Hypocalcämie als Bestandsproblem

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Transkript:

Demonstration der Arbeitsschritte zur Lösung von Bestandsproblemen und bei Milchkühen in den USA (Baillargeon, 2002) Trächtigkeitsrate nach EB R. Staufenbiel, Klinik für Klauentiere der Freien Universität Berlin Königsweg 65, 14163 Berlin Tel. 030-8386 2261, staufen@vetmed.fu-berlin.de Trächtigkeitsrate nach EB (%) 80 60 40 20 10000 8000 6000 4000 2000 (kg/jahr) 0 1951 1975 1985 1996 2001 0 metabolische Faktoren A B C A B C endokrine Faktoren Kuhkomfort sstörungen sstörungen multifaktorielles Problem subjektive Faktoren A B A C B C mikrobielle Faktoren Hypocalcämie als Bestandsproblem Ketosen Pansenhypotonie klinisch manifeste Hypocalcämie = Gebärparese Indigestionen Labmagenverlagerung Lochiometra Endometritiden Nachgeburtsverhaltungen Uterusvorfälle Risikofaktor Puerperalstörungen subklinische Hypocalcämie Was ist ein Bestandsproblem? (1) Jede wiederholt auftretende gleichartige Erkrankung / sstörung / sstörung / sdepression, die der Landwirt / Herdenmanager aus seiner spezifischen Sicht als Problem anspricht. Was ist ein Bestandsproblem? (2) sstörungen / Erkrankungen, die in eine bestimmte Häufigkeit überschritten haben. Die Festlegung der Häufigkeit (Inzidenzschwelle) kann auf Basis von Literaturangaben oder bestandsspezifisch erfolgen. Produktionskrankheiten Begriff für in Herden mit einer spezifischen Produktionsrichtung immer auftretende Erkrankungen (Ketose, Hypokalzämie, Mastitis, Nachgeburtsverhaltung, Endometritis, Zysten) 1

Auswertung von Erkrankungshäufigkeiten in der Bestandsbetreuung Ketose < 5 % Gebärparese < 5 % Labmagenverlagerung < 5 % Nachgeburtsverhaltung < 10 % Endometritis < 10 % Ovarialzysten < 5 % Abgänge bis 100 Tage p.p. < 10 % Abgänge pro Laktation? Abgänge an Jungkühen? Lösungsalgorithmus für ein Bestandsproblem? (1) Definition eines Bestandsproblems Erfassen der aktuellen Häufigkeit (Inzidenz) (2) Bestandsdiagnostik systematische Ursachenanalyse Bestandsbesichtigung, Fütterung, Herdendaten, Labordiagnostik Prioritätenliste unter Beachtung von Möglichkeiten und Kosten (3) Bestandsprophylaxe Maßnahmenkatalog zur Senkung der Inzidenz Studium, Fachbücher, Fachzeitschriften, Internetrecherche (4) Erfolgskontrolle Erfassen der Inzidenzentwicklung ökonomische Bewertung Zwei Stufen der Bestandsbetreuung (1) die Beseitigung aktuell vorhandener Bestandsprobleme (2) das vorausschauende Vermeiden der Entwicklung von Bestandsproblemen = prophylaktische Bestandsbetreuung Ziel der (1) Harmonisierung von sleistung Tiergesundheit (2) Vermeiden des Überschreitens vorgegebener Häufigkeiten bestimmter Erkrankungen Erste Ebene der (1) (2) Herdenmanager, Fütterungsberater, Tierarzt täglich / wöchentlich / monatlich 2

- bewußtes Beobachten der Tiere und der Umwelt / Stall - bewußtes Beobachten bestimmter Verhaltensäußerungen (Fressen, Trinken, Laufen, Liegen, Aufstehen, Rangordnung) - bewußtes Beobachten definierter Kriterien am Tier mit der Vergabe von Noten nach einem Notenschlüssel (Bonitierung) und Dokumentation (Pansenfüllung, Kotkonsistenz, Kotzerkleinerungsgrad, Bewegungsscore, Body Condition Score BCS Zitzenscore, Euterverschmutzungsscore) Jan Hulsen Kuh-Signale. Krankheiten und Störungen früher erkennen. Verlag Roodbont, Landwirtschaftsverlag GmbH Münster-Hiltrup 2004, ISBN 90-75280-54-8 TMR-Analyse Bestand Vorbereiterration ohne saure Salzen Parameter Ziel - werte Analysen - werte Berechnete Werte Trockensubstanz (g/kg) Energie (NEL/kg TS) Rohasche (g/kg TS) Rohprotein (g/kg TS) Rohfaser (g/kg TS) Zucker/Stärke (g/kg TS) Ca (g/kg TS) P (g/kg TS) Mg (g/kg TS) Na (g/kg TS) K (g/kg TS) Cl (g/kg TS) S (g/kg TS) DCAB (mequ/kg TS) 400-500 6,4 6,8 < 100 140-150 180 190 200-230 4 5 3-4 2 3,5 1,5-2 < 15 < 8 2 150 bis 200 364 6,9 66 130 168 291 8,0 3,5 2,3 1,1 10,4 5,3 0,9 + 111 425 6,7 66 154 184 238 6,5 3,4 1,9 2,2 10,5 3

Literatur Staufenbiel, R., Gelfert C.-C., Hof, K., Westphal, A., Daetz, C. (2009): Einfluss verschiedener Varianten der Trockensteher- und Transitkuhfütterung auf die Tiergesundheit und die Leistung. 10. Symposium zu Fragen der Fütterung und des Managements von Hochleistungskühen, Neuruppin, 25.10.2007, Tagungsbericht, Neuruppin, 2009, Seiten 11-76. e-mail: info@dr-pieper.com Zweite Ebene der = Herdendaten Kondition Gewichtsentwicklung (3) (4) sdaten (5) Wiederkauaktivität Geburtsüberwachung Pansenfunktion Futter/Wasser (6) Daten über Erkrankungen und Abgänge Herdenmanager, Fütterungsberater, Tierarzt monatlich Trächtigkeit Euter Aktivität Klaue 07.04.2011 Christian Groen 22 Herkunftssicherungs-, Informationssystem für Tiere HIT Zentralrechner Datenfluss 07.04.2011 Workshop Vertrieb Os Christian Groen 4

überschießende Laktationsleistung Laktationskurve Jungkühe Laktationskurve Jungkühe dafür berechnete Referenzkurve dafür berechnete Referenzkurve verzögerte Einsatzleistung Persistenzverlust nach Rationswechsel 2. Laktation ab 3. Laktation 1. Laktation Beachte 5 MHz-Linearschallkopf 80%iger Alkohol - Beachte Referenzkurve gilt für pluripare Kühe - optimale Kondition von trockenstehenden Kühen RFD 19 bis 27 mm BCS 3,0 bis 3,5 - optimale Kondition der hochtragenden Färsen RFD 15 bis 20 mm BCS 2,5 bis 3,0 - von hochtragenden Färsen über den BCS schwer zu schätzen, deshalb Kontrolle der Schätzung über stichprobenartige Messung der Rückenfettdicke 5

Rückenfettdicke Bestand 2 Rückenfettdicke Färsen Bestand 2 mittelgradig überkonditioniert Referenzbereich Mittelwertslinie Rückenfettdicke Färsen Bestand 4 extrem überkonditioniert Ziel des einheitlichen Diagnoseschlüssels - Erfassung der Erkrankungshäufigkeiten der Abgangshäufigkeiten der Abgangsursachen - Auswertung der Häufigkeiten nach vorgegebenen Kriterien nach auswählbaren Kriterien - und Vergleich mit festgelegten Grenzwerten / Zielwerten - betriebswirtschaftliche Bewertung von Erkrankungen/Abgängen Remontierungsrate Lebenseffektivität - betriebswirtschaftliche Bewertung von Prophylaxemaßnahmen Ketose Stoffwechselerkrankungen und Lahmheiten Lahmheit Differenz zu nicht erkrankten Kühen Portionsaufwand Milchmenge kg -1139 + 345-1301 - 283 ZTZ Tage - 31 + 21 + 24 + 11-0,5 + 0,4 + 0,8-0,2 Labmagenverlagerung Gebärparese Abgangsrate % + 26 + 11 + 33 + 2 Entgangene Produktion Kuh Euro 466 117 622 110 Herde Euro 10 718 5 967 16 172 16 390 Datenbasis: 430 Kühe ab der zweiten Laktation, 10 300 kg Milch/305 Tage 6

Mastitis sstörungen und Mastitis Differenz zu nicht erkrankten Kühen Portionsaufwand Milchmenge kg - 763-81 + 731-1084 ZTZ Tage + 43 + 26 + 88 + 25-0,6 + 0,3 + 0,4 + 0,7 Ovarialzyste Endometritis Nachgeburtsverhalt. Abgangsrate % Entgangene Produktion Kuh Euro 337 82 72 386 Herde Euro 19 546 14 022 2 448 95 728 Zusammenarbeit zum Nutzen des Bestandes - die Herdendaten stehen allen Beteiligten zur Verfügung - Herdenmanager - Fütterungsberater - Tierarzt - die Auswertung erfolgt auf Basis des spezifischen Fachwissens Datenbasis: 430 Kühe ab der zweiten Laktation, 10 300 kg Milch/305 Tage Dritte Ebene der (7) e / Labordiagnostik Tierarzt nach Bedarf, einmal im Jahr Prophylaktisches Grundlage: Probanden: Stichprobengröße: Stichprobentest zufällige Auswahl von klinisch gesunden Kühen mit strenger Zuordnung zur Laktationswoche (-8 bis 3; -3 bis 0; 0 bis 1; 3 bis 5; 15 bis 18 W.p.p. 10 (8 bis 12) Tiere pro Gruppe Es gibt kein Rind/Lebewesen, dass nur = 100% gesund oder nur = 100% krank ist. Tod 100% krank 0% 0 % gesund 100 % Fitness Stoffwechselkreislauf X Wie weit ist ein Stoffwechselsystem vom Optimum ausgelenkt? 7

Es gibt kein Rind/Lebewesen, dass nur = 100% gesund oder nur = 100% krank ist. Tod 100% krank 0% 0 % gesund 100 % Fitness Stoffwechselkreislauf X Ein den Bestand betreuender Tierarzt / Tierarztpraxis ist verantwortlich für (1) die veterinärmedizinische Einzeltierbehandlung (kurative Tätigkeit mit den Elementen Diagnostik und Therapie) (2) die veterinärmedizinische Bestandsbetreuung (Prophylaxe) Die zwei Bausteine der veterinärmedizinischen Bestandsbetreuung (1) Bestandsdiagnostik (2) Bestandsprophylaxe Wie weit ist ein Stoffwechselsystem vom Optimum ausgelenkt? Landwirtschaftsbetrieb Landwirtschaftsbetrieb Rinderhaltung Landwirt Landwirt Herdenmanager Tierarzt Fütterungsberater Tierarzt Ein den Bestand betreuender Tierarzt / Tierarztpraxis ist verantwortlich für (1) die veterinärmedizinische Einzeltierbehandlung (kurative Tätigkeit mit den Elementen Diagnostik und Therapie) (2) die veterinärmedizinische Bestandsbetreuung (Prophylaxe) Herzlichen Dank für die gute Zusammenarbeit an den Tiergesundheitsdienst bei der Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt Frau Böttcher Frau Dr. Koch Harmonie zwischen Mensch und Tier. Frau Dr. Pfeifer Frau Dr. Linder Herrn Dr. Taffe Die ersten Stunden im Leben eines Mutterkuhkalbes. 8