MM., p. 515).

Anorganische-Chemie. Dr. Stefan Wuttke Butenandstr. 11, Haus E, E

DEFINITIONEN REINES WASSER

Transkript:

Extraktion/Komplexbildung Inhalte dieser Lerneinheit: Quantitativer Nachweis von Eisen mit o-phenanthrolin Quantitativer Nachweis von Kupfer mit Bichinolin Dabei werden Grundlagen der: Komplexbildung und der Extraktion besprochen.

Quantitative Bestimmung von Fe und Cu Prinzip: Eisen- und Kupferionen sind in wässriger Lösung farblos, können aber mit sog. Liganden (organische Moleküle) stark gefärbte Komplexe bilden. Diese Komplexe können fotometrisch vermessen werden, aus der Extinktion errechnet man sich mit Hilfe des Lambert-Beer schen Gesetzes die Eisen- bzw. Kupferkonzentration.

Der Eisenkomplex: Fe 2+ bildet mit 3 Molekülen o-phenanthrolin einen intensiv rot gefärbten Komplex: (3x) N N Fe 2+ Wie entstehen diese N-Fe 2+ -Bindungen?

Allg.: Struktur von Komplexverbindungen: Zentralatom: Metallion oder Metallatom Liganden: Moleküle oder Ionen, die sich an das Zentralatom anlagern freier Ligand: verfügt über mindestens ein Elektronenpaar, das er auf das Zentralatom übertragen kann. Meistens handelt es sich um nichtbindende (einsame oder freie) Elektronenpaare. Koordinationszahl: die Anzahl der direkt an das Zentralatom gebundenen Atome

Komplexverbindungen: Die Übergangsmetalle haben eine ausgeprägte Tendenz zur Bildung von Komplexen an den Bindungen in Komplexen der Übergangsmetalle sind d-orbitale des Zentralatoms beteiligt bei der Mehrzahl der Komplexe ist die Koordinationszahl zwei, vier oder sechs (am häufigsten) das Koordinationspolyeder bei Komplexen mit der Koordinationszahl sechs ist ein Oktaeder:

18-Elektronen-Regel: Es bilden sich Komplexe mit so vielen Liganden, dass eine Zahl von 18 Elektronen in der Valenzschale des Zentralatoms erreicht wird.

Chelat-Komplexe: Manche Liganden können mehr als eine Koordinationsstelle am Zentralatom einnehmen diese Liganden bilden mit dem Zentralatom ringförmige Strukturen. Solche Komplexe werden Chelat-Komplexe (grichisch chele = Krebsschere) genannt Chelat-Komplexe sind im allgemeinen stabiler als Komplexe von sogenannten einzähnigen Liganden.

Beispiel: Häm-Gruppe Die Häm-Gruppe im Hämoglobin ist ein Chelat- Komplex des Fe 2+. Das Metallion ist an einen vierzähnigen Liganden (Porphyrin) gebunden: M M N V M N Fe 2+ N P V N P M M, Methyl-; P, Propionat; V, Vinyl-

Häm-Gruppe: Das Eisenatom im Hämoglobin ist oktaedrisch koordiniert. Vier Koordinationsstellen entfallen auf die planare Häm- Gruppe, mit der fünften wird die gesamte Häm-Gruppe an das Protein-molekül gebunden und in der sechsten Position wird entweder ein Molekül H 2 O (Hämoglobin) oder ein Molekül O 2 (Oxyhämoglobin) gebunden. Die Koordination an der sechsten Position ist reversibel und hängt vom O 2 - Partialdruck ab. Hämoglobin + O 2 Oxyhämoglobin + H 2 O

Häm-Gruppe: Hämoglobin nimmt in der Lunge O 2 auf und gibt es im Körper wieder ab, wo es zur Oxidation von Nahrungsstoffen verwendet wird. Hämoglobin reagiert aber auch mit CO und CN - - Ionen, wobei Komplexe entstehen, die stabiler als Oxyhämoglobin sind. Deshalb wirken Kohlenmonoxid und Cyanide (Salze der Blausäure) toxisch.

Zurück zum Eisen/o-Phenanthrolin-Komplex: Vergleichbar mit Hämoglobin handelt es sich hier um eine typische Komplexverbindung. O-Phenanthrolin agiert als zweizähniger Ligand, d.h., seine beiden Stickstoffatome stellen ihre nichtbindenden Elektronenpaare für die Bindung an das Zentralatom Eisen (genau: Fe 2+ -Ion) zur Verfügung. Drei o-phenanthrolin-moleküle lagern sich um das Eisen herum an, somit ist das Eisen oktaedrisch koordiniert (3 mal 2N = 6N-atome).

Quantitative Bestimmung von Eisen: Fe 2+ bildet mit o-phenanthrolin einen intensiv rot gefärbten Komplex. In wässriger, sauerstoffhaltiger Lösung liegt aber Fe 3+ vor, das vor der Komplexbildung reduziert werden muss. Der Komplex kann Licht einer ganz bestimmten Wellenlänge (510 nm) absorbieren. Die Fotometrie (Lichtmessung) ermöglicht es uns, von der absorbierten Lichtintensität auf die Konzentration der gefärbten Substanz (=Eisen/o-Phenanthrolin-Komplex) rück-zuschließen. Für nicht allzu stark konzentrierte Lösungen gilt das Lambert-Beer sche Gesetz: E = ε c d Die Extinktion (E) ist proportional dem Produkt der Stoffmengenkonzentration c [mol/l] und der Dicke d [cm] der absorbierenden Flüssigkeitsschicht. Die Proportionalitätskonstante ε wird als molarer Extinktionskoeffizient [L/mol cm] bezeichnet. Somit kann man sich bei bekanntem ε aus der im Laborversuch gemessenen Extinktion die Konzentration der gefärbten Substanz (in unserem Fall des Eisen/o- Phenanthrolin-Komplexes) ausrechnen.

Quantitative Bestimmung von Kupfer: Hier wird die Kupferbestimmung mittels fotometrischem Verfahren nach Landers und Zak beschrieben. Die Bestimmung basiert auf der Bildung eines intensiv gefärbten Komplexes von einem Ion Cu + mit 2 Molekülen Bichinolin: N N Cu + N N

Reduktion des Kupfers: Nur Cu + kann diesen Komplex bilden. In der zu untersuchenden Lösung muss (eventuell vorhandenes) Cu 2+ zu Cu + reduziert werden: 2 Cu 2+ + 2 Asc 2 Cu + + 2 Dehydro-Asc + 2 H + CH 2 OH CH 2 OH HCOH HCOH O O O O HO OH O O Ascorbinsäure Dehydro-Ascorbinsäure

Probleme in der Praxis: Üblicherweise bestimmt man in der Medizin Kupfer aus wässrigen Lösungen (z.b. aus Serum). Allerdings: das Komplexierungsmittel Bichinolin ist nahezu wasserunlöslich, aber sehr gut löslich in organischen Lösungsmittleln, wie z.b. Butanol. Wie kann hier eine Komplexbildung erfolgen, wo sich doch Zentralion und Ligand in unterschiedlichen, nicht mischbaren Phasen befinden? Problemlösung: man gibt beide Phasen (Phase 1: Cu + in Wasser; Phase 2: Bichinolin in Butanol) in einen Scheidetrichter. Durch kräftiges Schütteln entstehen große Austauschoberflächen, sodass sich der Kupfer/Bichinolin- Komplex bilden kann.

Extraktion: Butanolphase: enthält Bichinolin wässrige Phase: enthält Cu +

Kräftiges Schütteln: Butanol Wasser Bichinolin Bichinolin Durch das Schütteln geht Bichinolin spurenweise in die Wasserphase über. Die Konzentrationsverhältnisse werden durch das Nerst sche Verteilungsgesetz beschrieben: K = c(i) / c(ii) K Nernst scher Verteilungskoeffizient c(i) Konzentration des zu extrahierenden Stoffes in Phase I (z.b. Wasser) c(ii) Konzentration des zu extrahierenden Stoffes in Phase II (z.b. Butanol)

Extraktion: In unserem Fall lautet das Nernst sche Verteilungsgesetz: K = c Bichinolin in Wasser / c Bichinolin in Butanol Für K ergibt sich ein sehr niedriger Wert, da Bichinolin in Wasser sehr schlecht löslich ist, aber sehr gut in Butanol. In Worten: das Verhältnis der Gleichgewichtskonzentrationen des Bichinolins in Wasser bzw. Butanol ist konstant.

Extraktion: Butanol Bichinolin/Cu + -Komplex Bichinolin Bichinolin + Cu + Bichinolin/Cu + -Komplex Wasser In Wasser reagiert das Bichinolin mit Cu +, es bildet sich ein Bichinolin- Kupfer-Komplex. Dadurch ergeben sich 2 Folgereaktionen: 1. der Bichinolin-Kupfer-Komplex löst sich in Butanol besser als in Wasser, daher geht der Komplex laufend ins Butanol über 2. die Konzentration an freiem Bichinolin nimmt in der Wasserphase durch die Komplexbildung ab, es wird daher aus der Butanolphase nachgeliefert (= Einhaltung des Nernst schen Verteilungssatzes)

Extraktion Somit geht das in Wasser gelöste Cu + (fast) vollständig in die Butanolphase über: Cu + Wasser Cu + Butanol als Komplex

Fotometrische Vermessung des Bichinolin- Kupferkomplexes: Messlösung: Bichinolin-Kupfer-Komplex in Butanol Spuren von Wasser könnten zu Trübungen führen. Deshalb wird die Butanolphase vor der Messung mit Natriumsulfat(= hygroskopisches Salz) getrocknet. Wie schon weiter oben für Eisen beschrieben, errechnet man sich aus der gemessenen Extinktion mit Hilfe des Lambert-Beer schen Gesetzes die Kupferkonzentration (ε muss bekannt sein).