DIE GEBURT EINES NEUEN WELTBILDES

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Inhaltsverzeichnis Voraussetzungen für den Einsatz des Unterrichtsfilms... 4 Begleittext zur DVD... 5 Aufgaben... 9 Lösungen... 10

Voraussetzungen für den Einsatz des Unterrichtsfilms Folgende Inhalte werden im Lehrfilm Die Geburt eines neuen Weltbildes 100 Jahre Einsteins Relativitätstheorie angesprochen und sollten vor dem Vorführen des Filmes bekannt sein: 1. Aus der klassischen Mechanik: (a) Das newtonsche Gravitationsgesetz (b) Der Begriff des klassischen Gravitationsfeldes (c) Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit, Weg und Zeit (d) Relativität von Ruhe und Bewegung (e) Relativität des Geschwindigkeitsbegriffs und des Wertes der Geschwindigkeit 2. Aus der Optik: (a) Licht besteht aus Photonen 3. Aus der Geometrie: (a) Der Begriff der Krümmung von Flächen im Raum - 4 -

Begleittext zur DVD Hier werden einige Begriffe, die auf der DVD Die Geburt eines neuen Weltbildes 100 Jahre Einsteins Relativitätstheorie verwendet werden, kurz erläutert. Relativität des Geschwindigkeitsbegriffs Fachdidaktische Untersuchungen zeigen, dass SchülerInnen große Schwierigkeiten mit der Relativität des Geschwindigkeitsbegriffs von Körpern haben. SchülerInnen beziehen Geschwindigkeiten, ohne es zu erkennen, meist auf ein als bevorzugt betrachtetes Bezugssystem, welches oft die Erdoberfläche ist. Es fällt SchülerInnen sehr schwer zu erkennen, dass die Begriffe Ruhe und Bewegung sowie der Wert der Geschwindigkeit eines Körpers ohne Angabe eines Bezugssystems sinnlos sind. Die Absolutheit der Lichtgeschwindigkeit Haben SchülerInnen die Relativität des Geschwindigkeitsbegriffs von Körpern verstanden, zeigt sich, dass sie die Absolutheit der Lichtgeschwindigkeit bereitwillig akzeptieren. Das kommt möglicherweise daher, dass dieser Geschwindigkeitsbegriff ihrem ursprünglichen Geschwindigkeitsbegriff für Körper nahekommt. Die Zeitdilatation Der zeitliche Abstand zweier Ereignisse hängt nicht nur von den Ereignissen, sondern von den BeobachterInnen ab. Zwei Ereignisse sollen für Beobachterin A an derselben Stelle stattfinden. Beobachterin B bewegt sich mit konstanter Geschwindigkeit bezüglich Beobachterin A. Die Zeitspanne, die Beobachterin B zwischen den beiden Ereignissen misst, ist länger als die Zeitspanne, die Beobachterin A zwischen den Ereignissen misst. Der Effekt ist in alltäglichen Situationen so gering, dass wir ihn nicht merken. Eine Uhr, die A mit sich führt, geht von B aus gesehen langsamer. Eine Uhr, die B mit sich führt, geht von A aus gesehen langsamer. Von B aus gesehen altert A langsamer, von A aus gesehen altert B langsamer. Es gibt keinen objektiven Standpunkt, von dem aus man sagen könnte, wer absolut gesehen schneller oder langsamer altert. Der Effekt der Zeitdilatation ist vollkommen symmetrisch. Der im Film gezeigte Effekt, dass die Atomuhr im Flugzeug objektiv gesehen jünger geblieben ist als die auf dem Boden verbliebene Uhr, kommt durch das Umkehren des Flugzeuges zustande. Es handelt sich dabei um eine Variante des Zwillingsparadoxons. - 5 -

Das Zwillingsparadoxon Ein Zwillingspaar wird unmittelbar nach der Geburt getrennt. Zwilling A beleibt auf der Erde. Zwilling B wird in einem Raumschiff mit nahezu Lichtgeschwindigkeit ins All geschossen. Nach einer gewissen Zeit kehrt das Raumschiff um und kommt zur Erde zurück. War die Geschwindigkeit des Raumschiffs hoch genug, ist bei der Rückkehr Zwilling A ein Erwachsener und Zwilling B ein Kind. Zwilling A ist objektiv mehr gealtert als Zwilling B. Für Zwilling A ist zwischen Abflug und Rückkehr des Raumschiffs objektiv mehr Zeit vergangen als für Zwilling B. Diese Asymmetrie, die der Symmetrie der Zeitdilatation scheinbar widerspricht, entsteht durch das Umkehren von Zwilling B. Zwilling B kehrt um, Zwilling A nicht. Zwilling B ruht immer in einem Inertialsystem (Die Erde wird hier in guter Näherung als Inertialsystem betrachtet.), Zwilling B nicht. Beim Wegflug von der Erde ist die Situation symmetrisch. Zwischen Abflug und Umkehr altert von der Erde aus gesehen Zwilling B langsamer als Zwilling A. Von der Erde aus gesehen vergeht die Zeit auf dem Raumschiff langsamer als auf der Erde. Ebenso altert vom Raumschiff aus gesehen Zwilling A langsamer als Zwilling B. Vom Raumschiff aus gesehen vergeht die Zeit auf der Erde langsamer als auf dem Raumschiff. Für den Rückflug gilt dasselbe. Die Asymmetrie entsteht beim Umkehren. Während des Umkehrens ändert sich für Zwilling B der Gleichzeitigkeitsbegriff, für Zwilling A nicht. Daher vergeht von der Erde aus gesehen während eines abrupten Umkehrmanövers auf dem Raumschiff kaum Zeit. Von der Erde aus gesehen altert Zwilling B während des Umkehrens kaum. Vom Raumschiff aus gesehen vergeht während des Umkehrmanövers auf der Erde viel Zeit. Vom Raumschiff aus gesehen altert Zwilling A während des Umkehrens viel. Die Längenkontraktion Die Länge eines Gegenstandes hängt nicht nur vom Gegenstand, sondern von den BeobachterInnen ab. Ein Gegenstand ruht für Beobachterin A. Beobachterin B bewegt sich mit konstanter Geschwindigkeit bezüglich Beobachterin A. Die Länge, die Beobachterin B für den Gegenstand in Bewegungsrichtung misst, ist kürzer als die Länge, die Beobachterin A dafür misst. Normal zur Bewegungsrichtung gibt es einen derartigen Effekt nicht. Der Effekt ist in alltäglichen Situationen so gering, dass wir ihn nicht merken. Ein Maßstab, den A mit sich führt und der in Bewegungsrichtung weist, ist von B aus gesehen kürzer. Ein Maßstab, den B mit sich führt und der in Bewegungsrichtung weist, ist von A aus gesehen kürzer. Von B aus gesehen ist A in Bewegungsrichtung gestaucht. Von A aus gesehen ist B in Bewegungsrichtung gestaucht. Es gibt keinen objektiven Standpunkt, von dem aus man sagen könnte, wer absolut gesehen gestaucht ist oder nicht. Der Effekt der Längenkontraktion ist vollkommen symmetrisch. - 6 -

Das Vergehen der Zeit im Gravitationsfeld Nach der allgemeinen Relativitätstheorie vergeht die Zeit umso langsamer, je tiefer man sich in einem Gravitationspotenzial befindet. Der Effekt ist in alltäglichen Situationen so gering, dass wir ihn nicht merken. Mit Präzisionsmessungen kann der Effekt allerdings nachgewiesen werden. Auch hier gibt es eine Art Zwillingsparadoxon. Ein Zwillingspaar wird sehr tief in einem Gravitationspotenzial geboren und unmittelbar nach der Geburt getrennt. Zwilling A bleibt an seinem Ort. Zwilling B wird an einen sehr viel höher gelegenen Ort gehoben und damit auf ein sehr viel höheres Gravitationspotenzial gebracht. Dort verbringt Zwilling B eine gewisse Zeitspanne. Anschließend wird er wieder zu Zwilling A gebracht. War die Zeitspanne lang genug und der Unterschied er Gravitationspotenziale groß genug, ist bei der Zusammenkunft Zwilling A ein Kind und Zwilling B ein Erwachsener. Zwischen Trennung und Zusammenkunft ist für Zwilling A weniger Zeit vergangen als für Zwilling B. Eine Uhr, die Zwilling A auf seiner niedrigeren Position bei sich hat, geht von B von seiner höheren Position aus gesehen langsamer. Von B aus gesehen vergeht die Zeit bei A langsamer. Von B aus gesehen lebt A im Zeitlupentempo. Eine Uhr, die Zwilling B auf seiner höheren Position bei sich hat, geht von A von seiner niedrigeren Position aus gesehen schneller. Von A aus gesehen vergeht die Zeit bei B schneller. Von A aus gesehen lebt B im Zeitraffertempo. Das Vergehen der Zeit in einem kreisenden Satelliten Satelliten bewegen sich auf großer Höhe schnell um die Erde. Aufgrund ihrer schnellen Bewegung vergeht die Zeit für sie langsamer als für eine Beobachterin, die auf der Erde ruht (siehe Das Zwillingsparadoxon ). Andererseits vergeht die Zeit für sie schneller als für die Beobachterin auf der Erde, weil sich der Satellit auf einem höheren Gravitationspotenzial befindet (siehe Das Vergehen der Zeit im Gravitationsfeld ). Welcher Effekt überwiegt, hängt von der Flughöhe des Satelliten ab. In einer Höhe von ca. 9950 km halten sich beide Effekte die Waage. Für einen Satelliten, der auf dieser Höhe kreist, vergeht die Zeit ebenso schnell wie für die Beobachterin auf der Erde. Auf der ISS, die in einer Höhe von ca. 400 km um die Erde kreist, überwiegt der Geschwindigkeits-Effekt. Auf der ISS vergeht die Zeit langsamer als für die Beobachterin auf der Erde. Die Satelliten des GPS kreisen auf einer Höhe von ca. 20.000 km, geostationäre Satelliten auf einer Höhe von ca. 35.800 km. Für Satelliten des GPS und geostationäre Satelliten überwiegt der gravitative Effekt. Für sie vergeht die Zeit schneller als für die Beobachterin auf der Erde. - 7 -

Das Global Positioning System (GPS) Das GPS ist ein System, das es ermöglicht, die Position eines Ortes auf der Erde mit einer Genauigkeit von weniger als einem Meter zu bestimmen. Für den Betrieb des GPS müssen sowohl die spezielle als auch die allgemeine Relativitätstheorie berücksichtigt werden, um die Genauigkeit des Systems zu erhöhen. Das GPS besteht aus 24 Satelliten, die in einer Höhe von ca. 20.000 km um die Erde kreisen. Von jedem Punkt der Erde aus befinden sich immer mindestens vier der Satelliten über dem Horizont. Die Satelliten sind mit Atomuhren ausgerüstet, die synchronisiert sind. Die Satelliten senden ständig Signale aus, mit denen der Ort und die Zeit der Aussendung übertragen werden. Empfängt man an einem Punkt auf der Erde die Signale von vier Satelliten, kann man damit die Position dieses Punktes ermitteln. Die Positionsbestimmung beruht im Prinzip auf der Messung der Zeit, die die Signale vom Satelliten bis zum Empfänger auf der Erde brauchen. Da die Zeit auf dem Satelliten und der Erde unterschiedlich schnell vergeht (siehe Das Vergehen der Zeit in einem kreisenden Satelliten ), muss dieser Effekt in den Berechnungen berücksichtigt werden, um die Genauigkeit des Systems zu erhöhen. Schwarze Löcher Schwarze Löcher sind das Endstadium massereicher Sterne. Hat ein Stern seinen Brennstoff aufgebraucht, bricht die Kernfusion in seinem Inneren ab. Der Druck im Inneren sinkt, sodass der Stern durch die Gravitation kollabiert. Hatte der Stern genügend Masse, bleibt schlussendlich ein Objekt übrig, das so massereich und dicht ist, dass die Gravitation in seiner Umgebung so stark ist, dass aus ihr nicht mehr, auch nicht Licht, entkommen kann. Da aus diesem Objekt kein Licht entkommt, ist es schwarz. Daher nennt man es schwarzes Loch. Die Raumkrümmung durch Masse Nach der allgemeinen Relativitätstheorie krümmt Masse den Raum. Der Effekt ist so klein, dass er erst bei massereichen Himmelskörpern messbar wird. So ist die Periheldrehung des Merkur durch die Raumkrümmung, die durch die Sonne verursacht wird, erklärbar. Ausdehnung des Raumes Die Galaxien fliegen nicht im Raum auseinander, sondern der Raum, insbesondere der zwischen den Galaxien, wird mehr. Es kommt zusätzlicher Raum hinzu. Dadurch wandern die Galaxien auseinander. In ihren lokalen Bezugssystemen ruhen die Galaxien. Daher ist es kein Widerspruch zur Relativitätstheorie, dass sich weit entfernte Galaxien von uns mit Überlichtgeschwindigkeit wegbewegen, weil es sich nicht um eine Bewegung im Raum handelt, sondern um ein Auseinanderrücken durch die Zunahme von Raum. - 8 -

Aufgaben 1. Wie unterscheidet sich die Geschwindigkeit des Lichts von der Geschwindigkeit von Gegenständen? 2. Wie kann man mit Hilfe des Lichts den Abstand des Mondes von der Erde messen? 3. Erkläre an einem Beispiel. wie man mit Hilfe der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit erklären kann, dass die Zeit für verschiedene BeobachterInnen unterschiedlich schnell vergeht. 4. Was ist eine Atomuhr? 5. Nenne einen Versuch, mit dem das individuelle Vergehen der Zeit nachgewiesen wurde. 6. Warum merken wir im Alltag nichts vom individuellen Vergehen der Zeit? 7. Welche Aussage macht die spezielle Relativitätstheorie über die Abmessungen bewegter Gegenstände? 8. Wie wird die Gravitation durch die allgemeine Relativitätstheorie beschrieben? 9. Wie wirken Himmelskörper auf die Raumstruktur? 10. Wie beeinflussen Himmelskörper den Verlauf der Zeit. 11. Nenne eine Anwendung, bei der berücksichtigt werden muss, dass die Zeit auf der Erdoberfläche langsamer vergeht als auf der Höhe von Satellitenbahnen. 12. Nenne eine Messung, mit der die Raumkrümmung nachgewiesen wurde. 13. Erkläre, was ein schwarzes Loch ist. 14. Beschreibe, wie ein schwarzes Loch entsteht. 15. Wodurch wurde die Theorie des Urknalls untermauert? - 9 -

Lösungen 1. Messen zwei BeobachterInnen die Geschwindigkeit von Gegenständen, können die Messergebnisse unterschiedlich sein. Die Geschwindigkeit des Lichts ist für alle BeobachterInnen dieselbe. 2. Man schickt einen Lichtstrahl von der Erde zum Mond. Dieser Lichtstrahl wird vom Mond reflektiert und auf der Erde wieder eingefangen. Die Zeit, die der Lichtstrahl braucht, um die Strecke Erde Mond Erde zurückzulegen, wird gemessen. Aus der Kenntnis der Lichtgeschwindigkeit lässt sich daraus der Abstand Erde Mond berechnen. 3. Ein Lichtstrahl braucht von der Erde aus gesehen für die Strecke Erde Mond 1,3 Sekunden. Von einem Raumschiff aus gesehen, das an der Erde vorbeifliegt, legt das Licht einen längeren Weg zurück als von der Erde aus gesehen. Da die Lichtgeschwindigkeit vom Raumschiff aus gesehen dieselbe ist wie von der Erde aus gesehen, braucht der Lichtstrahl vom Raumschiff aus gesehen für die Strecke Erde Mond mehr als 1,3 Sekunden. Vom Abschuss des Lichtstrahls von der Erde bis zur Ankunft des Lichtstrahls auf dem Mond vergehen also von der Erde aus gesehen 1,3 Sekunden und vom Raumschiff aus gesehen mehr als 1,3 Sekunden. 4. Eine Atomuhr ist eine sehr genaue Uhr, mir der man kleinste Zeitunterschiede messen kann. 5. Eine Atomuhr wurde in einem Flugzeug mitgenommen. Eine zweite Atomuhr blieb auf dem Boden stehen. Nach der Landung wurde festgestellt, dass für beide Uhren unterschiedlich viel Zeit vergangen ist. 6. Die Geschwindigkeiten, mit denen wir es im Alltag zu tun haben, sind winzig im Vergleich zur Lichtgeschwindigkeit. Darum merken wir nicht, dass die Zeit individuell vergeht. Der Effekt ist zu klein. 7. Von ruhenden BeobachterInnen aus gesehen verkürzen sich bewegte Gegenstände in Bewegungsrichtung. 8. Die Gravitation wird durch die Raumkrümmung beschrieben. - 10 -

9. Himmelskörper krümmen den Raum. 10. Je tiefer man sich im Gravitationsfeld eines Himmelskörpers befindet, desto langsamer vergeht die Zeit. 11. Beim GPS muss man bei der berücksichtigen, dass die Zeit auf der Erdoberfläche langsamer vergeht als auf der Höhe von Satellitenbahnen. 12. Man konnte während einer Sonnenfinsternis messen, dass sich die Positionen der Sterne, die am Rand der verfinsterten Sonnenscheibe zu sehen waren, scheinbar verschoben haben. Dies kam dadurch zustande, dass das Licht dieser Sterne durch die Sonne abgelenkt wurde. Das war ein Nachweis für die Raumkrümmung. 13. Ein schwarzes Loch ist ein Himmelskörper, dessen Anziehungskraft so stark ist, dass kein Licht von ihm entkommen kann. Dadurch ist der Himmelskörper schwarz. 14. Wenn ein (genügend massiver) Stern seinen Brennstoff aufgebraucht hat, stürzt er in sich zusammen. Dabei wirft er seine äußere Hülle ab und die Masse des immer dichter werdenden Kerns krümmt die Raumzeit so stark, dass er sich von der Umgebung abkapselt. Damit entsteht ein schwarzes Loch. 15. Man hat beobachtet, dass sich das Weltall ausdehnt. Wenn sich alle Galaxien mit der Zeit voneinander entfernen, müssen sie früher näher beieinander gewesen sein. Geht man in der Zeit genügend weit zurück, befanden sie sich alle an einem Punkt. - 11 -

Medieninhaber und Herausgeber: BUNDESMINISTERIUM FÜR BILDUNG UND FRAUEN Medienservice 1014 Wien, Minoritenplatz 5 Tel.: +43 1 53 120-4829, FAX +43 1 53 120-4848 E-Mail: medienservice@bmbf.gv.at Ausgearbeitet von: Gerald Kargl In Zusammenarbeit mit: Universität Wien Bibliotheks- und Archivwesen Arbeitsgruppe audiovisuelle Medien im Unterricht: 1010 Wien, Universitätsring 1 Tel: +43 1 4277-15116 E-Mail: ag_av-medien.ub@univie.ac.at Download unter: http://www.bmbf.gv.at/schulen/service/mes/specials.html Bestellungen: AMEDIA Servicebüro 1140 Wien, Sturzgasse 1a Tel.: +43 1 982 13 22, Fax +43 1 982 13 22-311 E-Mail: office@amedia.co.at Verlags- und Herstellungsort: Wien